Ralf Thiesen

 4,4 Sterne bei 9 Bewertungen
Autor*in von Die Toten von Königsberg, Krähen über Königsberg und weiteren Büchern.

Lebenslauf

Ralf Thiesen, Jahrgang 1964, lebt mit seiner Familie im Bergischen Land und arbeitet bei einem großen Standortdienstleister. Seit über dreißig Jahren gilt seine Leidenschaft der Geschichte des 20. Jahrhunderts, insbesondere der Weimarer Republik, und der Kriminalliteratur. Nach »Die Toten von Königsberg« und »Krähen über Königsberg« ist »Schatten über Königsberg« der dritte Band seiner historischen Krimireihe um den Kommissar Aaron Singer.

Quelle: Verlag / vlb

Neue Bücher

Cover des Buches Schatten über Königsberg (ISBN: 9783442497621)

Schatten über Königsberg

Erscheint am 20.05.2026 als Taschenbuch bei Goldmann.

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Neue Rezensionen zu Ralf Thiesen

Cover des Buches Die Toten von Königsberg (ISBN: 9783442492565)
walli007s avatar

Rezension zu "Die Toten von Königsberg" von Ralf Thiesen

walli007
Berliner Pflanze

Im Jahr 1924 geschieht im fernen Königsberg ein Mord an einem Firmenerben. Weil in der Nähe der Leiche hebräische Schriftzeichen gefunden werden, meint man, jemanden mit entsprechender Erfahrung zu benötigen. Kommissar Aaron Singer wird von Berlin, wo er das Glück hatte bei Ernst Gennats Mordkommission zu arbeiten, nach Königsberg beordert. Das kann eine Chance sein, es kann aber auch das Ende seiner Karriere bedeuten. In der Bank seines Vaters möchte Singer nicht arbeiten. In Königsberg hat er es erstmal nicht leicht. Die Kollegen denken, er sei ihnen vor die Nase gesetzt worden. Nur sein Kollege Heinrich Puschkat begegnet ihm einigermaßen unvoreingenommen.


In ihrem ersten gemeinsamen Fall ermitteln Singer und Puschkat in einem brisanten Fall. Der Tote war der Sohn des ersten Reeders vor Ort. Auf Edward Mayrhöfer ruhten alle Hoffnungen seines Vaters, er sollte der Nachfolger sein, der die Reeder gegen die Konkurrenz aus dem Kohlerevier Westdeutschlands zusammenhält. Und nun steht alles auf der Kippe. Besteht etwa die Möglichkeit, dass aus Reederkreisen jemand etwas gegen die erfolgreiche Durchführung dieses Vorhabens hatte? Da Singer selbst aus der gehobenen Gesellschaft stammt, ist er für diese Ermittlungen durchaus geeignet. Schnell ist klar, ein religiöses Motiv ist nicht erkennbar. 


Dieser spannende historische Kriminalroman beleuchtet die Lage in der Mitte der 1920er Jahre. Deutschland hat mit den Folgen des Krieges zu kämpfen. Gerade der Zustand der Wirtschaft ist immer noch schlecht. In Königsberg ist eine leichte Erholung eingetreten, diese ist nun durch die Konkurrenz der Stinnes AG gefährdet. Reicht das als Motiv für einen Mord. Als Leser darf man diese Erklärung durchaus als zu einfach empfinden. Doch die Ermittlungen gehen nicht so forsch voran. Schon beginnt Aaron Singer zu spüren, dass er wegen seiner Religion, die für ihn nicht lebensbestimmend, anders behandelt wird. Auch werden die Nachforschungen bereits zu dieser Zeit durch die Rechten gestört. Natürlich kann man sich durch diese Grundumstände an Gereon Rath erinnert fühlen, doch der Autor kann der Thematik noch weitere Facetten zuordnen, gerade auch durch das Setting in Königsberg, das damals schon vom Rest des Landes abgetrennt war. Die Situation war früh schon beklemmend, auch wenn die Menschen noch nicht glauben konnten, dass diese tatsächlich an die Macht kommen könnten. Auch wenn der Fall eine eher normale Auflösung erfährt, ist der Roman wegen seiner präzisen Schilderungen sehr empfehlenswert. 

Cover des Buches Krähen über Königsberg (ISBN: 9783442492572)
RenaMs avatar

Rezension zu "Krähen über Königsberg" von Ralf Thiesen

RenaM
Ralf Thiesen - Krähen über Königsberg

Wieder ein zweiter Band aus einer Reihe, deren ersten ich leider verpasst habe. Doch auch ohne den Inhalt der ersten Folge zu kennen, versteht man diesen neuen Krimi durchaus, der seine Spannung erst nach und nach entwickelt.

Die Handlung dieses in den zwanziger Jahres des zwanzigsten Jahrhunderts spielenden Krimis zusammenzufassen ist gar nicht so einfach. Denn die Story ist sehr wendungsreich, verlangt einiges an Geschichtskenntnissen und hat vor allem (zu) viele Handlungsorte und Figuren.

Das belastet gleich den Einstieg in den Roman, der frühere Ereignisse schildert und dort bereits etliche Figuren einführt, jeweils mit vollem Namen und zuerst nur wenig Hintergrund. Und es geht genauso weiter, in jeder Szene treten enorm viele Personen auf, von denen man stets den vollen Namen erfährt, die Beschreibung und zunächst aber nur wenig darüber, welche Rolle sie für den Roman, für die Handlung spielen. So stellt man sich bei jedem neuen Auftritt die Frage: Muss ich mir diese Figur merken oder taucht sie vielleicht nie wieder auf?

