Greta und Valdin sind Geschwister, Mitbewohner und beide in ihren Zwanzigern. Nicht nur ihre Wohnung teilen sie sich, sondern auch die Schwierigkeiten ihres Liebeslebens. Während Valdin noch immer der Trennung von seinem Exfreund Xabi hinterhertrauert, versucht Greta, über ihre unerwiderte Liebe zu ihrer Studienkollegin Holly hinwegzukommen. Beide haben das Gefühl, auf der Stelle zu treten und nicht so recht zu wissen, was das Leben für sie bereithält. Zwischen Dating-Apps, ungeschickten Annäherungsversuchen und der Sehnsucht nach Menschen, die unerreichbar sind, kämpfen sie sich durch ihren Alltag in Auckland. Halt finden sie dabei vor allem in ihrer großen māori-russisch-katalanischen Familie, die mit all ihren Eigenheiten ebenso chaotisch wie verlässlich Teil ihres Alltags ist.
Mit „Greta & Valdin“ hat Rebecca K. Reilly einen Roman geschrieben, der warmherzig, klug und zugleich unglaublich witzig ist. Was zunächst wie eine queere RomCom über zwei Menschen mit Liebeskummer klingt, entwickelt sich schnell zu einer Geschichte, die weit über ihre Liebesgeschichten hinausgeht. Je länger ich Greta, Valdin und ihre Familie begleiten durfte, desto mehr ist mir dieses Buch ans Herz gewachsen und gegen Ende fiel es mir überraschend schwer, mich von dieser wunderbar skurrilen und zugleich so liebevollen Familie zu verabschieden.
Erzählt wird die Geschichte abwechselnd aus der Perspektive der beiden Geschwister, wodurch man sich beiden Figuren schnell verbunden fühlt. Trotzdem wurde für mich schon nach kurzer Zeit ihre schrullige Familie zum eigentlichen Herzstück des Romans. Ihr Zusammenhalt und die Selbstverständlichkeit, mit der sie füreinander da sind, fand ich so schön und rührend. Diese Wärme zieht sich für mich durch den ganzen Roman. Die Figuren wirken allesamt unglaublich echt und nahbar. Sie sind unperfekt, verschroben, liebenswert, witzig und manchmal auch anstrengend. Sie machen Fehler, sind verletzlich und dürfen einfach genau so sein, wie sie sind.
Genauso gut gefallen hat mir auch die queere Repräsentation im Buch. Es gibt viele queere Figuren, ohne dass Rebecca K. Reilly daraus jemals ein großes Thema macht. Ihre Queerness ist einfach ein selbstverständlicher Teil ihres Lebens und nicht etwas, das ständig erklärt oder problematisiert werden muss.
Rebecca K. Reilly trifft dabei genau den richtigen Ton. Einerseits schreibt sie mit so viel Humor und Leichtigkeit, dass ich immer wieder schmunzeln musste. Andererseits erzählt sie von Herkunft, Multikulturalität, psychischer Gesundheit, Zwangsstörungen und der Frage, wie sehr uns unsere Familie prägt, und lässt all diese Themen ganz selbstverständlich in den Alltag ihrer Figuren einfließen. Dieses Zusammenspiel aus Leichtigkeit und Tiefgang fand ich unglaublich gelungen.
Für mich war „Greta & Valdin“ ein echtes Wohlfühlbuch. Je länger ich gelesen habe, desto mehr hatte ich das Gefühl, selbst ein kleiner Teil dieser wunderbar verrückten Familie zu sein (auch wenn ich ohne das Glossar bei der Menge an Figuren zwischendurch wahrscheinlich verloren gewesen wäre 😄). Ein Roman, der mich zum Lachen gebracht, mich berührt und mir einfach richtig viel Freude gemacht hat. Und ein Buch, das das Chaos, die Unsicherheiten und die kleinen Freuden der Zwanziger so klug und treffend einfängt, dass man sich immer wieder darin wiederfindet. Für mich der perfekte Sommerread – voller witziger Dialoge, scharfsinniger Beobachtungen und einer wunderbaren Balance zwischen Leichtigkeit und Tiefgang.
Rebecca K Reilly
Lebenslauf
Quelle: Verlag / vlb
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Greta & Valdin
Neue Rezensionen zu Rebecca K Reilly
Das Buch fühlt sich ein bisschen wie ein Wes Anderson Film an - leicht schräg, ein bisschen seltsam, aber herrlich authentisch. Eine Geschichte über das Verlieren, Suchen und Finden der Liebe (zu sich selbst und anderen), eine Familie, die ihresgleichen sucht und doch ganz normal ist, über Zugehörigkeit, Heimat, Herkunft und Identität. Die Geschwister Greta und Valdin sind mir im Lauf der Geschichte immer mehr ans Herz gewachsen.
Hätte es allerdings das Glossar nicht gegeben, wäre ich verloren gewesen. Ich musste sogar kurz vor dem Ende nochmal bei einigen Personen nachschauen, wie sie anfangs vorgestellt wurden und wie die Familienstrukturen gestaltet sind 🙈
**** Mein Eindruck ****
Die Tonalität dieses Buches hat mir besonders gefallen – sie verleiht Themen wie verschmähter Liebe und Liebeskummer eine ganz eigene, neue Stimme. Greta und Valdin sind großartig gezeichnet, und in ihren Gedankenwelten zu stecken, war nicht nur unterhaltsam, sondern auch inspirierend. Ihre Perspektiven auf Emotionen und Wünsche haben bei mir einen bleibenden Eindruck hinterlassen. Das Buch ist klug – auf eine ganz besondere Weise. Es steckt voller starker, bedeutungsvoller Sätze und besticht durch frische, pointierte Dialoge. Die Geschichte folgt ihrer ganz eigenen Logik, der ich mich völlig hingeben konnte. Für mich ist dieses Buch ein echtes Herzensbuch – und hat sich einen festen Platz in meiner Sammlung von Lieblingsgeschichten verdient.
**** Empfehlung? ****
Selten hatte ich bei einer Rezension das Gefühl, so wenig Worte zu brauchen: Dieses Buch spricht für sich. Wer Lust auf eine kluge Erzählerin und lebensnahe Figuren hat, die im Hier und Jetzt verankert sind, findet hier ein absolutes Spitzenbuch. Unbedingt lesen!
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