Ralf Rothmann Im Frühling sterben

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Inhaltsangabe zu „Im Frühling sterben“ von Ralf Rothmann

Im Frühling sterben ist die Geschichte von Walter Urban und Friedrich "Fiete" Caroli, zwei siebzehnjährigen Melkern aus Norddeutschland, die im Februar 1945 zwangsrekrutiert werden. Während man den einen als Fahrer in der Versorgungseinheit der Waffen-SS einsetzt, muss der andere, Fiete, an die Front. Er desertiert, wird gefasst und zum Tod verurteilt, und Walter, dessen zynischer Vorgesetzter nicht mit sich reden lässt, steht plötzlich mit dem Karabiner im Anschlag vor seinem besten Freund ... In intensiven Bildern erzählt Ralf Rothmann vom letzten Kriegsfrühjahr und den ersten Wochen eines Friedens, in dem einer wie Walter nie mehr heimisch wird.

Im Frühling sterben

— Saralonde

Großartig gelesen, sehr gut geschrieben, aber für mich zeitweise schwer auszuhalten.

— claudiaausgrone

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  • Tief berührender Antikriegsroman

    Im Frühling sterben

    Devona

    30. March 2017 um 18:45

    Nach längerer Hörbuchabstinenz habe ich in letzter Zeit ein paar sehr empfehlenswerten Hörbüchern gelauscht und mit Beginn des Frühjahrs und diverser outdoor-Aktivitäten wird der Hörphase sicher ein intensives Zwischenhoch beschert. Soeben beendet habe ich „Im Frühling sterben“ von Ralf Rothmann, welches von Thomas Sarbacher mit ruhiger Stimme und leiser Betonung an den richtigen Stellen exzellent in „Hör-Szene“ gesetzt wird. Besonders eindringlich wirkt das Ganze, wenn man es – so wie ich- ohne Unterbrechung hört. Die eigentliche Geschichte um Fiete und Walter ist eingebettet in eine kleine Rahmenhandlung, in der Walthers Sohn als längst Erwachsener in zeitlich geraffter Form den Lebensweg seines Vaters nach dem Krieg beschreibt. Er skizziert einen fleißigen, stets schwer arbeitenden und für die Familie sorgenden, aber nie glücklich wirkenden und in sich gekehrten Mann, dessen letzte Gedanken auf dem Totenbett sich wieder zu den letzten Kriegstagen flüchten, zu den Geschehnissen, die ihn gezeichnet und ein ganzes Leben lang verfolgt haben. Diese Geschehnisse erzählt der Hauptteil des Buches, es sind nicht einmal mehr Monate, sondern nur noch Wochen bis zum Ende des Krieges, als Walter und Fiete, beide als 17-jährige Melker-Lehrlinge auf einem Bauernhof tätig, zwangsrekrutiert werden. Als letztes Aufgebot des Führers werden sie in SS-Uniformen gepresst. Nach der lächerlichen und um Wochen verkürzten „Grundausbildung“ werden Walter und Fiete zunächst getrennt. Ihr oberstes Ziel ist es, diesen Krieg, diese letzten Wochen zu überleben, um zu ihren Mädchen zurück zu kehren, ihren Berufsabschluss zu machen und weiter als Melker tätig zu sein. Walter gibt sich keinerlei Illusionen hin, er weiß, dass es den sicheren Tod bedeuten würde, zu desertieren. Er beteiligt sich nicht an sinnlosen Tötungsaktionen der SS an Zivilisten, er versucht, die