Rebekka Habermas Skandal in Togo

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Inhaltsangabe zu „Skandal in Togo“ von Rebekka Habermas

Das wahre Gesicht des deutschen Kolonialismus: Im neuen Buch ›Skandal in Togo. Ein Kapitel deutscher Kolonialisierung‹ der renommierten Historikerin Rebekka Habermas geht es um koloniale Sehnsüchte, fragile Macht und Gewalt. Im Mittelpunkt steht ein Skandal, der sogar den Reichstag im fernen Berlin auf den Plan rief: 1900 soll der Kolonialbeamte Geo Schmidt eine junge Afrikanerin vergewaltigt haben. Doch solche Übergriffe waren in den Kolonien nahezu alltäglich, warum also die Aufregung? Hier erfahren wir, worum es wirklich ging: Der Kolonialbeamte, eigentlich der mächtigste Mann vor Ort, rang nicht nur mit der afrikanischen Bevölkerung. In Togo waren auch christliche Missionare tätig, die vor allem Gottes Wort verbreiten wollten und ihre Bemühungen durch Geo Schmidt gefährdet sahen. Ihre unzähligen Briefe nach Berlin, in denen sie Schmidts Treiben schildern, sind beredte Zeugnisse eines grundlegenden Konflikts im kolonialen Raum. Und sie führten dazu, dass im Berliner Reichstag Abgeordnete wetterten, die Mission der Zivilisierung in Afrika werde durch brutale Kolonialbeamte gefährdet. Lebendig schildert Rebekka Habermas die Beziehungen, Interessen und Motive der Beteiligten, den Rassismus und Alltag vor Ort und die kolonialen Echos, die der Skandal in der Gesellschaft des deutschen Kaiserreichs hervorrief. Damit bietet sie neue, erstaunliche Einblicke – eine glänzend erzählte Mikrogeschichte des Kolonialismus und ein wichtiger Beitrag zur Kolonialgeschichte.

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  • Akribisch recherchierter „Kolonial-Fall“

    Skandal in Togo

    michael_lehmann-pape

    14. October 2016 um 14:23

    Akribisch recherchierter „Kolonial-Fall“Vielfach waren die Misshandlungen Einheimischer durch die jeweiligen Kolonialherren. Von Zwangsarbeit, die an nichts Anderes als Sklaverei erinnert bis zu ständigen sexuellen Übergriffen, Bestrafungen, Tötungen etc..Ein Verhalten, dass nicht ins öffentliche Bild passte einer Zeit um 1906 herum, in der das „Zivilisierte“ in Europa als Maß der Dinge galt.Einer der Gründe im Übrigen, warum es dieser konkrete Vorfall, den Habermas in den Mittelpunkt ihres neuen Werkes setzt, den Weg bis in den Reichstag und in die Zeitungen Deutschlands schaffte und., kurz, für politische und öffentliche Empörung sorgte.Ohne gravierende Folgen im Übrigen und das ist einer der Momente, den Habermas in ihrer „kleinen Geschichte“ einer „großen Aufbereitung“ der Kolonialherrschaft, als symptomatisch kennzeichnet. Trotz aller Worte, letztlich ging es um ein „großes Schweigen“ im Blick auf Konsequenzen aus all den Vorwürfen, denn dies hätte das an sich inhärent fragile System der Kolonialherrschaft unmissverständlich vor Augen geführt.Vergewaltigung durch einen jungen, Kolonialbeamten, der als Stationsvorsteher in Atakbame residierte. Und das nach persönlichem Gutdünken. Wie der Umgang mit den einheimischen Frauen zeigt, wie der Tod eines Vorarbeiters namens Kukowina eindeutig in den Raum stellt.Zwangsarbeit, Auflehnung, Intervention von Missionsstationen, Prügelstrafe, Zerstörung der Lebensgrundlage ganzer Landstriche durch rücksichtslose Monokultur.Akribisch geht Habermas in den einzelnen, ausführlichen Kapiteln zu diesem zunächst separaten (und doch verallgemeinerbaren) Vorfalls ein und legt die Themen Sex, Arbeit, schwaches koloniales Recht, koloniale Ökonomie und kolonialer („Herrschafts-“) Staat offen.Völlig klar wird, dass die Maßgabe, Kolonialismus sei „Zivilisierungsmission“ schon zur damaligen Zeit mancherorts zu Recht bezweifelt wurde. Die unklare „Geschlechterordnung“, die eigentlich eine „Vermischung“ untersagte und doch an der Tagesordnung war. Die Reaktion der nackten Gewalt auf Interventionen der Arbeiterschaft vor Ort und die legere Auslegung des Rechtes, das „eher durch Willkür als durch Gesetzmäßigkeit“ den hehren Anspruch des zivilisierten Kaiserreiches konterkarierte.Wobei selbst das eigentliche Ziel des wirtschaftlichen Gewinns, wie Habermas aufzeigt, am Ende eine klare und deutliche „Verlustrechnung“ war.Trotz aller Recherche, und Habermas verweist selbst in der Eileitung darauf, beruht allerdings ein nicht unwesentlicher Anteil der Darstellung (die Sicht der Einheimischen) zu einem Teil auf Mutmaßungen und Herleitungen, denn die Quellenlage gerade dieser Sicht der Betroffenen auf den konkreten Vorfall (und eine Vielzahl anderer Vorfälle, die das System Kolonialherrschaft prägen) ist überaus dürftig.Allgemein liegt hier ein im Übrigen recht trocken verfasstes Fachbuch vor, dass zwar durchaus über den konkreten, kleinteiligen Vorfall hinaus allgemeine Thesen zur Kolonialherrschaft begründet formuliert, aber letztlich nur für Leser wirklich von Interesse ist, die dieses Thema intensiv verfolgen möchten. Und die das „koloniale Echo“, das Habermas bis in die Gegenwart als hörbar beschreibt (die Haltung des „Schweigens“ statt der Reformen und die Formierung afrikanischer Unabhängigkeitsbewegungen bis in die Gegenwart hinein) nachvollziehen möchten.Keine einfache Lektüre, die konzentriertes Lesen bedarf, sehr kleinteilig vorgeht, am Ende aber ein sehr konkretes, präzises Bild des Kolonialismus anhand eines sehr konkreten Vorfalls nachvollzieht.

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