Reiner Engelmann Anschlag von rechts

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Inhaltsangabe zu „Anschlag von rechts“ von Reiner Engelmann

Mitten unter uns: Rechtsextremismus heute
Irgendwo in einer Kleinstadt mitten in Deutschland treffen sich drei Freunde auf ein Feierabendbier. In den sozialen Netzwerken haben sie sich schon an ausländerfeindlichen Pöbeleien beteiligt. Nun werden sie zu Verbrechern, denn wenige Stunden später werfen sie einen Molotowcocktail in eine Flüchtlingsunterkunft. Die Bewohner, darunter auch Kinder, entkommen nur knapp.
Reiner Engelmann recherchiert die Hintergründe dieser schrecklichen Tat. Er analysiert die Beweggründe und er befragt die Opfer, die sich in Deutschland endlich sicher gefühlt hatten. Dabei wird deutlich: rechtes Gedankengut und Fremdenfeindlichkeit sind in der Mitte unserer Gesellschaft angekommen und viel zu lange unbeachtet geblieben.

Ein Buch, welches unbedingt im Schulunterricht zum Einsatz kommen sollte.

— Osilla

Kurzweiliger Roman, der auf Tatsachen beruht

— MellisBuchleben

Ein sehr wichtiges Buch!

— Sommerregen

Eine empfehlenswerte Lektüre mit Tiefgang und Realitätsbezug - nicht nur für Jugendliche geeignet.

— Kamima

Aktuell und empfehlenswert. Gerne als Schullektüre!

— Kiritani

Sehr zeitaktuell und absolut empfehlenswert für Jugendliche & Erwachsene.

— Kerstin_KeJasBlog

Wichtiges Thema, aber die Geschichte ging mir nciht wirklich nah. Relativ nüchterner Schreibstil.

— DisasterRecovery

aktuelles Thema, spannend und informativ umgesetzt

— Bookjulie97

Ich kann dieses Buch nur empfehlen! Es hat ein sehr heikles Thema sachgerecht dar gestellt und war trotzdem sehr angenehm zu lesen.

— zeilenliebe_vany

Gut recherchierte Hintergründe einer schrecklichen Tat. Für mich die perfekte Schullektüre! Hätte mir aber mehr Tiefe und Emotion gewünscht.

— Seehase1977

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  • Fremdenfeindlichkeit, ein wichtiges Thema in der heutigen Zeit.

    Anschlag von rechts

    Osilla

    10. November 2017 um 12:43

    Die Flüchtlingskrise ist ein Thema, welches uns alle betrifft. Es gibt Menschen, die empfinden Angst vor den vielen Asylsuchenden, die ins Land kommen, andere empfinden sogar Hass auf alles Fremde. In der Vergangenheit gab es viele Anschläge auf Flüchtlingsunterkünfte. Reiner Engelmann hat in seinem Buch „Anschlag von rechts“ versucht die Hintergründe näher zu beleuchten. Was treibt einen Menschen dazu an, solch eine Tat zu vollziehen und dabei in Kauf zu nehmen, dass Flüchtlinge, die dachten sie seien hier unter uns nun endlich in Sicherheit, wieder in große Angst um ihr Leben versetzt werden. Ein Buch, welches unbedingt im Schulunterricht zum Einsatz kommen sollte.Reiner Engelmann (geboren 1952) studierte Sozialpädagogik und machte sich in den Bereichen der Leseförderung, der Gewaltprävention und der Kinder- und Menschenrechtsbildung stark. Außerdem organisierte er für Schüler aber auch für Erwachsene regelmäßige Ausflüge nach Auschwitz. Er ist Autor von Anthologien und Büchern zu gesellschaftlichen Brennpunktthemen.„Die nationalsozialistische Vergangenheit ist in den Köpfen vieler Menschen Gegenwart.“ (Seite 159)Dieses Buch beschreibt eine wahre Begebenheit. Es handelt von einem Brandanschlag auf ein Asylbewerberheim, welches durch drei Täter begangen wurde. Der Autor beleuchtet zunächst einige Geschichten von Asylbewerbern aus Afghanistan, Somalia, Syrien, Pakistan und Simbabwe. Dann beschäftigt er sich mit der Tat an sich, der Untersuchung des Falls und dessen Urteils.Man könnte meinen, dass bei solch einem Buch die Opfer, also die Asylbewerber, im Vordergrund stehen. Dem ist aber nicht so. Sicherlich beschreibt der Autor die verschiedenen Wege, die diese auf sich genommen haben, um das rettende Land, nämlich Deutschland, zu erreichen. Auch erzählt er, wieso sie aus dem einem oder dem anderen Land fliehen mussten. Allerdings schlägt Herr Engelmann hier einen eher sachlichen, nüchternen und knappen Ton an. Er macht klar, was die Flüchtlinge durchmachen mussten, welche schlimmen Schicksale sie zu uns gebracht haben.Im zweiten Teil des Buches beleuchtete Engelmann, soweit möglich, die Hintergründe des Brandanschlags und die Vergangenheit der Täter. Hier stellte sich mir oftmals die Frage, ob man wirklich so naiv, unwissend und manchmal auch dumm sein kann. Und es wird deutlich, dass die rechtsextreme Bewegung genau solche unwissenden Menschen, Menschen die sich von der Gesellschaft nicht angenommen fühlen, rekrutiert. Sozialschwache Klassen scheinen leichte Beute zu sein. Viele von ihnen hinterfragen nicht, sie sind einfach Mitläufer. Andere sind mit ihrer Lebenssituation unzufrieden und suchen die Schuld bei anderen, anstatt bei sich selbst.Interessiert hätte mich hier auch das Alter der Täter. Sind sie noch jung und somit unbedarft und unerfahren, oder haben sie bereits ein Alter erreichen, in welchem sie es eigentlich besser wissen müssten?Auch die Mütter der Täter kommen zu Wort. Ganz deutlich wird hier, dass sie gesehen haben, wie die eigenen Kinder auf die schiefe Bahn geraten. Sie waren der Sache aber nicht gewachsen, wussten nicht, wie sie sich durchsetzen sollten oder schätzten die Situation nicht richtig ein. Sie sehen ihre Kinder immer in einem anderen Licht, wollen sie beschützen und sehen nur die guten Seiten in ihnen, aber nicht die schlechten oder gar gefährlichen.„Im Bewusstsein dessen müssen wir die Ängste und Sorgen der Menschen ernst nehmen und dafür brauchen wir Aufklärung, Bildung und vor allem Geduld. Etwas, das sich über Jahre hin entwickelt hat, lässt sich nicht von heute auf morgen umkehren. Aber wir sollten besser heute als morgen damit beginnen.“ (Seite 159)Im Anhang fasst der Autor die aktuelle Situation nochmals kurz aber präzise zusammen. Wie viele (oder wenige) Menschen kommen tatsächlich in unser Land? Wie viele davon sind Kinder? Welche Anzeichen von Rechtsextremismus sind in Kleidung, Musik oder Symbolik zu finden?Das Buch war schnell gelesen und besonders der Anhang war sehr interessant. Es ist sicherlich eine gute Lektüre für den Schulunterricht, auch um den Schülern die Angst vor dem Fremden zu nehmen und ihnen klar zu machen, dass die Flüchtlinge nicht freiwillig ihre Heimat verlassen, sondern dazu gedrängt werden. Denn es hieß Leben oder Sterben. Natürlich entscheidet man sich dann für das Leben, vor allem wenn die eigenen Kinder in Gefahr geraten. Doch auch der Weg in die Sicherheit ist lebensgefährlich.Das Buch ist sehr faktisch und wenig emotional, aber das ist wichtig, da es nicht vorschnell verurteilt, sondern die Hintergründe aufdeckt ohne dabei zu verharmlosen. Das gesprochene Urteil des Richters macht nochmals deutlich, dass dieser Brandanschlag (zum Glück ohne Opfer) keine Lappalie ist, sondern bereits traumatisierte Menschen in tiefe Angst versetzt hat.Ein Buch, welches auffordert über die eigenen Gedanken zu reden. Reiner Engelmann nimmt klar Stellung gegen Hass und Gewalt, er sieht Flüchtlinge, die Hilfe suchen, als eine Bereicherung für unsere Gesellschaft an.„im Jahr 2015 (waren) insgesamt 65,3 Millionen Menschen weltweit auf der Flucht. […] Rechnet man das auf die Tage eines Jahres um, so machten sich täglich 34.000 Menschen auf die Flucht. Gut die Hälfte von ihnen waren Kinder. […] nur ein geringer Teil (davon erreichte) die Europäische Union, nämlich 14 Prozent.“ (Seite 163)

