Ralph Knispel

 4,8 Sterne bei 5 Bewertungen

Lebenslauf von Ralph Knispel

Ralph Knispel, Jahrgang 1960, ist Oberstaatsanwalt. Seit 1996 arbeitet er in der Abteilung Kapitalverbrechen, die im Kriminalgericht Berlin-Moabit untergebracht ist, Europas größtem Strafgericht. Seit Juni 2016 ist er dort erneut als Leiter tätig. Zwischen 2011 und 2016 war er Dezernent und Leiter der Abteilung für Gewalt-, Staatsschutz- und Friedensstörungsdelikte.

Quelle: Verlag / vlb

Alle Bücher von Ralph Knispel

Cover des Buches Rechtsstaat am Ende (ISBN: 9783550200885)

Rechtsstaat am Ende

 (5)
Erschienen am 01.03.2021

Neue Rezensionen zu Ralph Knispel

Cover des Buches Rechtsstaat am Ende (ISBN: 9783550200885)R_Mantheys avatar

Rezension zu "Rechtsstaat am Ende" von Ralph Knispel

Sozialistische Mangelwirtschaft im deutschen Justizsystem
R_Mantheyvor 2 Monaten

Dass es in der deutschen Bevölkerung erhebliche Zweifel an dem in Deutschland angeblich herrschenden Rechtsstaat gibt, ist kein Geheimnis mehr, weil Umfragen das nachdrücklich bestätigen. Das Buch des Berliner Oberstaatsanwalts Ralph Knispel ist nicht das erste, das die ungeheuerlichen Zustände in der deutschen Justiz beschreibt, aber es dokumentiert sie sachlich und vor allem systematisch.

Überall in dieser Republik gibt es einen erheblichen Investitionsstau. Großartige Versprechen, wie etwa der sogenannte Digitalisierungspakt, halten der Wirklichkeit nicht stand. Gerade wenn es darauf ankommt, dass etwas funktionieren muss, kann man genau sehen, was wirklich los ist. 2017 wurde von den Parteien der Großen Koalition ein "Pakt für den Rechtsstaat" vereinbart. Knispel nimmt diesen Pakt am Ende des Buches auseinander, weil er den wirklichen Problemen im deutschen Justizsystem nicht gerecht wird.

Es fehlt an allen Ecken. In Berlin wird seit einiger Zeit immer wieder eine Koalition von Kommunisten und Sozialisten ins Rote Rathaus gewählt. Man kann in der deutschen Hauptstadt deshalb sehr gut erkennen, was dem ganzen Land demnächst blühen wird. 2018 gab es in Berlin pro 100.000 Einwohnern 14160 Straftaten, die zu etwas mehr als 44 % aufgeklärt wurden. Nimmt man die Methode der Corona-Inzidenz, dann liegt Berlin 2018 also im Schnitt der kriminellen Übergriffe bei 272. Das interessiert jedoch niemanden in den regierenden Kreisen, obwohl es dabei auch zum Teil um erhebliche Eingriffe in das Leben von Menschen geht.

Wer die typische sozialistische Mangelwirtschaft kennt, der weiß auch um ihre Dynamik. Da die Mitarbeiter im Justizsystem oft noch über eine gewisse Ehre verfügen, arbeiten sie trotz widriger Verhältnisse weiter, was wiederum von ihrer Obrigkeit als Beweis dafür gesehen wird, dass es doch schließlich geht. Knispel zeigt die Katastrophe systematisch an allen Bereichen und am Beispiel Berlins. Es fehlt massiv an qualifiziertem Personal, moderner Technik und sachgerechten Räumlichkeiten. Allein der Personalmangel führte bereits bundesweit dazu, dass Schwerkriminelle aus der Untersuchungshaft entlassen wurden, weil Staatsanwaltschaften Fristen nicht einhalten konnten. Einbrecher und Fahrraddiebe können sich in Deutschland ziemlich sicher sein, nicht erwischt oder belangt zu werden. Und das sind nur einige der Folgen dieses desaströsen politischen Versagens.

Wer sich für die vielen Details interessiert, bekommt sie in diesem Buch präsentiert. Wer dagegen Sensationen erwartet, wird enttäuscht werden. Es geht in diesem Buch nicht um manche Fehlurteile oder um die ewigen Bewährungsstrafen für ausländische Mehrfachtäter, aus denen die deutsche Bevölkerung ihr Misstrauen in den Rechtsstaat ableitet, sondern um die innere Verfassung der deutschen Justiz.

