Raymond Radiguet

 4.3 Sterne bei 18 Bewertungen
Autor von Den Teufel im Leib, Den Teufel im Leib und weiteren Büchern.

Alle Bücher von Raymond Radiguet

Den Teufel im Leib

Den Teufel im Leib

 (16)
Erschienen am 05.10.2016
Den Teufel im Leib

Den Teufel im Leib

 (1)
Erschienen am 13.09.2007
Der Ball des Comte d' Orgel

Der Ball des Comte d' Orgel

 (1)
Erschienen am 01.03.1998
The Devil in the Flesh

The Devil in the Flesh

 (0)
Erschienen am 27.03.2012

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Rezension zu "Den Teufel im Leib" von Raymond Radiguet

Eine skandalöse Liebesgeschichte im Frankreich des Ersten Weltkrieges
Joachim_Tielevor 3 Jahren

Wenn man den Verlagsangaben glauben darf, was bei Suhrkamp allerdings gelegentlich nicht empfohlen ist, wird in wenigen Tagen (angekündigt ist der 06.06.2016*)) eine neue Ausgabe dieses hinreißenden kleinen Bändchens erscheinen, die hiermit herzlich begrüßt werden soll. Es handelt sich um die Beschreibung der autobiographischen Liebeserinnerungen eines Vierzehn- bis Siebzehnjährigen, erschienen kurze Zeit bevor der dann zwanzigjährige Verfasser an Typhus verstarb. Das Erscheinen dieses Buches löste im Frankreich des Jahres 1923 einen veritablen Skandal aus. Der offensichtliche und vordergründige Anlass dafür war die auch in körperlichen Details realistische Beschreibung der Liebesbeziehung eines Gymnasiasten zu einer Mitschülerin, die später einen Frontsoldaten des ersten Weltkrieges geheiratet hatte, die Beziehung zu ihrem früheren Schulkameraden aber weiterführte. Ehebruch also, seinerzeit als solcher ein Skandal, und als Betrogener ein tapferer Verteidiger der Heimat. Das zweite Skandalträchtige war das Alter des Verfassers zu der Zeit der beschriebenen Ereignisse und des Entstehens des Romans. Eindeutig frühreif, war das Urteil vieler Zeitgenossen, das Werk eines früh Gereiften das weniger anderer. Das dritte Ungewöhnliche war, dass ein junger Autor zur Hochzeit der damaligen französischen Avantgarde sich der traditionellen Erzählweise des klassischen Romans bedient und damit in den Rang der literarischen Hochkultur seines Landes hineinkatapultiert hatte. Einfach so, und dann war er auch schon tot... und hatte damit die Vorbedingung für Weltruhm erfüllt.

Aber auch jenseits der erotischen Delicatesse seiner Darstellung war der Verfasser ganz schön frech (im Mindesten). Ein Beispiel schon auf der ersten Seite: [...] so musste ich als Kind ein Abenteuer bestehen, das schon einem Manne genug zu schaffen gemacht hätte. Und ich war nicht der einzige. Auch meine Altersgenossen werden an diese Zeit eine andere Erinnerung haben als die ältere Generation. Wer mir das schon im voraus verdenkt, vergegenwärtige sich doch, was der Krieg für so viele Halbwüchsige bedeutete: vier Jahre große Ferien. Wir wohnten in F..., am Ufer der Marne. (S. 7) Die berüchtigte Schlacht an der Marne wird auch vielen heutigen Deutschen zumindest dem Namen nach in historischer Erinnerung geblieben sein, und auch, dass sie vielen damaligen Franzosen nur wenige Jahre nach dem Ende des Ersten Weltkrieges in noch viel dramatisch näherer Erinnerung war. Die nationale Heldentat erlebt als große Ferien, das ging im damaligen Frankreich in weiten Kreisen nicht, und dies auszusprechen schon gar nicht. Auch die liberale, von Vertrauen und Kameradschaft gekennzeichnete Erziehung im Elternhaus des Protagonisten war vielen wohl ein Stein des Anstoßes, in einem Land, in dem bis weit in die Siebziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts viele Kinder ihre Eltern mit Sie angesprochen haben. Und dann gibt es noch einen anderen Aspekt der Amoralität des Romans, die von vielen heutigen Zeitgenossen nicht als im antagonistischen Sinne wieder, sondern als nach wie vor aktuell angesehen werden dürfte. Diese betrifft das Ende des Romans und wie es der Protagonist für sich nahezu beschönigt.

Dieser Roman ist also beides, ein Liebesroman und ein historischer Roman, mit dem Unterschied zu seinen aktuellen Genrependants, dass er in der historischen Zeit geschrieben wurde, in der er spielt, und dass die Liebesgeschichte eine auch in ihrer Amoralität authentische  Problemgeschichte eines Heranwachsenden ist. Dies sei hier schon fast als Warnung angeführt, damit niemand der aktuellen Genrejünger da einen Fehlkauf macht... Allen anderen, vor allem jenen, die einen Unterschied zwischen Literatur und Kolportage machen, sei der Roman ans Herz (sic!) gelegt, mit dem Hinweis, dass es gelegentlich auch heute noch möglich ist, zu Herzen gehende anspruchsvolle und gleichzeitig ansprechende Literatur zu finden. Für seinen Freund und Zeitgenossen Jean Cocteau besaß Radiguet den Eigensinn eines schlechten Schülers und die Weisheit eines alten Chinesen, und war der alterslose Erzähler einer zeitlosen Geschichte.