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  • Ein sehr informativer Einblick in eine schwierige Problematik

    Anschlag von rechts

    BieneMa

    09. November 2017 um 10:35

    Dass der Autor sich bereits mit verwandten und anderen ähnlich schwierigen Teilen der Geschichte auseinandergesetzt hat, merkt man dem Buch sehr positiv an. Unter anderem schrieb er Berichte von Holocaust-Überlebenden in "Wir haben das KZ überlebt - Zeitzeugen berichten" und über einen Fotografen, der Ausschwitz dokumentieren musste in "Der Fotograf von Ausschwitz".Vielleicht resultierte auch aus dieser "Erfahrung" Reiner Engelmanns der nüchterne Erzählstil, der es ein wenig schwer gemacht hat, mir die Geschichte sofort ans Herz wachsen zu lassen - da mich das Thema ohnehin interessiert und es insgesamt einfach wichtig ist, außerdem das Buch auch nicht besonders lang ist, hat das allerdings nicht weiter gestört. Im Nachhinein war es auch wichtig, genauso zu schreiben. Niemand wurde sprachlich verteufelt, das Buch gibt Taten und Gedankengut der Menschen ungeschönt wieder.Es ist ein aktuelles, wichtiges Buch, das an niemandem spurlos vorbeigehen sollte. Ein Bild des Hasses, von dem sich so viele abscheuliche Menschen vereinnahmen lassen - abscheulich nenne ich sie darum, weil sie sich davon vereinnahmen lassen. Der Autor versucht auch die Täter nicht zweidimensional darzustellen und man kann die verdrehte Weise nachvollziehen wie sie den Weg eingeschlagen haben, der schließlich zu dem Brandanschlag führte, ohne, dass es irgendwie als annehmbar dargestellt wird. Auch Ursachen für ihre Einstellungen werden immer wieder angesprochen bzw. Verbessungsmöglichkeiten gesucht und Fragestellungen aufgeworfen.Wie es noch immer Menschen in Deutschland geben kann die von sich behaupten, dass dieses Thema sie nichts angeht, ist mir schleierhaft. Es geht ausnahmslos alle an, die vieldiskutierten Flüchtlinge - die große Masse, auf die man eine Menge Schuld schieben kann. Sie sind die Fremden, tolle Sündenböcke also. Uns alle sollten die Schicksale der Menschen interessieren, die hierherkommen. Warum? Nun, erst einmal, scheußliche Frage, es sind Menschen! Damit verdienen sie Hilfe, Punkt. Zweitens, wir sind mindestens als wissende Zuschauer, eigentlich aber sogar mehr als mitverantwortlich für viele der zerstörten Länder aus denen geflüchtet werden muss - auch für viele der "Wirtschaftsflüchtlinge", die so gern minderwertig dargestellt werden.Insbesondere dabei empfand ich das Nachwort als sehr nützlich, da Reiner Engelmann dort selbst noch ein Stück allgemeiner auf das "Warum" eingeht. Warum geflüchtet wird, warum diese Zustände bestehen. Ein sehr informatives Extra ist auch der Glossar, der noch ein Stück Einblick in die rechtsextreme Szene, im Hinblick auf unbekanntere (zumindest war mir das meiste unbekannt) Aspekte gibt, beispielsweise im Bereich Musik.Das wurde insgesamt mehr eine Themenbesprechung als eine Rezension, doch ich habe das Gefühl, genau darauf wollte das Buch hinaus. Es ist ein Plädoyer gegen Rechtsextremismus, ohne mit erhobenem Zeigefinger daher zu kommen, was durch den sachlichen Bericht der Täter und Opfer gelingt. Es gibt, wie Engelmann in "Anschlag von rechts" anmerkt, keine einfachen Antworten für die Probleme unserer Zeit, insbesondere die Thematik der Asylsuchenden betreffend. Es ist Zeit für die schwierigen Antworten, für die Einzelschicksale, für mehr als Schreckenszahlen von Flüchtlingen die "Europa überrollen", Angst und Hass. Ein wichtiges Buch, für alle die sich informieren und sich dem Problem stellen wollen, das uns bis in die Realität verfolgt und leider noch nicht der Vergangenheit angehört!

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  • nach einer wahren Begebenheit und auch gut für Jugendliche geeignet

    Anschlag von rechts

    Normal-ist-langweilig

    21. August 2017 um 17:30

    Meine Meinung: Das Buch teilt sich in drei Teile auf: a) Flucht aus.. b) Die Tat c) Im Namen des Volkes ***************** a) erster Teil Im ersten Teil werden die Hintergründe der fliehenden Menschen/Familien beleuchtet und dem Leser wird vor Augen geführt, warum diese Menschen aus ihrem Land fliehen. Es wird auch darüber berichtet, wie sie dieses Vorhaben angehen und in welcher Zeit. So lernt der Leser 5 verschiedene Schicksale kennen, jeweils aus einem anderen Land. b) zweiter Teil Hier lernt der Leser die drei Täter kennen: Wie heißen sie? Woher kommen sie? Was treibt sie an? Der Leser erlebt mit, welche Gedankengänge die drei vor der Tat haben und wie bzw. wer die Tat durchführt. c) dritter Teil Nach der Tat wird in diesem Kapitel erörtert, untersucht, nachgefragt und erklärt, wie es zu dieser Tat kommen konnte. Die Täter werden befragt und der Leser erfährt hautnah, wie die Menschen reagieren. Es wird spätestens hier klar, dass diese Menschen selbst Hilfe brauchen, Halt und ein gefestigtes Zuhause. Das leider scheinen sie nie gehabt zu haben und jetzt auch nicht zu haben. Es geht ihnen nicht gut und so hetzen sie sich gegenseitig auf. ******************************** Insgesamt fand ich das Buch von der Berichterstattung und den Hintergrundinformationen wirklich gut. Ich fühlte mich ausreichend informiert und konnte mir alles vorstellen. Auch durch die Vorstellung der einzelnen Flüchtlinge zu Beginn des Buches. Insgesamt wirkte mir das Buch aber zu nüchtern, nicht emotional genug. Ich persönlich hatte nur an einer Stelle das Gefühl, dass sich meine Nackenhaare aufstellen. Ich hätte erwartet, dass es öfter passieren würde. Vielleicht wollte der Autor das aber nicht. Vielleicht hat er extra auf die emotionale Seite verzichtet. Die Geschichte, so wie man sie hier liest, soll für sich selbst stehen, sie soll wirken und zum Nachdenken anregen. Ich suche ja immer Bücher, die ich auch mit meinen jugendlichen Schülern lesen kann, die diese weder unter- noch überfordern. Das Buch hier wäre gut geeignet. Verständlich, klar aufgebaut, und von der Gesamtzahl der Seiten her gut lesbar. Insgesamt (4 / 5)!

