Reiner Stach Kafka

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Inhaltsangabe zu „Kafka“ von Reiner Stach

1910 bis 1915: Dies sind die Jahre, in denen sich der junge, ungebundene, beeinflussbare Kafka verwandelt in den verantwortungsbewussten Beamten und zugleich in den Meister des präzisen Albtraums und des ‚kafkaesken' Humors. In kürzester Frist entstehen ‚Das Urteil', ‚Die Verwandlung', ‚Der Verschollene' und ‚Der Process', und in rascher Folge werden alle Weichen gestellt, die Kafkas weiteren Weg bis zum Ende bestimmen werden: die Begegnung mit dem religiösen Judentum, die ersten Schritte in die Öffentlichkeit, die Katastrophe des Kriegsausbruchs und vor allem die verzweifelt umkämpfte und dann doch scheiternde Beziehung zu Felice Bauer. Es sind Jahre beispielloser Intensität, das Zentrum von Kafkas Existenz.

Stachs Schilderung ist atmosphärisch dicht und bietet Panoramablicke über Kafkas Welt ebenso wie Nahaufnahmen aus seinem Alltag, wobei auch neueste, bisher unveröffentlichte Forschungsergebnisse aufgenommen werden. Die bildhafte Erzählweise, die den Leser alle Entscheidungssituationen fast filmisch miterleben lässt, setzt neue Maßstäbe in der deutschsprachigen Biographik.

Eine Fülle von Informationen, die einem Kafka und seine Werke von einer ganz anderen Seite zeigen!

— kingofmusic

Lichtblicke sind die Analyse von Kafkas Werken und sein Schreiben. (****)

— Insider2199

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  • Kafka ist eine (Lebens-)Aufgabe

    Kafka

    kingofmusic

    „Kafka war eine Aufgabe, eine Prüfung, […].“ (S. 338) Diesen einleitenden Worten kann und muss (nach meiner Auffassung) jeder, der sich ernsthaft mit Franz Kafka und seinem (literarischen) Vermächtnis beschäftigt, uneingeschränkt zustimmen. Ich muss zugeben, dass ich mich beim Lesen dieses zweiten (respektive ersten) Bandes von Reiner Stach´s Mammut-Biografie über Franz Kafka etwas schwer getan habe – noch schwerer als mit „Die frühen Jahre“ (dem chronologisch ersten, jedoch zuletzt veröffentlichten Band). Warum das so ist, will ich hier (kurz) erläutern *g*: Zum einen liegt es an der regelrecht ausschweifenden Erzählweise von Reiner Stach, die es dem geneigten Leser, der sich z. B. eher nicht für die politischen Verhältnisse in jenen Jahren interessiert (wobei ich mich von diesem Desinteresse ausdrücklich ausschließe!!!), nicht gerade leicht macht „am Ball“ zu bleiben und dazu verführt, in dem ein oder anderen Kapitel „quer“ zu lesen – was an und für sich schade ist, da man so wahrscheinlich die ein oder andere (wichtige) Information über- bzw. gar nicht liest. Zum anderen lag ein Schwerpunkt der Biografie auf dem (sehr schwierigen) Verhältnis zwischen Franz Kafka und Felice Bauer, dessen „Scheitern“ ich bereits lange bevor uns Reiner Stach davon erzählt hat, habe kommen sehen und dessen Verlauf bis auf das kleinste Detail wie eine Orange vor dem Auge des Lesers ausgepresst wurde. Irgendwann hat mich das ewige Hin und Her und „Ja/Nein/Vielleicht“ regelrecht gelangweilt und „aggressiv“ gemacht. Klar, das Verhältnis Kafka/Bauer gehört zu seinem Leben dazu wie die Tatsache, dass Franz Kafka Zeit seines Lebens ein potenzieller Selbstmörder war, aber wenn ich als Leser zum drölfzigsten Mal lese, wie schlecht sich Kafka gegenüber Felice selbst in seinem „Heiratsantrag“ und auch später zeichnet, kann ich irgendwann nur noch müde gähnend vor mich hin lesen, den Kopf schütteln und mit meinen Gedanken dazu einzuschlafen. Auf der anderen Seite (um jetzt zum positiven Teil dieser Rezension zu kommen *g*) glänzt „Die Jahre der Entscheidungen“ wiederum mit (hilfreichen) Hintergrundinformationen über das (literarische) Schaffen von Franz Kafka, welches ich nach der Lektüre dieser Biografie mit anderen Augen lesen und deuten werde. Was nicht bedeutet, dass ich Kafka je in seiner Gänze verstehen werde *g*. Wer das jemals schaffen sollte, hat in meinen Augen den Nobelpreis verdient ha ha ha. Aber zumindest hat der Leser jetzt schwarz auf weiß vor Augen, dass Kafka viel mit Bildern gearbeitet hat und er weiß, welche real existierende Person hinter der ein oder anderen literarischen Figur von Kafka steckt. Und ebenso gibt es wieder spannende Blicke in die (deutschsprachige) Literaturszene, die jüdische Kultur, das kulturelle Leben im Allgemeinen sowie erhellende Hintergründe zum Ausbruch des 1. Weltkrieges. Vermengt mit einigen lustigen Anekdoten aus dem Leben Franz Kafkas und den neu gewonnenen Erkenntnissen über ihn, bleibt am Schluss ein alles in Allem gutklassiger zweiter Teil, der es schafft, die Neugier auf den dritten Band aufrecht zu erhalten bzw. zu verstärken.