Dadurch ist man fast von der eigentlichen Handlung abgelenkt, in dem Versuch, den Überblick über dieses umfangreiche Figurentableau zu behalten. Zumal man nicht nur den beiden Hauptfiguren, dem aus Berlin stammenden Kommissar Aaron Singer und seinem in Königsberg heimischen Kollegen Heinrich Puschkat folgt, sondern viele Szenen viele Ereignisse aus der Sicht anderer Charaktere schildern. Kurzum, der Roman verlangt eine hohe Konzentration.

Wenn man aber durchhält, wird man mit einer vielschichtigen, komplexen und wirklich gut ausgearbeiteten Geschichte belohnt. Sie beginnt mit der Ermordung eines jungen Soldaten in einer Königsberger Kaserne. Es stellt sich heraus, dass er starb, weil aus der Kaserne ein größeres Kontingent Waffen und Munition gestohlen wurde. Die beiden Ermittler versuchen den Mord und den Diebstahl aufzuklären.

Singer erfährt von einem Berliner Kontakt, welche politischen Hintergründe dahinter liegen und welche diversen Geheimbünde hier ihre Pläne schmieden. Es geht um die Zukunft Ostpreußens, welches mal zu Polen, mal zu Russland, mal zu Deutschland gehörte und nun quasi völlig zerrissen ist. Was selbstverständlich für erheblichen Unmut unter der Bevölkerung sorgt, so dass man nun einen Putsch befürchtet.

Singer beginnt inkognito zu ermitteln, begleitet von seiner derzeitigen Freundin Ella, die seiner Tarnung dient. Er wird, da Jude, nicht immer überall mit offenen Armen und freundlich empfangen. Auch Kollege Puschkat ist nicht immer begeistert von Singers Arbeitsweise, die beiden könnten unterschiedlicher nicht sein.

Auch wenn es etwas dauert, so ist ab etwa der Hälfte die Spannung auf hohem Niveau, die Hauptfiguren sind plastisch dargestellt, so dass man sich gut in sie einfühlen kann und mit ihnen mitfiebert. Der Schreibstil ist gefällig, nichts lenkt von der Handlung ab, es gibt keine überflüssigen Nebenstränge, keine bremsenden, weil überflüssigen Szenen. Allerdings ist es hilfreich, sich ein wenig über die historischen und geografischen Zusammenhänge zu informieren, damit man auch wirklich allen Verwicklungen und Intrigen einigermaßen folgen kann. Dann macht der Roman wirklich Spaß und das Bedauern, den ersten Band verpasst zu haben, wächst noch mehr. Daher hoffe ich nun auf eine weitere Folge mit den beiden sympathischen, unverkrampften Kommissaren, zumal sowohl Region wie zeitlicher Zusammenhang schon ganz allein spannend sind.

Ralf Thiesen - Krähen über Königsberg
Goldmann, Dezember 2024
 Taschenbuch, 526 Seiten, 13,00 €

Cover des Buches Die Toten von Königsberg (ISBN: 9783442492565)
S

Rezension zu "Die Toten von Königsberg" von Ralf Thiesen

Simone_081
Babylon Berlin Teil 2

*3,5 Sterne

Ralf Thiesen ist mit seinem ersten Aaron Singer-Roman ein neuer Stern am Himmel der historischen Krimis. Außerordentlich gute Bewertungen konnte er bereits bei den bekannten Online-Shops und Bewertungsportalen absahnen.
Teilweise kann ich das große Lob nachvollziehen. Die Charaktere sind authentisch und gut gezeichnet, die Atmosphäre und der Schauplatz rund um Königsberg in den 1920ern sind wirklich gut getroffen und ebenfalls authentisch; als Leser hat man wirklich das Gefühl, dort zu sein und die Geschichte mitzuerleben.

Mein Problem war eher der Plot. Über große Teile hinweg geht es um geschäftliche Verwicklungen, Reedereien, um den Holzhandel und um Börsengeschäfte. Das interessiert mich einfach überhaupt nicht. Hätte ich das schon vorher gewusst, hätte ich das Buch gar nicht erst gekauft. Im Laufe der Handlung kommen dann noch andere Aspekte (und Charaktere) hinzu, die dem Plot eine andere Richtung geben, die mir mehr behagt hat. Allerdings wurde die Handlung ab auch ziemlich kompliziert und ein wenig überfrachtet. Anstatt sich auf ein Thema zu konzentrieren, werden auf einmal mehrere Fässer aufgemacht, es kommen unzählige (eher unbedeutende) Personen hinzu, die dann schnell wieder verschwinden. Dies zieht die Geschichte unnötig in die Länge und, wie gesagt, verkompliziert die Handlung immens.

Auffällig ist außerdem, dass die Charaktere ständig essen und/oder trinken. Man ist in Restaurants, Bars oder bei jemandem zum Essen eingeladen. Man merkt richtig, wie stolz der Autor auf seine gründlichen Recherchen ist, da bei jeder Mahlzeit ein typisches Königsberger Gericht oder Getränk vorgestellt wird.

Insgesamt ein wirklich viel versprechender Auftakt mit einigen Schwächen. Als Leser sollte man sich auch darüber im Klaren sein, dass die Geschichte doch ein wenig an die Volker Kutscher-Romane erinnert.

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