Raoul Martinez

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Raoul MartinezDie falsche und die wahre Freiheit
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Die falsche und die wahre Freiheit
Die falsche und die wahre Freiheit
 (1)
Erschienen am 12.07.2017
Raoul MartinezEmpathy
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Empathy
Empathy
 (1)
Erschienen am 04.05.2017

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Rezension zu "Die falsche und die wahre Freiheit" von Raoul Martinez

Ein leidenschaftliches Plädoyer für einen zentralen Wert des menschlichen Lebens
michael_lehmann-papevor einem Jahr

Ein leidenschaftliches Plädoyer für einen zentralen Wert des menschlichen Lebens

„Freie Märkte, freier Handel, freie Wahlen, freie Medien, freie Gedanken, freie Rede, freier Wille. Die Sprache der Freiheit zieht sich durch uns Leben und formuliert dabei die drängendsten Probleme unserer Zeit……….Freiheit ist ein mitreißendes Ideal, das im Mittelpunkt unserer Vorstellung von menschlicher Würde und der Vision von einem erfüllten und sinnvollen Leben steht“.

Einleitende Sätze, die den Leser sofort in medias res führen, die den Blick auf die Geschichte öffnen, die ja immer auch, zumindest in der Neuzeit, eine Geschichte um und für die Freiheit ist.
Eine Freiheit, die ebenso immer auch bedroht war und ist. Einerseits durch Kräfte, die „Allein-Herrschen“ wollen und somit immer die Freiheit (gerade die „der anderen“) bedrängen.
Anderseits ebenso immer auch durch „Fakten“. Die „Lotterie der Geburt“, die Martinez bestens im Buch erläutert (die dann eben auch eine „Lotterie“ von Freiheit und / oder Wohlstand ist).
Bedroht auch von den „Fakten zum Überleben“, denn wenn Freiheit alleine dadurch immer mehr eingeschränkt wird, dass aufgrund prekärer Lebens- und Einkommensverhältnisse mehr und mehr Zeit für das Überleben aufgewendet werden muss und ebenso mehr und mehr „Geldgebende“ Mächte über das eigene Leben und den eigenen Weg entscheiden, dann ist Freiheit (und das war nie anders) ein „gefährdeter Wert“.

Dessen Fragilität man seit Jahren hautnah miterlebt durch Wirtschaftskrisen, explodierende Finanzmärkte, Flutung der Welt mit Geld, dass 90 Prozent der Bevölkerung nicht erreicht, kriegerische Krisen, Flüchtlingsströme, Hungersnöte, ultra-konservative Bewegungen der Isolationen und vieles mehr.

Aber Freiheit ist eben auch ein Wert, ein Lebenszustand, der den Kampf, das Ringen, das immer wieder neu für die Freiheit eintreten lohnt.

Denn auch dies setzt Martinez überzeugend und den Leser durchaus ins Nachdenken stürzen.

Wenn man glaubt, frei zu sein (und gerade in den westlichen Industrienationen glauben das wohl die Meisten der Bewohner), dann bringt ein näheres, tieferes Nachdenken diese Überzeugung recht schnell ins Wanken. Und das mehr als noch vor vierzig, fünfzig Jahren.

„Dieses Fundament (die Überzeugung eines freien Lebens)……hat Risse bekommen“.

Und das in weitaus mehr Hinsichten als die offenkundigen Versuche mancher „starker Männer“, in ihren „Ländern“ Freiheiten stark einzuschränken, Oppositionen mundtot (oder gleich ganz tot) zu machen, nur noch am besten ein eindimensionales Denken „im Volk“ zu generieren.

Und, das ist die abstrakte Übertragung, die Martinez in seinem Buch setzt, es geht eben nicht nur um „Personen“ und „einzelne Kräfte“, sondern das System des Kapitalismus an sich ist es, dass an den Fundamenten der Freiheit kratzt, das Meinungen und den öffentlichen Diskurs mitbestimmt und manipuliert, dass statt „freier Individuen“ lieber von „Kunden“ oder „Kostenträgern“ oder „Leistungsträgern“ spricht.

Wobei gerade der Hauptteil des Werkes Beobachtungen über Beobachtungen, Fakten über Fakten anführt, die allesamt im Einzelnen nicht neu oder unbekannt sind, aber in dieser Zusammenstellung eine kräftige Wucht erlangen.

Was sich, so konstatiert Martinez überzeugend, eben nicht nur „ideologisch“ festmachen lässt, sondern weltweit ganz praktisch zu erkennen ist.

„Auf der anderen Seite wachsen als Reaktion auf die miteinander verzahnten Krisen…rund um die Welt neue Bewegungen heran“. Mutige Bewegungen zudem, schaut man nur die Bereitschaft zum Protest in der Türkei oder die immer wieder aufstehende Oppositionsbewegungen in Russland an.

Dass Martinez einen „Bewusstseinswandel“ einfordert, heißt dann aber auch, das gesamte System auf den Prüfstand und in Frage zu stellen, auf dem sich zumindest die westlichen Gesellschaften befinden.

„Das Ideal der Freiheit für die vorrangige Aufgabe zurückzuerobern, Mensch und Planet über Profit und Macht zu stellen“.

Eine These, eine Forderung, die Stärke und Schwäche des Buches zugleich ist. Denn trotz der vielen klaren Möglichkeiten, die Martinez konstruktiv durchaus benennt, das System ist ja nicht von Aussen aufgezwängt, sondern von der Vielzahl der Menschen in den entsprechenden Gesellschaften „gemacht und getragen“.
Was ein radikales Umdenken überaus erschweren wird. Anderseits aber, und darin irrt Martinez nicht, ohne ein solches Umdenken werden viele Aktionen und Impulse eher Makulatur bleiben. Und nötig wäre es, keine Frage. Der geballten Macht des Kapitals und der damit einhergehenden egozentrischen Interessen entgegen zu treten. Denen nicht nur deutsche Autobauer scheinbar bedingungslos nachgehen.

Es ist ein langer Weg der kleinen Schritte.
Aber, da kann man Martinez zustimmen, ein wichtiger und lohnenswerter Weg, für die Idee und die Praxis der Freiheit immer wieder neu einzustehen und aufzustehen. Nicht nur für sich, sondern für „das große Ganze“, das Martinez eindrücklich benennt und vor Augen führt.

Aber selbst, wenn man dem weniger zustimmen sollte, oder wenn man kaum Hoffnung entfaltet auf die mögliche Realisierung der angemahnten Veränderungen, die Lektüre des Buches lohnt sich alleine schon wegen der scharfen Analyse des „Ist-Zustandes“, die Martinez Seite um Seite eloquent zu Gehör gibt.

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