Raoul Biltgen Jahrhundertsommer

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Inhaltsangabe zu „Jahrhundertsommer“ von Raoul Biltgen

Zwei heiße Sommer. Zwei Leben, je eines auf jeder Seite einer hauchdünnen Linie. Zwei Städte, Bregenz und Wien. Ein Protagonist, oszillierend zwischen Lebenslust und Todessehnsucht. Wir begleiten ihn auf einer Reise, die nicht nur räumlicher Natur ist, sondern auch innerer. Begleiten ihn dabei, wie ihn eine Liebe auf den ersten Blick an den Rand des Aushaltbaren bringt. Diesen Roman als Liebesgeschichte zu beschreiben, würde ihm wohl nur zu einem Teil gerecht werden. Was ist Liebe? Und: Macht die Liebe glücklich?

Ein literarisches Vexierbild für Anspruchsvolle! Mein Literatur-Highlight 2015 und meine Empfehlung für alle Sehnsüchtigen und Liebenden.

— J-B-Wind
J-B-Wind

Liebesroman einer ganz anderen Art

— SchwarzeFee
SchwarzeFee

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  • Ausdrucksstark, klischeefrei und meisterhaft erzählt ...

    Jahrhundertsommer
    SharonBaker

    SharonBaker

    16. June 2016 um 18:13

    Es ist heiß in Wien und er sitzt im Kaffee, trinkt einen Kakao und wartet, bis es Zeit wird. Zeit um sich eine Waffe zu besorgen und seinem Dasein ein Ende zubereiten, denn sie ist nicht mehr da. Sie ist weg, gegangen, ohne ein Wort. Was soll er tun? Wie soll er weiterleben? Wie konnte das alles passieren? Und wo ist dieser unbeschwerte Jahrhundertsommer hin? Dieses kleine Buch ist so erschreckend bewegend, mit einer unglaublichen Ausdruckskraft erzählt, dass ich total begeistert bin. Es geht um die Liebe und was man alles durchlebt, Großartiges, aber auch Verzehrendes. Eine Geschichte, die mich nach den richtigen Worten ringen lässt, um dieser gerecht zu werden.Wir erleben in zwei Erzählsträngen beschrieben die Liebes- und Leidensgeschichte unseres Protagonisten mit. Der erste Strang ist das Hier und Jetzt in Wien, er leidet, ist verzweifelt, will nicht mehr, weiß nicht weiter und schwitz in der Sonnenglut. Der zweite Strang spielt einen Sommer davor. Sein Job hat ihn nach Bregenz gebraucht und er trifft auf sie, der Frau, die Touristen kutschiert und ihn ein wunderschönes Lächeln schenkt. Er ist verzaubert und lässt sich von der Magie mitreißen, der sonst so ernste und stille Mann, blüht auf, liebt, macht dumme Sachen und erlebt einen Sommer voller Nähe und Liebe. Dieses Zusammenspiel zwischen Todessehnsucht und Liebestaumel ist so stark und geschickt eingefangen, dass man mitleidet und sich fragt, muss so die Liebe sein. Man möchte so gern helfen, dem Hauptcharakter die Waffe entreißen und sagen, reiß dich zusammen. Diese tiefen schweren Gefühle sind absolut greifbar beschrieben, man spürt die Einsamkeit, das machtlos sein und das nicht mehr wollen. So liest man besorgt und ängstlich weiter und möchte einfach wissen, was ist passiert. Diese Liebesgeschichte fing doch so wunderbar an. So wechseln sich die Erzählebenen ab, spielen miteinander, verschmelzen und geben Stück für Stück das große Ganze wieder. Dieser Autor beherrscht mit wenig Worten Bilder einer Liebe einzufangen und ohne Klischees und Kitsch auszukommen. Er verwebt das große Drama mit unserer Zeit, gibt sie realistisch und ungeschönt wieder und schafft beim Leser das Gefühl, alles selbst mitzuerleben, oder es schon getan zu haben. Wer erinnert sich nicht an die erste große Liebe, wo es unvorstellbar war, das diese Endet und das es ein Danach geben könnte. Dieser Roman braucht mehr Aufmerksamkeit, denn er kann sich mit den ganz großen Liebesgeschichten messen lassen und spiegelt die Gefühle unserer Zeit gekonnt und eindringlich wieder. Wer über eine bewegende Liebe lesen möchte, sollte mit dieser anfangen. 

