Rebecca West

 4,1 Sterne bei 43 Bewertungen
Autor*in von Die Rückkehr, Im Herzen der Nacht und weiteren Büchern.

Lebenslauf

Dame Rebecca West (1892-1983) wurde als Cicily Isabel Fairfield geboren und wählte ihren Künstlernamen nach einer starken Frauenfigur in einem Ibsen-Drama. West war Journalistin und Reiseschriftstellerin. Sie schrieb unter anderem für The New York Herald Tribune und Harper's Bazaar. Als Berichterstatterin für den Daily Telegraph nahm sie an den Nürnberger Prozessen teil. Sie pendelte zwischen London, New York, Rom und Florenz. Neben ihren journalistischen Texten verfasste sie mehrere erfolgreiche Romane und Erzählungen. »Die Familie Aubrey« ist der erste Teil einer dreibändigen Familiengeschichte. Erstmals 1956 veröffentlicht, wurde der Roman mit dem Originaltitel »The fountain overflows« zum Verkaufshit. »Im Herzen der Nacht« und »Rosamund« erschienen posthum. Die Aubrey-Trilogie ist von Wests eigener Familiengeschichte inspiriert und umfasst fast das gesamte 20. Jahrhundert.

Quelle: Verlag / vlb

Alle Bücher von Rebecca West

Cover des Buches Die Rückkehr (ISBN: 9783423146357)

Die Rückkehr

(36)
Erschienen am 31.05.2018
Cover des Buches Im Herzen der Nacht (ISBN: 9783442759781)

Im Herzen der Nacht

(2)
Erschienen am 15.10.2025
Cover des Buches Die Familie Aubrey (ISBN: 9783442759774)

Die Familie Aubrey

(2)
Erschienen am 13.11.2024
Cover des Buches Im Herzen des Weltfeindes (ISBN: 9783893203413)

Im Herzen des Weltfeindes

(1)
Erschienen am 16.02.2026
Cover des Buches The Return of the Soldier (ISBN: 9781406843064)

The Return of the Soldier

(1)
Erschienen am 01.09.2014
Cover des Buches Black Lamb And Grey Falcon (ISBN: 014310490X)

Black Lamb And Grey Falcon

(0)
Erschienen am 30.01.2007

Neue Rezensionen zu Rebecca West

Cover des Buches Im Herzen des Weltfeindes (ISBN: 9783893203413)
HansDurrers avatar

Rezension zu "Im Herzen des Weltfeindes" von Rebecca West

HansDurrer
Der Nürnberger Kriegsverbrecherprozess

In jüngeren Jahren, also vor meinem Lizentiat der Rechtswissenschaften, als ich noch idealistische Vorstellungen von Recht und Rechtsstaat hegte, gehörten Gerichtsreportagen zu meiner Lieblingslektüre. Mittlerweile halte ich das sogenannte Recht und alles drumherum wesentlich für ein Business-Modell, und bin jetzt gespannt wie wohl diese drei Reportagen auf mich wirken, wobei ich positiv voreingenommen bin, denn was ich von Martha Gellhorn gelesen habe (insebesondere ihren Roman Liana) schätze ich sehr. Um es gleich vorwegzunehmen: Diese Lektüre ist ganz unbedingt empfehlenswert, da aufklärend, wesentlich und horizonterweiternd. 

Ein Gerichtssaal ist einem Theater vergleichbar: Die Inszenierung ist wichtig. Für Juristen entscheidend sind jedoch die Argumente, die häufig absurder kaum sein könnten. So zitiert Janet Flanner etwa Görings Anwalt mit "Es ist unmöglich, eine Handlung zu beurteilen, ohne das Motiv zu kennen." Nun ja, Motive sind meist unbewusst. Zudem: Das Unbewusste wird so genannt, weil es dem Bewusstsein nicht zugänglich ist!

Juristen unterscheiden zwischen der objektiven und der subjektiven Seite eines Geschehens, was impliziert, der Beweggrund für eine Tat könne erkannt werden. So nachvollziehbar dies gemäss unserem Denken auch ist, mir selber steht die Herangehensweise der noch nicht sozial auf Linie Getrimmten näher: "Young children tend to focus on causal responsibility, while older children and adults tend to focus on intent." (Fiery Cushman: Should the Law Depend on Luck?).