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  • Lichtblicke sind die Analyse von Kafkas Werken und sein Schreiben.

    Kafka

    Insider2199

    06. September 2016 um 19:45

    Lichtblicke sind die Analyse von Kafkas Werken und sein Schreiben. Der in 1951 in Rochlitz (Sachsen) geborene Autor arbeitete nach dem Studium der Philosophie, Literaturwissenschaft und Mathematik zunächst als Wissenschaftslektor und Herausgeber von Sachbüchern, bevor 1987 seine Monografie „Kafkas erotischer Mythos“ erschien. Nach „Kafka: Die frühen Jahre“ ist dies der zweite Band der Trilogie, der jedoch als Erstes erschien. Zum Inhalt: 1910 bis 1915: Die Biografie umfasst nur 5 Jahre im Leben von Franz Kafka (1883-1924) – es sind die Jahre der verzweifelt umkämpften Beziehung zu Felice Bauer, die Katastrophe des Kriegsausbruchs, die ihn daran hindert, sich endlich vom Elternhaus zu lösen und vor allem eine ungebremste Schaffenskraft: in kürzester Frist entstehen ‚Das Urteil', ‚Die Verwandlung', ‚Der Verschollene' und ‚Der Process'; die Weichen in Kafkas Leben werden gestellt. Meine Meinung: Der Haupt-Kritikpunkt, den ich beim ersten Band dargelegt habe, gilt auch hier: für meinen Geschmack zu ausschweifend, sprich zu viel „Drumherum“ statt nur bei der Person Kafka zu bleiben. Mir ist bewusst, dass gerade dieser Aspekt vielen gefallen wird, aber ich gehöre leider nicht dazu. Für mich war das Lesen an vielen Stellen erneut sehr zäh und anstrengend, nicht zuletzt auch wieder wegen der sehr komplizierten Ausdrucksweise des Autors. Hier eine Kostprobe inkl. des Lieblingswortes des Autors „hermeneutisch“: „Selbst wenn man in Rechnung stellt, dass hier offenbar so etwas wie Gegenübertragung stattfindet und man allzu leicht in die hermeneutisch zweifelhafte Position verfällt, Kafka an dessen eigenen puristischen Maßstäben zu messen: Es bleibt eine Unschärfe, ein Flimmern an den Rändern des Faktischen, das seine Ursache keineswegs allein im Auge des Betrachters hat. Es ist, als kristallisierten sich um den zerrissenen, ambivalenten Charakter Kafkas fortwährend ambivalente Ereignisse von objektiver Unauflösbarkeit. Die ›Selbstmord‹-Episode vom Oktober 1912 bietet für dieses Phänomen eines der eindrucksvollsten Beispiele.“ Sprachlich ist der Roman also höchst anspruchsvoll (was ich eigentlich mag, aber nicht wenn es gleichbedeutend mit „anstrengend“ ist), und das Buch erforderte somit viel Konzentration, was mich auf Dauer eher ermüdete als mit Lesegenuss erfüllte. Und dennoch fand ich diesen Band besser als den Ersten, einfach deswegen, weil hier der Fokus mehr auf den literarischen Werken Kafkas liegt und seine Art zu Schreiben sehr anschaulich beschrieben wird. Selbst wenn man wie ich nicht alle Werke von Kafka gelesen hat, findet man sicher Kafkas Herangehensweise und v.a. die Vermischung seines inneren und äußeren Lebens äußerst lesenswert. „Andererseits aber waren seine Texte ›Intimitäten‹, sie wurzelten im psychisch Innersten, spiegelten Erfahrungen wider, die er nicht in Briefen, nicht im Gespräch, ja vielleicht nicht einmal im Selbstgespräch mit ebensolcher Konsequenz und Radikalität hätte formulieren können. Die Form war nach außen gewandt, der Stoff nach innen. Im Grunde war es ein und dieselbe Hemmung, die ihm das Absenden eines Heiratsantrags ebenso schwer machte wie das Feilbieten einer literarischen Schöpfung: Ihm war, als trete er vor eine Versammlung fremder Menschen, um dort, nach formvollendeter Verbeugung, seine Träume zu offenbaren. Was wir heute als seine spezifische Leistung wahrnehmen – die erschütternde wechselseitige Durchdringung von Intimität und strengster Form –, war für Kafka ein Kraftakt, vor dem er selbst erliegen musste: Das Erlebte und das Erdachte stürzten ineinander, verschmolzen tagträumerisch, zersetzten das Realitätsprinzip, trafen sich in einem einzigen Punkt des Schreckens.“ Fazit: Zu ausschweifend und kompliziert, aber Lichtblicke gab es für mich immer dann, wenn es um Kafkas Werke und sein Schreiben ging. Somit ist die Biografie für mich durchwachsen, manchen Stellen würde ich nur 2-3 Sterne geben, den Lichtblicken 5 Sternen! Insgesamt war dieser Band für mich besser, da es mehr um den Schriftsteller ging, somit bleiben am Ende 4 Sterne übrig.

