Die 22-jährige Lateinstudentin Keira erhält ein Stipendium für das geheimnisvolle Aeternitas Institut auf der Isle of Skye. Dort erfährt sie, dass alle Studierenden die Seele einer Figur aus der griechischen Mythologie in sich tragen. Keira hat nur ein Semester Zeit, um herauszufinden, wessen Reinkarnation sie ist – andernfalls muss sie sterben. Unterstützung erhält sie von ihrem rätselhaften Tutor Kanan, der das Institut selbst überlebt hat, allerdings eigene Ziele verfolgt.
Die Grundidee von House of Gods fand ich wirklich spannend und originell. Ein geheimnisvolles Institut auf der Isle of Skye, eine Verbindung zur griechischen Mythologie, fremde Erinnerungen und junge Menschen, die herausfinden müssen, welche mythologischen Seelen in ihnen weiterleben – daraus hätte eine atmosphärische, düstere und komplexe Geschichte entstehen können. Leider blieb es für mich größtenteils bei diesem interessanten Ansatz. Das vorhandene Potenzial wurde kaum ausgeschöpft, und die Geschichte entpuppte sich zunehmend als langatmig, oberflächlich und erstaunlich spannungsarm.
Bereits der Einstieg hinterließ bei mir einen merkwürdigen Eindruck. Ohne größere Einleitung wird Keira auf die Insel gebracht, auf der sie im kommenden Jahr leben und studieren soll. Obwohl das Aeternitas Institut dort anscheinend niemandem bekannt ist, befindet sie sich kurz darauf bereits mitten in dieser geheimnisvollen Einrichtung. Dort werden sie und andere Studierende von den Dozenten mit Messern verletzt – wiederum ohne eine vorherige Erklärung, eine verständliche Vorbereitung oder eine angemessene emotionale Reaktion.
Gerade zu Beginn wirkte die Geschichte dadurch auf mich unfreiwillig verstörend. Ich konnte lange nicht einschätzen, ob sich hier bewusst ein verdrehter Horrorplot entwickelte oder ob einzelne Szenen lediglich so unbeholfen erzählt waren, dass sie ungewollt etwas Bedrohliches und Absurdes bekamen. Eine undurchsichtige Institution, körperliche Gewalt und Menschen, die alles erstaunlich widerstandslos hinnehmen, hätten durchaus die Grundlage für eine spannende Dark-Academia-Geschichte bilden können. Dafür hätte das Buch diese Vorgänge jedoch kritisch einordnen oder zumindest eine beklemmende Atmosphäre erzeugen müssen. Stattdessen wirkten viele Situationen auf mich einfach nur merkwürdig und unzureichend erklärt.
Dieses Problem zog sich durch weite Teile der Handlung. An entscheidenden Stellen fehlten mir Hintergründe, nachvollziehbare Zusammenhänge und glaubwürdige Reaktionen. Gleichzeitig wurden andere, für den Verlauf vollkommen unwichtige Dinge ausführlich beschrieben oder mehrfach erklärt. So entstand eine unausgewogene Erzählweise: Dort, wo ich dringend Orientierung gebraucht hätte, blieb die Geschichte vage. Bei Nebensächlichkeiten wiederholte sie sich dagegen immer wieder.
Auch das Erzähltempo empfand ich als sehr schleppend. Trotz der eigentlich dramatischen Ausgangslage – Keira muss innerhalb eines Semesters ihre mythologische Identität herausfinden, weil andernfalls ihr Leben auf dem Spiel steht – entwickelte die Handlung für mich kaum Dringlichkeit. Die Geschichte hätte von Rätseln, gefährlichen Prüfungen, mythologischen Enthüllungen und wachsendem Zeitdruck leben können. Stattdessen hatte ich häufig das Gefühl, dass sie auf der Stelle trat.
Hinzu kam, dass mir ein klar erkennbarer roter Faden fehlte. Einzelne Szenen und Informationen folgten aufeinander, ohne dass daraus ein mitreißender Spannungsbogen entstand. Die Geschichte war gleichzeitig langatmig und wirr: Sie nahm sich für vieles sehr viel Zeit, ließ aber ausgerechnet bei den entscheidenden Fragen Erklärungen vermissen. Dadurch fiel es mir schwer, mich in der Welt zurechtzufinden oder wirklich mitzurätseln.
Dabei hätte die Verbindung zwischen der Gegenwart und der griechischen Mythologie unglaublich viele Möglichkeiten geboten. Die Idee, dass die Studierenden mythologische Seelen in sich tragen, hätte genutzt werden können, um Identität, Schicksal, moralische Verantwortung und den Einfluss eines früheren Lebens zu thematisieren. Mich hätte interessiert, wie stark die Persönlichkeiten der mythologischen Figuren auf ihre Wirte einwirken, ob Erinnerungen und Gefühle übernommen werden und ob die Studierenden überhaupt noch vollständig sie selbst sind. Diese spannenden Fragen wurden für mein Empfinden jedoch nicht tief genug ausgearbeitet.