völlig entmenschten Täter zu überzeugen, diese Zivilisten -ungarische Bauern- am Leben zu lassen, da sie unschuldig sind – geht aber nicht soweit, sein eigenes Leben zu riskieren, um das Morden zu verhindern. Er will überleben, er versucht, kein Täter zu sein. Viele geschickt eingeflochtene Handlungs-Details über SS-Gräuel und die darauf folgende Kompensation der Täter in Form von Alkohol-Orgien mit Prostituierten bis hin zur Besinnungslosigkeit zeichnen ein deutliches Bild des Zustandes der Einsatztruppen der SS. Im Prinzip ist jedem klar, dass dieser Krieg verloren ist. Fiete desertiert, er will mit diesem sinnlosen Krieg nichts zu schaffen haben. Er wird geschnappt, zum Tode verurteilt und soll -nicht nur tödliche Bestrafung für den Geflüchteten, sondern auch grausamer Psychoterror für alle anderen Beteiligten- von seinen eigenen Stubenkameraden am nächsten Morgen erschossen werden. Weigern sich diese, werden sie ebenfalls erschossen. Am Abend vor der Exekution kehrt Walter von einem Kurzurlaub zurück, bei dem er Nahe der Frontlinie nach dem Grab seines gefallenen Vaters gesucht hatte -er gehört zu den Stubenkameraden von Fiete und somit zum Exekutionskommando. Stil und Sprache von Ralf Rothmann sind tief berührend – einfühlsam und poetisch, dennoch auch  nüchtern und nichts beschönigend vergegenwärtigt er dem Leser die absolute, abgründige Sinnlosigkeit des Krieges, im Allgemeinen und im Besonderen und die menschlichen und moralischen Verbrechen, mit denen einer jungen, fast noch kindlichen Generation in diesen letzten Kriegstagen ihre Zukunft genommen und die Seele für den Rest ihres Lebens zerstört wurde. Die Szene, in der Walter bei seinem Vorgesetzen völlig verzweifelt um das Lebens seines Freundes bettelt und das letzte Gespräch sowie der Abschied der beiden Freunde im Rübenkeller des Bauernhofes, wo man Fiete inhaftiert hat, gehören in ihrer sprachlichen Brillanz zum Besten, was ich an Antikriegsliteratur gelesen habe und muss den Vergleich mit „Im Westen nichts Neues“ von Remarque nicht fürchten. Dem Leser geht es ganz tief unter die Haut. Die kurze Beschreibung der Rückkehr Walters raubt dem Leser die leise Hoffnung, dass wenigstens ihm ein friedliches Leben nach dem Krieg vergönnt ist. Äußerlich im Frieden angekommen, zurück bei der Liebsten, ist Walter nach diesen wenigen Wochen im Frühjahr 1945 ein völlig anderer Mensch, entwurzelt im Umfeld, abgeschnitten von sich selbst. Die schnell und pragmatisch geschlossene Ehe wird sich ebenso schnell in Wortlosigkeit verlieren, da Walter Zeit seines Lebens nur noch hilflos den letzten, leisen und tief in seinem Inneren laut dröhnenden Worten Fietes  lauschen kann: „Aber ich habe es wenigstens versucht!“ Fazit: Absolut empfehlenswerte, tief unter die Haut gehende Schilderung der letzten Kriegstage und der damit einhergehenden Zerstörung einer jungen Generation, große Teile derer nirgendwo im Leben mehr seelisch Fuß fassen konnten. www.buchimpressionen.de  

