Rax Rinnekangas Der Mond flieht

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Inhaltsangabe zu „Der Mond flieht“ von Rax Rinnekangas

Ein sinnlicher, poetischer Text über einen Sommer im hohen Norden Finnlands, als Lauri, der 13jährige Erzähler, erwachsen wird. Ausgezeichnet mit dem Finnischen Staatspreis, ins Deutsche übertragen von Stefan Moster, dem besten Kenner finnischer Gegenwartsliteratur. Wie jedes Jahr verbringt Lauri den Sommer in Latvala auf dem Bauernhof seines Onkels Eino. Er hilft bei der Heuernte und auf der Weide und träumt sich zusammen mit seiner Cousine Sonja und Cousin Leo in eine geheimnisvoll-sinnliche Parallelwelt. Hier haben die Steine Seelen, der Fluss wird zum Refugium, eine riesige alte Fichte hat mystische Kräfte. Die Anführerin und Meisterin der drei ist die schöne, ungestüme Sonja. Sie stachelt Lauri und Leo zu immer neuen beglückenden, bedrohlichen Dingen an. Sie verleiht ihnen das Gefühl, zu fliegen. Aber dann geschieht die Katastrophe ... Ein kleines Meisterwerk, das mit kristallklarer Sprache und seltener Präzision eine verstörende Gefühlswelt einfängt.

Von sommerlicher Verzauberung hin zu dramatischen Verwicklungen von Schuld und Trauer, wirklich gelungen.

— Poesiesoso

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  • Von hoher sprachlicher und literarischer Qualität

    Der Mond flieht

    WinfriedStanzick

    05. February 2015 um 10:01

    Dieser Roman entführt seine Leser in den hohen Norden Finnlands in ein kleines Dorf. Dort leben in einer kleinen Gemeinde Menschen, deren Leben spartanisch und deren Glauben bigottisch ist. Er erzählt von Lauri, einen Jungen, der in diesem Dorf auf dem Hof Latvala bei seiner Tante und seinem Onkel die Sommerferien verbringt. Der Wald und der Fluss sind sein Refugium. Dort bewegt er sich wie ein Fisch im Wasser. Er hat eine Cousine namens Sonja und einen Cousin namens Leo, die zusammenhängen wie zwei Kletten, aber Lauri sehr bald aufnehmen in ihre verschworene Gemeinschaft. Es wird erzählt von der frommen Lebensweise der Dorfbewohner, bevor sich die Haupthandlung den drei pubertierenden Jugendlichen zuwendet. Gelangweilt von der Gegenwart, bauen sie an ihrer eigenen Fantasiewelt, in der es spukt von verschwundenen Seelen und der Freiheit des Fliegens und des Geistes. Zwischen Fantasie und realen Vorstellungen üben sich die drei Jugendlichen Sonja, Leo und Lauri zu sexuellen Handlungen angeführt von Sonja. Verwirrend und erschreckend, erhöhen diese Heimlichkeiten aber den Genuss des Verbotenen. Die geheime Welt der Kinder, bleibt der Erwachsenen verborgen. Der Leser wird sukzessive in eine Geschichte verwickelt, in der die Grenzen zwischen Gut und Böse verschwimmen und die auf ein dramatisches Ende hintreibt. Perfekt aufgebaut, steigert sich die Spannung. Es geht um Jugendliche auf der Suche nach ihrer Identität, um Ende und Weite und um Schuld und Sühne. Das Buch ist in Finnland preisgekrönt worden und ist von hoher sprachlicher und literarischer Qualität.

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  • Kurz, einprägsam, schmerzvoll, dramatisch – mehr als Literatur.

