Der Weg der verlorenen Träume

von Rebecca Michéle 
4,8 Sterne bei13 Bewertungen
Der Weg der verlorenen Träume
Bestellen bei:

Neue Kurzmeinungen

buecherwurm1310s avatar

Ich habe mitgelitten und mitgehofft und habe mich oft gewundert, wie sie das alles überstehen konnten und trotzdem mit Zuversicht in die Zuk

clary999s avatar

Eine bewegende Familiengeschichte! Lesenswert!

Alle 13 Bewertungen lesen

Auf der Suche nach deinem neuen Lieblingsbuch? Melde dich bei LovelyBooks an, entdecke neuen Lesestoff und aufregende Buchaktionen.

Inhaltsangabe zu "Der Weg der verlorenen Träume"

Masuren, Ostpreußen – 1918: Trotz zahlreicher Entbehrungen führt die junge Hedwig ein glückliches Leben. Nach der Heirat mit einem aufstrebenden Musiker und der Geburt zweier Kinder muss sie jedoch ihren eigenen Weg im Leben gehen. Als Hedwig sich endlich angekommen fühlt, zerstört das nahende Ende des 2. Weltkrieges alles. Hedwig und ihrer Tochter Margarethe gelingt die Flucht nach Norddeutschland. Dort kämpfen die beiden Frauen um ein neues Glück, doch auch Margarethes Leben verläuft nicht gradlinig …
Der Weg der verlorenen Träume ist die Geschichte zweier Frauen, die stark und mutig allen Widerständen, die das Schicksal ihnen aufzwingt, trotzen und sich dabei nie selbst verleugnen.

Buchdetails

Aktuelle Ausgabe
ISBN:9783958131347
Sprache:Deutsch
Ausgabe:Flexibler Einband
Umfang:500 Seiten
Verlag:edition oberkassel
Erscheinungsdatum:17.05.2018

Rezensionen und Bewertungen

Neu
4,8 Sterne
Filtern:
  • 5 Sterne10
  • 4 Sterne3
  • 3 Sterne0
  • 2 Sterne0
  • 1 Stern0
  • Sortieren:
    Anteks avatar
    Antekvor 3 Monaten
    „Ein ostpreußisches Mädchen weint nicht,…“

    „Hornhaut auf der Seele - so hatte es ihre Großmutter Auguste einmal ausgedrückt.“

    Diese braucht man eindeutig, wenn man ein solches Schicksal erträgt und dabei nie den Mut verliert. Hier wird eine ergreifende und bewegende Familiengeschichte erzählt, die sich um Hedwig Mahnstein und später auch ihre Tochter Margarethe dreht, und die sicher stellvertretend für so viele ostpreußischen Familien ihrer Zeit steht.

    Die Erzählung beginnt mit der Nachricht, dass der Erste Weltkrieg beendet ist. Man lernt Hedwig und ihrer Familie kennen, erfährt nach und nach von der Machtergreifung, der Begeisterung, der Zweifel und der Gleichgültigkeit der Bevölkerung, Man erlebt mit, wie sukzessive die jüdischen Familien zuerst freiwillig fliehen und dann abtransportiert werden, welchen Druck die NASDAP auf jeden, der Zweifel äußert oder nicht so spurt wie geplant, aufbaut und schließlich wie die ersten Soldaten fast allesamt begeistert in den Krieg ziehen müssen. Viele Todesnachrichten, die sich einschleichende Ernüchterung, die Einsicht, dass der Krieg verloren ist, dass Herannahen der russischen Truppen, die Flucht vor ihnen, das Kriegsende und die Ankunft in Norddeutschland, der Weg in den Süden, die Hürden und Probleme im Schwaben, das Hoffen, wer aus der Familie hat noch überlebt, und schließlich auch Tochter Margarete und die Männerwelt sind weitere wichtige Stationen und Szenen um die sich die Geschichte, die mit zahlreichen spannend, interessanten Details aus dem Alltagsleben und so einigen Überraschungen punkten kann, rankt.

    Der Schreibstil der Autorin liest sich flüssig, leicht und angenehm. Sie lässt einen Erzähler aus Hedwigs Perspektive plaudern. Anfangs machte die Erzählung auf mich einen eher nüchternen, berichtenden Eindruck, bei dem mir die Gefühle fast ein wenig zu kurz kamen. Das schreckliche Schicksal, dass jedoch, spätestens als Hedwig schwanger wird, einsetzt, hat mich dann aber emotional völlig gefangen. Ich habe mit ihr unter den Erniedrigungen gelitten, habe mit ihr darauf gehofft, dass ihr Ehemann Albert seinen Lebenswandel in den Griff bekommt, ich habe mit ihr die Enttäuschung erlebt, als sie im Hotel Adlon vor vollendeten Tatsachen steht, mir hat es wie ihr fast das Herz zerrissen, als sie ihren Sohn Werner mit fünfzehn mit dem Volkssturm in den Krieg ziehen lassen muss, ich habe mit ihr Schmerzen gefühlt, aber ich habe mich auch immer wieder richtig mit ihr gefreut, wie z.B. als sie nach und nach erfährt, wer aus ihrer Familie den Krieg überstanden hat, nicht nur einer Eisscholle sei Dank.

