Rega Kerner Schiffschwein Spekje

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Inhaltsangabe zu „Schiffschwein Spekje“ von Rega Kerner

Wir waren uns also einig. Bis wir, wieder einmal, vom Rhein in den Main einfuhren. „In einer Stunde kriegst du dein Schwein“. Da sah ich sie wieder vor mir, die winzigen fröhlichen Ferkel, wie sie im vergangenen Jahr über das Schleusengelände flitzten. Ihre stolze Muttersau, die schimpfend, mit wackelndem Bauch und schwenkenden Zitzen hinter den Wildfängen her schnaufte. Aber eines zu retten, zu wählen, hieß ja auch, alle anderen zurückzulassen. Also fragte ich, ob wir nicht zwei mitnehmen können? Oder am besten alle? Ben schüttelte grinsend den Kopf, dass die Haarstoppeln wackelten. „Eins oder keins. Jetzt oder nie.“ In derselben Sekunde strampelte sich ein Ferkel frei, plumpste unsanft auf den Boden, rappelte sich hoch, raste blind vor Angst auf mich zu und sprang mir direkt in die Arme. Ich hab dich. Und lass dich nie mehr los. Du hast mich vorhin angeschaut und bist jetzt gesprungen. Du willst das Schiffsleben, das wir dir anbieten.

Erfrischendes und etwas anderes Buch von Schweinen und Schiffen

— rallus

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  • Wir sind Schiffer und haben Schwein