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  • Rezension: "Anschlag von rechts" (Reiner Engelmann)

    Anschlag von rechts

    Anchesenamun

    20. August 2017 um 16:16

    Seit der Flüchtlingskrise 2015 gab es eine vierstellige Anzahl von Übergriffen auf Flüchtlingsheime in Deutschland. Fremdenfeindliche Parteien wie die AfD gewinnen immer mehr Wählerstimmen, und in Städten wie Dresden gehören Protestmärsche Rechtsradikaler mittlerweile zum Alltag. Reiner Engelmann ist Autor zahlreicher Publikationen zu Brennpunktthemen. Sein neues Jugendbuch basiert auf einer wahren Begebenheit. Der Autor hat mit betroffenen Flüchtlingen gesprochen und durch seine Recherchen interessante Einblicke in die Psyche rechtsradikal motivierter Täter und deren Familienangehörigen gewonnen. Das Buch ist chronologisch aufgebaut. Nachdem stellvertretend für alle Opfer die Schicksale von fünf Flüchtlingsfamilien vorgestellt wurden, lernt der Leser die drei Täter kennen und wie es zur Tat kommt.  Es folgen Vernehmungen, Untersuchungshaft, Prozess und Verurteilung. Im Anhang gibt es noch einen Exkurs über Fluchtursachen sowie ein Glossar über Symbole und Codes aus der neonazistischen Szene Auch wenn die Gefühle der Flüchtlinge nach dem Anschlag wiedergegeben werden, liegt der Fokus ganz klar auf den Tätern. Man erhält einen Einblick in die Psyche der beiden Männer und der Frau, die die Tat gemeinsam begangen haben. Hierbei kommen auch andere soziale Probleme wie Arbeitslosigkeit und Alkoholismus zur Sprache. Allen dreien gemein ist, dass sie eher ungebildet sind, aus der unteren sozialen Gesellschaftsschicht kommen und nicht gerade auf der Sonnenseite des Lebens stehen. Sie sind leicht beeinflussbar und anfällig für "Stammtischparolen". Interessant fand ich auch, dass Familienangehörige zu Wort kommen. So werden die Verhältnisse, in denen die Täter leben, nochmal genauer beleuchtet. Ich hätte mir jedoch gewünscht, dass die Täter keine Stereotypen sind, wie man sie sich vorstellt. Es wäre meiner Meinung nach gut gewesen, auch Täter aus anderen sozialen Schichten und mit höherer Bildung kennenzulernen. Aber gut, die Geschichte orientiert sich eben an einem realen Fall, und ein Großteil der Neonazis stammt nunmal eher aus der unteren Schicht. Engelmanns Schreibstil ist nüchtern und unaufgeregt. Er nimmt keine Wertung vor und gibt so dem Leser die Möglichkeit, sich selbst eine Meinung zu bilden. Ich wurde so einerseits nicht von den Figuren berührt, aber das fand ich völlig in Ordnung, denn so war es mir andererseits möglich, alle Geschehnisse rein objektiv zu betrachten. Ich persönlich finde das bei einem solch komplexen Thema wichtig. Das Buch richtet sich an Leser ab 13 Jahren, und ich kann mir "Anschlag von rechts" sehr gut als Schullektüre für Jugendliche vorstellen.

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  • Kurzweiliger Roman, der auf Tatsachen beruht

    Anschlag von rechts

    MellisBuchleben

    11. August 2017 um 12:03

    Reiner Engelmann hat "Anschlag von rechts" auf einer wahren Begebenheit beruhend geschrieben. Dass er hierfür genau recherchiert hat, habe ich beim Lesen gemerkt. Zunächst bringt er dem Leser das Schicksal von Menschen aus fünf verschiedenen Ländern näher. Sie alle mussten ihre Heimat verlassen und fliehen - aus den unterschiedlichsten Gründen, wobei meist der Krieg im eigenen Land eine zentrale Rolle spielt. Die einzelnen Geschichten der Flüchtlinge sind zwar interessant, aber hier hätte ich mir ein bisschen mehr Tiefgang gewünscht.  Im Vordergrund des Buches stehen aber nicht die Flüchtlinge, sondern diejenigen, die den Anschlag auf die Flüchtlingsunterkunft begangen haben sowie die Hintergründe ihrer Tat. Das Thema Rechtsextremismus wird jugendgerecht dargelegt, d. h. es ist leicht verständlich. Besonders gut hat mir hierzu der Glossar gefallen. Ein Blick hinein lohnt sich, denn ich habe einiges Neues gelernt, z. B. was Symbole der rechten Szene angeht. Man lernt die Attentäter und ihre Denkweise kennen, wobei Letztere für mich erwartungsgemäß vor allem aus Vorurteilen besteht. Insgesamt ist es ein sehr kurzweiliger Roman, der auf Tatsachen beruht. Er gibt einen kleinen Einblick in die rechte Szene und stellt jugendgerecht dar, wozu das Ganze im Einzelfall führen kann.

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  • Guter Einstieg ins Thema

    Anschlag von rechts

    smilee_lady1988

    24. July 2017 um 14:35

    Das Thema Flüchtlinge ist so aktuell wie nie! Reiner Engelmann hat sich des Themas angenommen und berichtet über das Schicksal verschiedener Familien, aber auch aus der Sicht von rechtsextremen Tätern. Für das Buch hat er intensive Recherchen betrieben, die auf einer wahren Begebenheit beruhen. Ich bin ehrlich: Das Flüchtlingsthema wird hier in der Schweiz weniger breitgetreten, als in Deutschland oder anderen Ländern. Wir haben zwar durchaus auch Menschen auf der Flucht bei uns – in meinem Wohnblock leben einige davon -, aber in den Medien ist das Thema nicht so präsent. Daher habe ich mich bisher eher weniger damit beschäftigt. ‘Anschlag von Rechts’ fand ich aber sehr interessant, daher habe ich beschlossen, mich diesem Buch zu widmen. Es ist gut recherchiert und bietet verschiedene Blickwinkel – dennoch hätte es ein wenig ausführlicher sein können. Mir waren die einzelnen Kapitel zu schnell abgehandelt. Die Gedankenwelt und Gefühle der Flüchtlinge, aber auch der Täter war für mich zu wenig greifbar. Die Emotionen, die ich mir in dem Buch gewünscht habe, kamen nicht bei mir an. Das Thema ist sicherlich keine leichte Kost und genau deshalb war mir das Buch zu leicht geschrieben. Ich hätte wirklich mehr Tiefe und noch mehr Hintergründe erwartet. Ich weiss, wie Reiner Engelmann schreiben kann; daher war ich doch ein wenig enttäuscht, dass mich das Buch leider nicht abholen konnte. Dennoch fand ich das Grundthema interessant und es wird immer wichtiger, es nicht totzuschweigen. Daher kann ich das Buch auf jeden Fall jedem empfehlen, der etwas zu dieser Thematik lesen möchte. Das Cover passt sehr gut, auch wenn es weniger meinen Geschmack trifft. Fazit Von mir bekommt das Buch 4 Sterne.

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  • Ein wichtiges Werk!