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  • Leserunde zu "Kafka" von Reiner Stach

    Kafka

    kingofmusic

    Hallo ihr lieben,

    auf geht´s in die zweite Runde der Kafka-Biografie von Reiner Stach die da heißt "Die Jahre der Entscheidungen" :-)

    Ich freue mich auf eine weitere, von konstruktiven und netten Beiträgen geprägte Leserunde. Und wer uns wieder still und heimlich folgen mag, darf das gerne tun *lol*

    Also: auf geht´s!

    • 301

    Insider2199

    03. September 2016 um 00:14
    Beitrag einblenden
    Kopf-Kino schreibt Na, du hast ja am Schluss ordentlich einen Zahn zulegt, nicht schlecht! Bin bereits sehr gespannt auf deine Rezension. :)

    habe schon 3 Tage dafür gebraucht, konnte mich bloß zu den Beiträgen nicht aufraffen LOL, weil die mir immer so schwer fallen, weiß nie, was ich dazu sagen soll. :-)

  • Who the fuck was Kafka?

    Kafka

    Kopf-Kino

    29. August 2016 um 21:19

    »Ich werde das Tagebuch nicht mehr verlassen. Hier muss ich mich festhalten, denn nur hier kann ich es.« Wer oder was war eigentlich Franz Kafka? Ein an seinen eigenen Maßstäben Gescheiterter? Der ewige Junggeselle, der sich nachtein, nachtaus mit dem ungeschriebenen Wort duellierte? Oder war er doch der Verschollene seiner Selbst, der eines Morgens als Käfer erwachte und seine Schuld in der Strafkolonie suchte? Was veranlasst einen Menschen, seine Protagonisten innerhalb drei Romanfragmente und diversen Erzählungen durch labyrinthartige und unüberschaubare Albträume stolpern zu lassen? Viele, deren Kafkas beklemmende (und dennoch stellenweise humorvolle) Werke bekannt sind, werden sich diese oder ähnliche Fragen gestellt haben - ich eingeschlossen. Mit 'Kafka – Die Jahre der Entscheidungen' bietet Reiner Stach tiefe Einblicke in Kafkas Leben und rekonstruiert fünf Jahre (1910-1915) auf 600 Seiten. Das Buch stellt den zweiten Teil der dreibändigen Kafka-Biographie dar. »Alles gibt mir gleich zu denken«, schrieb er einmal. Das Leben aber musste er erst übersetzen. Der Umfang lässt bereits (zu Recht!) erahnen: Stachs Buch bietet keinen reinen Panoramablick auf Kafkas Leben, sondern nähert sich dem Autor – hier konzentriert auf „lediglich“ fünf Lebensjahre - mikroskopisch und bietet sowohl den großen als auch den kleinen Ereignissen genügend Raum, um in die Tiefe gehen zu können. Hierfür zitiert Stach umfassend aus Tagebucheinträgen, Briefen und etlichen anderen Quellen. Besonders der Briefwechsel mit Felice Bauer, mit der Kafka jahrelang