Ralph Dohrmann

 4.3 Sterne bei 11 Bewertungen

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Eine Art Paradies

Eine Art Paradies

 (6)
Erschienen am 22.09.2015
Kronhardt

Kronhardt

 (5)
Erschienen am 02.12.2013

Neue Rezensionen zu Ralph Dohrmann

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walli007s avatar

Rezension zu "Kronhardt" von Ralph Dohrmann

Bremer Jung
walli007vor einem Monat


Um den Tod seines Vaters hat es immer ein Rätsel gegeben. Doch der Unternehmersohn Willem Kronhardt hat die Erklärung, es habe sich um eine Embolie gehandelt akzeptiert. Was er allerdings nicht ohne Weiteres anerkennt, ist der Wunsch der Mutter ihn zum rechten Firmenerben zu formen. Willem zieht es nicht in die Kunststickerei in Bremen, die den zweiten Weltkrieg erstaunlich unbeschadet überstanden hat. Lieber freundet er sich mit Jungen aus dem einfachen Volk an oder verfolgt später reaktionäre Ideen. Zur großen Freude der Mutter bringt Willem schließlich doch eine Frau nach Hause, die Mutter und Stiefvater gefällt. Bald stellt sich heraus, dass Barbara ihren Kopf sehr wohl durchzusetzen weiß.


Auch wenn oberflächlich betrachtet, der Tod des Vaters in seinem erwachsenen Leben keine so große Rolle mehr spielt, haben sie Ereignisse Willem nie losgelassen. Der Gedanke, der schon damals aufkam, es könne sich um Mord gehandelt haben, ist während der ganzen Zeit in seinem Hinterkopf geblieben. Die Umtriebe der Mutter ekeln Willem manchmal an, dennoch kann er sich auch nicht völlig von seinem Elternhaus lösen. Einem Studium in Berlin zieht er die Naturwissenschaften vor. Tatsächlich kann er seinen Abschluss in Wirtschaft für eine Halbtagsstelle in der elterlichen Firma nutzen. Sein stiller Protest findet eher in der anderen Tageshälfte statt.


Ein beinahe lebensumspannender Roman, der die frühen Nachkriegsjahre aus Sicht des jungen Willem erzählt, die Zeit des Wirtschaftswunders, der 68er, des Terrorismus und später die ruhigeren Gefilde der mittleren Jahre. Irgendwie rebelliert Willem, aber nur ein bisschen. Die Bequemlichkeit, die sein Elternhaus bietet, mag er doch nicht missen. Und doch ist der Gedanke da, was wäre gewesen, wenn der Vater nicht gestorben wäre. Hätten sich die Eltern, die sich nicht besonders verstanden, getrennt? Wäre Willem beim Vater in der Schweiz geblieben? Gibt es doch etwas am frühen Versterben des Vaters, das Fragen aufwirft. 


Bei einem Roman von über 900 Seiten sind ein paar Längen oder ein paar Passagen, deren Sinn sich nicht so gut erschließt, fast nicht zu vermeiden. Und doch fesselt dieser Lebensroman oder Todesroman gerade, wenn es um den jungen Willem bis zum Beginn des Studiums geht und später wenn er doch noch den Versuch startet, näheres über seinen leiblichen Vater herauszufinden. Auch die Manipulationen durch die Mutter bewirken einen Widerwillen gegen ihre Persönlichkeit. Und so geht es bei der Lektüre manchmal ab mal auf, gewisse Längen wechseln sich mit spannenden Abschnitten ab, welche schließlich dazu führen, dass auch 920 Seiten keine Abschreckung darstellen und der Roman in relativ kurzer Zeit bewältigt ist.

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M

Rezension zu "Eine Art Paradies" von Ralph Dohrmann

Fast schmerzhaft präzise Beobachtung des „modernen“ Lebens
michael_lehmann-papevor 3 Jahren

Fast schmerzhaft präzise Beobachtung des „modernen“ Lebens

Vielleicht ist es ja gar nicht Walter von Quant, der ein wenig „ver-rückt“ sein könnte? Den die Nachbarn in der Laubenkolonie außerhalb der statt ganz offen als „Verrückten“ bezeichnen und den seine alten Freunde in der Stadt auch mit einem gewissen Misstrauen betrachten.

Klar, der Mann hat Trauer. Hat den Tod seiner Frau zu verwinden. Und das war nicht irgendein Tod, sondern eine Art von Tod, die einen Ehemann sehr wohl zerbrechen könnte.

Wenn er aber zu Anfang des Romans zum jährlichen Treffen mit den alten Freunden am Geburtstag seiner verstorbenen Frau in die große Stadt fährt und die Freunde, wie es sich in so vielen Kreisen so gehört, zum „feucht-fröhlichen“ ansetzen, wenn Walter den Ouzo fast hereingedrängt bekommt, wenn Gesichter speckig anfangen, zu glänzen, wenn die alltäglichen Heldentaten der Männer bei ihren Projekten lauten Raum einnehmen.

Vielleicht ist Walter da gar nicht der verdrehte Einsiedler, der unter seiner Pappel stundenlang sitzen kann, ohne etwas dringlich tun zu müssen? Vielleicht findet dieser Mann ja eher zu sich selbst, als das es all die Nachbarn, die lärmenden Grillpartys oder seine exaltierten Freunde vermögen?

In einer Welt, die Dohrmann ein ums andere Mal ernüchternd vor Augen führt. Aus den Augen eines mit sich beschäftigten Mannes, der sich erstaunt fragt, warum alle Welt den Kopf fast waagerecht gesenkt hält, um in kleine Bildschirme zu schauen und nicht mehr in die Welt oder zueinander.