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  • Ein Kaleidoskop der Liebe und des Verlustes

    Jahrhundertsommer
    J-B-Wind

    J-B-Wind

    16. December 2015 um 14:00

    Ein Mann kann mit jeder Frau glücklich werden, solange er sie nicht liebt.  (Oscar Wilde) Raoul Biltgen ist für ungewöhnliche Bücher und Geschichten abseits des Mainstreams bekannt und beliebt. Nach „Und Danke für den Apfel“, einer kurzen satirischen Geschichte über der Menschheit, und zahlreichen Kurzgeschichten legt der Autor nun einen neuen Roman vor, eine Liebesgeschichte, die zwischen Wien und Bregenz spielt und sogar mit etwas Lokalkolorit aufwartet. Der Autor verwebt kunstvoll zwei Zeitebenen und Erzählstränge ineinander, nicht chronologisch, nicht sofort offensichtlich, nicht aufgesetzt konstruiert. Wo beginnt die Geschichte? Wo endet sie? Das erfährt man erst nach und nach. Ein Liebesroman? Eine Tragödie? Ein Krimi? Ein Sehnsuchtsroman? Das bleibt Interpretationssache. Auf Namen verzichtet er genauso wie auf Daten oder Kapitelbezeichnungen. Fakt ist: Er liebt sie. Und nur sie. Sie ist die Eine. Vor ihr war das Nichts und nach ihr breitet sich Dunkelheit über sein Leben aus, sie verhüllt ihn wie ein zu schwer gewordener Mantel, verklebt ihm die Augenlider, liegt wie ein Kohlehaufen in seinen Eingeweiden und frisst sich durch sein Gehirn bis er nur noch einen Ausweg weiß. Die Pistole ist schnell organisiert. Doch die Dunkelheit grinst ihm ins Gesicht, alle Kraft hat sie ihm genommen, sodass er es nicht einmal schafft, seinem Leben ein Ende zu bereiten und es ist niemand da, der für ihn abdrücken könnte. Denn ein Leben ohne sie ist nur das grausam verzerrte Spiegelbild eines Lebens. Und als er da sitzt mit der Pistole in der Hand, weint er zum ersten Mal seiner verlorenen Liebe nach, die er in Bregenz kennen gelernt hat. Damals als die Welt zu leuchten begann, weil der Blitz einschlug als sie ihm von der Lok aus zuzwinkerte, mit der sie Touristen an der Seepromenade entlang kutschiert. Sie liebt ihn auch, sagt sie jedenfalls. Und er spürt diese Liebe. Gemeinsam brennen sie durch, leben wie im Traum, einen Sommer lang, liegen und lieben meist nackt in einer Bucht und denken nicht an das Morgen. Haut an Haut atmen sie einander ein. Die Welt um sie herum zerfließt und löst sich auf. Umso härter schlägt der Alltag in der Beziehung zu. Die Charaktere bemerken wie unterschiedlich sie eigentlich sind. Sie zieht bei ihm in Wien in seine kleine Wohnung ein. So klein, dass sie ihr bald zu eng wird. Die Wohnung. Die Beziehung. Er sehnt sich nach einem Leben mit ihr, nach Zugeständnissen und Verbindlichkeit. Sie sehnt sich nach Weite, nach Freiheit und der Unbeschwertheit. Das kann nicht funktionieren. Oder doch? Und dann gibt es da noch eine weitere Frau. Keine Erscheinung, kein Lichtwesen, aber weich und warm und in sich ruhend. Ein Lichtblick? Ein Hoffnungsschimmer? ... Raoul Biltgen erzählt schnörkellos, seine wundervoll poetische Sprache lässt Bilder im Kopf entstehen, manchmal sanft ausfließende, ineinander