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MelE

vor 2 Jahren

(15)

"Der Doktor" ist der zehnte Justizthriller des Autors. Einige davon habe ich mit Begeisterung gelesen, daher war meine Erwartungshaltung dementsprechend hoch. Immer wieder schafft es der Autor mich zu begeistern. Auch wenn zu Beginn viele Handlungsstränge nebeneinander herlaufen, wird am Ende alle Fragen geklärt und wieder einmal stellt man fest, wie sinnig Randy Singer Personen und Handlungen zusammenfügt. Wir haben hier einen Thriller mit Tiefgang, da er nicht nur von dem Tod des kleinen Joshua berichtet, obwohl der Fokus immer wieder darauf gerichtet ist, sondern auch Gott findet seinen ernstzunehmenden Platz. Uns wird ganz klar vor Augen geführt, das tiefer Glaube zwar sehr wichtig ist, aber auch dazu führen kann seinen Verstand auszuschalten und sich zu sehr auf die Gemeinde und deren Anführer zu verlassen. Auch Ärzte können zum Segen werden, wenn man sie lässt. Ein bitterer Nachgeschmack bleibt bestehen, denn ein Kind stirbt aufgrund dessen, dass seine Eltern zu lange gewartet haben, um ihm im Krankenhaus vorzustellen. Als Joshua verstirbt, werden seine Eltern auf Fahrlässige Tötung verklagt. Um den Eltern das Sorgerecht zu entziehen werden schwere Geschosse aufgefahren. Klar ist, auch wenn ich vieles was die Erziehung von Tiger und Stinky nicht gut heißen kann, erleben wir eine Familie, in der Liebe trotz aller Schwierigkeiten sehr groß geschrieben wird.

"Der Doktor"brilliert durch echte Persönlichkeiten, die wir entweder lieben und schätzen oder komplett ablehnen, da ihr Verhalten nicht mit unserer Lebenseinstellung zusammenpassen kann, da die Menschlichkeit fehlt. Randy Singer fügt aber nicht nur seinen Protagonisten echtes Leben ein, sondern auch den Schauplätzen des Thrillers. Ob nun das düstere Gefängnis oder der Gerichtssaal sind so authentisch platziert, als wären wir selbst anwesend.

Was offen dargelegt wurde, ist die Kritik am amerikanischen Rechtssystem, welches zwar nur zwischen den Zeilen zu lesen ist, aber von Lug, Betrug und Bestechung spricht. Geschworene werden durch Worte eingelullt und treffen eventuell falsche Entscheidung, die das Leben einer Familie komplett zerstören könnte. Hier geht es nicht unbedingt um Gerechtigkeit, sondern darum das beste Plädoyer zu halten, um damit zu überzeugen. In mir bewirkt es Wut und Unverständnis.

Auch ein sehr aktuelles Thema wie Rassismus ist Thema des Buches und bewirkt in mir die Frage, wie es möglich ist, Menschen nur nach ihrer Hautfarbe zu beurteilen / verurteilen. Es regt zum Nachdenken an und lässt mich innerlich regelrecht erschauern. Manchmal fehlt mir einfach die Menschlichkeit.

Imponiert hat mir Charlie, der offen über seinen Glauben auf der Straße predigt, wenn er nicht im Gerichtssaal als Strafverteidiger steht. Auch ihm wird viel Raum im Buch gegeben. Ihn empfand ich als authentischsten und seinen Glauben mit all seinen Ecken und Kanten konnte ich ernst nehmen und nachfühlen. Es ist schwierig sich in einer skrupellosen Welt als Christ zu behaupten und durch Charlie bekommt dies ein Gesicht.

Ich könnte viel weiter ausholen, denn "Der Doktor" bietet sehr viel Potential. Es regt zum Nachdenken und Umdenken an, bietet viel Raum um sich selbst zu reflektieren und bietet sehr viel Spannung. Für mich fundiert und glaubwürdig, auch wenn ich mir ein etwas anderes Ende gewünscht hätte. Eines, welches ehrlich herbeigeführt worden wäre und nicht andere des Lügen überführt, obwohl es natürlich auch aussagt, wie wichtig es ist, sich nicht selbst zu verlieren, sondern ehrlich zu bleiben. Ruhm und Reichtum sollte nicht unser Leben bestimmen.


Gerne vergebe ich eine Leseempfehlung an einen Thriller, der mich auf der einen Seite sehr bewegt hat und auf der anderen Seite oft atemlos vor Spannung gemacht hat, da ich mit dieser Wende, die das Buch nahm in keinster Weise gerechnet hätte.

Autor: Randy Singer
Buch: Der Doktor
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