    „Bei Hedwigs Eltern gab es weder Fahnen noch sonstige Hinweise auf die Partei. Von dem Firlefanz halte ich nichts.“. Bruder Karl jedoch „der Überzeugung, jeder rechte und gute Deutsche müsse bedingungslos hinter dem Führer stehen.“ Mitläufer, heiße Verfechter der Ideen des Nationalsozialismus, Widerstandskämpfer, Uninteressierte, politisch Engagierte, fast all das findet sich in der großen Familie Mahnstein, was nicht, wird stellvertretend von Bekannten und Freunden abgebildet. Toll wird auch die Rolle der Frau dargestellt. Während Hedwig schon früh auf eigenen Beinen stehen will, ganz besonders mit ihrer Ausbildung zur Damen und auch Herrenschneiderin, was bisher eigentlich Männern vorbehalten war, sich auch ihre Gedanken zur politischen Entwicklung macht, nicht alles ohne Widerspruch hinnimmt, gibt es auch solche, die in ihrer Rolle als Hausfrau völlig aufgehen und bei denen das Wort des Ehemanns alles gilt. „Wozu brauche ich eine Ausbildung? Ich werde ohnehin heiraten und Kinder bekommen.“, sind so z.B. die Worte von Schwester Paula. Alltag so wie er wirklich war, das prägende Wort des Lehrers, die Begeisterung für die HJ, was kam auf den Tisch, die Alltagspflichten, und vieles mehr auch hier bekommt man einen tollen Einblick.

    Die Charaktere sind toll angelegt und beschrieben. Hedwig mit ihrer selbstlosen Art habe ich aufgrund ihrer Größe und Stärke von Anfang an sehr geschätzt und schnell ins Herz geschlossen. Ich ziehe ebenso wie vor ihrer Mutter Auguste wirklich meinen Hut. Schwiegermutter Johanna hingegen hätte ich oft am liebsten Gift gegeben, weil sie sich für etwas Besseres hält. Hedwigs Ehemann, Musikus und Lebenskünstler, Albert hätte ich gerne nicht nur einmal an den Ohren gezogen und ihm ganz deutlich gesagt, wo sein Platz sein muss und so ist hier wirklich ein jeder Mitspieler, bis hin zur kleinen Nebenrolle wie z.B. die von Herr Rosenbaum, dem kleinen Inhaber einer Bücherei, der sie kostenlos lesen lässt und dann den Absprung verpasst, authentisch und gelungen gezeichnet.

    Oft habe ich mich beim Lesen gefragt, wie ich mich wohl an Hedwigs und auch später an Margaretes Stelle verhalten hätte. Hätte ich die Kraft gehabt für die harte Arbeit fast rund um die Uhr, hätte ich den Erniedrigungen durch ihre Schwiegermutter Johanna ertragen, hätte ich das Rückgrat gehabt, mich gegen die Anweisungen für mein jüdisches Lehrmädchen einzusetzen, hätte ich die Stärke gehabt, trotz Erfrierungen, offenen Beinen weiter durch den Kugelhagel zu marschieren um meine Tochter zu retten und den Russen zu entkommen oder hätte ich die Größe gehabt, den faulen, stehlenden Schwiegersohn nicht sofort mit einem großen Krach aus dem Haus zu werfen? Das sind nur einige wenige Beispiele dafür, welches Leid Hedwig ohne je zu klagen ertragen hat. „Alles im Leben hat seinen Sinn, wenngleich wir ihn nicht immer sehen und noch weniger verstehen“. Größten Respekt vor dieser Frau, die die Hoffnung nie verloren und stets aus jeder noch so schlimmen Situation das Beste gemacht hat.

    Ein bewegendes Stück Zeitgeschichte, das auf wahren Begebenheiten basiert und auf jeden Fall wert ist gelesen zu werden. Noch fünf Sterne für mich


    Kommentieren0
    11
    Teilen
    odenwaldcolliess avatar
    odenwaldcolliesvor 3 Monaten
    Ein bewegendes Zeitzeugnis

    Masuren, Ostpreußen 1918: Der erste Weltkrieg ist endlich vorüber, aber er hat auch seine Spuren in der ostpreußischen Familie Mahnstein hinterlassen. An der jungen Hedwig, eine der Mahnstein-Töchter, bleibt zudem viel Verantwortung für ihre jüngeren Geschwister hängen, da die Mutter kränklich ist. Dennoch verfolgt sie gegen alle Widerstände ihren Traum von einer Ausbildung als Schneiderin, obwohl es zur damaligen Zeit verpönt war, dass Frauen einer Arbeit nachgingen. Auch durch ihre Heirat mit einem aufstrebenden Musiker und der Geburt zweier Kinder denkt Hedwig nicht ans Aufgeben, obwohl sie es mit ihren Schwiegereltern alles andere als leicht hat.

