Ein Science-Fiction-Abenteuer, das in den 80er Jahren des 21. Jahrhunderts spielt, in einer düsteren, klimaerwärmten Welt, politisch auseinandergefallen und von hochkomplexen KI mitgesteuert. Probleme werden vorwiegend mit Feuerkraft gelöst, sodass sich nach fast 650 Seiten eine Spur aus meist übel zerstückelten Leichen von Texas bis in die Schweizer Alpen zieht. Die Protagonisten leben in einer Art Dauer-Kampfeinsatz, und ihr verbliebener Sarkasmus lässt sich vor allem dadurch erklären, dass sie ihre Resilienz künstlich verstärken und von einer überraschend menschlichen Kampf-KI betreut werden.
Man könnte dem Roman vorwerfen, er nähre sich von bekannten Genre-Klischees. Das stimmt ein Stück weit, und doch geht Reda el Arbi mit «Asimovs Kindergarten» in vielen Punkten weit über andere Vertreter des Genres hinaus.
Ja, er greift Klischees auf, und das in großem Stil, er spielt aber auch kunstvoll mit ihnen, hinterfragt sie, demaskiert sie und führt sie ad absurdum, was dem Roman einen durchaus postmodernen Touch verleiht.
Geradezu grandios ist die Ausgestaltung der zukünftigen Welt. Vermutlich ist Reda El-Arbi gar nicht, wie er im Netz verbreitet, 1969 geboren, sondern irgendwann als Zeitreisender aus den 80er Jahren des 21. Jahrhunderts zu uns gekommen; anders lässt sich kaum erklären, mit welchem Detailreichtum er die Welt der nahen Zukunft in all ihren Facetten beschreibt. Dabei flicht er das umfangreiche Wissen aus allen möglichen Fachgebieten so geschickt in Handlung und Dialoge ein, dass er nie mit seitenlangen Erklärungen langweilt. Sein Weltkonstrukt reicht von der Ernährung im virtuellen Raum über eine Landkarte unterschiedlichster politischer Gruppierungen und Netzwerke bis hin zur Thematik der Künstlichen Intelligenz, die einen großen Bogen über die rasante Thriller-Handlung spannt. Isaac Asimov’s «Gesetze der Künstlichen Intelligenz», eine Weiterführung seiner Roboter-Gesetze von 1942, bilden das Rückgrat der Handlung. Was als Grundlage für den Schutz der Menschheit vor der KI konzipiert wurde, erweist sich bei El Arbi in dem Moment als überholt, als sich die Grenzen zwischen KI und Mensch zu verwischen beginnen, und das tun sie, sobald Künstliche Intelligenz menschliche Züge annimmt, Bewusstsein und Empathie entwickelt, während sich Menschen mit KI auftunen, um biologische Grenzen zu überwinden. Mit Konzepten wie der Asimov-Fessel, der Asimov’scher Hintertür oder der VonNeumann-Fähigkeit verlangt uns der Autor einiges ab, baut damit aber über der Action-Handlung ein komplexes, klug durchdachtes Zukunftsszenario, welches die Entwicklungsstufe, auf der Asimovs Robotergesetze einen mythischen Kampf Mensch gegen Maschine verhindern sollen, weit hinter sich lässt: «Kindergarten ist aus», wie es gegen Ende des Romans heißt.
Ein rasanter, bis ins kleinste Detail sorgfältig ausgearbeiteter Science-Fiction-Thriller, der gekonnt und kunstvoll die Klischees des Genres aufgreift und hochkomplexe Zukunftsszenarien entwickelt, nicht ohne Witz und eine Prise Ironie.
Und dass der Roman bei Lectorbooks, keinem Science-Fiction-Verlag, erschienen ist (der Begriff Science-Fiction wird übrigens nirgends verwendet, weder auf dem Cover, noch im Klappentext) beweist, dass gute Science-Fiction durchaus auch Lesende außerhalb der SF-Bubble ansprechen kann.
![[empfindungsfæhig] Cover des Buches [empfindungsfæhig] (ISBN: 9783907709252)](https://images.lovelybooks.de/img/150x/lb-cover/9783907709252_1751380573000.jpg)


![[empfindungsfæhig] Cover des Buches [empfindungsfæhig] (ISBN: 9783906913407)](https://images.lovelybooks.de/img/60x/lb-cover/9783906913407_1685686522000.jpg)