Eine Welt, die alles auszupressen gedenkt (Fracking wird eine gewisse Rolle in diesem Roman spielen), die aber mit einem Leben neben den breiten Bahnen des Mainstream umgehend eigene Krisen bekommt. Wenn die eigene Tochter ihren Weg sucht. Wenn Walter zwei junge Leute kennenlernt, die anderes versuchen und einen anderen Plan haben und damit auch noch attraktiv andere interessieren könnten.

Das muss doch dann dieser Walter schuld sein. Du auch dieses Szene des immer enger werdenden Bedrängens des Mannes bis hin zum schlimmsten aller möglichen Vorwürfe an ihn, was den Tod seiner Frau angeht, ist glänzend erzählt, in beklemmende Worte und eine ebensolch beklemmende Situation gefasst.

Und doch scheint es hier und da, als wäre genau dieser Walter der einzig nicht verrückte (mit einigen in sich ruhenden Ausnahmen wie einem Tierarzt). Unter den Freunden, Fremden, im Blick auf den hysterisch wirkenden Pfarrer und die völlig desorientiert sich gebenden Nachbarn in der Kolonie.

„Nein. Ich will nicht hineingezogen werden in so eine Welt. Dein Busen interessiert mich nicht, sage ich….Deine Füße interessieren mich nicht und auch nicht die Füße anderer Frauen“.

Und doch, auch Walter ist nicht gefeit. Vor der kurzen Begegnung eines Augenblicks. Den seine Freunde nuten, wozu gibt es denn Wiedersehensanzeigen im Internet. Nur, dass man dann, auch als Freunde, damit leben können muss, was sich aus so was entwickeln kann.

Was im Übrigen auch durchaus sein Gutes haben könnte. Wenn man, wie Walter, den Dingen ihren Lauf gibt. Wenn man die Augen öffnet in und für die Welt und das nächstliegende, hilfreiche einfach bereit wäre, zu tun.

Dann kommt am Ende schon etwas bei heraus. Nach einem Doppelmord, einem neuen Weggefährten auf vier Pfoten und vielfachen Reibungen mit dem, was die Welt so als „normal“ versteht und in dem sie sich selbst für ungeheuer wichtig hält.

„Ich fühle mich niemals einsam. Aber viele Menschen können nicht einfach so dasitzen und nichts tun….Aber mit den Jahren habe ich gelernt, alleine zu sein. Einfach da zu sein“.

Ein sprachlich reduzierter, auf den Kern gebrachter, sehr genau den Alltag beobachtender und fassender Roman, der sich dennoch flüssig liest, der Aufgeregtheiten in seiner Hauptperson vermiedet und gerade dadurch die vielen Aufregungen der Welt sich an diesem Walter brechen lässt. Und Seite für Seite herausschält, dass Freiheit, Glück und Liebe nicht im digitalen Nirwana verloren gehen müssen. Auch wenn nicht jeder, wie Walter, mit der Axt nachher Handys spalten muss

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Mone80s avatar

Rezension zu "Eine Art Paradies" von Ralph Dohrmann

[Rezension] Eine Art Paradies
Mone80vor 3 Jahren

Inhalt:

Walter lebt nach dem Freitod seiner geliebten Frau sehr zurück gezogen am Ende einer Siedlung. Ohne Fernseher, Computer, Internet, Telefon oder Handy lebt er sein Leben. Am liebsten geht er spazieren oder sitzt unter einer alten Pappel. Den einzigen Kontakt zum Weltgeschehen hat er, wenn er zum Frisör geht.
Am Geburtstag seiner verstorbenen Frau trifft er sich mit Freunden aus der alten Zeit. Auf dem Weg dort hin trifft er auf eine Frau, die ihm praktisch vor die Füße fällt. Er hilft ihr auf, sie gehen ein Stück zusammen und verabschieden sich. Diese Frau geht Walter nicht mehr aus dem Kopf und so langsam verändert sich sein Leben, als er anfängt sie zu suchen.

Meine Meinung:

"Eine Art Paradies" von Ralph Dohrmann hat mich auf vieler Weise berührt und auch nachdenklich werden lassen. Walter, der durch den Verzicht von Handy, Computer und Dauerberieselung des TV-Gerätes oder Radio ein Leben führt, lässt einen ein wenig innehalten und seinen eigenen Gebrauch dieser Geräte überdenken. Aber dieses Buch zeigt auch, wie schnell man dieser Verführung erliegt. Denn auf der Suche nach dieser Frau krempelt Walter sein Leben um. Er verliert den Bezug zur Natur, die ihm bis jetzt immer gezeigt hat, welches Zeit es ist. Er verlernt, auf sie zu hören, bzw fällt es ihm immer schwerer.

Aber nicht nur die Entschleunigung des Alltags ist ein Thema in dem Buch. Es ist so viel mehr. Man bekommt einen Krimi geboten, Drogen sind ein Thema und auch Fracking findet seinen Platz in diesem Buch.
Das Verhältnis der Menschen untereinander, denn Walter stößt mit seiner Lebensart häufig auf Unverständnis, besonders bei seinen Nachbarn. Die ihn nicht verstehen können, ihn für sonderbar halten.

Es ist ein Buch, welches Ruhe braucht zum Lesen, welches man nicht in einem Rutsch, wie ich finde, durchlesen kann. Es steht so vieles zwischen den Zeilen. Die einzigen Probleme die ich hatte, waren die fehlenden Anführungszeichen, die einem die wörtliche Rede anzeigten. Zwar war mir von der Satzstellung und dem Gesagten klar, wer da spricht, allerdings entging es mir im ersten Moment, dass ein Dialog statt gefunden hat.

Fazit:

Ein Buch, welches mich nachdenklich gemacht hat und sein eigenes Verhalten reflektieren lässt. Bestimmt kein Buch für jeden, mir hat es sehr gut gefallen.

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