„…dass die Dunkelheit, in der die Blinden lebten, im Grunde nichts anderes sei als ein Mangel an Licht und dass das, was wir Blindheit nennen, nur Wesen und Dinge überdeckte, sie jedoch hinter einem schwarzen Schleier intakt hielt.“
José Saramago entwirft in „Die Stadt der Blinden“ ein spannendes Szenario: Was passiert mit den Menschen, wenn auf Grund einer um sich greifenden Blindheit sämtliche demokratischen und zivilisatorischen Strukturen zusammenbrechen? In einer namenlosen Stadt erleben das namenlose Protagonisten (ergo: Es ist überall möglich und niemand ist davor gefeit) und der Leser verfolgt atemlos, wie Moral und Nächstenliebe zwar nicht gänzlich ausgelöscht sind, aber nur noch vereinzelt existieren.
Inhaltlich ist das sehr interessant (v.a. weil man sich unweigerlich immer wieder selbst die Frage stellt: Wie würde ich damit umgehen und mich verhalten?) und spannend, aber der Schreibstil ist meines Erachtens alles andere als herausragend – eher sperrig, konfus und holprig. Deshalb fiel mir die Lektüre bisweilen doch etwas schwer und ich blieb nur auf Grund des brisanten Konstrukts am Ball. Spannende Geschichte: ja. Erstrangiges Buch, das zu Recht mit dem Literatur-Nobelpreis bedacht wurde: nein.
Rezension zu "Die Stadt der Blinden, Sonderausgabe" von José Saramago