Im Herzen des Weltfeindes wird eingeleitet durch ein Vorwort des Rechtswissenschaftlers Ingo Müller, der den Hauptanklagevertreter Robert Jackson höchst wohlwollend porträtiert, was Janet Flanner jedoch ganz anders sieht ("Ihm schien es nicht nur an Hintergrund und Weisheit zu mangeln ..."). Überhaupt zeichnet dieses Buch aus, dass drei ganz unterschiedliche Temperamente zu Wort kommen, die jedoch, wie Klaus Bittermann in seinem informativen und vielfätig aufschlussreichen Nachwort festhält, sich ausserstande sahen, "die Deutschen nicht zu hassen. Und auch Lee Miller (von der die Fotos vom zerstörten Nürnberg in diesem Band stammen) machte aus ihrem Hass keinen Hehl. Sie setzte nie wieder einen Fuss auf deutsches Gebiet. Sie wollte nie wieder an Deutschland erinnert werden. Ihre Erschütterung war so tiefgreifend, dass sie zur Alkoholikerin wurde." Am Rande: Warum jemand zu einer Alkoholikerin wird, darüber kann man bestenfalls rätseln. 

Was diesen drei Frauen, die einander nie begegnet sind, auch gemein ist: Eine höchst differenzierte Beobachtungsgabe, die sich unter anderem in der Beschreibung des Äusseren sowie der Gebahrens der auftretenden Personen zeigt. Und dass sie viel Vertrauen und Hoffnung in den Rechtsstaat setzen. "Es (das Tribunal) erscheint wie eine Insel der Hoffnung, des gesunden Menschenverstandes und der Gerechtigkeit der Alliierten inmitten der düsteren, auf Untergang eingestimmten Deutschen und deren zerstörter Stadt." (Janet Flanner). "Seine (Sir Geoffrey Laurence, der Präsident des Tribunals) Stimme war ein Symbol für das, was alle zivilisierten Menschen von der Gerechtigkeit erwarten und was sie darunter verstehen – etwas Klares und Unerschrockenes, stärker als die Zeit." (Martha Gellhorn). "Es war notwendig, und zwar wirklich notwendig, dass eine grosse Anzahl von Personen, inklusive der Führung von Armee und Zivilbehörden, nach Nürnberg fuhr und sich die Urteilsverkündung anhörte, denn auf keine andere erdenkliche Weise konnten sie sonst nachvollziehen, worum es in dem Prozess überhaupt gegangen war." (Rebecca West). 

Im Herzen des Weltfeindes ist auch eine Dokumentation eines interkulturell  einzigartigen Vorgangs. Die Verteidiger waren Deutsche, die Ankläger und Richter stammten aus Nationen mit unterschiedlichen Auffassung hinsichtlich des Verfahrens. Gemäss Janet Flanner wurde der Prozess als amerikanische Veranstaltung begriffen, die dann auch mit einem Kreuzverhör von Göring ihren Anfang nahm. "Die Franzosen kennen kein Kreuzverhör, die Russen hatten vermuitlich überhaupt keine Ahnung, und die Briten wussten wenigstens, wie sie sich über den Tag retten konnten."

Verblüfft hat mich, dass vermutlich die meisten Deutschen von dem Prozess nicht gross Kenntnis genommen haben, auch wenn es verständlich ist, schliesslich hatten sie andere Sorgen  – die Stadt war zerstört, die Läden leer, auch sind wohl nicht wenige davon ausgegangen, dass die Schuld der Angeklagten feststand. Doch zeigt dies eben auch (wieder einmal), dass das, worüber die Zeitungen berichten bzw. in Büchern zu lesen ist, das Leben der allermeisten kaum beeinflusst.

Im Herzen des Weltfeindes kommt zur richtigen Zeit, da der Antisemitismus wieder vermehrt offen zutage tritt (fehlende Scham ist ein Merkmal der Unzivilisiertheit) und die Erinnerung an die Gräueltaten der Nazis unterzugehen droht. Es zeichnet diese Reportagen aus, dass die Autorinnen Stellung beziehen und keinen Hehl aus ihrer Abneigung gegen die Nazis auf der Anklagebank machen, die sich allesamt unschuldig geben.

Im Herzen des Weltfeindes erschöpft sich nicht in Berichten vom Nürnberger Kriegsverbrecherprozess (Rebecca West schildert auch ihre Streifzüge durch das kaputtte Land), sondern weist darüber hinaus, indem es uns eindringlich vor Augen führt, dass sich der Verantwortung zu stellen, feigen, brutalen und selbstherrlichen Anstiftern unbekannt ist. Es ist auch heute noch so.

