Regina Keil-Sagawe

 4,2 Sterne bei 204 Bewertungen

Lebenslauf

Regina Keil-Sagawe, geboren 1957, lebt als literarische Übersetzerin und Kulturjournalistin in Heidelberg. Früh hat sie sich auf den Maghreb spezialisiert und u. a. Werke von Yasmina Khadra, Azouz Begag, Leïla Marouane und Boualem Sansal ins Deutsche übersetzt.

Quelle: Verlag / vlb

Alle Bücher von Regina Keil-Sagawe

Cover des Buches Mohnblumen auf schwarzem Filz (ISBN: 9783293201088)

Mohnblumen auf schwarzem Filz

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Erschienen am 27.02.1998

Neue Rezensionen zu Regina Keil-Sagawe

Cover des Buches Die Schuld des Tages an die Nacht (ISBN: 9783548610221)
B

Rezension zu "Die Schuld des Tages an die Nacht" von Yasmina Khadra

Die Schuld des Tages an die Nacht von Yasmina Khadra
Buckshawvor 10 Monaten

- Übersetzt aus dem Französischen von Regina Keil-Sagawe - 

Rezension:

Younes wächst im ländlichen Algerien auf einer Farm auf. Als diese abbrennt, verschlägt es seine Familie in ein Armenviertel der Stadt Oran. Alle Versuche seines Vaters ihre Situation zu verbessern scheitern und so gibt er Younes fort an seinen Onkel (ein studierter Apotheker, der eine Französin geheiratet hat), um ihm eine bessere Zukunft zu ermöglichen. Fortan heißt der Junge Jonas, führt ein privilegiertes Leben und freundet sich mit den Kindern der französischen Siedler an. Letztlich sitzt er zwischen den Stühlen in allen Belangen, die Algerien spalten: arabisch und französisch, arm und reich, muslimisch und christlich. Mit der zunehmenden Spannung im Land, kulminierend im Unabhängigkeitskrieg, werden die Unterschiede mehr offenbar und der Druck sich zu positionieren steigt. Doch die historischen Ereignisse rauschen an Jonas vorbei und bilden lediglich den Hintergrund der Geschichte, während er passiv zuschaut und seiner verpassten Liebe nachtrauert. Eine tragische Liebesgeschichte, die im Mittelteil des Romans zu viel Raum einnimmt. Ein guter Anfang und ein gutes Ende trösten aber darüber hinweg. Man lernt etwas über die Geschichte Algeriens zwischen den 1930er und 60er Jahren und die verschiedenen Orte sind sehr gut vorstellbar gezeichnet. Die Charaktere sind real, machen Fehler und haben ihre unsympathischen Seiten, aber genau deshalb liest man gerne über sie. Dass die Folgen der Kolonialisierung, die Lage im Land und der Lebensalltag weitestgehend aus der Perspektive der „pied-noirs“, der Algerienfranzosen erzählt wird, hat mir sehr gefallen und verleiht der Geschichte mehr Komplexität, anstatt auf ein simples Schema aus Gut und Böse zurückzugreifen. Dieses spannende Potential konnte der Roman zwar nicht voll ausschöpfen, eine lohnende Lektüre ist er aber dennoch.

Cover des Buches Der Zorn der Feiglinge (ISBN: 9783924652432)
schillerbuchs avatar

Rezension zu "Der Zorn der Feiglinge" von Rachid Benzine

Ein leidenschaftlicher Briefroman
schillerbuchvor 3 Jahren

Der persona-Verlag aus Mannheim ist ein Ein-Frau-Betrieb, der 1983 von Lisette Buchholz gegründet wurde. Ich habe schon immer wieder interessante Bücher im Programm des Verlages gefunden, besonder in Erinnerung geblieben ist mir „Die Kundin“ von Pierre Assouline und „Buchgeflüster“ von Annie Francois. Und kürzlich fiel mir auf der Seite der Hotlist dieser Roman auf, den ich mir dann gleich bestellte.

Inhalt und Meinung

Der Autor Rachid Benzine ist ein aus Marokko stammender Politologe und Historiker des Islam, der in Frankreich lebt und lehrt. Dieses Buch schrieb er im Jahr 2016 unter dem Eindruck des Attentats auf den Pariser Konzertsaal Bataclan am 13. November 2015.