verschmelzende Gemälde, die sich beim Betrachten wärmend auf die Seele legen, ein anderes Mal blitzartig, sich einbrennende bizarre Farbkleckse, die schockieren, aufwühlen und sich schmerzhaft im Gedächtnis verankern. Oft ist der Wunsch da, ganz in die Geschichte einzutauchen, manchmal jedoch will man die Hände über die Augen legen, zu tief dringt Erlebtes der Figur in einen ein, aber man will wissen wie es weiter geht, man muss – mit angehaltenem Atem – auf die nächste Seite blättern und hat den Drang dem Protagonisten bis zum Ende zu folgen, wie auch immer das aussehen mag. Mosaikstein folgt auf Mosaikstein, daraus entsteht ein Vexierbild, das den Leser fordert, ihn zu unterschiedlichen Betrachtungsweisen zwingt, ihn die Geschichte aus vielen Winkeln sehen lässt, ihn vorsichtig an der Hand nimmt und ihm Unsichtbares wie Deutliches darlegt. Doch wie bei einem Kaleidoskop gibt es keine allgemein gültige Deutung, keine starre Prämisse oder einen exakten roten Faden. Je nachdem wie man das Gerät dreht, erscheint einem das Bild in einem anderen Licht. Genauso ist es bei diesem Roman. Trotzdem ist es keine Aneinanderreihung von abgekoppelten Szenen, wie man es oft in literarischen Romanen findet. Raoul Biltgen hat einen herausfordernden Plot für den anspruchsvollen Leser kreiert. Die Geschichte ist atmosphärisch dicht geschrieben, hier ist kein Wort zu viel, auch wenn die Sätze lang sind. „Jahrhundertsommer“ ist nicht einfach ein Liebesroman, es ist vor allem eine Geschichte über die Sehnsucht. Sehnsucht nach dem besonderen Gefühl, Sehnsucht gesehen zu werden, Sehnsucht zu verschmelzen, Sehnsucht der oder die Eine für Jemanden zu sein, Sehnsucht sich vollkommen zu fühlen, Sehnsucht dem Leben einen Sinn zu geben. Und es ist die Geschichte eines Verlusts, der dem Protagonisten das Gefühl gibt, persönlich gescheitert zu sein. Und genau deshalb ist dieses Buch auch zutiefst menschlich und bewegend. Denn das Gefühl des Scheiterns am Ende einer Beziehung hat jeder schon erlebt. Und wie alle, die in diesem Kummer feststecken, zieht sich auch der Protagonist die Decke über den Kopf und leidet. Hier kann sich der Leser in die Figur hineindenken, fühlt mit ihm mit, versteht ihn, daraus entsteht ein Sog, der niemanden kalt lässt. Der Autor beweist mit „Jahrhundertsommer“ einmal mehr sein literarisches Können. Der Roman hat Tiefgang, die namenlosen Charaktere haben Substanz und sind hervorragend gezeichnet. Nichts an diesem Roman ist flach oder kitschig. Der Autor beschönigt das Hässliche nicht, und feiert, was wundervoll ist, nennt die Dinge beim Namen, gleitet dabei niemals ab und vermag es die Balance zu halten. Das macht aus „Jahrhundertsommer“ ein rundum gelungenes, sprachlich ausgefeiltes Werk und ein Leseerlebnis der besonderen Art, wie man es selten findet. Fazit: Ein Buch, das ihn jedem Bücherregal von Literaturliebhabern stehen sollte. Ein Autor, der Beachtung und viele Leser/innen verdient hat. Mein Literatur-Highlight 2015 und meine Empfehlung für alle Sehnsüchtigen und Liebenden.

