Raphael Thelen

 4,1 Sterne bei 10 Bewertungen
Autor*in von WUT und Straße der Träume.

Lebenslauf

Raphael Thelen lebt und arbeitet als Reporter an den Bruchstellen der Welt, dort, wo die Konturen von Gesellschaften am schärfsten zutage treten, die Grenzen zwischen Privatem und Politischem verschwimmen. Er berichtete 2011 über den Freiheitskampf der Menschen im Nahen Osten, begleitete Fliehende auf ihrer Route durch den Balkan, schrieb über die neuen und alten Träume Ostdeutschlands. Seine Reportagen erschienen im SPIEGEL, der ZEIT, dem SZ Magazin. 2018 veröffentlichte er sein erstes Buch »Die Straße der Träume«. Als engagierter Beobachter beschreibt er Verhältnisse nicht nur; er hofft sie zu verändern.

Quelle: Verlag / vlb

Alle Bücher von Raphael Thelen

Cover des Buches WUT (ISBN: 9783716000052)

WUT

 (5)
Erschienen am 17.08.2023
Cover des Buches Zwei am Puls der Erde (ISBN: 9783442315963)

Zwei am Puls der Erde

 (4)
Erschienen am 09.05.2021
Cover des Buches Straße der Träume (ISBN: 9783861247159)

Straße der Träume

 (1)
Erschienen am 22.03.2018

Neue Rezensionen zu Raphael Thelen

Cover des Buches WUT (ISBN: 9783716000052)
dasbuchzuhauses avatar

Rezension zu "WUT" von Raphael Thelen

Wenn Protest nicht ernst genommen wird
dasbuchzuhausevor 8 Monaten

Und wieder ist die Gruppe von Klimaaktivist*innen um Vallie, Sara, Lisa, Robert und Wassim auf den Straßen Berlins unterwegs und demonstriert – alles schön geordnet, nett, freundlich, gesprächsbereit. Es ist ein heißer, schwüler Tag, eines der mittlerweile typischen Unwetter, die meist Leben kosten, ist vorhergesagt.


Plötzlich war da dieser Gedanke, es heute einmal anders verlaufen zu lassen, es eskalieren zu lassen. Die DE, ein Energiekonzern, der per Urteil dazu verpflichtet worden war, die Emissionen innerhalb von Jahren zu halbieren, hatte bekanntgegeben, ins Ausland abzuwandern. Der Tropfen, der dem Fass noch zum Überlaufen gefehlt hatte.


Diese Demo verlief anders als all die anderen Demos zuvor. Ein Teil der Demonstrierenden stürmt die DE-Zentrale, der andere Teil läuft weiter. Wie wird es ausgehen?


Wer jetzt denkt, „Wut“ ist nur ein Buch über Klimaaktivist*innen, die eskalieren, irrt. Es geht viel weiter und erzählt verschiedene Geschichten auf unterschiedlichen Ebenen. Natürlich ist es eine Geschichte, die vermutlich recht nah an der Realität der Klimabewegung ist. Menschen, die einfach immer unter Strom stehen, weil sie sich komplett dafür einsetzen, dass wenigstens das 1,5-Grad-Ziel eingehalten wird und fassungslos sind, weil so wenig getan wird.


Es ist Verzweiflung spürbar und an diesem Tag geht diese Verzweiflung in Wut über und die Situation eskaliert. Die Aufgaben sind klar verteilt: Vallie ist der denkende Kopf, Sara die Emotionale, Wassim ein weiterer Denker, Lisa die Organisierende, die die PR-Frau und Robert eskaliert noch einmal ganz anders.


Sie stehen stellvertretend für die vielen Aktivist*innen, die in unserer Leistungsgesellschaft großgeworden sind, die aufgrund ihrer Herkunft diskriminiert werden und es trotzdem im System schaffen wollten und sogar viel erreicht haben, studiert haben, im Sport erfolgreich waren und irgendwann merkten, dass mit dem System etwas nicht stimmt. Ein System, in dem nur Leistung zählt. Gleichzeitig durften sie ihrer Wut keinen freien Lauf lassen, sondern immer nett bleiben, angepasst.


Raphael Thelen beschreibt die Kämpfe, die seine Hauptfiguren in sich selbst auszufechten haben und wie sie so wurden, wie sie sind. Er beleuchtet ihre Ängste, warum sie sich in der Klimabewegung engagieren und zeigt auch ihre innere Zerrissenheit, zum Beispiel wie es um die Beziehung von Vallie und Sara steht. Es geht weit zurück in die Kindheit und wie sie geprägt wurden.


Und so wird auch klar, wie sich diese Generation irgendwann politisch engagierte und warum sie das tat. Sie erlebten ein unglaubliches Gemeinschaftsgefühl und dann diese unglaubliche Enttäuschung, dass es nur Worthülsen waren und es keinen Klimaschutz gibt, sobald die Freiheit der Wirtschaft gefährdet war.