Für seinen ersten Roman hat er sich für die Briefform entschieden. Ein Vater erhält einen Brief von seiner Tochter Nour, der ihn zutiefst erschüttert:  Nour hat sich in den Irak abgesetzt und dort einen führenden IS-Kämpfer geheiratet. Zwischen Vater und Tochter beginnt ein leidenschaftlicher Briefwechsel über zwei Jahre: er, der liberale Islamgelehrte, der seine Tochter nach dem frühen Tod der Mutter alleine aufgezogen hat, kann es nicht fassen, daß seine kluge und begabte Tochter sich für diesen Weg entschieden hat. „Nour, porqoui n’ai je rien vu venier“ – Nour, warum habe ich nichts kommen sehen, so lautet der Originaltitel des Romans und das ist die Frage, die den Vater quält. Er versucht, sie an die vermeintlich gemeinsamen Werte zu erinnern: Freiheit, Demokratie, die Emanzipation der Völker.

Nour jedoch hat sich genau diese Werte zu eigen gemacht behauptet sie in einem ihrer Briefe: „Du hast gesagt „sei frei“. Du hast gesagt „Sei größer als ich, Dein Vater.“ Du hast gesagt „Hab keine Angst, subversive Wege zu gehen, denn Allahs Botschaft, gepriesen sei Er, ist eine Botschaft der Auflehnung.“ Der Weg, den sie eingeschlagen hat, ist für sie ein Weg in eine Zukunft, die sich frei gemacht hat von einer Selbstsucht, die eigene Wünsche über das Leid anderer stellt.

Mit diesem Weg emanzipiert sie sich von ihrem Vater, sie erlebt eine ganz andere Art der Solidarität, Freundschaft und Liebe und sie strebt gemeinsam mit ihrem Mann nach einer humanen Welt die, „endlich einmal nach dem Bilde Allahs sein wird, gepriesen sei Er, und nach dem Bild seines Propheten, Friede und Heil über Ihn.“ Aus diesem Zitat spricht auch die Wut über die empfundene Erniedrigung durch die Ungläubigen, die Kreuzzügler.

Ihr Vater versucht immer wieder, sie zur Rückkehr zu bewegen, aber seine Argumente erreichen Nour nicht, auch wenn sie mit ihm leidet, als sie erfährt, welche Konsequenzen ihr Handeln für ihn hat: Er wird vom Geheimdienst verhört, der ihm unterstellt, Nours Flucht organisiert zu haben. Wenig später wird er von einem ehemaligen Studenten krankenhausreif geschlagen. Von diesem Studenten hatte er sich einmal erhofft, er könne sein Nachfolger werden, inzwischen jedoch ist er ein fanatischer Imam.

Die Briefe sind durchzogen von der großen Liebe, die die Beiden miteinander verbindet, aber sie zeigen auch, wie unterschiedlich die vermeintlich gleichen Werte interpretiert werden können. Man liest die Argumente der Dschihadisten aber auch die anderer Menschen wie Nours Vater. Für mich war es nicht ganz einfach zu lesen, denn man merkt, daß Rachid Benzine Wissenschaftler ist und manche Begriffe musste ich erst nachschlagen, um den Kontext ganz zu begreifen.

Dennoch habe ich den Text voller Spannung und Anteilnahme gelesen. Wie zwei Menschen, die einander so nahestehen und auf einer Grundlage gleicher Werte vollkommen unterschiedliche Schlüsse für ihr Leben ziehen können, hat mich beschäftigt. Ist das doch etwas, was wir, wenn auch nicht mit dieser extremen Ausprägung auch in dieser Zeit erleben: Wir merken, wie plötzlich Familienmitglieder oder Freundinnen unser Grundgesetz und die darin enthaltenen Werte wie Freiheit oder Solidarität vollkommen anders interpretieren und sich in Parallelwelten aufhalten, in denen wir sie nicht mehr erreichen können.

Rachid Benzine hat seinen Briefroman auch zu einem Theaterstück umgeschrieben.  In einem Interview des Deutschlandfunks sagt er: „Ich denke, die Fiktion ist vielleicht der kürzeste Weg zur Wirklichkeit. Wenn man das im Theater sieht, kann man sich damit identifizieren.“ Für ihn kann Theater Raum geben, sich gegenseitig zuzuhören und sich dadurch besser zu verstehen. Das Theaterstück hat nach seiner Aussage eine viel größere Auswirkung als jeder Artikel von ihm, weil es in Gefängnissen vor Djihadisten gespielt wird,  aber auch in Theatern und Schulen.