    Der Mond flieht

    Schneekatze

    29. October 2014 um 20:25

    Klappentext: "Wie jedes Jahr verbringt Lauri den Sommer in Latvala, einem Dorf hoch oben im Norden Finnlands, auf dem Bauernhof seines Onkels Eino. Er hilft bei der Heuernte und auf der Weide und träumt sich zusammen mit seiner Cousine Sonja und Cousin Leo in eine geheimnisvoll-sinnliche Parallelwelt. Hier haben die Steine Seelen, der Fluss wird zum Refugium, eine riesige alte Fichte hat mystische Kräfte. Die Anführerin und Meisterin der drei ist die schöne, ungestüme Sonja. Sie stachelt Lauri und Leo zu immer neuen beglückenden, bedrohlichen Dingen an. Sie verleiht ihnen das Gefühl, zu fliegen. Aber dann geschieht die Katastrophe, und plötzlich bestimmt unendliche Trauer die langen Sonnentage mit ihren harzigen Düften, den Mückenschwärmen, den frenetischen Vogelstimmen… Ein kleines Meisterwerk, das mit kristallklarer Sprache und seltener Präzision eine verstörende Gefühlswelt einfängt." Cover & Titel: Das eher schlichte Cover passt gut zu der finnischen Landschaft. Im Nachhinein finde ich es auch passend gewählt, dass keine Menschen darauf abgebildet werden. Es charakterisiert die Natur, die Vergänglichkeit. Und der Titel dazu verdeutlicht die Poetik des Schreibstils. Inhalt & Stil: »Auf den Tod nahmen wir keine Rücksicht. Wir kannten ihn nicht und dachten auch nicht an ihn, bis er in jenem Sommer in unser Leben trat.« Mit diesen beiden Sätzen beginnt der Roman und sie zeigen auch schon deutlich das Thema von diesem Roman: Der Tod, der Verlust eines nahestehenden Menschen. Auch handelt es aber von der Leichtigkeit eines Sommers in Finnland, der Freundschaft zwischen drei Jugendlichen und der Liebe. Trotzdem finde ich den Zusatztitel „Eine Sommergeschichte“ unpassend. Auch der Kommentar von Ruthard Stäblein „Eine ideale Lektüre für den Sommer“ (HR2 Kultur, 15.07.2014), mit dem geworben wird, finde ich irreführend. Die Traurigkeit zwischen den Zeilen ist allgegenwärtig, es ist kein lockerer Sommerroman, trotz der Kürze und dem fließenden Schreibstil, durch den man den Roman innerhalb weniger Stunden durchlesen kann. Ich selbst las ihn fast in einem Stück. Aber die Dunkelheit bleibt zurück. Die Kindheit, die Leichtigkeit, das Leben auf dem Land: Nur eine Erzählung in einer perfekten Jahreszeit, bis plötzlich alles vorbei ist und die glücklichen Stunden im Morast versinken. Charaktere: Die Dreiecksgeschichte von Sonja, ihrem Bruder Leo und Lauri ist seltsam und verstrickt; dazu kommt die Frage: Wer trägt die Schuld an diesem einen Unglück, wenn überhaupt jemand Schuld hat? Was passiert mit ihnen, wenn die Gefühle sie innerlich zerreißen? Sonja ist die stärkste Person und blieb mir lebhaft in Erinnerung. Sie reißt die beiden mit, ist sehr enthusiastisch und besitzt viel Fantasie. Sie wirkt als das tragende Element der Geschichte. Ein Wort zum Übersetzer: Stefan Moster ist selbst Autor. Empfehlenswert ist sein Roman „Die Frau des Botschafters“. Fazit: 5/5 Kurz, einprägsam, schmerzvoll, dramatisch – mehr als Literatur. Lieblingszitate: »Gerade das Schicksal ist es, das Menschen zu Verrückten macht.« (S. 19) »Sie war schön und distanziert, warm und hochmütig, verschwiegen und lebhaft – alles zugleich. [...] In den Pausen streunte sie verträumt umher, mit offenem blonden Haar, allein, bis sie sich dazu herabließ, aufzuwachen und sich den anderen anzuschließen. All das gestand man ihr zu, denn man sah Sonja an, dass sie eine außergewöhnliche Person war, eine, die zu einer Einsamkeit verurteilt war, aus der man sie nicht retten konnte, was sie aber auch gar nicht gewollt hätte.« (S. 30) »Weißt du nicht, dass alles Leblose auf der Welt ebenso lebendig ist, wie wir lebendigen Menschen es sind? So wie es die Steine sind. Wenn man aufhört, das Leblose zu ehren, hat man auch keinen Respekt mehr vor dem Lebendigen.« (S. 38) »Ich war sicher, dass der Tod das Lachen stahl.« (S. 92) »In Wirklichkeit gibt es für den Menschen nur ein Mittel, richtig zu bereuen und Schuld zu empfinden: in echte Trauer zu geraten. Und echte Trauer entsteht nur durch einen endgültigen Verlust, durch den Tod eines nahestehenden Menschen. Alles andere ist vollkommen nutzlose Selbstzerstörung, weil sich das Gefühl immer auf das Lebendige richtet.« (S. 114) »Du sollst trauern, Lauri, aber denk daran, dass auch die Trauer nichts nützt. Wenn der Grund für die Trauer im Grab liegt, muss der Trauernde weiterleben.« (S. 116) »Wenn man einen Schatten bekommt, wächst der Schatten auch. [...] Die Liebe ist von allen Schatten der längste.« (S. 158)

