Rebekka Endler

 4,3 Sterne bei 26 Bewertungen

Lebenslauf von Rebekka Endler

Rebekka Endler arbeitet als freie Autorin, Journalistin und Podcasterin. ›Das Patriarchat der Dinge‹ ist ihr erstes Buch.

Quelle: Verlag / vlb

Alle Bücher von Rebekka Endler

Cover des Buches Das Patriarchat der Dinge (ISBN: 9783832166298)

Das Patriarchat der Dinge

 (26)
Erschienen am 22.06.2022

Neue Rezensionen zu Rebekka Endler

Cover des Buches Das Patriarchat der Dinge (ISBN: 9783832166298)
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Rezension zu "Das Patriarchat der Dinge" von Rebekka Endler

Das Patriarchat der Dinge und alles andere
Kagalivor 3 Monaten

Nachdem ich letztes Jahr Unsichtbare Frauen las und es mich nicht vollständig überzeugen konnte, wurde mir im Anschluss mehrfach Das Patriarchat der Dinge empfohlen. Dementsprechend war ich mehr als neugierig, ob dieses Buch das Thema überzeugender behandeln würde, als das vorherige.

Eine Welt gemacht von Männern für Männer
Worum geht es in diesem Sachbuch überhaupt? Hinter dem fast schon poetischen Titel versteckt sich im Grund eine einzige Geschichte, nämlich die, dass unsere Welt von Männer für Männer gestaltet wurde und noch immer wird. Sei es Stadtplanung, Medizin oder schlicht das Design von Alltagsgegenständen, der weiße cis Mann ist die Norm und Frauen werden entweder gar nicht extra berücksichtigt (häufigster Fall) oder werden als absonderliche Anomalie betrachtet und bekommen eine lediglich verkleinert und pink angemalte Version angeboten, Stichwort shrink it and pink it. Das ist im besten Fall ärgerlich und unpraktisch für Frauen, die Gegenstände nutzen müssen, die nicht für sie gedacht ist, im schlimmsten Fall ist es jedoch lebensbedrohlich, nämlich dann, wenn Sicherheitsvorkehrungen und Konzepte beispielsweise im Auto die weibliche Anatomie ignorieren oder in der Medizin die Wirkung von Medikamenten nur an männlichen Körpern (sowohl bei Versuchstieren, als Menschen) getestet werden.

Wer da noch behauptet, wir bräuchten keine Feminismus Bewegung mehr, sollte dringend dieses Buch lesen, denn Endler führt wirklich zahlreiche Beispiele auf, die zeigen, wie sehr Frauen auch im Alltag noch benachteiligt werden. Was der Autorin ebenfalls gut gelingt ist, die Verknüpfungen des Patriarchats und des Kapitalismus aufzuzeigen. Es mag zwar wenig überraschen, dass beide Hand in Hand gehen, doch hier bekommt man nochmal genaustens die direkten Auswirkungen dieser unseligen Paarung aufgezeigt.

Rebekka Endler ist wütend, sehr wütend
Wenn man von eben erwähnten lebensgefährlichen Datenlücken in Medizin, Katastrophenschutz und Sicherheit absieht, mögen all diese kleinen und großen Benachteiligen im einzelnen vielleicht nicht dramatisch sein und nein, ich sterbe nicht, weil in meine Jeanstaschen nichts außer ein paar Münzen passt, nichtsdestotrotz macht die Summe all dieser Benachteiligungen wütend. Zumal ja vieles davon einfach zu lösen wäre, wenn Frauen nur endlich mal mitgedacht werden würde. Und nur weil es vielleicht nichts lebensentscheidendes ist, ob ich als Frau z.B bei einer Gesundheitsapp mitbedacht erde oder nicht, heißt es doch nicht, dass man dies nicht kritisieren darf und ob der Ungerechtigkeit nicht verärgert sein darf. Wir Frauen haben also einen guten Grund wütend zu sein und ein Recht, dass man unsere Wut wahrnimmt. Dementsprechend hat auch Rebekka Endler allen Grund dazu, wütend zu sein und ja auch, diese Wut in ihr Buch einfließen zu lassen und sprachlich auch mal ausfallend zu werden. Das muss nicht jeder mögen, ist aber zu akzeptieren.