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  • Leserunde zu "Jahrhundertsommer" von Raoul Biltgen

    Jahrhundertsommer
    raoulb

    raoulb

    Liebe Leserinnen und Leser, passend zum derzeitigen Wetter möchte ich euch einladen, an einer Leserunde zu meinem jüngst erschienenen Roman JAHRHUNDERTSOMMER teilzunehmen. Der Verlag Wortreich stellt 7 Exemplare (hard cover) zur Verfügung. Also: mit kühlem Getränk in den Schatten und vielleicht sogar die Füße ins Wasser, und die Hitze auf Papier genießen. JAHRHUNDERTSOMMER ist zugleich mein 6 Buch und mein Debutroman. Geschrieben habe ich ihn nämlich in einer ersten Fassung bereits im sehr sehr heißen Sommer 2003, und dann blieb er über Jahre in der Schublade. Wieder hervorgekramt, überarbeitet und angepasst, hat er dann seinen Weg doch noch zu einem Verlag, in die Druckerei, von da in die Buchhandlungen und, wie ich hoffe, bald in eure Hände gefunden. Aufgrund dieser langen Geschichte, die dieses neue Buch also bereits auf dem Buckel hat, interessieren mich eure Meinungen umso mehr. Worum es geht: Der Verlag beschreibt es so: Zwei heiße Sommer. Zwei Leben, je eines auf jeder Seite einer hauchdünnen Linie. Zwei Städte, Bregenz und Wien. Ein Protagonist, oszillierend zwischen Lebenslust und Todessehnsucht. Wir begleiten ihn auf einer Reise, die nicht nur räumlicher Natur ist, sondern auch innerer. Begleiten ihn dabei, wie ihn eine Liebe auf den ersten Blick an den Rand des Aushaltbaren bringt. Diesen Roman als Liebesgeschichte zu beschreiben, würde ihm wohl nur zu einem Teil gerecht werden. Was ist Liebe? Und: Macht die Liebe glücklich? Die Geschichte eines Mannes, zweier Frauen und der verzweifelten Suche nach einem Ausweg. Ich möchte noch dieses hinzufügen: Ein Mann kauft sich eine Waffe. Aus Verzweiflung. Weil sie nicht mehr da ist. Ein Mann verliebt sich. Unsterblich. Weil sie die Eine ist. Und so lacht wie niemand sonst. Zwei Geschichten, die eine sind, gleichzeitig erzählt, im wahrsten Sinne zwischen himmelhoch jauchzend und zu Tode betrübt hin und her schwankend. Die Geschichte der einen großen Liebe und der noch viel größeren Sehnsucht danach.  Es ist meine erste Leserunde auf lovelybooks, und ich bin schon sehr gespannt, was alles passieren wird. Wenn also noch was unklar ist, wenn ich auf was Wichtiges vergessen habe, zögert nicht zu fragen. Hoffentlich bis bald Raoul

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  • Jahrhundertsommer

    Jahrhundertsommer
    Blaustern

    Blaustern

    08. October 2015 um 12:03

    Er verliebt sich in sie. Von jetzt auf gleich. Ohne sie großartig zu kennen. Dramatisch. So wie er noch nie geliebt hat. So etwas hat er bisher nie zuvor erlebt. So etwas wird er nie wieder erleben. Nichts interessiert mehr. Nur noch diese Liebe. Alles andere ist unwichtig geworden. Ein Sommer wie er im Buche steht. Eine Liebe, die er nie vergisst. Als der Sommer vorbei ist, ist es auch ihre Liebe. Sie verlässt ihn. Ein schrecklicher Albtraum. Bis sie doch wieder da ist. Aber es funktioniert nicht. Alltag. Was ist das? Zerstört er eine Liebe? Nun ist sie ganz weg. Diesmal für immer? Er hält es nicht mehr aus. Leben ohne sie? Das funktioniert erst recht nicht. Er will seinem Leben ein Ende setzen. Das wäre das Beste für ihn. Doch auch das schafft er nicht wirklich. In diesem Roman gibt es nur ihn und sie. Keine Namen. Was anfangs ungewöhnlich ist, wird einem nach dem ersten Drittel schon bald klar. Es gibt die ganze ungeschönte Stimmung des Protagonisten wieder. Auch der unübliche Schreibstil mit all den langen Sätzen. Die Atmosphäre wird so schön eingefangen, und das Leiden bekommt richtig Hand und Fuß und wirkt absolut realistisch. Man fragt sich, ob man so etwas wirklich erleben will. Ist das Liebe? Der Sinn davon? Kein bisschen schnulzig wird hier alles dargestellt. Man weiß, wie es für ihn endet, und Schritt für Schritt kommen wir der Sache näher. Die erste Zeitebene skizziert den Beginn und Verlauf der Liebesbeziehung und die zweite Zeitebene seine Zeit danach. Sehr emotional wird alles wiedergegeben, und am Ende verbinden sich die Fäden geschickt miteinander. Lange Zeit danach denkt man noch über diesen Roman nach. Er hat seine Wirkung getan.