    Als Hedwig endlich ihre Ziele verwirklicht sieht, zerstört der Zweite Weltkrieg alles, was sich die Familie aufgebaut hat.


    Diesmal entführt die Autorin die Leser nicht auf die britischen Inseln, sondern in das Ostpreußen der Weimarer Republik und des anschließenden Dritten Reichs. Dabei erzählt sie eine ergreifende und bewegende Familiengeschichte, in deren Mittelpunkt Hedwig Mahnstein und später ihre Tochter Margarethe steht. Sie erzählt von Hedwigs Kampf gegen die gesellschaftlichen Zwänge ihrer Zeit, die das Ziel der Frauen in einer Heirat und ihren Platz am heimischen Herd und bei ihren Kindern sehen. Man muss Hedwig bewundern, mit welcher Stärke und Vehemenz sie ihren Weg verfolgt. Überhaupt kristallisiert sich immer mehr heraus, dass die Mahnstein-Frauen Kämpferinnen und auch stolz darauf sind. Gerade für Margarethe ist das Durchhaltevermögen der Frauen ihrer Familie immer wieder ein Vorbild, sich nicht unterkriegen zu lassen.


    Ganz stark ist die Darstellung der Charaktere: sie sind sehr vielschichtig gezeichnet und immer wieder für Überraschungen gut. Besonders widersprüchlich empfand ich dabei den Vater von Hedwig, der sich überhaupt nicht damit anfreunden kann, dass seine Tochter einen Beruf und die Selbständigkeit anstrebt, aber ihr dennoch in wirklich gefährlichen Situationen den Rücken stärkt.

    Oder auch Hedwigs Bruder Karl, der sich desillusioniert von der Politik der Weimarer Republik empfänglich für die Propaganda von Hitler zeigt, was beim Rest der Familie auf Unverständnis stößt. Und doch, wenn es darauf ankommt, beweisen die Mahnsteins, dass sie eine Familie sind.


    Zwiespältig hat mich auch Hedwigs späterer Ehemann zurückgelassen, der zwar Hedwig in ihren Träumen unterstützt, wenn es jedoch um seine eigenen Lebensziele geht, äußerst egoistisch vorgeht. Albert ist einfach zu leichtlebig und zu optimistisch, ganz das Gegenteil der starken Hedwig, die ihm jedoch viel zu lange alles durchgehen lässt.


    Die Geschichte endet nicht mit der nervenaufreibenden Flucht aus Ostpreußen am Ende des Zweiten Weltkriegs, vielmehr begleitet der Leser Hedwig und Margarethe noch viele Jahre durch das Nachkriegsdeutschland und die Bundesrepublik und erlebt dabei einige Momente, die man schon als kleine Wunder bezeichnen kann.


    Sehr interessant ist aber auch das Nachwort der Autorin, das für mich eine Überraschung bereithielt. Und wieder mal zeigt, dass das Leben die spannendsten und unglaublichsten Geschichten erzählt.


    Kommentieren0
    0
    Teilen
    kessis avatar
    kessivor 3 Monaten
    Was ist aus den verlorenen Träumen geworden?

    In " Der Weg der verlorenen Träume" , erzählt die Autorin Rebecca Michéle sehr einfühlsam und ungeschönt, die Geschichte ihrer aus den Masuren stammende Familie, die aus ihrer geliebten Heimat flüchten mussten.


    Beginnend im Jahr 1918 mit ihrer Großmutter Hedwig, lernen wir ihr Leben und dessen Familie kennen. Der erste Weltkrieg ist beendet und alle legen die Hoffnung in die Zukunft. Hedwig hat ein schweres Päckchen zu tragen, neben ihrer Ausbildung zur Schneiderin, kümmert sie sich auch um den Haushalt und ihre Geschwister. Doch sie macht es gerne, denn die Familie ist ihr wichtig. Die Mutter von Hedwig ist oft krank und geschwächt um die Familie am laufen zu halten. Trotz allem erlebt Hedwig mit ihren Geschwistern eine schöne Zeit in ihrer Heimat.