    Anschlag von rechts

    Sommerregen

    24. July 2017 um 13:56

    Lauter Rechtsrock dröhnt, es wird mitgegröhlt und reichlich Alkohol fließt. Immer später wird es, während eine Flasche nach der anderen geleert wird und sich die Freunde in Rage reden. Über die inkompetenten Politiker, die der Flüchtlingsschwemme nicht Herr werden. Darüber, dass dies unter einem starken Führer nicht passiert wäre. Darüber, dass jetzt auch in dieser Kleinstadt P. eine Flüchtlingsunterkunft entstanden ist. Dass die Flüchtlinge quasi gratis in einer eigenen Wohnung leben dürfen, während man selbst bei der eigenen schwierigen (finanziellen) Situation nicht unterstützt wird. Und das, obwohl man doch hier gebürtig ist.Weitere Lieder von Landser und Störkraft laufen und heitzen Stimmung weiter an. Man müsste doch etwas unternehmen; ein Zeichen setzen. Damit die wissen, dass sie hier nicht willkommen sind. Bald schon werkeln zwei vollkommen Betrunkene an einem Molotov-Cocktail. Danach, nun, da er schon so schön fertig ist, soll er auch zum Einsatz kommen.Robert erklärt Beate, sie solle Matze und ihn zu der Flüchtlingsunterkunft bringen. Diese folgt - Robert widerspricht man einfach nicht. Unter Alkoholeinfluss schon gar nicht. Und außerdem ist ja auch sie besorgte Mutter und blickt der Flüchtlingswelle mit Schrecken und Entsetzen entgegen.Kurze Zeit später brennt das Haus in P. und nur durch großes Glück kommt dabei niemand zu Schaden; zumindest körperlich nicht... Das Buch gliedert sich nachdem die Vorboten geschildert wurden in drei Teile: "Flucht aus...", "Die Tat" sowie "Im Namen des Volkes". So begleitet der Leser zunächst die Flüchtlinge aus Afghanistan, Somalia, Syrien, Pakistan und Simbabwe auf ihrem schweren Weg nach Deutschland, den sie sich zuvor auch so nicht ausgemalt hatten. Bei ihnen handelt es sich um die Opfer des im Vordergrund stehenden Anschlags.Danach wird die Tat an sich geschildert, wobei bereits das Treffen auf ein Feierabendbier der drei Freunde sehr unter die Haut geht. Nicht zuletzt aufgrund der Zitate aus dem dort gespielten Rechtsrock. Mir persönlich fiel es unbeschreibbar schwer, zu glauben, dass tatsächlich solche Lieder gehört und derartige Texte mitgesungen werden. Es ist mir unbegreiflich, dass sich Bands mit Stücken wie "Hura, das Asylheim brennt" eines gar nicht mal so kleinen Hörerkreises erfreuen. Songtextpassagen, in denen der Rassenkampf und rechte Gewalt verherrlicht werden und zu Anschlägen aufgerufen wird, waren für mich wie Hiebe in die Magengegend. Da mir etwas solches derart fern ist und es sich hierbei auch um Gebiete handelt, über die man sich sonst gut informieren könnte und möchte, hätte ich davon sogar gerne noch mehr Auszüge in dem Buch gelesen. Für mich war das eine ganz neue Welt...Der letzte Teil befasst sich dann mit den Gerichtsverhandlungen - bedenkt man, dass im Jahr 2015 von 222 begangenen Anschlägen auf Flüchtlingsunterkünfte 169 ohne Ermittlungserfolg blieben, in 41 Fällen Tatverdächtige ermittelt, in acht Fällen Anklage erhoben und in lediglich vier Fällen Urteile gesprochen worden sind, ist dies mehr als alamierend.Im Anhang findet sich ein ausführliches Glossar zu Symbolen, Grüßen, Kleidungsmarken, Musik und Abkürzungen, die der rechten Szene zugeordnet und teilweise sogar verboten sind. Dabei muss ich gestehen, dass ich bei einigen Symbolen und Zahlencodes doch überrascht war, dass dieses Symbol auch in dieser Art interpretiert werden kann. Die Triskele beispielsweise würde ich als harmloses Symbol der keltischen Mythologie deuten. Bei ihr fallen mir eher Dreifaltigkeit, und Kombinationen wie Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft oder Körper, Seele, Geist ein anstatt dass ich mich an ein "dreiarmiges Hakenkreuz" (S.173) denken würde. Als Irland-Freund war dieses Symbol für mich immer positiv konnotiert - sowohl optisch als auch von der mir geläufigen Bedeutung. Daher stellt sich mir die Frage, ob für das Buch nicht so ziemlich jedes mögliche Symbol gesucht und aufgelistet worden ist, auch wenn es nicht gänzlich in die rechte Szene gehört.Bei den Zahlencodes geht es mir ähnlich: Einige, wie 18 oder 88, kennt man zwangsläufig und kann sie auch selber in die rechte Szene einordnen. Dass auch 28, 74, 124, 444, 1919 (meine erste Assoziation war nicht SS, sondern ging vielmehr in Richtung der Ermordung Luxemburgs und Liebknechts oder die der demokratisch-parlamentarischen Verfassung...), 146 und weitere auf diese Art behaftet sind, war mir meist neu. Nachvollziehbar, aber dennoch teilweise etwas weit hergeholt... Vielleicht bin ich bloß sehr naiv, wenn ich bei diesen Zahlen noch nicht rechtes Gedankengut unterstelle.Bei den Kleidermarken war dies dann schon eindeutiger, zumal ich einige von ihnen auch vom Namen her bereits kannte. Bei Doc Martens blieb ich allerdings bereits zwiegespalten zurück, denn, auch wenn Skinheads zu den "Stammkunden" zählen, verbinde ich die Marke auch mit der Punkerszene oder generell arbeiterverbundenen Menschen. In meinem Umfeld kenne ich genügend linksorientierte, die sich für die Produkte dieser Firma begeistern können...Der Schreibstil des Buches ist sehr einfach und verständlich gehalten, weswegen ich vom bloßen Sprachgebrauch bereits sagen würde, dass dieses Werk auch für jüngere Leser als die empfohlenen 13jährigen geeignet wäre. Vom Inhalt her ist das natürlich eine ganz andere und sehr individuelle Frage, denn wenn Protagonisten Aussagen wie "Wenn der Neger brennt, dann werde ich richtig feiern." (S.62) tätigen oder Lieder mit kinderleicht zu merkenden Reimen zitiert werden, ist das schon nicht ohne.Was ich allerdings sehr schade finde ist, dass ich beim Lesen immer wieder auf Rechtschreib-, Wort-, oder ähnliche Fehler gestoßen bin; das hat ein so wichtiges Buch nicht verdient...Sehr ansprechend ist meines Erachtens das Hinterfragen des Begriffes der "Flüchtlingswelle" und das Aufzeigen rechter Tendenzen bei Aussagen von Politikern am Beispiel von den durch die Presse gegangenen Worten des CSU Generalsekretärs. Alles in allem bin ich der Meinung, dass es nicht geschadet hätte, wenn dieses Werk noch etwas ausführlicher und "erwachsener" gewesen wäre, denn mir als 13jährige wäre es schätzungsweise noch etwas zu kindlich gewesen. Zwar ermöglicht dies ein schnelles und lockeres Lesen, allerdings frage ich mich, ob das bei dieser Thematik so nötig ist oder ob dass doch nicht so ganz zum Inhalt passt. Immerhin könnte ein Mittelweg zwischen verständlich und anspruchsvoll gefunden werden, da der Schreibstil meines Erachtens die Recherchearbeiten des Autors runterspielt und weniger als Tatsachen greifbar macht. Gerade in Verbindung mit den von mir bereits erwähnten Fehlern wirkt es so, als wäre dem Buch beim Entstehen nicht so viel Zeit, Mühe und Achtung geschenkt worden als es tatsächlich der Fall gewesen sein dürfte. Denn, dass Engelmann für dieses Buch nicht wenig Recherchen angestellt hat, dürfte außer Frage stehen. So vergebe ich 4 von 5 Sternen, da mich das Buch trotz des Schreibstils zu erschüttern vermochte, den Leser nah an Rechtsextreme führt und sensibel für Symbole und Ähnliches macht.