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  • Eine Liebesgeschichte der Extreme oder An den Rand des Selbstmords und retour

    Jahrhundertsommer
    _Literanie_

    _Literanie_

    04. October 2015 um 22:09

    *** SPOILER ALERT *** "Jahrhundertsommer" ist eine Liebesgeschichte zwischen Wien und Bregenz, die ganz stark durch die ungewöhnliche Erzählweise besticht. Kapitelweise wird zwischen Vergangenheit und Gegenwart hin- und hergesprungen, was eine große Vorher-Nachher-Spannung aufbaut und die Story viel fesselnder macht, als wenn chronologisch erzählt worden wäre. Man weiß als Leser schon, dass alles übel endet, dass der männliche Part einer großen Liebesgeschichte die Geliebte verloren hat und seinem Leben ein Ende setzen möchte, bevor man weiß, was zuvor geschah, wie es zum Verlieben kam und zum Scheitern. Dadurch wird das Buch für mich zum echten Page-Turner. "Jahrhundertsommer" ist für mich eine Amour fou, wie man sie einerseits gerne, andererseits auf keinen Fall erleben möchte. Denn das Paar, das da so füreinander ent-, dass es durchbrennt, jede Verpflichtung, jegliche Konvention hinter sich lässt, ist nicht alltagstauglich. Es funktioniert nur im Extrem und scheitert letztlich am ganz normalen Leben. Und der Liebeskummer, der auf die Trennung folgt wie das Amen im Gebet, ist demgemäß ebenfalls extrem bis ins Ekel erregende. Wer sich so weit gehen lässt, dass er es Tage, vielleicht Wochen nicht mehr aus dem Bett schafft, sich in der Dusche erleichtern muss - der ist ganz unten angekommen. Das ist zwar abstoßend geschildert, aber auch nicht wenig überzeugend - wie das ganze Buch eine starke Spannung entwickelt und für mich eine große Faszination auf wenigen Seiten eröffnet hat. Besonders genial fand ich den Erzählkniff mit der Schussvorrichtung an der Wohnungstür, durch die sich der Protagonist jedes Mal beim Heimkommen ganz kurz in Lebensgefahr begibt. Es könnte jedes Mal einfach so vorbei sein. Ich musste bei diesem ultimativen Annähern von Leben und Tod an Schrödingers Katze denken, bin aber vermutlich einfach ein Nerd. :) Zum Stil: Ich mag lange Sätze. Für mich entwickelt sich dadurch erst recht ein Sog, den ich sehr schätze. Die Sprache ist klar, deutlich, schnörkellos, und auch wenn es um Sex geht, wird kaum etwas ausgespart, ohne derb zu werden, das gefällt mir. Am Ende schließt sich der Kreis zwischen den Zeitebenen zumindest erzähltechnisch - doch in der allerletzten Szene und durch ein relativ offenes Ende bleiben dann doch noch Fragen offen. Wie ich dank Leserunde vom Autor selbst erfahren durfte, war das offene Ende in der ursprünglichen Version des Buches gar nicht enthalten, überzeugt mich jedoch jetzt, da ich weiß, wie es gemeint ist, letztlich doch. Ein happy end wäre für mich nicht denkbar gewesen, wenn man die Konstellation betrachtet. Fazit: Der Roman hat für mich als Geschichte einen besonderen "Geschmack der Wahrheit" und überzeugt mich einfach. Man legt das Buch am Ende nicht leichtfertig weg, sondern denkt noch längere Zeit darüber nach, was ich sehr schätze. Wenn einem eine Geschichte so hängen bleibt, man noch nachgrübelt, sich an bestimmte Szenen klar erinnert, ist sie für mich erst richtig gelungen. P.S.: Nebenbei nett: Wenn man Wien gut kennt, wie ich, freut man sich über kleine eingestreute Lokalkolorit-Perlen. Grantige Kellner, bestimmte Bezirke (eine Schusswaffe kauft man selbstverständlich in Ottakring :D), Straßen, etc.

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  • Faszinierend!