    Auch Jahre später, als der Nationalsozialismus seinen Aufschwung erlebt, geht es den Menschen in den Masuren noch gut. Berlin und Adolf Hitler sind weit weg und keiner ahnt auch nur im geringsten, welch gräßliche und unheilbringende Zeit auf sie zukommen wird.

    Ein Freund von Hedwig, Albert, lebt seinen Traum Musiker zu werden. Er hilft Hedwig ihren Traum, Schneidermeisterin zu werden, in die Wirklichkeit umzusetzen. Später verlieben sie sich und kommen sich näher, oder ist es nur geglaubte Liebe? Jedenfalls bleibt es nicht ohne Folgen und Hedwig wird schwanger. Es wird geheiratet und Hedwig hofft auf ein harmonisches Familienleben. Doch schnell muss sie feststellen, dass sie auf sich allein gestellt ist. Auch nach der Geburt des zweiten Kindes ändert sich nichts daran, nicht einmal von die Schwiegereltern bei den sie lebt, bekommt sie Unterstützung.

    Doch als das Ende des 2. Weltkrieges schon fast greifbar ist, droht Gefahr von der immer näher rückenden roten Armee. So bleibt Hedwig nichts anderes übrig mit ihren Kindern und ihrer Mutter zu flüchten.

    Sind all ihre Träume verloren, oder werden sie nach der Flucht und Ende des Krieges, neu beginnen können?


    Meine Meinung:

    Leider gibt es zigtausende solcher Schicksale, wie es die Familie Mahnstein erleben musste. Ich habe schon viele Bücher gelesen bei den all die Gräueltaten des Krieges thematisiert wurden. Und doch bin ich immer wieder über jedes einzelne Leid entsetzt und tief berührt. Es macht einem immer wieder aufs Neue bewusst, dass solch eine schreckliche Zeit nie wieder kommen darf.

    Für die Autorin stelle ich es mir unwahrscheinlich schwer vor, über das Leben ihrer Großmutter und Mutter zu schreiben. Es ist doch ein gewisse Verarbeitung der Vergangenheit. Ich finde, sie hat es großartig gemacht, mit viel Einfühlungsvermögen und einem bildhaften Schreibstil, nimmt man am Leben von Hedwig und Margarethe teil. Es sind zwei starke Frauen, die alles materielle verloren hatten, aber niemals ihren Stolz. Und das habe ich sehr bewundert, zu viele haben im und nach dem Krieg den Mut verloren. Doch sie haben immer nach vorne geschaut, egal wieviel Entbehrungen es gab. Es gab einen Satz in der Familie....die Mahnsteinfrauen weinen nicht.....! Die Liebe zueinander hat ihnen immer Halt geben und alles durchstehen lassen.

    Es ist nicht wie bei einer Liebesgeschichte, wo es ein typisches Happyend gibt, so etwas gab es nicht in dieser schrecklichen Zeit. Es ist die Geschichte einer Familie mit all dem Glück und Leid das sie erlebt haben. Da gehört auch der Verlust geliebter Menschen dazu, sich Heimatlos zu fühlen und in einer neuen Umgebung ( Heimat) akzeptiert zu werden. Mit all seinen Widrigkeiten ein neues Leben aufzubauen und nie die Hoffnung aufzugeben.

    All dass hat Rebecca Michéle liebevoll zum Ausdruck gebracht. Immer wenn ich solche Bücher gelesen habe, bleiben sie mir für lange Zeit im Gedächtnis und machen mich nachdenklich.

    Eine absolute Leseempehlung, anders kann ich nicht.

    Kommentieren0
    3
    Teilen
    buecherwurm1310s avatar
    buecherwurm1310vor 3 Monaten
    Kurzmeinung: Ich habe mitgelitten und mitgehofft und habe mich oft gewundert, wie sie das alles überstehen konnten und trotzdem mit Zuversicht in die Zuk
    Starke Frauen