Auch das Institut selbst blieb erstaunlich blass. Ein abgelegener, geheimnisvoller Lernort auf der Isle of Skye hätte eine intensive Atmosphäre erzeugen können. Ich hätte mir eine Institution mit eigenen Traditionen, Hierarchien, Regeln und düsteren Geheimnissen gewünscht. Stattdessen blieb das Aeternitas Institut für mich eher eine Kulisse, die zwar interessant klang, aber nicht wirklich lebendig wurde.
Ein weiterer Punkt, der meinen Lesefluss erheblich gestört hat, waren die zahlreichen lateinischen Wörter und Sätze. Da Keira Latein studiert, passt diese Sprache grundsätzlich zu ihr und zur Geschichte. Allerdings fehlten häufig direkte oder zumindest aus dem Zusammenhang verständliche Übersetzungen. Wer Latein gelernt hat oder sich mit der Sprache auskennt, kann die Passagen möglicherweise problemlos verstehen. Von allen anderen Leserinnen und Lesern kann meiner Meinung nach jedoch nicht erwartet werden, während der Lektüre regelmäßig Wörter oder ganze Sätze nachzuschlagen.
Am meisten enttäuscht haben mich jedoch die Charaktere. Sie blieben für mich fast durchgehend oberflächlich und zu einfach konstruiert. Es fehlte ihnen an inneren Konflikten, individuellen Eigenheiten und einer glaubwürdigen emotionalen Entwicklung. Dadurch war mir leider weitgehend gleichgültig, was mit ihnen geschah.
Das ist bei einer Geschichte, in der das Leben der Figuren auf dem Spiel steht, ein großes Problem. Spannung entsteht schließlich nicht allein dadurch, dass eine Figur sterben könnte. Man muss diese Figur zuvor so gut kennenlernen, dass man ihren Verlust fürchtet. Genau diese emotionale Bindung konnte ich hier nicht aufbauen.
Vor allem Keira blieb für mich überraschend farblos. In der ersten Hälfte der Geschichte trat sie häufig nur als Beobachterin auf. Andere Figuren handelten, sprachen, trafen Entscheidungen oder standen im Mittelpunkt, während Keira danebenstand und das Geschehen registrierte. Zeitweise vergaß ich beinahe, dass sie überhaupt die Protagonistin der Geschichte war. Von ihr selbst ging viel zu wenig Handlung aus. Sie stellte für meinen Geschmack zu wenige kritische Fragen, widersetzte sich den fragwürdigen Vorgängen am Institut kaum und nahm selbst absurde oder bedrohliche Situationen nahezu emotionslos hin. Gerade angesichts der Tatsache, dass sie plötzlich erfährt, dass eine mythologische Seele in ihr lebt und ihr bei einem Scheitern der Tod droht, hätte ich Angst, Wut, Misstrauen, Neugier oder zumindest eine stärkere innere Auseinandersetzung erwartet. Stattdessen wirkte Keira häufig wie ein Mensch, dem die Ereignisse lediglich passieren. Ihre Passivität machte es schwer, sie als eigenständige Heldin wahrzunehmen.
Auch die Nebenfiguren erhielten kaum die nötige Tiefe. Viele von ihnen ließen sich auf wenige Eigenschaften oder Funktionen reduzieren. Dadurch wirkten die Beziehungen untereinander oberflächlich und teilweise austauschbar. Obwohl die Figuren gemeinsam einer außergewöhnlichen und lebensgefährlichen Situation ausgesetzt sind, entstanden für mich weder intensive Freundschaften noch überzeugende Konflikte oder komplexe Loyalitäten.
Ähnlich erging es mir mit der Liebesgeschichte. Sehr lange war für mich nicht erkennbar, wer überhaupt als Love Interest vorgesehen war. Grundsätzlich hätte diese Ungewissheit durchaus ihren Reiz haben können. Eine Liebesgeschichte muss nicht von Anfang an offensichtlich sein, und es kann spannend sein, wenn sich eine Verbindung unerwartet entwickelt. Hier empfand ich die Enthüllung jedoch weniger als gelungene Überraschung und mehr als irritierend. Als deutlich wurde, in wen sich Keira verliebt, fehlte mir die emotionale Grundlage dafür. Ich verstand nicht, warum gerade dieser Mann solche Gefühle in ihr auslöste. Es gab für mein Empfinden zu wenige bedeutungsvolle Gespräche, gemeinsame Erfahrungen oder leise Momente, in denen sich Vertrauen und Nähe nachvollziehbar hätten entwickeln können. Keira schien sich zu verlieben, weil die Handlung an dieser Stelle eine Liebesgeschichte benötigte – nicht, weil zwischen den Figuren zuvor eine besondere Verbindung aufgebaut worden war. Die Romanze blieb dadurch platt und wenig glaubwürdig. Statt eines langsamen emotionalen Prozesses bekam ich eine Behauptung präsentiert, die ich als Leserin einfach akzeptieren sollte.
Letztlich ist House of Gods für mich ein Buch voller ungenutzter Möglichkeiten. Die Ausgangsidee ist originell, und sowohl die griechische Mythologie als auch das abgelegene Institut auf der Isle of Skye hätten eine faszinierende Geschichte ergeben können. Leider blieb die Umsetzung deutlich hinter diesem Potenzial zurück.
























