Reimer Gronemeyer Der Himmel

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Inhaltsangabe zu „Der Himmel“ von Reimer Gronemeyer

Am Anfang war der Himmel über uns. Der Himmel, in dem die Götter wohnten. Der Himmel, auf den die Hoffnungen und die Ängste der Menschen gerichtet waren: Ort der Erkenntnis und des Gerichts. Die Neuzeit und der Siegeszug der Wissenschaft befreiten die Menschheit aus dieser Ohnmacht und verlegte den Himmel ersatzweise in die Zukunft. Utopien traten an die Stelle des Himmels: der Sonnenstaat, die klassenlose Gesellschaft, das irdische Paradies – und all das sollte von den Menschen geschaffen werden. Heute haben diese Ersatzhimmel ihre Überzeugungskraft verloren. Wir leben – so scheint es – in einer himmelslosen Zeit. 'Haben wir den Himmel für immer verloren? Können wir ohne dieses Gegenüber leben? Und wie könnte heute ein Himmel für den rastlosen Menschen des 21. Jahrhunderts aussehen?', fragt Reimer Gronemeyer und macht sich auf die Suche nach den Bruchstücken des alten Himmels. Er erkennt: Heute ist der Himmel weniger ein Ort als vielmehr ein Zustand …

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  • Rezension zu "Der Himmel" von Reimer Gronemeyer

    Der Himmel

    michael_lehmann-pape

    14. March 2012 um 15:32

    Leben ohne Himmel? Die englische Sprache besitzt, was den Himmel angeht, eine größere Differenzierung als die deutsche Sprache. „Sky“ bezeichnet den sichtbaren, astronomischen Himmel und „Heaven“ den übertragenen, transzendenten Himmel in religiöser Hinsicht. Jenes „Heaven“ ist gemeint mit dem Titel des neuen Buches des (durchaus streitbaren“ Theologen und Professor der Soziologie Reimer Gronemeyer. In einer Zeit, in der Menschen den (religiösen) Himmel zu weiten Teilen „entvölkert“ haben und sich die „Leere des Weltalls“ in der menschlichen Seele widerspiegelt, wie es der Klappentext auf den Punkt bringt, wendet sich Gronemeyer jenem Himmel ausführlich in seiner soziologisch-historisch-religiösen Entwicklung zu und geht der Frage nach, ob denn der Mensch tatsächlich „ohne Himmel“ im religiös-transzendenten Sinne in der Tiefe zu leben vermag. Mit einer ebenso eindeutigen Antwort Gronemeyers: „Nein!“. Die innere Sehnsucht des Menschen nach einem „Mehr als das, was sichtbar ist“, nach einem tieferen Sinn, bricht sich immer wieder Bahn. In vielfacher Hinsicht. Eine Frage nach einem „anderen Ort“, der sich aufs engste verknüpft mit Erich Fromms Differenzierung von „Sein und Haben“, vom Sinn und Zweck, von der Sehnsucht des Menschen nach dem „Sein“, dass sich in allem möglichen „Haben“ oder „Haben können“ nicht zu erschöpfen vermag (eindrucksvoll wieder einmal durch die alte Geschichte der Begegnung zwischen Alexander dem Großen (strahlender Held des „Habens“) und dem „Philosophen in der Tonne“, Diogenes (lebendiges Beispiel des „Seins“) im Buch illustriert). Die „irdische Macht“, so glitzernd sie teilweise auch zu sein scheint, ist nichts gegen das Licht der Sonne, dem „inneren Weg der Transzendenz und Erkenntnis“. Eindrucksvoll und sprachlich ganz hervorragend dargestellt zeichnet Gronemeyer die „Geschichte des Himmels“ nach und verweist immer wieder Hintergründig und als seinen „roten Faden“ auf die beiden Seiten des Menschen, Realismus und Idealismus, Pragmatiker und Sinnsucher. Es geht nicht um die Wiederentdeckung einer alten, unkritischen Religiosität, Kirchlichkeit oder zwanghaften Askese. Sondern in der Tiefe um die Sinnfrage jedes menschlichen Lebens, wo es seinen inneren Frieden, seine „Erlösung“ findet. Im „Haben“ oder im „Sein“. Oder, ein stückweit weniger abstrakt und damit geerdeter: „Ohne Liebe geht der Kosmos zugrunde“. Ein Postulat, das gegen jede astronomische Erkenntnis steht, aber seit Menschengedenken das Leben herausfordert und bereichert. Vielfach sind die Exkursionen in die Himmelsvorstellungen, die Gronemeyer spannend und durchaus unterhaltsam bietet, ohne dabei den Ernst der Frage je aus dem Blick zu verlieren. Ist der Mensch einfach nur nichtig „verloren im Universum“ oder findet sich doch ein „hinter allem“ an Transzendenz, das in der fühlbaren und sichtbaren Liebe einen Anhauch dessen zu fassen gibt, was an „Himmel“ möglich und was mit „Himmel“ gemeint sein könnte. In nüchterner Zeit bietet Reimer Gronemeyer eine reflektierte Auseinandersetzung mit diesem „Mehr des Lebens“, das sich Seite für Seite zu lesen lohnt und wieder einmal die Frage nach der eigenen, inneren Lebenshaltung, nach Kurzfrist- oder Langfristbefriedigung offen anspricht. Da mag nun jeder Leser selbst seine Erfahrungen betrachten, wieweit ihn was an Besitz oder Haltung innerlich wirklich befriedet und mit sich ins Reine zu bringen vermag. Hilfreich zu diesem Nachdenken ist das Buch auf jeden Fall. Und hilfreich bei der Frage, wie man diesen „verlorenen Ort“ wiederfinden könnte.

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