„Das Gegenteil von Kenntnis ist nicht Unwissenheit, sondern Gewissheit. Und wenn man viele Gewissheiten über sich und die anderen hat, dann ist die Gewalt nie sehr weit entfernt.“ Das sagt Benzine im selben Interview und für mich ist das auch die Essenz aus diesem Roman: Sich Kenntnis verschaffen und sich vor Gewissheiten zu hüten, das kann ein Kompass sein in diesen bewegten Zeiten.

Cover des Buches Dezemberkids (ISBN: 9783039250004)
Ann-KathrinSpeckmanns avatar

Rezension zu "Dezemberkids" von Kaouther Adimi

Ein Einblick in die algerische Gesellschaft
Ann-KathrinSpeckmannvor 4 Jahren

Inhalt:
Der Klappentext enthält schon beinahe die komplette Handlung: Kinder beschützen ihren Bolzplatz gegen Erwachsenen, die dort Willen bauen wollen. Die Autorin fokussiert sich aber nicht nur auf diesen Kampf, sondern geht in jedem Kapitel auf die Sichtweise und den Hintergrund einer anderen mehr oder weniger beteiligten Person ein.

Schreibstil:
Das Buch lässt sich gut lesen. Der Stil ist angenehm und der Leser kommt trotz der vielen Perspektivwechsel gut mit. Ein paar Mal ist die Autorin für meinen Geschmack etwas zu weit abgedriftet, aber dann ging es auch immer wieder flott zurück zum roten Faden.

Vermitteltes Wissen:
Ich für meinen Teil hatte vor dem Buch keinen Bezug zu Algerien. Mit den Nachbarländern verbinde ich jeweils wenigstens irgendwas, aber Algerien kannte ich nur vom Namen. Von daher prägt das Bild automatisch mein Bild von Algerien, obwohl ich mir natürlich bewusst bin, dass ein Buch nicht für ein ganzes Land stehen kann. Trotzdem wird das Buch mein erster Anknüpfungspunkt für weitere Informationen sein. Gerade deshalb finde ich es toll, dass so viele verschiedene Personen, Generationen und Gesellschaftsschichten zu Wort kommen.

Andererseits kommen sie alle immer nur sehr kurz zu Wort, sodass ich mich kaum in jemanden wirklich reinfühlen konnte. Mitfiebern hat sowieso nicht viel gebracht, weil jeder in der Regel nur einmal drankam. Das Buch ist also eher als Momentaufnahme zu sehen, weniger als lange Geschichte. Viele Stellen haben mich an Reportagen erinnert, in die die Journalistin nicht mehr reinschreibt, als sie recherchieren konnte. Für sich genommen ist das alles toll. Für einen Roman hätte ich mir etwas mehr Zeit für einzelne Personen gewünscht. Manche Personen hingen auch nur sehr lose am roten Faden. Vielleicht wäre für sie ein eigener Roman besser gewesen.

Gut fand ich wiederum, dass alles sehr realistisch wirkte. Natürlich mag der Protest etwas überspitzt sein. Aber nach dem Klappentext hatte ich mit bösen, gewalttätigen Polizisten und idealisierten Kindern gerechnet. Ich dachte erst, das hätte mit unterbewussten Vorurteilen gegenüber Algerien zu tun, aber mittlerweile denke ich, dass Bücher und Filme einfach sehr oft genau so funktionieren. Und zwar egal, ob sie in den USA, Indien, Ägypten oder Deutschland spielen. Extreme verkaufen sich halt gut. Die Autorin hat hier dagegen Wert darauf gelegt, niemanden dermaßen zu überhöhen. Klar sind mir die Steine werfenden Kinder sympathischer, als die völlig überraschten Generäle, die glauben im Recht zu sein. Aber jeder hatte Motive, die der Leser auch erfährt.

Spannung:
Trotz der vielen Perspektiven, läuft doch immer wieder alles auf die Proteste der Kinder zu. Und das Thema ist so wunderbar universal, dass sich einfach jeder reinfühlen kann. Die gleiche Geschichte hätte überall auf der Welt stattfinden können. Und die Kinder hätten überall das gleiche Ziel gehabt. Nur die Interpretationen und Geschichten der Erwachsenen würden sich unterscheiden. Da kommt unweigerlich Spannung auf. Außerdem regt die Geschichte zum Nachdenken an. 

Empfehlung:
Das Schöne an dem Buch ist, dass Du keinerlei Vorkenntnisse über Algerien oder irgendwas anderes brauchst. Neugierig auf verschiedene Menschen und Gesellschaftsschichten solltest Du aber schon sein. Wenn Du das bist, empfehle ich Dir das Buch uneingeschränkt weiter.

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