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    • 7
  • Dieses Buch gibt Denkanstöße

    Anschlag von rechts

    Annalena2703

    22. July 2017 um 16:50

    Allgemeines Titel: "Anschlag von rechts" ISBN: 9783570174371 Autor: Reiner Engelmann Seitenanzhal: 192 Seiten Verlag: cbj Erscheinungsdatum: 22.05.2017 Nach einer wahren Begebenheit: In einer Kleinstadt in Deutschland treffen sich drei Freunde auf ein Feierabendbier, bereits in der Vergangenheit waren sie an ausländerfeindlichen Pöbeleien beteiligt. Doch dieses Mal sind es mehr als nur leere Worte - am selben Abend werfen sie einen Molotowcocktail in eine Flüchtlingsunterkunft. Die dort lebenden Menschen entkommen nur knapp - und so beginnen die Ermittlungen. Reiner Engelmann recherchiert und analysiert diese Tat. Meinung Das Buch gibt Denkanstöße. Dieses Buch ist ein Buch, welches auf einer wahren Begebenheit beruht und somit Fakten aufzählt. Der Schreibstil war für mich nicht ausschlaggebend in der Bewertung, dennoch muss ich sagen, dass ich das Buch gerne gelesen habe. Die Fakten waren gut dargestellt und ich konnte den Ausführungen gut folgen. Das Buch ist in drei Teile geteilt: Teil 1 - Flucht aus... Teil 2 - Die Tat Teil 3 - Im Namen der Volkes Ich fand den ersten Teil sehr aufwühlend, denn dort werden verschiedenste Arten der Flucht beschrieben - die Beweggründe und die tatsächliche Flucht selber. Im zweiten Teil selber fand ich es sehr gut, dass man die Tat "mit nachvollziehen" konnte - man hat die Umstände erfahren und letztlich auch den Weg zum Prozess nachvollziehen konnte. Im dritten Teil ging es um den Prozess selbst und die Urteilssprechung. Das darauffolgende Nachwort zeigt dem Leser nochmals die möglichen Gründe der Flucht aus dem Heimatland auf. Ein informatives Buch, was viel Tiefe hat und einen dennoch nicht die Lust am Lesen nimmt. Das war mir sehr wichtig, denn dieses Thema war und ist immer noch präsent - darüber hinaus konnte ich mich auch noch vage an dieses Verbrechen erinnern, ich wusste nur nie, wie dies alles nun ausgegangen ist. Sehr gut fand ich auch das abschließende Glossar, denn dort werden viele rechtsradikale Zeichen, Marken, Bands etc. aufgezählt, die mir bis zu diesem Zeitpunkt nicht bekannt waren. Fazit Alles in allem bekommt dieses Buch 3 von 5 Sterne von mir. Dazu sollte ich sagen, dass mir die Bewertung dieses Buches schwerer fiel, als bei den meisten anderen. Ich denke, jedem ist bewusst, dass dieses Buch kein Roman oder sonstiges ist, sondern ein Buch, welches auf einer wahren Begebenheit beruht. Dazu kommen die Fakten, die genannt werden, z.B. Tathergang etc. Ich finde, der Autor hat dies alles in einer guten Weise beschrieben und einem nahe gebracht. Dieses Buch kann jeder lesen, man muss es aber nicht gelesen haben. Ich denke vor allem auch Kinder ab 13 Jahren können dieses Buch lesen, oder mit ihren Eltern zusammen lesen - es zeigt einem die vielen Seiten unserer heutigen Gesellschaft, was ich exterm wichtig finde.

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  • Empfehlenswert - ein aktuelles Thema, welches uns alle betrifft

    Anschlag von rechts

    Kamima

    18. July 2017 um 12:57

    „Irgendwo in einer Kleinstadt mitten in Deutschland treffen sich drei Freunde auf ein Feierabendbier“... Reiner Engelmann hat in seinem neusten Jugendbuch einen Angriff auf eine Flüchtingsunterkunft als wahre Begebenheit aufgegriffen, Hintergründe rechechiert, mit Hilfe von Angehörigen und Anwälten die Beweggründe analysiert und die Opfer befragt. Daraus ist ein beachtliches Buch entstanden, welches für Jugendliche ab 13 Jahren empfohlen wird. Das Buch ist keine Stimmungsmache, sondern versucht uns Leser schon alleine mit dem thematischen Aufbau in die Situation mit reinzunehmen: in Teil 1 kommen die Opfer zu Wort. 5 Menschen erzählen von ihrer Heimat und ihrer Flucht – mal mehr, mal weniger eindrücklich und ergreifend. 5 Schicksale, die – scheinbar beispielhaft herausgegriffen - aufzeigen, dass Schutzsuchende aus allen möglichen Gründen und sozialen Schichten zu uns nach Deutschland kommen. Was auf den ersten Blick oberflächlich erscheint, ist wohl bewußt so gewählt, denn auf eine Mitleidsmasche wurde verzichtet – zum Wohle des Themas, welches nicht nur mit dem Herzen, sondern vor allem pragmatisch gesehen werden soll. Teil 2 nimmt sich nun den Tätern an. Wie entsteht die Tat, wie wird sie ausgeführt – ein kurzer Schwenk zu den Opfern in dieser Nacht lässt uns kurz den Gedankengang unterbrechen – was passiert die Stunden danach. Die Täter werden aufgegriffen – 3 unterschiedliche Typen Mensch, die unterschiedlich mit der Verhaftung und dem Tatvorwurf umgehen. Wir erleben drei Anwälte, die erst einmal dem „unbeschriebenen Blatt des Mandanten“ gegenüberstehen und drei Jugendliche, die sich mal mehr, mal weniger schnell öffnen und die wahren Hintergründe preisgeben. Dieser Abschnitt ist spannend, denn auch wir Leser lassen uns erst einmal blenden von einer Entschuldigung in den Medien, schwanken zwischen Sympathie und Antipathie hin und her... und genau diese Entwicklung ist vom Autor so gewollt. Denn sie zeigt, dass nicht immer alles so einfach scheint, wie es sich im ersten Augenblick anfühlt. Weder die Situation der Flüchtenden und Opfer, noch die Situation der Alteingesessenen und Täter. In Teil 3 bekommen wir einen Einblick in die mediale Welt und den Prozeß mit Urteil – wir erleben den Gedankengang des Richters, die Vertretung der Anwälte und was solch ein Prozeß allgemeingültig deutlich machen kann: „Fremden- und Rassenhass dürfen nicht noch einmal Oberhand gewinnen. Dazu soll dieses Urteil beitragen, aber dazu müssen wir auch alle etwas beitragen. Denn dieses Urteil wird gesprochen im Namen des Volkes, also im Namen aller.“ Es wird sowohl an unsere Offenheit gegenüber der Flüchtenden plädiert, aber auch, die Augen nicht vor denjenigen zu verschließen, die nach einfachen Lösungen wie diesem Anschlag suchen. Wir müssen die „Ängste und Sorgen der Menschen ernst nehmen und dafür brauchen wir Aufklärung, Bildung und vor allem Geduld. Etwas, was sich über Jahre hinweg entwickelt hat, lässt sich nur von heute auf morgen umkehren. Aber wir sollten besser heute als morgen damit beginnen“ (Seite 159, Mitte) Dazu passt das Nachwort, in welchem Fragen wie „Krieg als Fluchtursache“, „Waffenexporte“ und „Unterdrückung und Verfolgung“, „Klimawandel als Fluchtursache“, „Armut und Ausbeutung“ oder auch das Glossar mit Symbolen und Codes herangezogen werden, eine Diskussion zu entfachen, die sich sehr gut in einer Schulklasse machen würde. Aufgeklärte, politisch offene Lehrer sollten dieses Buch aufgreifen und zusammen mit ihren Schülern erarbeiten. Denn meines Erachtens hat es Reiner Engelmann geschafft, ein die Jugend ansprechendes, äußerst informatives Buch zu gestalten – mit genug Tiefe und doch leicht genug, um nicht die Lust am Lesen und Thema zu verlieren. Ein Buch, welches ich gerne in der Familie und Freundeskreis (mit dem ein oder anderen Oberklassenlehrer) empfehlen werde.