So weit hat der Roman ganz viel mit der Realität zu tun und könnte vermutlich auch ein Bericht sein, warum viele in der Klimabewegung so verzweifelt, müde und wütend sind. Dann gelingt Raphael Thelen der Twist zu einem filmreifen Finale. Wie es am Ende mit der Demo ausgeht, kann ich allerdings jetzt nicht verraten, aber Hollywood hätte diese Szene nicht besser drehen können.


Zum Schluss gibt es noch eine Utopie, die so vermutlich niemals eintreten wird, aber allein der Gedanke, dass die Welt nicht in einem Mad-Max-Szenario enden wird, tut gut. Es ist ein Roman, es reicht schon, dass die Verzweiflung, die Diskriminierung so echt rüberkommen!

Cover des Buches WUT (ISBN: 9783716000052)
Lesewesens avatar

Rezension zu "WUT" von Raphael Thelen

Wo ist die Wut in der Klimabewegung?
Lesewesenvor 10 Monaten

Es gab einen bestimmten Grund, weshalb ich das Buch lesen wollte, nämlich die Aktionen der »Letzten Generation zu verstehen, die überall zu hitzigen Diskussionen führen. Deshalb fange ich meine Rezension heute mal von hinten an. Raphael Thelen ist ein ehemaliger SPIEGEL- und ZEIT-ONLINE-Jounalist, der seinen Job an den Nagel gehangen hat und sich seit Januar in der Letzten Generation engagiert. Er begleitet schon seit Jahren die Klimabewegung, hat ein Sachbuch dazu geschrieben und setzt sich in seinem Debüt »Wut« mit der emotionalen Seite des Klimawandels und der Klimabewegung auseinander. Wie weit darf oder muss ziviler Ungehorsam heute gehen? Wie entsteht Wut und kann sie die Welt verändern?

Kommen wir zum Inhalt.
Drei junge Menschen sind mitten in einer »Latschdemo« in der Gluthitze Berlins. Sie fragen sich, ob diese Art von Protest überhaupt noch zu Ergebnissen führt. Aus einem spontanen Aktionismus heraus stürmen sie die Zentrale der DE (Deutschen Energie) und nehmen die Chefin als Geisel. Doch dann wissen sie nicht weiter. Parallel läuft die Demo weiter durch Berlin, wird von der Polizei verfolgt und besetzt die Baustelle einer Pipeline. Wut und Verzweiflung treibt die Aktivisten an und hat natürlich Folgen.

Hauptsächlich folgen wir den Geschehnissen und Gedanken aus der Perspektive von Vallie, aber auch Sara, ihrer Freundin, und Wassim kommen zu Wort, indem uns Thelen die Vergangenheit der jungen Protagonisten beleuchtet, ihren unterschiedlichen Backgrounds, ihre ganz persönlichen Gründe, sich der Klimabewegung anzuschließen. Das ist für mich sehr schlüssig dargestellt. Auch den spontanen Affekt, die DE zu stürmen. Nur würde ich es nicht Wut, sondern Verzweiflung nennen.

Thelen will zeigen, dass Wut alte Denkmuster aufbrechen und zu neuen Lösungen führen kann, so sein O-Ton in einem Interview. Er ist der Meinung, es braucht mehr Wut, um die großen Ziele zu erreichen.

Bin ich ganz bei ihm und ich finde, das alles hat er bis auf eine Ausnahme, die für mich inakzeptabel war (Robert, der nicht schlüssig bis zum Ende gezeigt wurde), auch plausibel dargestellt.
Über das Buch zu schreiben ist mir nicht leicht gefallen, denn dafür ist es einfach zu nah an den aktuellen Geschehnissen dran, die ich nur schwer ausblenden kann. Soll es nun eine reine Fiktion sein oder sollen hier Möglichkeiten aufgezeigt werden? Jetzt im Nachhinein bleibt seine Geschichte für mich zweigeteilt. Bis zum Ende der Demo, die übrigens in einem filmreifen Ende gipfelt, fühlte es sich für mich sehr glaubhaft an, nah an einem denkbaren Szenario. Allerdings ist seine abschließende Zukunftsutopie aus der Luft gegriffen, auch wenn es für ihn persönlich vorstellbar ist. Das hat die durchweg gute Story für mich zerstört.

»Was wir brauchen, ist nicht ihr Weiterso, sondern einen Neuanfang. Was wir brauchen, ist nicht ständige Angst, die uns eng, klein und hilflos macht, sondern Mut, Weite und Liebe.« S.152

… schreibt er kurz vor dem Ende. Ja, da stimme ich ihm zu. Aber Neuanfang bedeutet für mich eine Veränderung von gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Strukturen, denn nur so lassen sich auch viele andere Missstände, für die heute gekämpft wird, angehen und überwinden. Hätte das Buch etwas mehr Umfang gehabt und wäre ein Weg dorthin sichtbar gewesen, hätte ich ihm gern auch seine utopischen Ausblicke abgenommen. Aber so steht dieser Blick auf eine komplett andere Gesellschaftsordnung, die aus illusorischen Lebensmodellen besteht, isoliert am Ende. Aber gut, jeder Generation hat ihre Träume, ich lasse sie träumen.
Allgemein hätte das Buch gern etwas wütender sein dürfen, weniger verzweifelt. Für mich ist das Buch leider kein Hoffnungsträger, auch wenn ich voll hinter den zu erreichenden Zielen stehe. Das mag aber an meiner Erwartung gelegen haben.