04.06.2016 - Joachim Tiele

______________

*) Inzwischen verschoben auf den 06.09.2016 - bei den Witzbolden von Amazon kann man dieses Buch, das es bei bei Suhrkamp schon seit den Tagen Peter Surhkamps gibt, und das als Band 147 der Bibliothek Suhrkamp wiedererscheinen wird, noch nicht rezensieren, da es noch nicht erschienen ist... Dass sie es dort im System nicht kennen, liegt wohl daran, dass niemand, der eine ältere Ausgabe des Bändchens hat, es gebraucht verkaufen will... Also: Zuschlagen, sobald es das Buch dann wieder gibt; wer weiß, wie klein die Auflage diesmal ist... (Ergänzung: 18.07.2016 - J. T.) Inzwischen wird der 06.12.2016 als Wiederveröffentlichungsdatum angegeben... (Ergänzung: 18.07.2016 - J. T.)

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Rezension zu "Den Teufel im Leib" von Raymond Radiguet

Rezension zu "Den Teufel im Leib" von Raymond Radiguet
Xirxevor 8 Jahren

Das Erscheinen des Buches 1923 war ein Skandalon: Ein 15jähriger und eine verheiratete 18jährige beginnen ein amouröses Verhältnis, während der betrogene Gatte als Soldat im 1. Weltkrieg kämpft. Was heute vermutlich keinen Hund mehr hinter dem Ofen vorlocken würde, sorgte damals für weitreichendes Entsetzen in Frankreich. Nicht genug der moralischen Verwerflichkeit, nein, auch dass einer der in Frankreich hoch verehrten Kämpfer von 1914/18 schamlos hintergangen wurde, man ihm den Tod wünschte und zuguterletzt ein Kuckuckskind unterschob - das war mehr als ausreichend für einen Aufschrei in der Gesellschaft dieser Nachkriegszeit.
Doch ist das Grund genug dieses Buch auch heute noch zu lesen? Wohl kaum, wenn es nicht bemerkenswerte Einblicke in eine Liebesbeziehung gewähren würde, die nichts von ihrer Aktualität verloren haben. Radiguet beschreibt in einem klaren, nüchternen fast schon kalt zu nennenden Ton aus der Sicht des heranwachsenden Liebhabers die Entwicklung dieses jugendlichen Verhältnisses. Schnell wird klar, dass diese Liebe geprägt ist durch seinen Egoismus, wie wohl in diesem Alter nicht unüblich. Doch auch wenn dem jungen Mann dies stets auf's Neue bewusst wird und er reumütig versucht sein Verhalten zu ändern, tritt seine Ichbezogenheit alsbald wieder zu Tage.
Radiguet vermittelt Einsichten und Erkenntnisse (nicht nur) über die Liebe, deren Bedeutung ebenso damals wie heute Gültigkeit haben und wohl auch alle Zeit überdauern werden.
Ich habe sowohl das Buch wie das Hörspiel 'konsumiert' und empfehle trotz eines hervorragenden Vorlesers (ideal besetzt: die etwas blasiert klingende Stimme von Christian Erdmann) die Papierversion: Dem leicht altertümlichen Stil (der sich jedoch flüssig lesen lässt) ist in der Audioversion nur konzentriert zu folgen, zu leicht verliert man den Faden. Auch liest man manche Passagen gerne ein zweites Mal was beim Hörbuch nur etwas umständlich möglich ist.

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Rezension zu "Den Teufel im Leib" von Raymond Radiguet

Rezension zu "Den Teufel im Leib" von Raymond Radiguet
Xirxevor 8 Jahren

Anfang des letzten Jahrhunderts ist dieses Buch erschienen – weshalb sollte man das jetzt noch lesen? Gibt es nicht genügend aktuelle Bücher mit vermutlich weniger altmodischer Sprache?
Weil es Ansichten und Darstellungen vermittelt wie es auch heute nur wenigen Büchern gelingt. Und nicht zu vergessen: geschrieben von einem 17jährigen!
Der 15jährige Ich-Erzähler verliebt sich in die 18jährige Marthe, die kurz darauf Jacques heiratet, der Soldat im ersten Weltkrieg ist. Dennoch beginnen die Beiden eine leidenschaftliche Liebesbeziehung, die eine Vielzahl unterschiedlichster Gefühle in dem jungen Mann hervorruft.
Radiguet beschreibt sehr gelungen die unsteten Empfindungen, wie sie für Pubertierende nicht unüblich sind. Es ist keine unschuldige, selbstlose Liebe, sondern von seiner Seite meist mehr von Egoismus und Narzissmus geprägt, was der junge Mann aber auch immer wieder selbst erkennt ohne dass er sein Verhalten jedoch langfristig ändert. Man möchte diesen Menschen schütteln für Sätze wie „Es beleidigte mich aber, dass Marthe in einem Trennungsbrief nicht von Selbstmord sprach. Ich fand sie kalt.“, aber kurz darauf in die Arme nehmen für Aussagen wie diese: „Wer wegen der Liebe nicht arbeitet, ist darum kein Faulenzer. Die Liebe spürt dunkel, dass einzig die Arbeit wirklich von ihr ablenken kann.. Daher sieht sie die Arbeit als Rivalin. Und Rivalen duldet sie nicht.“
Das Hörbuch ist mit Christian Erdmann wunderbar besetzt. Seine jugendliche Stimme verkörpert auf gelungene Art und Weise die Arroganz wie auch die Ratlosigkeit des jugendlichen Liebhabers – man kann sich kaum einen besseren Sprecher vorstellen. Dennoch ziehe ich das Buch vor: Es gibt so viele Sätze und Aussagen in diesem Roman die man zweimal lesen möchte (oder auch dreimal ;-)), sich anstreichen und herausschreiben möchte – bei einem Hörspiel ist das eher schwierig. Also werde ich nun noch das Buch lesen :-)

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