    Masuren, 1918: Die junge Hedwig hat es nicht leicht. Neben ihrer Ausbildung muss sie sich auch noch um die kranke Mutter und ihre jüngeren Geschwister kümmern. Gerne hätte sie das Geschäft ihrer Meisterin übernommen, als diese schließen muss. Aber ihr dominanter Vater lässt das nicht zu. Dann lernt Hedwig Albert kennen. Sie wird schwanger und muss heiraten. Das Leben wird nicht leichter für sie, denn Albert geht seiner Wege und Hedwig muss sehen, wie sie sich und ihre Kinder durchbringt. Die politischen Verhältnisse gefallen ihr nicht, aber sie muss sich anpassen, um ihre Familie nicht zu gefährden. Sie übersteht auch den zweiten Weltkrieg und flieht kurz vor dem Ende vor der Roten Armee mit ihrer Tochter Margarethe von Masuren nach Westen. Sie erleben Schreckliches und überstehen auch das. Sie baut sich ein neues Leben auf und muss auch hier mit Widrigkeiten fertig werden.
    Es ist die Geschichte ihrer Familie, die Rebecca Michéle in diesem Buch erzählt. Ich mag ihren wunderbaren Schreibstil.
    Hedwig ist eine sehr starke Frau, die schon früh Verantwortung übernehmen muss. Ihr Vater bestimmt in der Familie, wo es langgeht und jeder hat sich zu fügen, auch Hedwig. Trotzdem besteht sie die Meisterprüfung als Schneiderin. Sie ist auch intelligent und sieht, was in der nazi-Zeit nicht richtig ist. Aber sie muss die Ihren schützen und hält den Mund. Doch kaum denkt sie, dass es besser wird, wirft das Schicksal ihr die nächsten Knüppel zwischen die Beine. Hedwig aber gibt nicht auf. Sie beißt die Zähne zusammen und kämpft weiter. Ihre Tochter ist eine ebenso starke Frau, die auch einiges einstecken muss.
    Ich habe mitgelitten und mitgehofft und habe mich oft gewundert, wie sie das alles überstehen konnten und trotzdem mit Zuversicht in die Zukunft geschaut haben.
    Ein Stück Zeitgeschichte an das man sich erinnern sollte und eine wunderbare Familiengeschichte. Ich kann das Buch nur empfehlen.


    Kommentieren0
    3
    Teilen
    clary999s avatar
    clary999vor 3 Monaten
    Kurzmeinung: Eine bewegende Familiengeschichte! Lesenswert!
    Der Weg der verlorenen Träume...

    »Der Weg der verlorenen Träume ist die Geschichte zweier Frauen, die stark und mutig allen Widerständen, die das Schicksal ihnen aufzwingt, trotzen und sich dabei nie selbst verleugnen.«

    (aus dem Klappentext)

    Zum Inhalt: Masuren, Ostpreußen – 1918. Endlich ist der Krieg vorbei. Die 15-jährige Hedwig lebt mit ihren Eltern und Geschwistern in Sensburg. Sie wird zur Schneiderin ausgebildet und schafft trotz Hindernisse ihre Meisterprüfung. Nach ihrer Heirat mit einem Musiker, der viel unterwegs ist, arbeitet sie tagtäglich in einer Fleischerei, schneidert abends bis spät in die Nacht und muss sich um ihre Kinder Werner und Margarethe kümmern…

    Die Nazizeit. Der zweite Weltkrieg. Die Rote Armee kommt nach Ostpreußen. Hedwig muss mit ihrer Tochter Margarethe in den Westen fliehen!

    Meine Meinung: Der Schreibstil der Autorin Rebecca Michéle ist fließend und sehr detailliert.

    Nach einem kurzen Prolog aus dem Jahr 1994 wechselt die Geschichte ins Jahr 1918. Hedwig ist erst 15 Jahre alt, aber trägt schon jetzt eine hohe Verantwortung. Hedwigs Kindheit war relativ unbeschwert, aber sie musste zu schnell erwachsen werden. Ihre Mutter ist nach den vielen Geburten schwach und oft krank. Ihr Vater ist sehr streng. Als älteste Tochter muss sich Hedwig um den Haushalt und ihre jüngeren Geschwister sorgen. Auch nach ihrer frühen Heirat wird es für Hedwig nicht einfacher. Es wird ihr viel abverlangt, aber sie ist arbeitsam und mutig. Hedwigs Stärke hat mich sehr beeindruckt! Immer wieder gibt es Rückschläge und Enttäuschungen.

     »Sie mochte nur einen Volksschulabschluss haben, kein Studium oder eine sonstige höhere Ausbildung, doch hatte sie zwischen den Zeilen gelesen. Und das, was sie daraus verstand, gefiel ihr nicht. Es blieb nur zu hoffen, dass Alberts Meinung sich bewahrheiten und bald niemand mehr von dem Buch »Mein Kampf«, seinem Verfasser und den Nationalsozialisten sprechen würde.«

    Zitat aus dem Buch

    Besonders in der Nazizeit musste sich Hedwig vorsehen um ihre Kinder und Angehörigen nicht zu gefährden, sondern zu schützen.