    Jahrhundertsommer
    anastasiahe

    anastasiahe

    26. September 2015 um 15:56

    Titel: Jahrhundertsommer Autor: Raoul Biltgen Seitenanzahl: 232  ISBN: 978-3-95039915-8 Preis (HC): 19,90 € Verlag Wortreich Bewertung: 4 Sterne Inhalt: Zwei heiße Sommer. Zwei Leben, je eines auf jeder Seite einer hauchdünnen Linie. Zwei Städte, Bregenz und Wien. Ein Protagonist, oszillierend zwischen Lebenslust und Todessehnsucht. Wir begleiten ihn auf einer Reise, die nicht nur räumlicher Natur ist, sondern auch innerer. Begleiten ihn dabei, wie ihn eine Liebe auf den ersten Blick an den Rand des Aushaltbaren bringt. Diesen Roman als Liebesgeschichte zu beschreiben, würde ihm wohl nur zu einem Teil gerecht werden. Was ist Liebe? Und: Macht die Liebe glücklich?Die Geschichte eines Mannes, zweier Frauen und der verzweifelten Suche nach einem Ausweg.Meine Meinung:Ich finde, dass das Cover sehr gelungen ist. Das extra für das Buch gestaltete und davon inspirierte Gemälde von Anna Harting passt einfach wie die Faust aufs Auge zur Geschichte. Die Geschichte ist meiner Meinung nach genauso stürmisch wie das Meer auf dem Cover. Mehr dürft ihr gerne selbst herausfinden, da ich euch nicht spoilern will:)Der Autor hat einen sehr schönen, flüssigen Schreibstil, der mich dazu bewogen hat die Seiten richtig gehend "wegzuhauen", trotz der nicht gerade einfachen Handlung. Und wie es im Inhalt schon steht, dieses Buch ist weit mehr als nur eine Liebesgeschichte. Die einzelnen Handlungsstränge beschreiben zwei vollkommen unterschiedliche Situationen und beide Geschichten regen sehr zum Nachdenken an und lassen Freiraum um die Geschichte für sich selbst zu interpretieren. Und das ist etwas das ich sehr an diesem Buch schätze. Es werden Situationen beschrieben in denen sicher niemand stecken will, aber realistisch sind. Jeder war wohl abgeschwächt in so einer Situation, was es noch besser wirken lässt.  Dass man sich rein denken kann, egal ob in den Protagonist oder in die Protagonistin liegt auch daran, dass kein Name genannt wird. Man erfährt wie sie aussehen, jedoch keinen Namen.  Ich finde die Idee gut, auch wenn man sich erst ein bisschen reindenken muss. Die Verwirrtheit gibt sich aber nach ca. 30 Seiten. Ein tolles Buch für alle, die etwas tiefgründigeres suchen als die 0815- Liebesgeschichten in der man meistens nicht mehr sieht als zwei Liebende, die sich nicht bekommen und am Ende dann doch. Denn so ist dieses Buch nicht. Es hat durch die oben genannten Punkte etwas eigenes, spezielles, was man nicht so oft findet. Ich will euch aber noch meine Bewertung von 'nur' vier Sternen erklären. Wie ihr ja wisst bin ich erst 16 Jahre alt und ich glaube, dass dieses Buch noch nichts für mein Alter ist. Ich lese zwar auch mal ganz gerne schwerere Literatur, aber irgendwie hat sich durch den Deutschunterricht bei mir eine Art Interpretationssperre gebildet.  Ich glaube jeder der seine Schulzeit schon ein oder zwei Jährchen oder auch mehr hinter sich hat kann in diesem Buch etwas wundervolles und großartiges finden und ich kann euch nur empfehlen es zu kaufen!  ^Den Link dafür findet ihr oben direkt bei Verlag^

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  • Wenn die Liebe verschwindet...

