Raoul Schrott Das schweigende Kind

(5)

Lovelybooks Bewertung

  • 8 Bibliotheken
  • 0 Follower
  • 0 Leser
  • 2 Rezensionen
(2)
(0)
(2)
(1)
(0)

Inhaltsangabe zu „Das schweigende Kind“ von Raoul Schrott

Ein Mann sitzt in einem Sanatorium an der Grenze der Schweiz. Er erzählt seiner Tochter die Umstände, die zum Tod ihrer Mutter führten. Immer tiefer in seine Vergangenheit eintauchend, zeichnet er Seite für Seite ein Mosaik seines Lebens auf: seine Karriere als Maler, der Auftrag, einen Katalog von Sternbildern zu erstellen, die Zerrüttungen bei der Geburt der Tochter. Was als schonungslose Beichte beginnt, endet als Geständnis: Trägt er Schuld am rätselhaften Tod der Mutter? Raoul Schrotts dichte Erzählung über Gewalt, die Liebe zu einem Kind, Paradiese und Sünde ist ein erschütterndes Zeugnis. Einem Kippbild gleich zieht es die Geschichte eines großen Verlusts unter vielen Blickwinkeln nach.

Stöbern in Romane

Solange unsere Herzen schlagen

Ein Familiendrama der etwas anderen Art mit überaus liebenswürdigen Charakteren.

Leyla1997

Berties Weihnachtsfest

Ganz süss. Aber nichts spezielles. Die Familie Green hat mich extrem genervt.

Buecherdrachee

Alles über Heather

Für ein paar sehr gute Lesestunden

buchstabensammlerin

Die Farbe von Milch

Großartiges Buch, in einfacher und eindringlicher Sprache geschrieben, passend zur Protagonistin Mary.

meppe76

Acht Berge

Ein berührendes Buch.

Campe

Olga

Traurig. Melancholisch. Dennoch schön

Freda_Graufuss

  • Rezensionen
  • Leserunden
  • Buchverlosungen
  • Themen
  • Rezension zu "Das schweigende Kind" von Raoul Schrott