     »Margarethe sah den sehnsuchtsvollen Schimmer in den Augen der Mutter. Die letzten Monate waren auch für Hedwig sehr schwer gewesen, jede Nacht nur drei, maximal vier Stunden Schlaf. Die Mutter klagte aber nie, und Margarethe erinnerte sich einmal mehr an den Satz, der ihr von klein auf eingebläut worden war:

    »Ein ostpreußisches Mädchen weint nicht!«

    Hornhaut auf der Seele – so hatte es ihre Großmutter Auguste einmal ausgedrückt, die ihrerseits über ihr Schicksal nie geklagt hatte.«

    Zitat aus dem Buch

    »Zwei, drei Mal sah Hedwig den Konvoi, einmal in Begleitung von Grete, die fragte: »Warum singen die Menschen nicht mehr, wenn der Führer kommt?« »Die Zeiten, in denen gesungen wurde, sind vorbei, mein Kind«, antwortete Hedwig, und Margarethe stellte keine weiteren Fragen mehr.««

    Zitat aus dem Buch

    Das Schicksal von Hedwig scheint sich bei ihrer Tochter Margarethe teilweise zu wiederholen. Auch Margarethe ist ein junges Mädchen, erst 15 Jahre alt, als sie fliehen. Als Heimatvertriebene wurden sie im Westen eher geduldet, als freundlich aufgenommen. Auch diese Nachkriegszeit ist beschwerlich, aber Hedwig und Margarethe lassen sich nicht unterkriegen! Der Roman endet im Jahr 1963!

    Die Autorin beschreibt eindringlich und ungeschönt die damaligen Zeiten in Ostpreußen und später den Neuanfang im Westen von Deutschland. Die Geschichte beruht größtenteils auf Tatsachen! Der Epilog (aus dem Jahr 2016) und das Nachwort sind auch sehr interessant!

    Die Lebenswege von Hedwig und Margarethe wurden ausführlich erzählt, aber dadurch waren mir die beiden Frauen auch sehr nahe gekommen!

    Es ist eine bewegende Familiengeschichte und gleichzeitig auch ein Stück Zeitgeschichte!

    Lesenswert!

    4+ Sterne

    Kommentare: 6
    166
    Teilen
    Tanzmauss avatar
    Tanzmausvor 3 Monaten
    Die Frauen aus Masuren

    Masuren, 1918: Die junge Hedwig muss sich nicht nur ihre kranke Mutter, ihren Vater, sondern auch um ihre zahlreichen Geschwister kümmern. Der älteste Bruder Heinrich blieb im Krieg, so dass sie als ältestes Kind den Haushalt schmeißen muss.

    Tagsüber geht sie bei einer Schneiderin in die Lehre, abends ist sie für die Familie da. Als ihre Meisterin dann jedoch ihr Geschäft schließen muss, würde Hedwig gerne selbst Meisterin werden. Doch der Vater ist dagegen. Dann trifft Hedwig den Sohn eines verarmten Adelsgeschlechts. Er spornt sie an und macht ihr Mut, den Weg zu gehen und Schneidermeisterin zu werden.

    Hedwig gelingt das schier unmögliche und legt die Prüfung sogar in zwei Bereichen ab. Fortan ist sie Schneidermeisterin für Damen und Herren. Doch ein unbedachter Moment verändert alles. Plötzlich ist sie verheiratet und Mutter zweier Kinder. Der Vater geht eigene Wege und auch Hedwig muss schauen, wie sie ihre kleine Familie über die Runden bekommt. Als dann der zweite Weltkrieg ausbricht, scheint alles verloren…

     

    Bisher kannte ich die Autorin vor allem nur wegen ihrer Cornwall-Romane und war daher gespannt auf die neue Thematik und den neuen Schauplatz. Schnell hatte mich die Autorin wieder mit ihrem Schreibstil gefangen. Eine dichte emotionale Atmosphäre erwartete mich hier und ich konnte förmlich das Leid, die Hoffnung, aber auch die Liebe von Hedwig spüren.

    Das Leben meinte es nicht gut mit ihr, doch Hedwig ist eine starke Frau, die so leicht nicht aufgibt, hart arbeitet und kämpft. Oft hat mich die Autorin mit unerwarteten Wendungen überrascht. Dabei erzählt sie so authentisch und greifbar, als wäre sie persönlich dabei gewesen.

    Vieles kam mir aus den Erzählungen meiner eigenen Oma bekannt vor. Nicht zuletzt, weil auch sie Schneidermeisterin für Damen und Herren gewesen war, auch die Kriegserzählungen deckten sich hierbei zu größeren Teilen.

    Rebecca Michéle weiß, wie sie ihre Leser fesseln kann und nahm mich mit auf eine gewagte Flucht, bei der ich nicht nur zwischenzeitlich den Atem anhielt, sondern zudem viele Tränen vergoss, sei es vor Trauer oder Erleichterung.

     

    Fazit:

    Sehr emotional und authentisch erzählt Rebecca Michéle in diesem Buch von starken Frauen aus Masuren, die ich leider nicht mehr persönlich kennenlernen kann, nach dem Buch jedoch dennoch das Gefühl habe, selbst dabei gewesen zu sein und gute Bekannte verlassen zu haben.