Was in meine Augen jedoch nicht ok ist, ist bei all der Emotionalität des Themas die Recherche zu vernachlässigen und das geschieht in diesem Buch leider ein paar mal. Häufiger betrachtet sie bestimmte Beispiele aus einem sehr einseitigen, ihrer Argumentation zuträglichem Blickwinkel und lässt größere Kontexte außer Blick. Zum Beispiel erwähnt sie ein in Frauenhaut gebundenes Medizinbuch aus dem 19. Jh. und wirft dem Arzt, der dieses herstellte die krudesten Gewalt- und Rachefantasien vor. Dass das Binden, gerade von Medizinbüchern in Menschenhaut im 19. Jh. zwar nicht in Massen geschah, aber doch gängige Praxis (und nicht mit denselben moralischen Tabus belegt war, wie heute) war und dafür mehrheitlich die Haut von verstorbenen Männern verwendet wurde, erwähnt sie nicht. Tatsächlich haben viele derjenigen, deren Haut nach ihrem Tod als Einband endete, diese zu Lebzeiten genau dafür verkauft. Daher stammt auch das Sprichwort “seine Haut zu Markte tragen“. Durch das Weglassen dieses Kontextes, erscheint Endlers Beispiel jedoch in einem ganz anderen Licht, liest sich ihr Text doch jetzt so, als ob ausschließlich Frauen von sadistischen Ärzten als Form von Rache an dem gesamten weiblichen Geschlecht, gegen ihren Willen gehäutet wurden.
Und solcherart Beispiele finden sich häufiger. Es ist völlig ok auch in einem Sachbuch emotional zu sein, trotzdem sollte doch eine gewisse fachliche Professionalität gewahrt werden, und Kontexte nicht ignoriert werden, nur weil das Gesamtbild dann nicht zu dem passt, was man erzählen möchte.

(K)ein Buch über Feminismus im Allgemeinen

Leider ist das nicht mein einziger Kritikpunkt am Buch. Was mir ebenfalls nicht ganz zusagte, ist die Art und Weise, wie die Autorin ihr Buch strukturiert. Im Vorwort schrieb sie noch, sie wolle kein allgemeines Buch über Feminismus schreiben, sondern sich ganz auf das titelgebende Patriarchat der Dinge konzentrieren. Letztendlich hat sie sich an diesen Vorsatz aber nicht gehalten und irgendwie doch ein allgemeines Feminismusbuch geschrieben. Denn während sie zunächst doch noch sehr eng beim Thema vom patriarchistischem Design bleibt, weicht sie selbst diesen Begriff immer weiter auf und redet am Ende über viele Sachverhalte, in denen es zwar um die Unterdrückung der Frau geht, die mit patriarchistischem Design jedoch nichts mehr zu tun haben. Hinzu kommt ein ausgeprägter Drang zum Abschweifen. Endler beginnt mit einem Theme, führt dazu dann noch konkrete Beispiele auf, zu diesen Beispielen jedoch folgen weitere Beispiele und schwupps, ist sie vom eigentlichen Thema abgewichen und findet auch oft den Weg dahin nur mühsam oder gar nicht wieder zurück. Das gestaltet das Lesen dieses Buches oftmals mühsam und langatmig, da man sich des Öfteren fragt “Warum reden die Autorin jetzt nochmal von dem und dem?”

Dieser Hang zum Abschweifen führt auch dazu, dass eigentlich treffende und gute Aussagen etwas untergehen. An dieser Stelle wäre es einfach besser gewesen enger beim Thema zu bleiben und dieses dafür akzentuierter zu besprechen.

Fazit:

Auch dieses Buch über Sexismus im Design und Alltag konnte mich nur halb überzeugen. Das Thema ist wichtig, ja und Rebekka Endler listet zahlreiche wachrüttelnde Beispiele auf, die wütend und nachdenklich zugleich machen und führt uns Leser*innen gut die fatalen Zusammenhänge von Patriarchat und Kapitalismus vor. Leider verliert sie bei all der Wut hin und wieder sowohl den Blick fürs Wesentliche, als auch den auf die großen Kontexte, was ihre Argumente einseitig werden lässt.


Folge mir ;)

Diese und andere Rezensionen (mit zusätzlichem Coververgleich Deutsch/Original) findet ihr auch auf meinem Blog Miss PageTurner (https://miss-pageturner.de)

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Cover des Buches Das Patriarchat der Dinge (ISBN: 9783832166298)
Elenchen_hs avatar

Rezension zu "Das Patriarchat der Dinge" von Rebekka Endler

Das patriarchat der Dinge
Elenchen_hvor 5 Monaten

Rebekka Endlers Sachbuch "Das Patriarchat der Dinge: Warum die Welt Frauen nicht passt" ist eine wahre Augenöffnerin! In den verschiedensten Bereichen - zum Beispiel der Sprache, dem öffentlichen Raum, dem Arbeitsplatz, der Medizin oder auch dem Sport - zeigt die Autorin auf, wie ein patriarchales System Designs zumeist auf männlich gelesene Körper angepasst hat und an vielen Stellen dafür sorgt, dass das auch genau so bleibt. Während mir beispielsweise Crashtest-Dummys oder auch die unterschiedlichen Symptome eines Herzinfarkts bei Männern* und Frauen* bereits bekannt waren, hatte ich immer wieder fassungslose Aha-Momente und neue Erkenntnissgewinne, die mir Rebekka Endler mit ihrem Buch bescherte. Mir war zum Beispiel nicht bewusst, dass FFP2-Masken genauso wenig weiblich gelesenen Körpern passen wie die Roben von Jurist*innen, warum ich am Arbeitsplatz, wenn ich mir das Zimmer mit einem Kollegen teile, häufig friere, woher diese unsäglichen zu kleinen Hosentaschen bei für den weiblichen Körper konzipierten Hosen kommen oder wie klein der Anteil ist, der jährlich für die Kunst von Malerinnen ausgegeben wird.