Wie reagiert das System auf den inzwischen offensichtlichen Mangel? Wer den DDR-Sozialismus kennt, weiß genau, was passieren wird. Erstens wird man von offizieller Seite auf die Erfolge verweisen, die dennoch erreicht wurden. Zweitens erklärt man lauthals, dass es nun vorwärts geht, etwa bei der Einstellung von Personal oder bei der Bekämpfung der Clan-Kriminalität. Drittens senkt man das Niveau ab, sodass in der Folge die Misere nicht mehr ganz so deutlich wird.

Sieht man genauer hin, dann ist das jedoch alles Schönfärberei, die von Knispel in aller Deutlichkeit entlarvt wird. Bei der Einschätzung mancher Maßnahme muss er sich jedoch zurückhalten, weil er nicht allzu sehr das eigene Nest beschmutzen möchte. Das geschieht beispielsweise, wenn er über die Absenkung des Einstellungsniveaus schreibt. Das deutsche Justizsystem besitzt für die guten Absolventen juristischer Fakultäten kaum noch Attraktivität. Sie haben in den großen Kanzleien bessere Arbeitsbedingungen und erhalten viel mehr Geld. Um also überhaupt noch Personal für die deutsche Justiz requirieren zu können, wurden die Kriterien, insbesondere das Abschlussprädikat, nach unten verändert.

Hier sieht man genau, wie ein System abstürzt: Ist es erst einmal auf eine abschüssige Bahn gekommen, verliert es an Respekt und Attraktivität, wodurch sich die Fahrt nach unten noch beschleunigt. Man kann dann nur noch massiv von außen eingreifen. Aber je später man das tut, umso drastischer muss das geschehen und umso teurer wird es. Leider ist die deutsche Justiz nur ein Zweig, um den es in diesem Land schlecht bestellt ist. Und solange er noch irgendwie funktioniert, wird man andere Baustellen bevorzugen, denen es noch schlechter geht. Und außerdem muss Deutschland schließlich die Welt retten und für alles Mögliche bezahlen. Da sind die Mittel im Inland knapp bemessen, obwohl der deutsche Steuerzahlen so viel wie noch nie in der deutschen Geschichte blechen muss.

Man muss also den hoffenden Optimismus von Knispel auf Hilfe nicht teilen. Es geht ja schließlich noch. Irgendwie jedenfalls. Knispels Buch macht wütend, denn die Erfahrungen der letzten Jahre sagen schließlich, dass sich vermutlich nichts ändern wird, solange die Zustände noch geduldig ertragen werden. Und obendrein hat das chaotische Verhalten der deutschen Regierung in der sogenannten Corona-Krise neue riesige Krater in die Finanzlage Deutschlands geschlagen.

Kommentieren0
0
Teilen
Cover des Buches Rechtsstaat am Ende (ISBN: 9783550200885)seschats avatar

Rezension zu "Rechtsstaat am Ende" von Ralph Knispel

Bankrotterklärung der deutschen Justiz
seschatvor 5 Monaten

Der Berliner Oberstaatsanwalt Ralph Knispel nimmt in seiner Bestandsaufnahme der deutschen Justiz kein Blatt vor den Mund. Er kann auf fast 30 Jahrzehnte im Staatsdienst zurückblicken. Doch die derzeitige Zahl an Problemlagen im Polizei- und Justizapparat war noch nie bedrückender. So werden deutschlandweit Strafverfahren eingestellt, weil es einerseits zu wenig Personal in Gerichten & Co. gibt und andererseits die Frist abgelaufen ist. Auch führt die geringere Bezahlung im Vergleich zur freien Wirtschaft dazu, dass sich fähige Nachwuchskräfte gegen eine Karriere im Justizbereich entscheiden. Zudem herrsche auch innerhalb der Gerichte Notstand. Neben fehlenden Richtern und Staatsanwälten fehlten Verhandlungsräume sowie Büroangestellte und Wachtmeister, so dass wenige Angestellte eine Vielzahl von Prozessen und sonstiger Arbeit auf kleinem Raum oder außerhalb des Gerichts stemmen müssen, was nicht selten zulasten der Gesundheit geht. Auch das Ansehen des Rechtsstaats im Volk leide immens, wenn Prozesse Jahre dauern oder gar aus Mangel an Personal abgesagt werden.

Für das Versagen des Rechtsstaats führt Knispel verblüffende statistische Erhebungen an, die bei der Politik zum Umdenken führen müssten, tun sie aber nicht. Auch der sog. Pakt für den Rechtsstaat ist nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Was passiert, wenn immer weniger in Justiz und Polizei investiert wird, sehen wir an der niedrigen Aufklärungsquote, Bagatellisierung von Delikten, dem blühenden Drogenhandel in Haftanstalten und dem Erstarken der arabischer und libanesischer Clans in Deutschland.