Fazit
Ich würde das Buch gern allen empfehlen, die sich mit der Thematik auseinandersetzen wollen, denn es bietet in jede Richtung kritischen Diskussionsstoff.

Cover des Buches WUT (ISBN: 9783716000052)
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Rezension zu "WUT" von Raphael Thelen

In den Köpfen der Klimaaktivisten
dunis-lesefuttervor 10 Monaten

Nah an einem der aktuellsten Themen unserer Zeit zu sein, hatte ich mir von diesem Buch erhofft. Diese Hoffnung wurde erfüllt. Es ist, als ob man durch ein Mikroskop in die Szene der Klimabewegung hinein schaut und nicht nur an den äußeren Aktionen teilnimmt, sondern auch an den inneren Vorgängen, die die Wut als Treiber aber auch als Symptom haben.


Vallie, Sara und Wassim sind Klimaaktivisten, die sich in einer Demo befinden und aus dem Gefühl der Resignation heraus die Stimmung bei sich und anderen kippen lassen. Zwei stürmen die Zentrale der fiktiven DE (deutsche Energie) während Sara und ihre Mitstreiter*innen eine Baustelle besetzen. Wir erleben nun wie die Situationen eskalieren. Gespickt ist das ganze mir Rückblicken und Analysen der aktuellen Umweltsituation. Daraus können wir Schlüsse ziehen, warum die einzelnen Figuren so wurden, wie sie sind. Auch das erweiterte Personal des Romans , zum Beispiel Robert, der auf einer Tour durch den Balkan mit dem Thema Wut auseinandersetzt, erst nebenbei, etwas polemisch nachher durch verschiedene Verkettung in relativ radikal, sind immer hintergründig, aber nicht immer auserzählt.


Die Entstehung der Wut jeder einzelnen Person ist für mich nachvollziehbar. Bin ich doch selber auch fassungslos wie langsam und wenig aussichtslos Entwicklungen zu einer besseren Umwelt von statten gehen. Auch meine Sehnsucht geht manchmal in die Richtung Wut offen ausleben zu wollen. Aber ich kann mich beherrschen. Und meistens bin ich froh darüber. Auch diese Auseinandersetzung erleben einzelne Protagonisten, sind aber gefangen im sozialen Miteinander von Erwartungen und Vorwürfen. Die persönliche Situation spielt immer eine Rolle. Neutralität ist selten gewahrt. Sympathien für irgendeine Person konnte ich leider nicht entwickeln. Ist aber bei diesem Thema auch wirklich schwer, denn wir sind alle hilflos, wir sind alle schuld und wir sind ohne Wut wahrscheinlich auch alle verloren.

Dieser „Roman“ arbeitet auch mit Klischees. Man weiß sofort, wer die Guten sind und dass Polizisten und Politiker oder Wirtschaftsgrößen zu den bösen gehören. Das mag zwar in der Realität auch zu treffen (Polizisten mal ausgenommen), wirkt auf mich aber häufig beim Lesen sehr eindimensional. 


Das Wut ein Treiber sein kann, um auch Gutes zu erreichen, ist allgemein bekannt. Thelen macht sie zum roten Faden durch sein belletristisches Werk. Die wird auch reflektiert aber leider auch an vielen Stellen im Buch als probates Mittel zum ausüben von Gewalt von Menschen gegen Menschen  romantischsiert. Besonders zum Ende hin wird das massiver. Das wirkt manchmal etwas zu wütend und bisweilen sogar recht unbedarft.


ACHTUNG, JETZT KOMMT EIN SPOILER:

❌Die Utopie am Ende von „alles wird gut“ und „die Menschen ändern sich“ ist mir zu naiv. Da bin ich wesentlich pessimistischer. Allerdings ist es ja ein Roman und fiktives Denken ist natürlich erlaubt. ❌SPOILER ENDE


In Anbetracht der Kürze des Textes finde ich es schwierig von einem Roman zu sprechen. Knapp 160, viele freigelassene Absätze, teilweise nur drei Sätze auf einer Seite, lassen nur eine Aneinanderreihung von Themen, Meinungen Statistiken, viele, viele Fragen und rasch aufeinanderfolgenden Aktionen zu. Als Roman hätte man das viel mehr ausarbeiten können. So hat die Story mehr Sachbuchcharakter als vermutlich gewollt. Die Wut allerdings kommt durch, geballt und feuerrot! Eine Empfehlung für alle, die in die Köpfe der Menschen schauen wollen, die es Ernst meinen.

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