Alice und Peter steigen in die Hölle hinab, um ihren Professor und Mentor Jacob Grimes zu retten, der bei einem magischen Unfall ums Leben gekommen ist. Durch eine Reise durch die sieben Todsünden hoffen sie, ihn zurückzuholen -denn von ihm hängt am Ende nicht nur ihr Studienabschluss, sondern auch ein guter Teil ihrer Zukunft ab.
Das klingt nach einem spannenden Konzept, oder? Ein Höllensetting verspricht eigentlich Dramatik und Atmosphäre. Für mich hat das Buch dieses Potenzial jedoch nicht genutzt. Das Worldbuilding stützt sich stark auf bekannte Zitate sowie Anspielungen auf Philosophie und Wissenschaft. Dazu kommen Protagonisten, mit denen ich persönlich wenig anfangen konnte, eine nur halb ausgearbeitete Kritik am akademischen Betrieb und ein Plot, der sich leider zunehmend als zäh und uninspiriert erwies.
Ich bin relativ unvorbereitet an die Geschichte herangegangen und war anfangs sogar recht optimistisch: Der Schreibstil ist flüssig und angenehm zu lesen. Die eher jugendlich wirkenden Dialoge und der überraschende Romance-Subplot haben mich zwar irritiert, aber zunächst nicht gestört. Auch die vielen philosophischen und mathematischen Referenzen funktionierten für mich eine Weile – sie tragen zwar wenig zur Handlung bei, aber als jemand, der Philosophie mag, konnte ich damit leben.
Ab der Mitte verlor das Buch für mich jedoch deutlich an Fahrt. Die Handlung zog sich, wurde immer belangloser und verlor jegliche Spannung. Gerade das eigentlich faszinierende Setting rund um die sieben Todsünden blieb für mein Empfinden weit hinter seinen Möglichkeiten zurück. Gefahren oder echte Konsequenzen fehlten, da viele Konflikte sehr schnell und durch glückliche Zufälle gelöst wurden.
Alice ist durchaus komplex angelegt – ihre internalisierte Misogynie und ihr Ringen um Anerkennung im akademischen Umfeld sind interessante Aspekte. Trotzdem konnte ich nicht wirklich mit ihr warm werden, was an sich kein Problem gewesen wäre, wenn der Rest stärker getragen hätte. Peter war für mich okay, blieb aber recht blass, ebenso wie die Nebenfiguren.
Insgesamt wirkte das Buch mehr wie eine wissenschaftliche Abhandlung als wie ein Roman. Man merkt, wie viel Recherche eingeflossen ist, und dass die Autorin zweifellos klug ist und vermutlich eigene Erfahrungen verarbeitet. Allerdings hatte ich das Gefühl, dass die erzählerische Substanz darüber etwas verloren ging. Tatsächlich hätte die Geschichte aus meiner Sicht auch in einem völlig anderen Setting funktionieren können -die Hölle spielte leider kaum eine inhaltliche Rolle.
Wer philosophische oder akademische Themen liebt, findet vielleicht Freude an den vielen Anspielungen. Ich persönlich greife in solchen Fällen dann doch lieber direkt zu den Originaltexten.
Das Ende konnte mich ebenfalls nicht überzeugen, und die abschließende Botschaft fand ich zumindest diskutabel -aber das ist natürlich subjektiv.
Alles in allem war es ein interessanter Versuch, für mich aber wohl das erste und letzte Buch der Autorin. Von mir gibt es leider keine Empfehlung.
*unbezahlte Werbung- Rezensionsexemplar