    Kommentieren0
    0
    Teilen
    Dominikuss avatar
    Dominikusvor 4 Monaten
    2 starke Frauen


    Rebecca Micheles Romane habe ich schon länger gerne gelesen, auch unter ihren Pseudonymen. Sie lässt ihren neuen bewegenden Roman „Der Weg der verlorenen Träume“ ab 1918 in Masuren Ostpreußen stattfinden. In diesen schweren Zeiten ist das Geld knapp.


    Hedwig kann nach ihrer Schneiderlehre mit Nähen etwas verdienen, oft auch gegen Naturalien. Stolz ist sie, das sie ihren Meister für Damen- und Herrenschneiderei besteht. Sie heiratet den Musiker Albert, aber der läßt sie bei seinen Eltern, wo sie in der Fleischerei arbeiten muss.


    Man erlebt den Aufstieg der Nazizeit mit. Hedwig hat keine Zeit sich um Politik zu kümmern, erst als ihr bekannte Personen als Juden verfolgt werden, wird sie hellhörig.

    Dann geht es mit der Tochter Margarethe auf die Flucht über das Haff mach Norddeutschland. Die Jahre auf dem Land sind für Beide arbeitsam,


    Die Autorin hat die Zeit detailliert und genau erzählt.Meine Mutter war eine Vertriebene, so kann ich von ihren Erfahrungen sagen, genau so war es. Da konnte ich mich beim Lesen wieder erneut erinnern.


    Der Roman ist angenehm und interessant zu Lesen. Eine gute Unterhaltung.




    Kommentieren0
    0
    Teilen
    classiques avatar
    classiquevor 5 Monaten
    Kurzmeinung: "Starke Frauen" - Familiengeschichte ohne klassisches "Happy End"
    "Starke Frauen"

    Der Roman "Der Weg der verlorenen Träume" umfasst ca. 460 Seiten mit 23. Kapiteln, einem Prolog und Epilog. 

    Kurzer Plot: 


    Beginnen tut die Familiengeschichte in Sensburg, Ostpreußen, im November 1918

    Hedwig Mahnstein, ist 15 Jahre alt, ihre Mutter Auguste Mahnstein, hat bis jetzt 11 Kinder zur Welt gebracht. 

    Hermann Mahnstein, Beamter in der preußischen Polizei, führt eine strenge Hand. Gehorsamkeit verlangt er von allen seinen Kindern, und von seiner Ehefrau.

    Der erste Weltkrieg ist vorbei. Für Heinrich, den 2 Jahre älteren Bruder von Hedwig, kommt diese Tatsache zu spät. Er ist im Krieg gefallen. 

    Hedwig ist die älteste Tochter im Haushalt und muss sich mit um ihre jüngeren Geschwister Karl, Paula, Luise, Anna und Fritz kümmern. Denn Auguste, die Mutter, ist ständig krank und überfordert.

    Hedwig ist seit Herbst 1917 bei einer Schneiderin in der Lehre. Über einen Auftrag lernt sie Albert von Dombrowski kennen. 

    Albert von Dombrowski, ein Berufsmusiker, wird später Hedwigs Ehemann. 


    Hedwig arbeitet als Küchenmädchen um die Ausbildung zur Damen- und Herrenschneiderin (Meister) bezahlen zu können. Die Ausbildung absolviert Hedwig mit Auszeichnung, und sie hat einen Traum... "sich selbstständig zu machen." 

    Die Geschichte wird über Jahrzehnte weiter erzählt, und dabei spielt Hedwigs Tochter Margarethe eine große Rolle...

    Mein Fazit:

    Der Roman erzählt eine Familiengeschichte. Im Fokus dieser Geschichte stehen Hedwig und Margarethe.

    Die Schreibweise ist flüssig und macht das Lesen sehr angenehm.

    Es ist keine klassische "Happy - End" Geschichte, sondern zeigt den Lebensweg starker Frauen auf.

    4. Sterne! 

    Kommentieren0
    51
    Teilen
    efells avatar
    efellvor 5 Monaten
    Kurzmeinung: eine packende berührende Lebensgeschichte
    eine packende berührende Lebensgeschichte


