„Spiegelland“ von Rebekka Frank ist ein Mehrgenerationenroman, der seine Geschichte über drei Zeitebenen entfaltet und dabei Vergangenheit und Gegenwart geschickt miteinander verschränkt. Im Zentrum stehen Figuren, deren Lebenswege durch ein gemeinsames Thema verbunden sind: Patriarchale Strukturen, Gewalt gegen Frauen und ihre Nachwirkungen über Generationen hinweg.
Besonders beeindruckend ist die dichte, fast greifbare Atmosphäre. Das Moor wird nicht nur zur Kulisse, sondern zu einer beständigen Beobachterin, die die Schicksale der Figuren über Jahrhunderte hinweg begleitet.
Anfangs entwickeln sich die verschiedenen Zeitebenen lose nebeneinander her, fügen sich aber dann mehr und mehr zu einem stimmigen Gesamtbild. Bei Catharinas und Kiras im Jahr 1999 habe ich besonders mit den beiden Protagonistinnen mitgelitten; hier wird vor allem die emotionale Ebene betont. In Elias’ Gegenwartsperspektive werden durch Kiras 14jährigen Sohn wichtige Fragen bzgl. generationenübergreifender Gewalt an Frauen und Verantwortung, unter anderem auch in der männlichen Perspektive aufgezeigt. Die historische Perspektive rund um Aletta im 18. Jahrhundert ist zwar ebenfalls interessant, aber teilweise so langgezogen und mit einer Vielzahl an Figuren versehen, dass sie im Vergleich zu den anderen Erzählsträngen deutlich schwächer ist.
Die Thematik, die der Roman angeht, ist hochrelevant: Es wird eindrücklich gezeigt, dass Gewalt kein isoliertes Phänomen ist, sondern tief in gesellschaftlichen Strukturen verankert ist, teils über Jahrhunderte hinweg. Aber die Geschichte zeigt auch, dass sich die beschriebenen Muster durchbrechen lassen, solange der Wille da ist.
„Spiegelland“ ist spannend, vielschichtig, bewegend und trotz kleiner Längen ein Pageturner.




