Vielleicht geht es einigen von euch wie mir vor der Lektüre - ich hatte etwas Bedenken, dass das Buch zu sehr an Caroline Criado-Perez Buch "Unsichtbare Frauen" erinnern würde, nicht ob eventueller inhaltlicher Überschneidungen, sondern weil Criado-Perez in ihrem Sachbuch selbst viele Menschen unsichtbar gemacht hat. Die Bedenken waren aber absolut unbegründet! Rebekka Endler bezieht in ihre Recherchen und Gedanken auch BIPoC, Menschen mit Behinderung und Menschen aus der queeren Community mit ein, was das Buch für mich zu einer richtig guten Lektüre gemacht hat.


Erfrischend war für mich zudem, dass die Autorin ihr Sachbuch nicht nur mit extrem vielen und extrem wichtigen Informationen füllt, sondern auch stets mit viel Humor und sprachlicher Finesse an die Zerlegung der patriarchalen Designs herangeht. So wird der schwere Inhalt nie zu viel, das Buch nie überladen.


Von mir gibt es eine große Leseempfehlung für "Das Patriarchat der Dinge" - trust me, ihr werdet hier so viel lernen und mitnehmen! Ich gehe nun definitv mit noch offeneren Augen und geschärftem Blick für patriarchale Designs durch meine Umwelt. Ein feministisches Sachbuch, das in keinem Regal fehlen sollte!

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Cover des Buches Das Patriarchat der Dinge (ISBN: 9783832166298)
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Rezension zu "Das Patriarchat der Dinge" von Rebekka Endler

Die Welt passt nicht für Frauen …
Mae_Ludwigvor 8 Monaten

Rezensionen schreiben ist nicht immer leicht, vor allem, wenn ein sehr wichtiges Thema im Mittelpunkt steht, aber der wahre Funke nicht übergesprungen ist.

Die letzten Wochen habe ich mit „Das Patriarchat der Dinge“ verbracht. Die Autorin, Rebekka Endler“ ist hauptberuflich Journalistin und in ihrer Karriere wie wohl die meisten Frauen auf Dinge gestoßen, die Frau nicht ganz passten. Ihr Interesse war geweckt und sie holt weit aus:

- das Design von Flugcockpits ist an die Größe von Männern angepasst

- ebenso das Design von Fahrersitzen, was sich darin fortsetzt, dass es zunächst nur männliche Dummies gab und später die weiblichen in der Regel auf dem Beifahrersitz Platz nehmen

- das Thema Medikamentenstudien an jungen Männern ist pandemiebedingt wohl mittlerweile bekannter, setzt sich aber darin fort, dass medizinische Studien allgemein auf den weißen-cis-Mann passen

- Roben sind an Herren orientiert und die Damenroben nur leichte (im Übrigen sehr hässliche, weshalb ich Herrenrobe trage) Abwandlungen

- allgemein stellen sich Frauenversion häufig als kleine Schwestern der Männerversionen von Produkten dar, sind aber nicht wirklich von Grund auf an Frau angepasst …

Die Liste lässt sich fortsetzen. So weit, so gut. Da ist viel dran und auch Vieles, das mich als Frau wütend macht. 

Doch leider erschöpft sich das Buch auch in der Aufzählung dieser Dinge mit einem Hauch von Empörung. Die immer wieder angedeutete Ursache ist für die Autorin der Kapitalismus; ihrer Meinung nach wohl eine höchst männliche Erfindung. Es sei nicht lohnenswert für den Markt an Frauen angepasste Produkte zu produzieren. 

Das Problem: Das Argument überzeugt nicht. Der Markt produziert eine Menge Produkte nur für Frauen und wer einmal in einer Drogerie war, weiß, dass da fast alles für Frauen produziert ist. Das soll natürlich nicht über das Problem hinwegtäuschen, das nicht jede Frau pink liebt und lieber zweckmäßige als hübsche Werkzeuge in der Hand hält und möglicherweise das eine oder andere Design auch diskriminierend ist, aber der Markt kann es eigentlich nicht sein und damit auch nicht der Kapitalismus. Ganz im Gegenteil: Würden Frauen nicht mehr zu den rosa Einmalrasierern greifen, sondern fast nur noch zu den blauen, dann würde das angeblich weibliche Pendant schnell vom Markt verschwinden. 

Die Ursachen für die derzeitige Marktsituation müssen tiefer liegen und sind vermutlich eher soziologischer Natur, denn die weibliche Konsumentenschaft ist viel zu attraktiv, als dass man sie missbedienen könnte. 

Nichtsdestotrotz handelt es sich bei dem Patriachat der Dinge um ein durchaus wichtiges Buch. Denn bereits die Aufzählung der Dinge, die wir Frauen konsumieren, ohne sie zu hinterfragen, ist ein Gewinn. Und vielleicht lässt uns alleine diese Erkenntnis beim nächsten Griff im Regal reflektieren, warum wir gerade nach rosa und glitzernd und nicht nach blau und matt oder einem feschen grün greifen.

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