    Das schweigende Kind

    Wolkenatlas

    12. September 2012 um 11:18

    Eine literarische Beichte? Ein Mann erzählt. Er erzählt seiner nicht anwesenden Tochter die Geschichte seines Lebens. Der Mann ist todkrank, verbringt seine letzten Tage, Wochen, Monate in einer Nervenheilanstalt und wird bald sterben. Die Tochter kennt er kaum. Schnell erkennt der Leser, dass es hier um mehr geht. Hier dient möglicherweise ein Kriminalfall als Hintergrund, als Ausgangspunkt für diese Erzählung. "Erzählenswert ist wohl nur Wirkliches. Um dir jedoch die Wahrheit sagen zu können, muss ich Zeugnis alles Falschen ablegen." Raoul Schrott führt den Leser bedächtig durch diese Beichte, die der Vater auch aus therapeutischen Gründen nutzen will, um seiner Tochter ihm wichtige Punkte klarzustellen. Der Vater beichtet seiner Tochter viel, vielleicht zu viel, auch dass er, der auf Abstand gehaltene Vater, eindeutig nach dem Leben der Mutter getrachtet hat. Der Autor, der mit dem wunderbaren Prosawerk "Finis Terrae" seinen Durchbruch hatte, erweist sich auch in diesem Roman als Meister des Stils. Es gibt nicht viele deutschsprachige Autoren, die Sätze von dieser Qualität und Ausdruckstärke bilden können. Lobenswert auch, dass sich Schrott, zumindest im Ansatz, dem Thema der an der traditionellen und mittlerweile eigentlich längst nicht mehr tauglichen Rechtsprechung scheiternden Väter annimmt. Klug und vorsichtig umschifft Schrott die Klippen der Genauigkeit in dieser Erzählung. Man vermutet, dass der Vater bereits alt, das Kind aber eindeutig erwachsen ist, viel genauer kann man kein zeitliches Raster festlegen. Das stört nicht, im Gegenteil, weil dadurch die Perspektiven stärker verschwimmen können. Der Vater erzählt seiner Tochter, wie er sich in die Mutter des Kindes verliebt hat, die er als Aktmodell kennengelernt hat, von der Geburt des Mädchens als absolutes Wunschkind, von der zerstörerischen Liebe der beiden, von der sadomasochistisch veranlagten Sexualität zwischen der Mutter und dem Vater, vom Drang, dem Partner weh zu tun, Leid zuzufügen; Leid, das natürlich in diesem Fall auch Ursprung der Lust ist. In Wahrheit würde der Rezensent gerne eine Lobeshymne anstimmen, käme diese Beichte des Scheiterns nicht so pathetisch und im Selbstmitleid ertrinkend an. Wären da nicht die vielen Klischeemomente, welche die Ernsthaftigkeit dieses Textes doch schwer in Frage stellen. "Ihr Gesicht verfolgt mich noch immer. Es war nicht schön im klassischen Sinne; vielmehr beeindruckten ihre klar geschnittenen Züge, in denen sich die Abgründigkeit des Lebens zu manifestieren schien. Ihre Mimik jedoch konnte binnen eines Augenblickes zwischen sprühender Offenheit und völliger Verschlossenheit wechseln: als zucke ein Schmerz in ihr auf, der sich in beinah kindliche Hingabe verwandelte. In diesem Punkt logen die Fotografien nicht; sie arbeiteten das Megärenhafte und Missgünstige an ihr ebenso heraus wie ihr vergebliches Aufbegehren dagegen: mit ihr zu sein hieß, in dem schmalen Raum dazwischen zu leben." Die Mutter, zugleich auch Aktmodell, gewalttätiges, labiles, lüsternes, eifersüchtiges, männerfressendes Ungeheuer, quält den Maler und Vater, lässt das Entstehen der gemeinsamen Familie nicht zu und nicht nur das, sie entzieht dem Kindesvater sukzessive die Tochter, was so weit geht, dass die Tochter schließlich in den Zustand des Schweigens hinübergleitet. Raoul Schrott zeichnet eine Frau, die man seinem schlimmsten Todfeind nicht zur Frau wünscht. Und wenn auch so mancher Mann in dieser Erzählung Züge seiner Exfrau finden mag, eine so geballte Ladung übersteigt einfach die Glaubwürdigkeit des Texts um ein Vielfaches. Während sich der Vater in seiner Beichte, bewusst oder unbewusst, immer weiter in die Rolle eines Täters, zugleich aber auch Opfers spielt, verschwimmen die letzten Anhaltspunkte. So steht man knapp vor dem in Art eines Epilogs angehängten Brief vor dem Dilemma, dass man nicht genau weiß, was der Autor jetzt eigentlich mit dieser Erzählung will. Die Vermutung, dass Raoul Schrott mit „Das schweigende Kind“ eine Art von Spiel mit dem Leser treibt, liegt nah. Unstimmigkeiten, die bei einem Autor wie Raoul Schrott einfach nicht Zufall sein können. Welcher Vater würde seiner Tochter beispielhafte Szenen des Intimlebens mit der Mutter des Mädchens erzählen wollen? Dürftig verschleierte Zitate und einige offensichtlich bewusst gesetzte grammatikalische Fehler, die allerdings alle erst zunehmend ab der Hälfte des Romans auftreten, sind für den Rezensenten weitere Hinweise für diesen Gedanken. Am Ende kippt dann die Inszenierung der höchstwahrscheinlichen Täterschaft, wenn der Brief eines Freundes des Vaters an den Vater des Anwalts des Vaters an die Tochter geschickt und somit dem Leser zugänglich gemacht wird. "Das schweigende Kind" ist dicht gezeichnet und löst dank seiner Prosa beim Leser abwechselnd Entzücken und Unverständnis aus. Durch die Verweigerung eines offenen Endes wird dem im Laufe der Erzählung immer dichter werdenden Text leider auch noch eine etwas überflüssige und etwas banale Schlusskadenz aufgesetzt. (Roland Freisitzer; 07/2012)