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  • Lebensfreude, Liebe, Drama und Trauer

    Der Mond flieht

    michael_lehmann-pape

    25. August 2014 um 12:15

    Lebensfreude, Liebe, Drama und Trauer 13 Jahre alt ist Lauri, als sich sein Leben verändert. Innerlich. Von jetzt auf gleich fast, in einem sehr komprimierten Ablauf. Latvala, das Dorf in Finnland, in dem Lauri seinen Sommer verbringt. Bei seinem Onkel. In einer Familienkonstellation, die lange vor seiner Zeit einen tiefen Bruch erfahren hat. Lauris Großvater hat, einfach so, nach dem Tod seiner Frau, seine Kinder verlassen. Diese ausgesetzt, „dem Dorf anvertraut“ und sich der Fremdenlegion angeschlossen. Nun ist er seit Jahren wieder da. Im Dorf. Hat sein Recht auf das Haus genommen, eine Firma aufgebaut, lebt ganz für sich inmitten einer tief frommen Gemeinschaft, deren Tagewerk aus Arbeit und Gebet und Radiogottesdiensten besteht. Alles ist festgefügt, alles ist klar, alle Beziehungen stehen fest. Nicht aber bei den Kindern. Sonja, die Mutige, die Anführerin, die Abenteuerlustige. Leo, Sonjas Bruder, der sich mitreißen lässt in die Magie der Erlebnisse, das Klettern auf den Bäumen, der die Nähe genießt. Und eben Lauri, Cousin der beiden und Teil des Triumvirats. Eine innige Nähe, die körperlich werden wird. Erste, tastende Gefühle, die schnell überborden können, in die ein oder andere Richtung. Ein Erleben, welches Rinnekangas mit schlichten Worten in intensiver Atmosphäre fassbar und fühlbar zu vermitteln versteht. Emotionen, die den Leser umgehend erinnern an seine eigenen, ersten Schritte ins erwachsene Leben, in die Pubertät. Gefühle, die ebenso verantwortlich sind für ein Drama, für einen unglaublichen Fluss der Trauer im zweiten Teil des Buches, der ebenso ertragen, verarbeitet werden muss. „Alles geschah wir im Traum. Leo sah mich bestürzt an, ich fing an zu schreien“. Nähe, Geheimnis, Drama, Distanz, Versuch der Nähe und ein fliegender Stein, eine ganze Welt des emotionalen Erlebens breitet Rinnekangas vor den Augen des Lesers aus und stellt diesem in einer einzigen und doch tief nachhaltigen Sequenz die Abgeklärtheit des Lebens gegenüber. Als der Großvater ein einziges Mal mit Lauri sprechen wird. „Er lachte über seine Erinnerungen, die ihm nicht mehr weh taten“. Lernen, Entscheidungen zu treffen. Für sich. Eine Haltung und einen Weg zu finden durch alle auch harten Momente des Lebens hindurch, das steigt in den Vordergrund des Romans. „Denn der Tod liebkoste und trug sie. Zwischendurch kam der Tod auch zu mir und streichelte mich, dann kehrte er wieder zurück, um die anderen in der Schwebe zu halten“. Eine sehr empfehlenswerte Lektüre.

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