Raoul Schrott Gilgamesh

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Inhaltsangabe zu „Gilgamesh“ von Raoul Schrott

Es ist das erste Großepos der Weltliteratur und handelt von Themen des Lebens schlechthin: vom Wunsch nach Unsterblichkeit, der Suche nach Ruhm, von Macht, der Auflehnung gegen die Götter, Freundschaft und Liebe. Raoul Schrott hat zusammen mit führenden Assyrologen eine wortgetreue, philologische Übersetzung angefertigt. Und daneben steht eine zweite, dichterische Fassung voll jener sprachlichen Frische und Lebendigkeit, für die Schrott bekannt ist. Der Jahrtausende alte Text erwacht zu neuem Leben: Der Regisseur Klaus Buhlert hält die Spannung zwischen hohem Ton und salopper Rede, zwischen Pathos und Slang, zwischen Epos und Abenteuergeschichte, zwischen Gestern und Heute. (3 CDs, Laufzeit: 3h 15)
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  • Rezension zu "Gilgamesh" von Raoul Schrott

    Gilgamesh
    HeikeG

    HeikeG

    18. April 2007 um 15:53

    Syrien klingt nach Bayern ;-) Diese Rezension bezieht sich ausschließlich auf die Hörspielfassung. Das Gilgamesh-Epos ist vielleicht das erste "aufgeschriebene" literarische Werk der Welt. Die dreistündige CD-Fassung, basierend auf der Neuübersetzung von Raoul Schrott, wirkt wie im Jungbrunnen gebadet. Viertausend Jahre soll das alt sein, unglaublich! Gilgamesh, der König, der nicht sterben will, blickt auf sein ruheloses Leben zurück. Er, zu zwei Dritteln Gott, zu einem Drittel Mensch, hat sich gegen die Götter aufgelehnt, hat, um unsterblich zu werden, die ganze Welt bis in den Hades durchquert, hat gegen seine Ängste und bösen Träume angekämpft, und wie Sisyphos nicht aufgegeben. Am Schluss ist er allein und sein Leben erscheint als endloses Scheitern. Alles was groß begonnen hat, endet kläglich. Der Tod ist nicht besiegt, die Götter sind nicht gestürzt. Der Mensch ist klein. Schrott hat die Helden aus dem Original auf ein menschliches Maß zurückgeführt. Zwölf Meter hohe, überlebensgroße Gestalten werden bei Schrott wieder Menschen aus Fleisch und Blut. Klein sind sie vor allem in ihrer Angst vor dem Tod und dem Ungewissen. Wo hat alles begonnen? Wie ein wilder Stier hatte Gilgamesh in Uruk geherrscht, ein unbändiger Tyrann war er. Bis er jemanden fand, der ihm ebenbürtig war, Enkidu. Die Götter hatten den Tiermenschen Enkidu aber geschaffen, um Gilgamesh zu besiegen, doch aus dem Kampf wird eine Lebensgemeinschaft: das "Liebespaar" Gilgamesh und Enkidu. Die beiden ziehen von einem Abenteuer ins nächste, besiegen den dämonischen Riesen Humbaba, den Wächter über einen Zedernwald, töten den rasenden Himmelsstier, den die verschmähte Göttin Ischtar ihnen schickte. Die Götter aber lassen nicht mit sich scherzen, Enkidu muss sterben und Gilgamesh irrt in unsterblicher Trauer weiter bis ans Ende der Welt, wo er den babylonischen Noah findet. Die CD-Fassung beginnt leise, wie eine moderne Expedition ins Totenreich: "Hallo, ist da jemand?", forscht eine Frauenstimme. Erzählerstimme und direkte Rede greifen ineinander, eine wilde Reise beginnt, akustisch angepeitscht durch Musik. "Jajajajajaja", schreit Ishtar voller Lebenslust. Gekonnt wird die Spannung zwischen hohem Ton und salopper Rede, zwischen Pathos und Slang, zwischen Epos und Abenteuergeschichte, zwischen Gestern und Heute, gehalten. Das umfangreiche Booklet zu den drei CDs informiert ausführlich über philologische und historische Hintergründe. Martin Wuttke als Gilgamesh, Kathrin Angerer als Ishtar/Shamhat/Siduri, Bernhard Schütz als Humbaba und Josef Bierbichler - mit unverkennbarem bayrischen Dialekt - als Enkidu - einfach großartig. Plötzlich ist Mesopotamien mitten in Berlin. Und Syrien klingt nach Bayern, wenn Bierbichler sagt: "Das ist mir ein schöner Sauhaufen, eure Götter". So jung war alte Literatur schon lange nicht mehr. Und man sieht, dass man einen Text nur gut erden muss, damit er ohne Mühe hoch aufsteigen kann. Die anfänglichen Phasen der Verwirrung lösten sich bei mir relativ schnell. Mit dem Ende zu beginnen und in einer Art Rückschau zu erzählen, wie es dazu kam, verkompliziert die Geschichte zwar anfänglich, aber man rutsch relativ schnell hinein. Auch die Musik ist anfangs gewöhnungsbedürftig. Aber sie erschließt sich nach längerem Zuhören relativ gut und spätestens nach zwei Dritteln der Geschichte erscheint sie unverzichtbar. Sie wird zu einer Art Puls, der diesen Epos nicht nur begleitet, sondern ihm zugrunde liegt. Besonders hervorzuheben und zur weitergehenden Auseinandersetzung mit diesem Epos sicherlich unverzichtbar ist das 60-seitige Booklet, das den drei CDs beigelegt ist. Erschöpfend und spannend wird hier beschrieben, was nicht in einem Hörspiel vermittelbar ist. Die Auswirkungen dieses Epos auf Homer, auf die Bibel und auf "Geschichten aus eintausend und einer Nacht" werden eloquent und versiert erläutert. Fazit: Gilgamesh ist anfangs sperrig, verlangt hohe Konzentration und einen Hörer, der bereit ist, die beigefügten schriftlichen Informationen zu nutzen. Dann aber ist es ein einmaliges Erlebnis. Man wohnt einem Vortrag von Göttern und Menschen bei, fast so, als wäre man Zeuge dieser Ereignisse geworden. Großartig!

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