    Jahrhundertsommer
    Ein LovelyBooks-Nutzer

    Ein LovelyBooks-Nutzer

    17. September 2015 um 11:27

    Jahrhundertsommer von Raoul Biltgen ist ein Liebesroman, der sehr ehrlich und ungeschönt davon erzählt, was passieren kann, wenn einen die erste große Liebe verlässt. Der Protagonist verliebt sich Hals über Kopf in ein Mädchen, das er kaum kennt und das ihm den größten Liebeskummer seines Lebens beschert. Dem Autor gelingt es sehr gut, die Leidensgeschichte des Protagonisten ganz ohne Klischees zu beschreiben, so dass sich der Leser gut damit  identifizieren kann. Die beiden Zeitebenen, in denen im Wechsel der Anfang der Liebesgeschichte sowie die Zeit danach erzählt wird, werden im Laufe der Handlung miteinander verknüpft und am Ende gekonnt zusammengeführt.  Ich vergebe für den Roman 5 Sterne, da mir seine Sprache sowie die ganze Stimmung sehr gut gefallen hat. Der anfangs etwas ungewohnte Schreibstil hat mich schnell überzeugt, da er den oftmals sehr sarkastischen Protagonisten optimal widerspiegelt. Außerdem zeigt der Autor eindrucksvoll, dass blinde Liebe und die Erkenntnis, dass das Leben auch mit gebrochenem Herzen weitergehen kann, auch gänzlich ohne Kitsch und schwülstige Liebesszenen erzählt werden können.

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  • Ein kleiner, feiner Liebesroman ganz ohne Kitsch

    Jahrhundertsommer
    SchwarzeFee

    SchwarzeFee

    13. September 2015 um 15:21

    Mit *Jahrhundertsommer* legt Raoul Biltgen einen Liebesroman vor, den ich so noch nicht gelesen habe. Liebesromane haben ansich immer den Beigeschmack kitschig zu sein, dies trifft bei *Jahrhundertsommer* absolut nicht zu. Der Roman spielt in zwei Zeitebenen, im heißen Sommer 2003 lernt *er*, der Protagonist, dessen Namen man wie den aller anderen Personen des Buches, nie erfährt, *sie* kennen, verliebt sich Hals über Kopf in sie und verbringt einen Sommer voller Liebe und Leidenschaft jenseits all dessen, was er je zuvor erlebt hat mit ihr. Alles Andere in seinem Leben ist plötzlich Nebensache, es zählt nur noch sie - und wer schon einmal richtig geliebt hat, kann dies nachvollziehen. Am Ende des Sommers steht zunächst auch das Ende dieser Liebe, bis sie im Herbst eines Tages wieder vor seiner Tür steht. Dem Alltag hält ihre Liebe leider nicht stand und sie verlässt ihn zum zweiten Mal. Die zweite Ebene spielt in der Gegenwart, er kann sie nicht vergessen und besorgt sich eine Pistole, weil er ohne sie nicht leben will und ihm jeglicher Sinn im Leben ohne sie fehlt. Er ist ein tragischer Protagonist, es gelingt ihm nicht, letztlich aus dem Leben zu scheiden, irgendetwas hält ihn doch immer wieder davon ab, konsequent zu sein und sei es der Gedanke, dass sie doch plötzlich wieder vor der Tür stehen könnte wie schon einmal. Das Ende des Romans ist etwas, wo ich nun seit Beenden des Buches zwei Tage lang darüber nachgedacht habe, ob es nun ein Happy End ist oder nicht - ich möchte es hier nicht verraten, um nicht allzu sehr zu spoilern - aber ich formuliere es jetzt so: Aus der Sicht des Protagonisten ist es ein Happy End, aus Sicht des Lesers, jedenfalls aus meiner - nicht. Es hätte auch eine andere Wendung nehmen können (mit der vorliegenden hatte ich auf keinen Fall gerechnet), zumal man hier auch aus eigener Erfahrung weiterdenken kann... Jedenfalls war dies eine Leseerfahrung der anderen Art, sowohl aufgrund der Geschichte ansich, als auch von Raoul Biltgens Schreibstil her. Dieser mag so manchem vielleicht nicht gefallen, es gibt häufig sehr lange Sätze, die man erst einmal auf sich wirken lassen muss, ebenso viele Aufzählungen - mir hat er gefallen, es war einmal etwas ganz Anderes. In jedem Fall gibt es hier von mir eine ganz klare Leseempfehlung, ein Buch abseits des Mainstreams, ein Buch, über das man auch einmal nachdenken muss, welches manches Mal ob der klaren Aussagen und Worte den einen oder anderen schockieren mag, aber letztlich hochemotional auf mich gewirkt hat und mir sehr gut gefiel.

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