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  • Im Frühling sterben

    Im Frühling sterben

    Saralonde

    31. October 2015 um 15:13

    Sprecher: Thomas Sarbacher Dauer: 6 h 16 min Anfang 1945 ist Deutschlands Niederlage im 2. Weltkrieg absehbar, doch die beiden erst 17-jährigen Melker Walter und Fiete werden für die Waffen-SS zwangsrekrutiert. Walter hat das Glück, einen Führerschein zu haben, und wird daher als Fahrer eingesetzt, Fiete hingegen wird zur Front geschickt. Einmal verletzt davongekommen, ist es für ihn undenkbar, kurz vor Kriegsende noch einmal zur Front zurückkehren zu müssen. Es kommt, wie es kommen muss, Fiete desertiert, wird gefasst und Walter soll zum Erschießungskommando gehören, das seinen Freund hinrichten muss. Es wird ihn für immer prägen. Ralf Rothmanns Roman über die Grausamkeit des Krieges befasst sich mit einer besonders perfiden Praxis des deutschen Militärs gegen Ende des zweiten Weltkrieges, und zwar der “Verheizung” der eigenen Jugend für das sinnlose Ankämpfen gegen den sicheren Untergang. Eine Praxis, die – wie ich finde – ganz besonders schwer zu ertragen ist. Ich erinnere mich daran, wie ich das erste Mal den Film “Die Brücke” von Bernhard Wicki gesehen habe, der diese unsägliche Grausamkeit besonders eindringlich darstellt. Dieser Aspekt ist natürlich nicht der einzige, der schwer zu ertragen ist an dem Buch, die Entsetzlichkeiten des Kampfs, Grausamkeiten gegen die Zivilbevölkerung, die Tatsache, dass die Kameraden ihren eigenen Freund erschießen müssen, das alles macht den Roman zu einer schwer zu schluckenden Lektüre. Die man jedoch gelesen haben sollte, genauso wie man den noch unerträglicheren Roman “Im Westen nichts Neues” von Erich Maria Remarque gelesen haben sollte, nicht nur, um das Bewusstsein für die Unerbittlichkeit des Krieges zu stärken und dazu beizutragen, weitere Kriege unbedingt zu verhindern, sondern auch, um die vom Krieg traumatisierten und unter den Spätfolgen leidenden Generationen besser zu verstehen. Schließlich führt uns Rothmann auch vor Augen, dass Mitglieder der Waffen-SS keineswegs automatisch Unmenschen waren, oft ließ man ihnen keine Wahl. Rothmann wählt dabei eine schnörkellose, gut lesbare Sprache, der man sich nicht entziehen kann. Umschlossen wird das Buch von einer Rahmenhandlung, Walter ist inzwischen alt und todkrank, hat jedoch sein ganzes Leben über die Vorfälle im Krieg geschwiegen, wie es so typisch ist für diese Generation. Erst durch alte Bilder erfährt sein Sohn von der Geschichte seines Vaters. Zum Hörbuch: Thomas Sarbacher liest angenehm, in einem für das Buch angemessenen Ton, solide Leistung.

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  • Mein Fazit: Ein starker Roman!

    Im Frühling sterben

    sandyseeber

    20. August 2015 um 22:37

    Der Melker Walter und sein bester Freund Fiete werden kurz vor Ende des Krieges eingezogen und nach einer kurzen Ausbildung Richtung Front nach Ungarn geschickt. Während Walter sich den Umständen so gut wie möglich anpasst, versucht Fiete der aufgezwungenen Pflicht zu entkommen. Am Ende hofft Walter, dass in seinem Karabiner, den nun er gezwungenermaßen auf den Freund richtet, nur eine Platzpatrone steckt. Ralf Rothmann zeichnet das Bild von zwei Siebzehnjährigen, die völlig unterschiedlich auf die aufgezwungene Pflicht reagierten und schließlich die Konsequenzen ihrer Handlungen und Entscheidungen tragen mussten. Dabei erwacht die Natur trotz dröhnenden Bombern und zerstörten Dörfern langsam in das neue Jahr, in den Frühling genauer gesagt. Die Leser begleiten Walter, dessen Gedanken nur in den wenigen Briefen an seine Schwester oder an Liesel zum Ausdruck kommen. Sie fühlen mit ihm, wenn es brenzlig wird und kämpfen gegen die Ohnmacht, wenn es keinen Ausweg gibt. Der Autor versteht es, den Konflikt seines Protagonisten zu übertragen auf die Leser, die sich unweigerlich konfrontiert sehen, mit einer Entscheidung, deren Tragweite sie nicht überblicken wollen, selbst dann nicht, wenn sie dazu in der Lage wären. Genau aus diesem Grund ist das 234 Seiten starke Buch Literatur für die Jugend - nicht weil es ein Antikriegsroman ist, sondern weil es den jugendlichen Leser dazu auffordert, sich der Konsequenzen seiner Entscheidungen bewusst zu werden.

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