    Eine sehr packende, lebendige Familiengeschichte aus den schwierigen Zeiten im vorigen Jahrhundert. Hedwig eine Frau, die ihre Familie zusammen hält, erst als Kind ist sie für die Eltern und auch Schwiegereltern da, dann als Mutter und Großmutter, als Schwester suchte sie immer Kontakt zu ihren Geschwistern, auch wenn sie ganz anderer Meinung und Gesinnung waren. Mit ihrer Kunst des Schneiderns und ihrem Fleiß konnte sie auf allen Plätzen in ihrem bewegten Leben die Familie ernähren und am Leben erhalten. Daheim, im eigenen Laden, auf der Flucht, in der notdürftigen Unterkunft im Westen und schließlich im Süden. Diese Frau hat mich sehr beeindruckt, wusste immer einen Weg in die Zukunft und zog diesen ohne klagen durch.
    Ein sehr authentischer Roman, der die verschiedenen Meinungen, Strömungen der Zwischenkriegzeit darstellt, aber auch die schierige Situation als nichtwillkommenen Flüchling zu leben. Wie schlimm muss es sein, wenn das eigene Kind die verachtenswerten Parolen nachplappert und die Mutter nichts dagegen sagen darf. Beim Lesen lebt man richtig mit und leidet auch mit dieser Frau und ist wieder einmal entsetzt, wie sich damals alles entwickeln konnte. Dies wurde sehr deutlich und auch sehr bedrohlich geschildert, ohne Ausweg, ohne eine Möglichkeit, etwas verändern zu können.
    Diese Biographie der Großmutter und Mutter der Autorin hat mich wieder einmal sehr nachdenklich gestimmt, aber auch gezeigt, dass Mut, der Blick in die Zukunft, das Vergangene ohne Hader hintersich zulassen, das Gute in den Mittelpunkt zustellen der einzige Weg ist, um erfüllt alt zu werden.

    Kommentieren0
    0
    Teilen
    katikatharinenhofs avatar
    katikatharinenhofvor 6 Monaten
    Kurzmeinung: Bewegende Geschichte zweier Frauen, denen ich meinen ganzen Respekt zolle
    Bewegende Geschichte zweier Frauen, denen ich meinen ganzen Respekt zolle

    Hedwig genießt in Ostpreußen ihre Jugendjahre - trotz Entbehrungen verlebt sie glückliche Stunden und entwickelt sich zu einer starken jungen Frau. Ihre Liebe zu dem jungen Musiker Albert bleibt nicht lange ohne Folgen und Hedwig muss lernen, trotz Kindern auf eigenen Füßen zu stehen. Als dann auch noch die schreckliche Fratze des Zweiten Weltkrieges über Ostpreußen hereinbricht, muss Hedwig flüchten...ein Weg gepflastert mit verlorenen Träumen.


    Ich habe schon viele Bücher über die Zeit des Zweiten Weltkrieges und seine schrecklichen Ereignisse gelesen, doch mit diesem Roman habe ich jedes einzelne Erlebnis von Hedwig regelrecht nachgespürt. Atmosphärisch unheimlich dicht und sprachlich hervorragend werden die Jugendjahre, die erste Liebe und die weiteren Ereignisse von Hedwig so lebensnah geschildert, dass ich mit ihr mitleide, hoffe, bange und von den Folgen des Krieges beim Lesen ausgezehrt werde. Die Autorin nimmt mich mit auf eine Lebensreise von zwei Frauen, deren Stärke und Mut ich nicht nur bewundere, sondern denen mein ganzer Respekt gehört. Trotz widrigster Umstände haben Hedwig und Grete nie den Mut und den Glauben an ein besseres Leben verloren, haben sich tapfer durch die Kampflinien der Roten Armee geschlagen und sich allen Prüfungen des Lebens gestellt, die ihnen das Schicksal vor die Füße geworfen hat. Selbst in dunkelsten Zeiten haben beide nie die Zuversicht verloren. Ihr Schicksal steht für tausende von Schicksalen, die die Vertriebenen aus Ostpreußen erlitten haben. Eine Geschichte, die mich durch ihre akribische Recherche und ihre Authentizität beeindruckt und berührt hat. Ich habe alles um mich herum vergessen und bin auf den Spuren Hedwigs gewandelt, bin so zu einem Teil von ihr und ihrem Leben geworden und kann mich nur in Demut vor dieser Frau verneigen.


    Danke an Rebecca Michéle für diesen eindrucksvollen, berührenden Roman. Leider kann ich nur 5 Sternchen vergeben - 10 hätte er verdient !


    Herzlichen Dank an den Verlag Edition Oberkassel für die kostenfreie Bereitstellung dieses Rezi-Exemplares. Diese Tatsache hat jedoch nicht meine ehrliche Lesermeinung beeinflusst

    Kommentieren0
    2
    Teilen

    Gespräche aus der Community zum Buch

    Neu

    Starte mit "Neu" die erste Leserunde, Buchverlosung oder das erste Thema.

    Was ist LovelyBooks?

    Über Bücher redet man gerne, empfiehlt sie seinen Freunden und Bekannten oder kritisiert sie, wenn sie einem nicht gefallen haben. LovelyBooks ist der Ort im Internet, an dem all das möglich ist - die Heimat für Buchliebhaber und Lesebegeisterte. Schön, dass du hier bist!

    Mehr Infos

    Buchliebe für dein Mailpostfach

    Hol dir mehr von LovelyBooks