Cover des Buches Im Herzen der Nacht (ISBN: 9783442759781)
Buecherseele79s avatar

Rezension zu "Im Herzen der Nacht" von Rebecca West

Buecherseele79
Toll umgesetzt

"Die Welt hat den großen Makel, dass Menschen, die einander lieben, einzelne Wesen sind. Es ist schrecklich, wenn dir so sehr am Herzen liegt, was ein anderer Mensch fühlt, als handelte es sich um dich selbst, aber seine Gefühle nicht zu kennen, weil er nun mal er ist und du nun mal du bist." (Seite 180)

Die Familie Aubrey hat es nicht leicht. Der Vater, ein Journalist, hat sich aus dem Staub gemacht und Frau sowie Kinder fast mittellos zurückgelassen. Die Familie versucht so durch den Alltag zu kommen und hofft auf einen Neuanfang.

Rose, eine der Aubrey Töchter erzählt die Geschichte ihrer Familie. Zu Zeiten in London 1910er Jahren. Musik spielt eine grosse Rolle, denn die Mutter war eine berühmte Konzertpianistin. Rose und ihre Schwester Mary sollen in diese Fußstapfen treten. Auch andere Kinder wollen musikalisch berühmt werden, allerdings fehlt ihnen hierzu das Talent. Richard, der Bruder und jetzt auch so etwas wie der Herr im Haus hat es natürlich leichter, als Mann und seine aufgeweckte und pfiffige Art hat mir persönlich sehr zugesagt.

Manchmal ein etwas verwirrend Konstrukt der Familie Aubrey. Und man muss auch beim lesen am Ball bleiben sonst verliert man rasch den Überblick.

Auch könnte der Schreibstil nicht jedem am Herzen liegen. Jedoch mag ich diese Art des Erzählens und ausführen und ich konnte mich für die Geschehnisse der Familie Aubrey sehr begeistern. Schafft es die Autorin doch mir die Familie in ihren Einzelheiten und dann wieder als Gesamtwerk näher zu bringen. 

Die Zeiten damals waren nicht leicht, schon gar nicht als alleinstehende Mutter mit ihren Kindern. Das bringt die Autorin sehr präzise an die Leserschaft heran. Die alltäglichen Verpflichtungen, das Warten auf das endlich erwachsen sein und dann tun und lassen was man möchte. Dem Korsett des Zwangs als junge Frau zu entfliehen.

Es ist erstaunlich was die Familie trotz Umstände reißt und was ihr gelingt. Dieses nicht aufgeben, den Kopf oben behalten und weitermachen. Jedoch sind die kommenden Auswirkungen des ersten Weltkriegs hier und da spürbar. Gerade in Punkto judenfeindlichen Andeutungen ist absehbar was geschehen wird.

Ich fand dieses Buch unglaublich gut und mit humorvollen Anekdoten umgesetzt. Es ist einfach spannend zu lesen was eine Familie erdulden und erkämpfen musste als in diesem Jahrhundert der Mann fehlte. Und was eine Mutter im Stande ist zu leisten und zu managen. 

Cover des Buches Im Herzen der Nacht (ISBN: 9783442759781)
Angie*s avatar

Rezension zu "Im Herzen der Nacht" von Rebecca West

Angie*
Autobiografisch geprägte Familiengeschichte !


Dieser unabhängige zu lesende Roman hat mich tief in die  psychische Familienstruktur der Familie Aubrey geführt. Die Autorin hat autobiografische Züge ihrer eigenen Familiengeschichte eingefügt und so mit Sicherheit vieles aus ihrer bewegten  Kindheit und dem Erwachsenen-Leben aufgearbeitet. 

Die Geschichte wird aus der Sicht von Rose erzählt, eine der Aubrey-Töchter.  Die Musik spielt in ihrer Familie eine grosse Rolle, da die Mutter Clare eine begabte Konzertpianistin war und diese Karriere zugunsten der Familie und ihrer vier Kinder aufgegeben hat. Rose und ihre Schwester Mary,  beide musikalisch sehr begabt,  werden streng erzogen um auch den Weg einer professionellen Pianistin  gehen zu können. Ihr Bruder Richard Quiz ist der absolute Familienliebling, dem vieles nachgesehen wird. Die grosse Schwester Cordelia dagegen hat in der Familie die Rolle des *Sorgenkindes* inne. Sie glaubt fest an ihre musikalische Begabung, die ihr allerdings voll abgeht. Vater Piers, ein  erfolgreicher Journalist ist allerdings ein Glücksspieler und unzuverlässiger Versorger. Er bringt die Familie immer wieder in finanzielle Schwierigkeiten und glänzt durch Abwesenheit.  