Es wird Zeit, dass der Staat bzw. die Politik handelt, wenn der deutsche Rechtsstaat noch eine Zukunft haben soll. Knispels Weckruf kommt zur rechten Zeit. Denn spätestens jetzt vor der großen Pensionierungswelle müssen mehr Menschen eingestellt statt eingespart werden. Auch sollte die technische und räumliche Ausstattung von Gerichten & Co. überdacht werden.

Ich finde es mutig, dass Knispel sich derart dezidiert zu den Missständen äußert und damit seinen langjährigen Arbeitgeber scharf kritisiert. Wenn entsprechende Stellen dieses Buch lesen, bekommen sie von ihm gar noch Lösungsstrategien an die Hand.

Mir hat dieses Buch die Augen geöffnet und ich kann die Lektüre all jenen empfehlen, die einmal hinter die ach so hehren Rechtsstaatsmauern schauen und sich allgemeinverständlich und sachlich über den Status quo informieren lassen wollen. Knispels Erfahrungen und Beobachtungen sind zugleich aufschlussreich und niederschmetternd.

Kommentieren0
0
Teilen
Cover des Buches Rechtsstaat am Ende (ISBN: 9783550200885)melli.die.zahnfees avatar

Rezension zu "Rechtsstaat am Ende" von Ralph Knispel

" Wir sióllen einen Wasserfall stoppen und bekommen ein Glas in die Hand gedrückt"
melli.die.zahnfeevor 6 Monaten

Dieses Buch macht mich wütend, betroffen und traurig. Als jemand, der Gott sei  Dank eine ruhiges beschauliches Leben führt, hatte ich noch nie Berührungspunkte mit der Justiz.  Außerdem lebe ich einem sehr flauschigen , dörflichen Eckchen dieser Republik und alleine schon das Großstadtleben an sich ist für mich nahezu unvorstellbar. Deshalb entsetzt es mich geradezu, welche Missstände der Autor hier aufzeigt. Bürorechner mit Windows 7 , fehlendes Personal und absolut fehlgeleitete Ansprüche scheinen die deutsche Justiz in den Abgrund zu führen.
Das Buch liest sich für die Thematik sehr flüssig und entbehrt nicht einer gewissen , wenn auch gruseligen, Spannung. Man beachte bitte, dass sich dieses Buch rein auf interne Vorgehensweisen und Gegebenheiten konzentriert, es kommen keine True-Crime – Fälle oder ähnliches darin vor , und wenn dann nur absolut dezent und am Rande um einen Missstand anzuprangern, nicht um einen Fall zu erklären.
Ich persönlich fand den Schreibstil objektiv und nicht persönlich anprangernd , sondern eher bewertend und erklärend.
Der Autor erklärt die Absurdität des politischen Sparwahns anhand sehr ergreifender Beispiele, die alle aus dem täglichen Leben gegriffen sind und leider keine Ausnahmen, sondern Regelfälle darstellen. Schade, dass dieser Zwang auf dem Rücken der Menschen ausgetragen wird, die wahrlich Empathie für ihren gewählten Beruf mitbringen müssen, um all diesen Widrigkeiten entgegenzuarbeiten.
Das Buch ist gut gegliedert und thematisch sehr strukturiert. Auch für Laien ist alles verständlich erklärt und beschrieben und man bekommt hier einen absolut realistischen Einblick in das wahre Leben der deutschen Strafverfolgungsbehörden. Arg entsetzt hat mich auch das Kapitel über Kapitalverbrechen in dem beschrieben wird, dass die Staatsanwaltschaft oft monatelang !!!! auf die Auswertung der gefundenen Spuren warten muss. Also das geht in jedem Fernsehkrimi schneller...
Ich finde es gut, dass Herr Knispel dieses Buch geschrieben hat und ich habe es mit einer Faszination und geradezu morbidem Erstaunen gelesen, denke allerdings, dass sich nicht sehr viel an den gegebenen Zuständen ändern wird.

Kommentieren0
2
Teilen

Gespräche aus der Community

Starte mit "Neu" die erste Leserunde, Buchverlosung oder das erste Thema.

Community-Statistik

in 10 Bibliotheken

Was ist LovelyBooks?

Über Bücher redet man gerne, empfiehlt sie seinen Freunden und Bekannten oder kritisiert sie, wenn sie einem nicht gefallen haben. LovelyBooks ist der Ort im Internet, an dem all das möglich ist - die Heimat für Buchliebhaber und Lesebegeisterte. Schön, dass du hier bist!

Mehr Infos

Hol dir mehr von LovelyBooks