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  • Anschlag von Rechts

    Anschlag von rechts

    Kiritani

    16. July 2017 um 12:34

    Hej, heute geht es um ein Buch, welches eine sehr aktuelle Thematik aufgreift, nämlich Rechtsextremismus gegen Geflüchtete (oder wie ich im Studium gelernt habe: Menschen und Kinder mit Fluchterfahrung). Seit dem ‚großen Ankommen‘ der Geflüchteten ist dies ein Thema, welches wie kein anderes unsere Nation spaltet. Nun hat natürlich jeder, ja auch ich, seine eigene Meinung – die meist leider nur durch mediale Berichterstattung entstanden ist (nur ein Bruchteil hat sich mit den Geflüchteten 1-zu-1 auseinandergesetzt und sich direkt an der ‚Quelle‘ informiert). Natürlich verbreiten sich Nagativmeldungen in der heutigen Zeit wie ein Lauffeuer und dies schürt, im Zusammenhang von Straftaten und Geflüchteten, ein ungutes Gefühl. Gerade weil ich viel mit diesen negativen Gefühlen konfrontiert werde, nicht Ich-Selbst, aber aus meinem Umfeld, sprach mich der Titel ‚Anschlag von Rechts‘ von Reiner Engelmann direkt an. Irgendwo in einer Kleinstadt mitten in Deutschland treffen sich drei Freunde auf ein Feierabendbier. In den sozialen Netzwerken haben sie sich schon an ausländerfeindlichen Pöbeleien beteiligt. Nun werden sie zu Verbrechern, denn wenige Stunden später werfen sie einen Molotowcocktail in eine Flüchtlingsunterkunft. Die Bewohner, darunter auch Kinder, entkommen nur knapp. Reiner Engelmann recherchiert die Hintergründe dieser schrecklichen Tat. Er analysiert die Beweggründe und er befragt die Opfer, die sich in Deutschland endlich sicher gefühlt hatten. Dabei wird deutlich: Rechtes Gedankengut und Fremdenfeindlichkeit sind in der Mitte unserer Gesellschaft angekommen und viel zu lange unbeobachtet geblieben. Und mit diesem Klappentext ist der Inhalt auch schnell erklärt. Es dreht sich alles um den Anschlag auf die Flüchtlingsunterkunft.  Das Buch ist in drei Teile gegliedert. Im ersten Teil geht es um die geflüchteten Familien/ Menschen aus Afghanistan, Somalia, Syrien, Pakistan und Simbabwe. Das war für mich der interessanteste Teil. Es war teilweise sehr erschreckend, was die Kinder und Familien gewohnt waren und das ihnen Deutschland beim Schlafen zu ruhig vorkam, weil sie keine Bombeneinschläge oder Gewehrsalven hörten. Dieser Teil hat mich betroffen gemacht. Der Leser bekommt hier einen Einblick in die Gründe der Flucht – mitfühlend beschreibt Engelmann diese ‚Reisen‘. Ein Einblick, der in seiner detailtreue in medialen Berichten viel zu kurz kam. Die Thematik des zweiten Teils war, wie die Tat sich aufbauschen konnte. Etliche Senarie und Aussagen, wie man sie aus der Presse oder den Medien kannte. Besorgte Bürger nannte man sie immer. Dann die Tat, die Aufklärung, die Beweislast. Die Verteidigung des ‚Warums‘. Erklärungsversuche – der Versuch sich vom Rechtsextremismus zu distanzieren – Fehlverhalten. Im letzten Teil wird das Urteil verkündet, welches als ‚erstes seiner Art‘ galt und noch hohe Strafen mit sich zog und Engelmann klärt im Anhang noch über diverse Themen zum Buch aus z.B. die Gründe, sein Land zu verlassen. Aber auch viele rechtsextreme Zeichen werden im Anhang erläutert. Das Buch hat mir sehr gut gefallen und es war sehr einfach und verständlich geschrieben, was wohl an der Altersempfehlung ab 13 Jahren liegt. Dieses Buch hat mich aber auch betroffen gemacht. Die Geschichten der Familien und der Grund ihrer Flucht, vor allem der Verlauf ihrer Flucht, haben mich sehr berührt. Mit all den negativ Schlagzeilen aus den Medien ist daraus ein sehr wirres Bild entstanden. Sehr schockiert hat mich auch, dass die Täter davon ausgingen, dass es keine rechtsextremistisch motivierte Tat ihrerseits gewesen sein soll. Ich finde dieses Buch sollte im Schulunterricht Einzug finden. Wir entwickeln einen Tunnelblick, nicht nur die Lehrenden im Bezug auf ihren Unterricht, sondern auch die Schüler im Bezug auf ihr Lernverhalten bzw. die Inhalte, die sie an sich heranlassen (kennt man von sich selbst). Was mich an dem Buch bzw. dem Autor sehr positiv gestimmt hat, ist die Tatsache, dass er Sozialpädagoge ist und mit Kinder zusammenarbeitet. Seine vorherigen Werke hatten ihren Schwerpunkt im den Bereichen: Mobbing, Kinderrechte, Zivilcourage und Auschwitz. Wichtige Themen, welche oft in Vergessenheit geraten, gerade im Bereich der jüngeren Leser.

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  • Ein Lesemuss gegen das Vergessen

    Anschlag von rechts

    GrueneRonja

    09. July 2017 um 22:06

    „Doch so, wie die Grenzbeamten sie ansahen, wussten alle sofort, hier waren sie nicht willkommen.“ (S.31) Wenn Menschen ihre Heimat verlassen müssen, hat das meistens wirklich schlimme Gründe. Niemand verkauft freiwillig sein Hab und Gut, um in einem fremden Land bei Null anzufangen, ohne dass man die Sprache kennt. Niemand begibt sich in Gefahr, wenn es nicht sein muss. Alle Flüchtlinge, die ihr Land verlassen, um bei uns Asyl zu finden, haben nichts außer dem, was sie am Leib tragen. Sie fliehen vor Terror, Krieg, Gewalt, Hass, Mord und Totschlag, Armut, Krankheiten, Elend und Leid. Und doch gibt es Menschen hier, die sie nicht willkommen heißen. Die ihnen genau das entgegen bringen, wovor sie geflüchtet sind. Abneigung, Hass, Gewalt. Doch warum tun sie das? Sind die Politiker mit ihren Hassreden Schuld? Die fehlende Bildung in einigen Gebieten? Wodurch sind diese Menschen so voller Hass? Von wem wurden sie so beeinflusst? Matze, Robert und Beate sind solche Menschen, die genug von diesen Flüchtlingsschwemmen haben. Und sie beschließen, mehr oder weniger, etwas dagegen zu tun. Sie werfen einen Molotowcocktail in ein Asylantenheim. Und dieses Buch durchleuchtet die Tat von allen Seiten. Dieses Buch bietet einen Rundumblick. Es beschreibt die Umstände der Flüchtlinge. Warum sie geflohen sind, woher sie kamen und wie sie nach P. gekommen sind. Und am wichtigsten, was sie zu der Flucht aus ihrer Heimat bewogen hat. Ich denke das ist ganz wichtig. Es beschreibt aber auch, warum Robert, Matze und Beate diese Tat begangen haben. Wer sie beeinflusst hat, was sie dazu bewogen hat, und wie sie sie verübt haben. Ist dieses Buch eine Wertung? Nein. Ist es neutral geschrieben? Ich denke schon. Es ist eben ein Rundumblick. Da muss jeder selbst entscheiden, was er daraus nimmt. Ich kann nur hoffen, dass dieses Buch einigen Menschen die Augen öffnet. Dass es einen Aha-Effekt gibt und mehr nachgedacht wird. Und dass nicht mehr weggesehen wird bei rechten Anschlägen. Denn sie sind real, präsent, und wahr. Kein Mythos, der von den Flüchtlingen in die Welt gesetzt wird, damit „wir Deutschen“ uns schuldig führen. Genauso wenig, wie sie uns die Arbeitsplätze wegnehmen, alles „in den Arsch geschoben kriegen“, unseren „Sozialstaat ausnutzen wollen“ und dabei nur in Markenklamotten und mit Smartphone rumlaufen. (Tut mir leid, das ist etwas eskaliert.) Ich hoffe, dieses Buch lässt Menschen nachdenken, bevor sie reden. Aber ich befürchte auch, dass die Menschen, die dieses Buch lesen werden, das sowieso schon tun. Ich kann es trotzdem nur jedem ans Herz legen. Gerade in Zeiten von G20, den bösen Linksradikalen, den bösen Flüchtlingen, den bösen Menschen.

