Regine Fiedler Himmel und Hufe

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Inhaltsangabe zu „Himmel und Hufe“ von Regine Fiedler

Als Pia an die Nordseeküste zieht, findet sie das überhaupt nicht komisch. Sie mag weder die Landschaft noch die Einsamkeit hier. Als sie aber die Norwegerstute Njala in Pflege bekommt und sich mit Jana anfreundet, sieht sie ihr Leben positiver. Und sie verliebt sich in Sören. Pia beginnt, Njala zu vernachlässigen. Dann geschehen immer mehr merkwürdige Dinge, die Pia nicht zuordnen kann. Leseprobe Kapitel 2 Ein letzter Versuch, Tabea! Warum meldest du dich nicht? Stell dir vor, ich habe nebenan ein Pony gefunden, das ich versorgen werde. So langsam wird es besser hier! Pia war von der Schule auf dem Nachhauseweg. Der erste Tag war geschafft. Sie tippte die Nachricht noch rasch ein, dachte, sie könne vor Tabea ruhig ein bisschen übertreiben. Zwar hatte sie das mit Wodan gar nicht sicher und reiten würde sie diesen Winzling auch nicht können, aber all das wusste Tabea ja nicht. Wenn sie so blöd war und nicht einmal eine SMS für sie übrig hatte, sollte sie zumindest denken, dass Pia sich hier prächtig amüsierte. Das wollte sie doch wenigstens noch loswerden, bevor Mama sie gleich beim Essen mit ihren Fragen über die neue Schule bombardierte. „Na, wie war es heute?“, fragte sie auch gleich, noch bevor Pia das Haus überhaupt richtig betreten hatte. Pia schleuderte ihre Schuhe demonstrativ in die Ecke und warf ihre Jacke mit einem gezielten Wurf über den Garderobenhaken. „Nun sag schon!“ Mama wirkte richtig aufgeregt. „Blöd, wie an jedem ersten Tag, aber wahrlich nicht hoffnungslos“, begann Pia. „Scheinen ein paar nette Leute dabei zu sein. Ich habe da ein Mädchen kennen gelernt. Sie heißt Jana. Hat auch zwei Ponys…“ Von diesem Sören und seinem netten Grinsen erzählte Pia lieber nichts. Und auch nicht, dass dort eigentlich keine Dorftrottel, sondern ganz normale Schüler herumliefen. Sogar mit noch bunteren Haaren als sie es hatte. Ganz normal eben. Es war aber besser, Eltern nur mit den absolut notwendigsten Informationen zu füttern. Alles andere konnte in einem peinlichen Verhör enden. „Schon gut, Pia.“ Ihre Mutter strahlte. „Dann brauchen wir ja nur noch einen Reitstall für dich finden. Wollen wir nachher mal losfahren?“ Pia schüttelte den Kopf. „Tut mir leid, Mama. Aber ich muss zu Herrn Ommen, ihm bei Wodan helfen. Hab ich ihm gestern versprochen.“ Mama legte ihre Hand auf Pias Arm. Ihre in Falten gelegte Stirn verhieß nichts Gutes, das wusste Pia. „Ich kenne diese Familie ja gar nicht, mir ist das nicht so recht, wenn du zu wildfremden Leuten gehst.“ „Hallo? Der Mann ist nett und uralt, der braucht Hilfe!“ Mama war noch nicht überzeugt. „Was heißt uralt, Pia? Bei dir sind alle Leute ab vierzig alt und ab fünfzig scheintot.“ „Na ja, er ist schon älter als ihr, aber scheintot ist er auch noch nicht, ne, nicht wirklich.“ „Du bist unmöglich, Pia Dormann“, lachte ihre Mutter. „Also, Herr Ommen könnte dein Großvater sein, trifft es das?“ „Ja, kann schon sein“, antwortete Pia gedehnt. Wie alt Herr Ommen nun wirklich war, vermochte sie nicht zu sagen. Auf jeden Fall hatte er ja was mit der Hüfte und das hatten nach ihrer Vorstellung eher alte Leute. „Du kannst ja mitkommen und ihn kennen lernen. Dann kannst du sein Alter selbst schätzen und siehst, dass es okay ist mit ihm“, schlug sie vor. „Und Mama, der hat eine Kutsche, das hast du noch nicht gesehen.“ „Ist in Ordnung, ich komme nachher mit und sehe es mir mal an.“ Erleichtert griff Pia nach der Kartoffelschüssel. „Hast du viel auf?“, fragte Mama. War klar, dass das kam. Standardfrage beim Essen. „Viel zu viel. Und ganz andere Sachen als wir gemacht haben.“ Pia stürzte noch schnell ein Glas Apfelschorle hinunter. Sie hatte einfach keine Lust mehr auf ein weiteres Frage-Antwort-Spiel. Sie sprang die Treppe hinauf, immer zwei Stufen auf einmal nehmend, um dann rasch in ihrem Zimmer zu verschwinden. Pia kramte ihre Hefte heraus und versuchte sich auf die Hausaufgaben zu konzentrieren. Das war aber nicht so einfach. Zum einen machten sie in der neuen Schule wirklich ganz andere Sachen, die sie erst lernen musste und zum anderen ertappte sie sich immer wieder dabei, an diesen Sören zu denken. So hatte sie noch nie ein Junge angesehen. So herzklopfmäßig. Das hatte es nicht einmal bei Leon gegeben. Mit dem war sie in Gelsenkirchen zusammen gewesen. Was man so Zusammensein nennt. Händchen hatten sie gehalten. Und ein Mal hatte Leon ihr einen Kuss auf den Scheitel gehaucht. Vorne, wo jetzt die rote Strähne anfing. Nicht einmal dabei hatte ihr Herz solch eine Geschwindigkeit hingelegt wie jetzt, wenn Sören sie nur ansah. Unter diesen Umständen war es einfach ein Ding der Unmöglichkeit, Hausaufgaben zu machen. Pia blickte aus dem Fenster. Sie konnte das rote Dach des Stalles durch die Bäume schimmern sehen. Dahinter stand Wodan. Pia freute sich darauf, nachher rüber zu gehen. Die Sonne kam heraus und heute wehte zum ersten Mal seit ihrer Ankunft der Wind nicht so stark. „Siehst du, Pia, vielleicht wird doch alles gut“, sagte sie sich. Dann zerbrach sie sich doch noch eine Weile den Kopf über englische Vokabeln und einer Bildergeschichte.

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