Reginald Hill Der Tod heilt alle Wunden

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Inhaltsangabe zu „Der Tod heilt alle Wunden“ von Reginald Hill

Nachdem er einen Bombenanschlag gerade noch einmal überlebt hat, weilt DCI Andy Dalziel in dem Seebad Sandytown. In dem kleinen, aber feinen Kurort soll ein großes Wellness- und Gesundheitszentrum entstehen, was vor allem von der äußerst geschäftstüchtigen Lady Daphne, einer vermögenden Witwe, vorangetrieben wird. Vielleicht ist es deshalb kein Zufall, dass sie beim Gemeindefest ermordet aufgefunden wird – auf dem Spanferkelspieß. Natürlich juckt es Dalziel gleich wieder in den Fingern, und er nimmt die Ermittlungen auf.

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  • Solide, aber nicht das beste Buch der Reihe

    Der Tod heilt alle Wunden

    Havers

    25. February 2014 um 19:12

    Detective Superintendent Andy Dalziel hat den Bombenanschlag überlebt, der Dicke ist dem Tod noch einmal von der Schippe gesprungen. Nun erholt er sich im Zuge seiner Rekonvaleszenz in einer Kurklinik, die sich in Sandytown befindet. Das idyllische Seebad soll in eine riesige Wellness-Oase für betuchte Erholungssuchende verwandelt werden, das ist zumindest der Plan der Avalon-Stiftung. Lady Daphne Denham sitzt in deren Vorstand, sehr vermögend und rücksichtslos, wenn es darum geht, ihre Interessen durchzusetzen. Und sie macht keine Unterschiede, ganz gleich, ob es um ihre Geschäftspartner oder ihre Familie geht. Die Quittung folgt prompt, denn bei der Strandparty staunen die Gäste nicht schlecht, als sie das Grillgut näher in Augenschein nehmen, das sich auf einem riesigen Bratspieß über dem Feuer dreht – es ist nicht das übliche Spanferkel, sondern Lady Daphne Denham. Detective Chief Inspector Peter Pascoe soll den Fall in Eigenverantwortung übernehmen, aber Dalziel wäre nicht derjenige, den wir kennen, wenn er sich nicht in die Ermittlungen einmischen und Pascoe immer wieder in die Parade fahren würde. Zu allem Überfluss wird Dalziel von der Psychologin Charlotte Heywood unterstützt, die zwar noch nicht lange in Sandytown lebt, aber die meisten Bewohner des Ortes schon recht gut kennt. Wer wohl den richtigen Riecher hat, wenn es gilt, den Mörder von Lady Denham zu überführen? Es macht immer wieder großen Spaß, die Kriminalromane des leider bereits verstorbenen Reginald Hill zu lesen, denn er versteht es wie kaum ein anderer, seine sprachlichen Mittel und Fertigkeiten äußerst gekonnt einzusetzen. Das beginnt mit seinen gekonnt detaillierten Personenbeschreibungen und endet mit den messerscharfen Dialogen, deren trockener Humor immer wieder für ein Schmunzeln gut ist. Leider muss der Leser in „Der Tod heilt alle Wunden“ zuerst einmal eine Durststrecke von knapp zweihundert Seiten überwinden, bis er in diesen Genuss kommt, da der Autor zu Beginn offenbar meint, die Schreibweise von Jane Austen imitieren zu müssen. Das ging bereits bei P. D. James „Der Tod kommt nach Pemberley“ in die Hose, und auch in dem vorliegenden Roman finde ich diese Passagen eher nichtssagend und ermüdend. Glücklicherweise bekommt Hill noch rechtzeitig die Kurve und liefert unter dem Strich einen soliden, wenn auch meiner Meinung nach nicht seinen besten Krimi der Dalziel/Pascoe-Reihe ab.  