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  • Über den Tellerrand

    Anschlag von rechts

    Kerstin_KeJasBlog

    07. July 2017 um 12:49

    Nach einer wahren Begebenheit – Ab 13 Jahren  „Das Beispiel einzelner Menschen“, überlegte er, „kann manchmal mehr über seine Zeit aussagen als ein ganzes Geschichtsbuch.“ Hier, in dieser Geschichte, sind es genau diese einzelnen Geschichten, von und über Menschen, die so viel aussagen. Nach einer kurzen Einführung, die nicht mehr als 3 Seiten benötigt und den unheilvollen ‚Vorboten‘, die kaum länger sind, ist man drinnen ~ in den Geschichten einzelner Menschen und Familien. In den Schicksalen der Flüchtlinge. Warum sie, Männer, Frauen, Kinder, ihre Heimat verließen und ich wünschte ein jeder würde sich etwas damit beschäftigen, bevor pauschalisiert wird. Aber man erliest sich auch wie schnell eine Stimmung kippt und aus verbaler Hetze tatsächliche Gewalt wird. Fünf Länder, fünf Erlebnisse und Leben werden in einem recht sachlichen Ton und ohne auf die Tränendrüse zu drücken, geschildert. Es war in allen, trotz der Unterschiede immer das gleiche, was diese Menschen veranlassten ihr Land zu verlassen. Krieg, Mord, Tod. Und keine Chance irgendetwas dagegen tun zu können ohne selbst ein Opfer zu werden, wobei ~ sie sind bereits Opfer. „Nacht für Nacht hörte er Gewehrfeuer, Detonationen von Bomben oder Granaten. Er lebte im Krieg. Seit dem ersten Tag seines Lebens. Er kannte es nicht anders.“ Das Buch „Anschlag von Rechts“ behandelt eine Thematik, die absolut zeitaktuell ist und überall so geschehen kann bzw. bereits geschah und immer wieder geschieht. Junge Menschen und auch Erwachsene, die abdriften in eine Gesinnung, angestachelt durch Unwissenheit, Ignoranz, Langeweile und vielleicht sogar ein Stückweit Dummheit, die jeglichen gesunden Menschenverstand vermissen lassen. Dabei frage ich mich immer wieder, ob denn keiner aus der Geschichte gelernt hat, zu viele grausame Beispiele sprechen für sich. Diese Erzählungen im Buch sind eine Rekonstruktion einer wahren Begebenheit. Zwar wurden die Namen geändert und Orte nicht benannt, dennoch ist da sehr viel Realität enthalten, nicht zuletzt auch durch die Gespräche, die der Autor mit den Betroffenen führte. Wie bereits erwähnt ist alles sehr sachlich und nüchtern gehalten, aber dadurch mindert sich keineswegs die Botschaft, die dahinter steht.  Man erfährt die Begebenheiten aus Sicht der Opfer und der Täter. Erlebt die Angst der einen und die Wut der anderen. Nimmt an Verhören teil und letztendlich sogar an einem Prozess mit anschließender Urteilsverkündung. Hier haben mir die Aussagen und Begründungen des Gerichts sehr imponiert. Wer handelt muss mit Konsequenzen rechnen, immer und bei allem. Durch die angenehm große Schrift liest es sich sehr flüssig. Auch das Buch ist mit seinem festen Einband und der Einteilung im Inneren sehr schön gestaltet. Bereits zu Beginn gibt es eine Auflistung aller Kapitel, dadurch ist alles sehr übersichtlich. Auch der Abschnitt zum Ende hin hat mich sehr angesprochen. Der Autor Reiner Engelmann hat sich sehr viele Gedanken gemacht und mich damit selbst zum überlegen gebracht. Dieses Buch kann ich ohne Vorbehalte jugendlichen Lesern empfehlen, aber auch für Erwachsene kann es so manchen Blick über den Tellerrand vermitteln. Ein klare Empfehlung spreche ich diesem Buch auch für den schulischen Unterricht aus. Hier muss nicht nur gelesen werden. Diese Geschichte gibt so viel Raum für Diskussionen, Aufklärung, Vermittlung und Verständnis für die Situation der Flüchtlinge. Vielleicht würde so manches Verhalten dann im Vorfeld gar nicht erst entstehen. „Welch Geistes Kind Sie sind, haben Sie auch dadurch gezeigt, welches Vokabular Sie Ihren Kindern vermitteln.“ Rezension verfasst von © Kerstin