Der Roman beleuchtet  genau die abhängige Position der Frauen und Kinder in der damaligen Gesellschaft und beschreibt den finanziellen und emotionalen Abstieg einer Familie. Die Gedankenwelt der Kinder wird  von der Autorin sehr gut aufgezeigt. Ihre Verzweiflung und ihre immer wieder aufkeimende Hoffnung auf eine Besserung der Situation bilden einen grossen Teil des Romans. 

Das Buch lässt sich nicht leicht und schnell herunterlesen. Die Autorin benutzt einen intellektuell geprägten, sehr aussagekräftigen und anspruchsvollen Schreibstil, der manche Leser*innen bald langweilen  und überfordern könnte. Die psychologischen Hintergründe aller Familiencharaktere werden sorgfältig entwickelt und dargelegt . 

Dieses Buch lässt sich geniessen, doch sollte man keine langen Lesepausen einlegen , da man schnell den roten Faden und den Bezug zu den Personen verlieren könnte. 

Meine Bewertung: FÜNF ***** Sterne. 

Herzlichen Dank an den btb-verlag für diese Neuauflage eines wertvollen Buches. 

Gespräche aus der Community

Willkommen zur aktuellen Leserunde der Gruppe Klassiker Leserunden.

Die Leserunde beginnt am 10.12.2016.

Wir wollen ein bisschen Leben in die altehrwürdige Literaturwelt bringen. Daher haben wir beschlossen, einige Klassiker gemeinsam zu lesen.

!!! Wichtig: Bei dieser Leserunde lesen wir unsere eigenen Bücher, es werden keine Exemplare verlost !!!

Für den Dezember haben wir uns „Die Rückkehr“ von Rebecca West vorgenommen.

Klappentext:
Eine kostbare literarische Entdeckung, eine berührende Liebesgeschichte Ein englisches Landgut im Süden Londons während des Ersten Weltkriegs: Die zwei Frauen Jenny und Kitty Baldry kümmern sich um das Anwesen der Familie, während der Herr des Hauses, Kittys Ehemann und Jennys Cousin Chris, in Frankreich an der Front ist. Schon bald muss er versehrt nach Hause zurückkehren. Doch es ist keine der üblichen Kriegsverletzungen, die ihn in Mitleidenschaft gezogen hat: Er leidet unter einem Granatenschock, einem schrecklichen Trauma, das ihn glauben lässt, wieder zwanzig Jahre alt zu sein. Alles um ihn herum ist ihm fremd, selbst seine eigene Ehefrau. Obwohl Kitty diese Kränkung kaum ertragen kann, sucht sie gemeinsam mit Jenny und Margaret, einer alten Liebe von Chris, einen Weg, um ihren Mann ins Jetzt zurückzuholen. Rebecca Wests Debütroman von 1918 liegt damit erstmals auf Deutsch vor. Er ist der einzige von einer Frau während des Ersten Weltkriegs verfasste und veröffentlichte Roman über den Krieg. 1982 wurde er mit Alan Bates und Julie Christie in den Hauptrollen verfilmt.

Die Leserunde beginnt am 10.12.2016 und die Klassiker-Leserunden-Gruppe freut sich über jeden, der mit uns „Die Rückkehr“ lesen will.

Wichtig ist, dass es auch von diesem Klassiker verschiedene Ausgaben geben kann.

Sollten hier markante Unterschiede auffallen, gebt bitte in der Rubrik Meine Ausgabe Bescheid, damit wir die Einteilung dementsprechend anpassen können. Soweit man sich in der Leserunde orientieren kann, ist natürlich jede Version in Ordnung.
Wir freuen uns über zahlreiche TeilnehmerInnen!

• Bitte schreibt eure Beiträge in die bestehenden Kategorien, damit die Leserunde übersichtlich bleibt.
• Bitte denkt auch daran, den Spoiler-Haken zu setzen!


Zur Einteilung der Leseabschnitte
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1. Leseabschnitt: Kapitel I - II
2. Leseabschnitt: Kapitel III - IV
3. Leseabschnitt: Kapitel V - Ende
91 Beiträge
U
Letzter Beitrag von  UWEDUIS
Diesem Buch kann ich nur viele Leser wünschen ! Hier ist meine Besprechung: https://www.lovelybooks.de/autor/Rebecca-West/Die-R%C3%BCckkehr-1198598206-w/rezension/1409119299/ und eine Video Rezension: https://youtu.be/DIAYxKdXQm4

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