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  • Hervorragende Darstellung der handelnden Personen

    Der Tod heilt alle Wunden

    michael_lehmann-pape

    17. February 2014 um 15:35

    Hervorragende Darstellung der handelnden Personen Das, was Hills Thriller immer wieder zu etwas Besonderem machen, ist der Umgang des Autors mit seinem Personal. Die Erfindung und mitreißende Darstellung immer neuer Individuen, die bis in die „Nebenrollen“ hinein liebevoll und differenziert gezeichnet die Geschichten tragen . Und das betrifft auch in diesem Roman bei Weitem nicht nur das kongeniale Zusammenspiel des misanthropisch-lebenserfahrenen-monolithischen-zynischen Superintendenten Andy Daziel und seinen (darunter leidenden, immer wieder zum „Untertan“ gemachten und sehr soliden Chief Inspector Pascoe), das trifft in Bezug auf jede einzelne der breit, tief und lebendig-bildreich dargestellten Personen auch in diesem Thriller zu. Von der jugendlichen Charly Heywood (nur durch Zufall als Gast in Sandywood, dem Ort des Geschehens“ bis hin zu Lady Daphne („Breitarsch), deren mögliche Erben, alten und neuen Feinden, Alteingesessenen und zugereistem „bunten“ Volk (von „Heilern“) bis hin zu Tom Parker („Der Sanfte“) und seiner Familie, allen voran die neunjährige, offensive Minnie. Das alles dargeboten, in einem trockenen Sarkasmus und einem respektlosen Blick auf die Welt und die Menschen, der immer wieder aufs Neue den Leser mit trockenem Humor und klarer Desillusionierung unterhält. Natürlich schafft Hill dabei auch Stereotype (der sanfte Alternativheilgläubige, die Schar an „Schamanen“, die „Sammelheftglanzbilder“ reicher und schöner junger Menschen), gibt jeder Figur aber immer doch den entscheidenden Eigendreh und die notwendige individuelle Ausprägung mit auf den Weg, um diese für den Leser sehr fassbar und griffig zu gestalten. Wobei ebenfalls bemerkt werden muss, dass es Hill in der Breite seiner Darstellung doch auch bis zur Grenze treibt. Irgendwann möchte der Leser schon drängend in all diesen Personendarstellungen, dass klar wird, was diese Personen in diesem Buch da alle sollen. „Und jetzt sieht es aus, als warten alle nur auf den Fall, alle warten auf den Autor, der das Startzeichen gibt“. So fasst es Daziel auf seinem Diktiergerät („Mildred“ genannt“), zusammen und spricht damit nach fast 200 Seiten dem Leser tief aus der Seele. Und dann folgt der Mord, bei dessen (langer) Aufklärung alle Verdächtigen auf überschaubarem Raum vorhanden sind und auch genügend Hinweise auf das ein oder andere Ereignis der Vergangenheit auf den Weg gebracht wurde, um ein munteres Rätselraten in Gang zu setzen. Für das umgehend natürlich Pascoe mit seinem (ebenfalls teils skurril gestaltetem) Team vor Ort erscheint, um mit seinen orthodoxen Ermittlungsmethoden den Gegenpart zum burschikos-offensiv-lärmenden Daziel zu geben. Diese Ermittlungen und der Fall selbst stellen sich als klassische, durchaus mit vielfachem Wiedererkennungswert versehene Abfolge von Verhören und Überlegungen dar, wie sie in der Struktur seit Agatha Christie durchaus bekannt sind. Auch wenn dieser eine Mord nicht der letzte bleiben wird und es durchaus interessant ist zu lesen, was Akupunkturnadeln so alles anrichten können und wie so manche „Wunderheilung“ in den Raum tritt. Mitsamt den fast voraus zu ahnenden überraschenden Wendungen bei der Motivlage und dem Mörder. Auch hier also lebt der Roman in weiten Teilen deutlich mehr von den nassforschen Ermittlern, den Scharaden der Verdächtigen und den vielfach möglichen Motiven, als nur vom Geschehen selbst. Vor allem die jugendliche Charly hat dabei durchaus das Zeug dazu, Daziel in ihrer Weltsicht und schnoddrigen Art zu beerben. Angesiedelt in der Atmosphäre der „Naturheiler“ und der knochigen Bewohner von York bietet Hill einen soliden Kriminalfall mit herausragendem „Personal“ in sarkastischer und trocken-humorvoller Sprache, die er bestens beherrscht.

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