    Mehr
  • Rezension zu "Das schweigende Kind" von Raoul Schrott

    Das schweigende Kind

    WinfriedStanzick

    22. February 2012 um 12:03

    Ein Maler sitzt in einem psychiatrischen Sanatorium und schreibt seine Lebensgeschichte auf. Er tut es auf Anraten seines Arztes, der ihm den therapeutischen Rat gegeben hat, das, was ihn bewegt, zu Papier zu bringen. Doch sein Schreiben gerät zu einer literarisch ambitionierten Lebensbeichte. Adressat seiner sich über zweiunddreißig Kapitel hinziehende Erinnerungen und Einsichten ist seine Tochter, die er schon bald nach ihrer Geburt nur selten sehen durfte und vor der er nach dem Tod seiner Frau ganz getrennt ist. Er hofft, ihr später, wenn sie seine Texte lesen wird können, zu erklären, wie alles gekommen ist. Doch der Reihe nach. Eines Tages steht vor dem Maler ein neues Aktmodell, das ihn unwahrscheinlich anzieht. Diese Attraktion spürt auch die Frau, und so beginnen sie schon bald eine Beziehung. Der sexuelle Teil dieser Beziehung ist geprägt von Wünschen der Frau nach sado-masochistischen Praktiken, auf die sich der Maler einlässt, für die er sich aber mit jedem Akt mehr verachtet. Diese Gewalt schwappt auch auf die anderen Lebensbereiche über und wird nach der Geburt der gemeinsamen Tochter für den Maler schier unerträglich. Das Kind war durch eine künstliche Befruchtung als Wunschkind auf die Welt gekommen, doch die Mutter beginnt sofort danach, die Tochter dem Vater zu entziehen. Die Mutter trennt sich vom Vater, und auch die wenigen vom Gericht festgelegten Kontakten zwischen Vater und Tochter boykottiert sie, sodass er sie nur sehr selten zu sehen bekommt. Da die Tochter in ihren ersten Lebensjahren nicht spricht, was auch kein Wunder ist bei der Fülle von schrecklicher Gewalt und Wutszenen zwischen ihren beiden Eltern, nennt er sie „das schweigende Kind“. Als der Maler zusammen mit seiner neuen Partnerin Kim in Kroatien einen Kunstauftrag abliefert und dort zwischen die Mühlen der aktuellen kroatischen Politik gerät, lernt er auch einen Mann namens Milan kennen, dem er erzählt, wie seine Frau ihn von seiner Tochter fernhält. Milan verspricht Abhilfe. Doch da auch des Malers Freund Louis mit seiner ehemaligen Frau deren sadomasochistischen Bedürfnisse erfüllt, bleibt nach ihrem Tod dessen Ursache nicht nur für die Polizei ungeklärt. Natürlich gerät der Maler in Verdacht, doch die Ermittlungen werden eingestellt. In der Zwischenzeit ist sein psychischer Zustand prekär, und er muss in die Klinik, von wo aus er seiner Tochter schreibt. Voller kunsttheoretischer Betrachtungen sind diese Texte, und gleichzeitig ein erschütterndes Dokument eines psychischen Niedergangs. Die Erzählung bleibt sprachlich dicht und spannend bis ans Ende, in dem ein Brief des Psychiaters an die Tochter des Malers, dem er die Aufzeichnungen des Vaters zufügt, doch so etwas wie eine Aufklärung bringt. Ein beeindruckendes literarisches Dokument eines großen menschlichen Verlustes.

    Mehr
  • Was ist LovelyBooks?

    Über Bücher redet man gerne, empfiehlt sie seinen Freunden und Bekannten oder kritisiert sie, wenn sie einem nicht gefallen haben. LovelyBooks ist der Ort im Internet, an dem all das möglich ist - die Heimat für Buchliebhaber und Lesebegeisterte. Schön, dass du hier bist! Mehr Infos

    Buchliebe für dein Mailpostfach!

    Hol dir mehr von LovelyBooks