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  • wichtiges Buch

    Anschlag von rechts

    Eva-Maria_Obermann

    04. July 2017 um 13:01

    Reiner Engelmann ist Sozialpädagoge und arbeitet hauptberuflich mit Kindern. Schwierige Themen sind sein Metier. Er hat bereits über Auschwitz, Kinderrechte, Zivilcourage und Mobbing geschrieben. Das sind so wichtige Themen, weil sie maßgeblich an der Entwicklung und unserer Vorstellung von Moral beteiligt sind. Vergangenheit darf nicht vergessen werden, weil sie uns unlieb ist, weil wir sie verdrängen wollen, weil wir sie für einflusslos halten. Genauso dürfen wir vor Missachtungen der Menschenrechte, die vor unseren Augen geschehen, diese nicht verschließen. Nun also hat Engelmann über den Angriff auf eine Flüchtlingsunterkunft geschrieben.Das Buch besteht im Grunde aus zwei Teilen. Am Anfang werden die unterschiedlichen Personen eingeführt. Die Täter, aber auch die Opfer. Die einzelnen Geschichten der unterschiedlichen Flüchtlinge sind variantenreich und gleichzeitig haben sie eines gemeinsam: Die Angst ums eigene Leben. Kinder wie Erwachsene werden hier fokussiert. Die traumatisierte Witwe aus Simbabwe, die Familie aus Syrien, der Junge aus Pakistan. Da auf reale Figuren Bezug genommen wird, sind die Schicksale umso bewegender, dabei ohne Kitsch oder Melodram. Engelmann gibt hier den Menschen, die unter „Flüchtlinge“ zusammengefasst werden, Gesichter, Geschichten, Varianzen und zeigt sie als Individuen. Dass ist etwas, was viele Berichtserstattungen nicht vollbringen. Es erzeugt Nähe, aber auch einen authentischen Blick. Dass Engelmann das gleiche auch bei den Tätern schaffen will, ist die große Stärke des Buches. Der Stil bleibt manchmal oberflächlich, einfach. Wenn ich auch vielen Jugendbüchern nicht anmerke, dass sie für Jugendliche geschrieben wurden, hier merkt man es deutlich. Die Täter sind zu dritt. Sie hauen Stammtischparolen raus, denken es wäre cool, Nationalsozialistischen Symbolen zu nutzen, sehen sich aber nicht als Nazis. Sie kommen, wie der Autor selbst schreibt „der Realität also nah, können dieser aber nicht vollständig entsprechen“ (S. 11). Das Buch pendelt zwischen erzählendem Sachbuch und der Fiktionalisierung realer Begebenheiten. Eine Linie trifft es dabei nicht. Engelmann versucht Einblicke zu gewähren, die er aber selbst nie hatte. Und hier strauchelt das Buch meiner Meinung nach etwas.Die Täter werden fast etwas zu plakativ dargestellt. Der grobe Anführer, der seinen Fehler nicht sieht, nicht zugibt, rechtsradikal zu sein, aber deutliche fremdenfeindliche Sprüche und nationalsozialistische Symbole nutzt. Sein Freund, der verzweifelt Anschluss sucht, mitzieht, nicht ganz der Schlauste ist. Am meisten bin ich aber über die Frau gestolpert. Ihr werden leicht romantische Gefühle für den Haupttäter nachgesagt, sie ist sich aber nie einer Schuld bewusst, ihr Fremdenhass wird als reine Mitläuferschaft dargestellt. Sie ist hier eindeutig schwach, naiv, ziemlich dämlich. Insgesamt schafft das Buch hier nicht, was es laut Klappentext verspricht, nämlich zu zeigen, dass Fremdenfeindlichkeit in „der Mitter unserer Gesellschaft“ angekommen ist. Hier wird keine Gesellschaftsmitte als Tätergruppe gezeigt, sondern eine bildungsschwache soziale Unterschicht.Ich glaube durchaus, dass dies ein sehr wichtiges Buch ist. Weil sowohl Täter als auch Opfer menschlich dargestellt werden, weil konturlose Formulierungen Gesichter und Geschichten bekommen. Als Jugendbuch kann dieses Buch zum großen Nachdenken anregen und neue Blickwinkel bieten.

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  • Manchmal ist weniger mehr

    Anschlag von rechts

    DisasterRecovery

    03. July 2017 um 09:30

    Nach den ersten wenigen Seiten, ist mir als erstes aufgefallen, dass der Autor einen recht neutralen und monotonen Erzählstil verwendet. Reiner Engelmann schildert zu Beginn verschiedene Schicksale, in dem er die Flucht von Personen aus Somalia, Afghanistan, Syrien, Pakistan und Simbabwe beschreibt. Sicherlich ist es erschütternd, was den Betroffenen widerfährt und trotzdem gingen mir die Geschichten nicht wirklich nah. Ich habe echt Emotionen vermisst. Vielleicht sind 5 verschiedene Schicksale auch einfach ein bisschen viel für das doch recht dünne Werk. Ich hätte gerne etwas mehr Details aus dem Leben der Personen in ihrer Heimat erfahren. Doch der Autor umreißt diese Themen nur grob, so dass die Geschichte immer etwas auf Distanz zu mir blieb. Als sich herausstellt, dass die Flüchtlinge auch in Deutschland nicht sicher sind, weil ihre Unterkunft angegriffen wird, habe ich mich natürlich gefragt, was Menschen dazu antreibt, eine solche Tat zu begehen. Durch die Gespräche mit ihren Anwälten, erfährt man etwas mehr über die Hintergründe der Täter, ihre Vergangenheit und mögliche Motivation. Die Aussagen der Täter waren so extrem dumm, dass ich an einer Tour den Kopf schütteln musste. Nicht eine Sekunde haben diese sich ernsthaft Gedanken um IHR Land gemacht, als sie diesen Cocktail geworfen haben. Dieses unreflektierte und blödsinnige Geschwafel, hat mich wirklich wütend gemacht (also immerhin doch eine Emotion =). Durch Familienangehörige habe ich einen Einblick in die Vergangenheit eines Angeklagten bekommen. Es wird aufgezeigt wie sich die ersten Anzeichen von rechtsextremen Neigungen bereits im Jugendlichen Alter zeigten ohne sonderlich aufzufallen. Diese Schilderungen strotzen nur so von Schubladen-Denken und Klischées. Bei jedem "normalen" Roman hätte ich mich tierisch darüber aufgeregt. Aber diese Geschichte beruht nach Angaben des Autors auf einer wahren Begebenheit und wurde gründlich recherchiert, so dass ich diese Klischées nur schwer ins Kreuzfeuer nehmen kann.Fazit: Was mich am meisten am Buch begeistert hat, war das Zitat recht zu Beginn des Buches: "'Wenn ihr den Krieg beenden wollt, sendet Bücher statt Waffen. Sendet Stifte statt Panzer. Sendet Lehrer statt Soldaten!'"  Malala Yousafzai (S. 19) Das Urteil und die Gedanken des Richters haben mir ebenfalls richtig gut gefallen. Eigentlich hat der Autor hier ein wirklich umfassendes Werk geliefert. Er schildert die Tat, recherchiert Motive, Hintergründe und mögliche Motivation, die Vergangenheit der Täter, das Urteil, Fluchtursachen und am Ende liefert er noch ein interessantes Glossar zur rechten Szene. Natürlich gibt es auch immer mindestens einen Nachbar, der bestätigen kann, dass die Angeklagten eigentlich ganz nette Typen sind. Leider kam die Geschichte im Gesamten nicht nah genug an mich ran und ich denke, dass liegt einfach an der relativ nüchternen Art des Erzählens. "Anschlag von Rechts" ist ein Buch über ein wirklich wichtiges Thema, aber ich bewerte hier nicht das Thema, sondern die Umsetzung der Geschichte an Hand dieses Buches.

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  • Irgendwie sind mir die Nazis zu sympathisch.

    Anschlag von rechts

    Feuerli

    02. July 2017 um 15:54

    *Eigentlich 2,5 Sterne. Das Buch hat mir leider nur teilweise gefallen. Ich fand die Grundidee des Buches wahnsinnig gut, darum wollte ich es auch lesen. Vor Allem habe ich gedacht, dass genau die Sorte Mensch, die ich am meisten verabscheue, in diesem Buch so negativ dargestellt wird, wie sie ist – Nazis. Dem war nicht so. In dem Buch wurden alle rechtsradikalen Charaktere zu Charakteren, die man irgendwie sympathisch fand – obwohl meiner Meinung nach jemand, der rechtsradikal ist, nicht sympathisch sein kann. Das hat der Autor ziemlich schlau gelöst, man will nämlich, dass die Leute nicht ganz so schlimme Strafen bekommen. Das ist auch mit Abstand der größte Minuspunkt an dem Buch. Die Charaktere waren zu sympathisch, auf die Flüchtlinge wurde zu wenig eingegangen. Ich denke, das Buch wäre weitaus besser und dicker gewesen, wenn man auf die Flüchtlinge eingegangen wäre – was sie gefühlt haben, als es passiert ist. Der nächste Minuspunkt ist der Schreibstil. Ernstes Thema, aber es ist geschrieben, als wäre es für 6-jährige. Kurze, leichte Sätze und abgehackt. Ich mag diese Art von Schreibstil nicht, es klingt eher wie eine Gutenacht-Geschichte und nicht wie ein Buch über dieses Thema. Der Schreibstil ist mir schon am Anfang negativ aufgefallen, von daher hatte ich auch bereits nach wenigen Seiten keine Lust mehr, es zu lesen. Fazit: Eher mittelmäßig bis schlecht.

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