    Schiffschwein Spekje

    rallus

    10. August 2017 um 20:16

    Manche Menschen haben komische Hobbys. Manche Menschen haben komische Berufe. Doch ich sollte hier nicht den umgangssprachlichen Ausdruck benutzen. Komisch ist hier das Synonym für außergewöhnlich. Oft stehe ich in meiner Wahlheimat Bingen am Rhein und schaue den Schiffen zu, wie sie schnell den Rhein hinunter und langsam und quälend hochfahren. Ich male mir dann manchmal aus, wie denn so ein Leben auf einem Binnenschiff wäre. Nicht die Fähren oder Ausflugsschiffe, die haben ja einen festen Platz. Aber so ein Binnenschiffer der hat viele Plätze, kommt zwar rum, aber so etwas Heimatloses konnte ich mir für mich nicht vorstellen. Rega Kerner, die Autorin des vorliegenden Buches, konnte sich das sehr wohl vorstellen und wollte als Jugendliche auch unbedingt einen Ausbildungsplatz auf einem Binnenschiff. Das ist ein ganz normaler Ausbildungsberuf, hauptsächlich von Männern ergriffen. Und daran wäre sie auch fast gescheitert, denn das einzige WC im Vorschiff durfte eine Auszubildende nicht mit den Matrosen teilen. Meine Tochter hatte dasselbe Problem, als sie Mechatronikerin werden wollte. Es gibt eben Gesetze, die eine gemischte Nutzung der sanitären Anlagen unter den Geschlechtern verbietet. Und da nicht jedes Binnenschiff die Toiletten trennt, weil eben fast nur Männer mitfahren, musste die junge Frau Kerner lange suchen, bis sie etwas fand. Nun geht es jetzt weniger um die Autorin, aber um ihr Haustier. Und jetzt kommt das nächste komische Ding um die Ecke. Sie hatte nämlich ein Hausschwein. Oder besser gesagt ein Schiffschwein. Und beides zusammen ergibt eine der rührigsten, witzigsten und außergewöhnlichsten Geschichten, die ich je gelesen habe. Schweine sind ja nicht die Haustiere, die üblicherweise im Haus gehalten werden, geschweige denn auf einem Schiff. Zu weit weg ist doch deren natürlicher Lebensraum, die Erde, der Schlamm, die Natur. Doch auch Schweine können sich wie Katzen, Meerschweinchen oder Hamster an beengte Verhältnisse gewöhnen, auch an Wohnungen. Zuerst berichtet Rega Kerner wie sie zu dem Schwein kam. Dieses musste aus der drohenden Schlachtung gerettet werden. Denn die Autorin isst kein Fleisch, und so hat sie auch eine andere Sicht auf Tiere. „Vielleicht sollten wir bei unseren Essgewohnheiten mehr auf die Instinkte der Kinder hören. Bitte einem Kleinkind einen frischen Apfel vom Baum und ein lebendes Kaninchen an. Welches davon wird es streicheln und von welchem wird es abbeißen?“ So ein kleines Schwein ist ja noch recht goldig, doch ausgewachsen werden Schweine recht groß, über 100 Kilogramm schwer und etwa zehn Jahre alt. Wenn man sie lässt. Meist werden sie nach circa sechs Monaten geschlachtet. Doch das sollte mit Spekje, eine verniedlichte holländische Version von ‚Speck‘, nicht passieren. Nachdem der Göttergatte überzeugt wurde, wird Spekje ein Platz im Schiff eingeräumt. Und jetzt beginnt ein langer Weg durch Baumärkte und Tierläden, bis ein bissfester Boden, eine adäquate Toilette (ja, Schweine sind sehr reinlich und haben einen festen Toilettenplatz!)  und für das intelligente Tier auch interessantes Spielzeug gefunden wird. Für eine Binnenschifferin, die nicht mal eben ins Auto steigen kann, eine sehr diffizile organisatorische Höchstleistung. Was tut man nicht alles für das Schwein. Doch irgendwie muss dem Schwein doch die Erde fehlen?! Aber Spekje will die dargebotene Erde nicht, es entwickelt sich ein (gedachter) Dialog zwischen Schwein und Mensch: „Mit sauberem Maul brachte er mir, zur Entschuldigung, ein Stück Papier aus seiner Kiste: ‚Sorry, das ist ja echt lieb gemeint, ich hab’s auch probiert, aber ich mag nun mal lieber erdfreies Wühlmaterial. So wie dies hier. Bitte akzeptiere das.‘ Ich war noch nicht ganz zum Akzeptieren bereit. Er musste doch einsehen, dass Erde und Schweine zusammengehören. Wieder rührte ich lockend in der Wanne. Spekje sah gar nichts ein. Er wurde deutlich ungeduldig, schaute mir einen Moment tänzelnd zu, setzte seinen Rüssel unter den Rand der Wanne, hob sie halb hoch und ließ sie wieder runter plumpsen: ‚Mir reichts. Wenn du den Mist jetzt nicht aufräumst, kipp ich ihn weg.'“ Am Ende wird die Erde über Bord gekippt und der doch philosophische Gedanke geformt, dass wenn alle Beziehungsgespräche mit so viel gegenseitiger Begriffsbereitschaft abgelaufen, das Leben doch einfacher gewesen wäre. Der Leser spürt diese tiefe Verbundenheit, die sich zwischen Halter und Tier einstellt, auch das Schwein, welches dem Menschen physiologisch sehr nahe ist, kennt Reue, Scham, Freude und Wut. Nicht jeder Besucher des Binnenschiffes wird gleich begrüßt. Mit manchen wird geschmust, einige ignoriert und es gibt auch welche, die Spekje einfach nicht riechen kann. Mit Hunden kommt der bald ausgewachsene Eber gut zurecht, da es auch einen Schiffshund gibt, der erstaunlich entspannt auf den rosaroten Mitbewohner reagiert. Witzig sind die diversen Hindernisse, die sich der Schweinehalterin in den Weg stellen. Das fängt am Boden an, den das Schwein durch die starken Hauer schnell durchdringt, bis zum richtigen Streu der Toilette, dem Spielzeug, welches länger als fünf Minuten den Zähnen standhalten muss, und geht bis hin zu den bürokratischen und versicherungsrechtlichen Hürden eines Hausschweines auf einem Binnenschiff. Denn da kapitulieren sämtliche Veterinärämter und Versicherungen. Das Zuhause bewegt sich nämlich durch Bundesländer und Staaten. Viele Menschen sind nie mit einem Schwein in Kontakt gekommen und hier hinterließ Spekje bleibenden Eindruck. Rega Kerner nannte Spekje oft einen: „Missionar wider Willen.“ Denn das Schnitzel bekam plötzlich ein Gesicht. Doch letztendlich hat ein Haustier meist keine Chance gegen einen Nachkömmling der menschlichen Art. Und so musste Spekje einem kleinen Menschenbaby weichen. Sicherlich hat sein Flussleben bei allen Beteiligten einen nachhaltigen Eindruck hinterlassen. Mir hat die frische und unverbrauchte aber doch sehr literarische und nachdenkliche Art des Buches sehr gefallen. Besonders ragt natürlich das unorthodoxe Thema heraus. So viel über die Besonderheiten eines Hausschweine habe ich noch nie gelesen. Von mir eine klare Leseempfehlung! Dazu noch einige interessante Fakten: Es gibt ca. 969 Millionen Schweine auf der Erde, davon knapp 150 Millionen in der europäischen Union, wovon Deutschland mit 27 Millionen die meisten hat, knapp vor Spanien. Die Binnenschifffahrt steht hinter der Bahn und dem LKW an dritter Stelle des Transportaufkommens in Deutschland. Bei dem Verbrauch pro 100 Tonnenkilometer liegt sie knapp vor der Bahn mit 1,3 zu 1,7 Liter Diesel und weit vor dem LKW mit 4,1 Liter Diesel. (Quelle Wikipedia)

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