eine Beziehung führte, steht hierbei im Fokus. Entgegen der weitverbreiteten Auffassung, Kafka habe seine Verlobte „wie ein Vampir ausgesaugt“, rückt Stach diese Partnerschaft in ein gänzlich neues Licht. Denn wenn das geschriebene Wort »Ich« ist, dann ist die Missachtung des Wortes durch die liebste Leserin eine Art Todesurteil, das gänzliche Ausbleiben des Wortes aber gleichbedeutend mit dem Tod selbst. Des Weiteren fokussiert der Biographieband Kafkas erste schriftstellerische Schritte in die Öffentlichkeit und somit seiner Werke, die während des gewählten Zeitraums entstanden: 'Das Urteil', 'Die Verwandlung', 'Der Verschollene', 'Der Process', 'Das Schloss' und weitere Erzählungen. Hierbei verzichtet Stach beinahe gänzlich auf literaturwissenschaftliche Textanalysen, sondern widmet sich eher der Entstehung von Kafkas schöpferischen Schaffenskraft; sprachliche und autographisch-bezogene Eigenheiten erklärt Stach nachvollziehbar und gut zugänglich. Somit rate ich dazu, das eine oder andere Werk vorab gelesen zu haben, da man ansonsten gespoilert werden könnte. Denn Kafka schläft niemals. Ihm unterlaufen keine Phrasen, keine semantischen Unreinheiten, keine schwachen Metaphern – auch dann nicht, wenn er im Sand liegt und Ansichtskarten schreibt. Seine Sprache >fließt< nicht aus sich selbst, noch tritt sie jemals über die Ufer; sie wird beherrscht, wie ein glühendes Skalpell, das durch Stein dringt. Kafka übersieht nichts, vergisst nichts. Während des Lesens hatte ich oftmals das Gefühl, Stach sei der auktorialer Erzähler und Kafka der Protagonist des eigenen Lebens, da die Erzählweise sehr lebendig und bildreich ist. Die Grenzen zwischen Biographie und einem biographischen Roman nahm ich hier sehr fließend wahr. Sobald sich weiße Lücken auftun, füllte Stach diese jedoch nicht, sondern lässt sie im Raum stehen, was ich sehr ehrlich und somit angenehm fand. Wer treffende Formulierungen und gute Bilder zu schätzen weiß, kommt hier ebenfalls auf seine Kosten; so umschreibt Stach bspw. einen Brief als „nach Tinte schmeckende Träume“. Der Schreibstil ist mitunter sehr detailliert und manchmal etwas ausschweifend. Historische Ereignisse, wie bspw. der erste Weltkrieg, die Frage nach der jüdischen Identität und Kafkas Umfeld werden ausführlich beleuchtet und ebenfalls in Bezug auf Kafka gestellt. Bezüglich ersteres erfährt man – wie nebenbei – vieles über das damalige Leben allgemein. Oder wusstet ihr, dass man die Reclam-Hefte früher an einem Automaten erwerben konnte? »[…] in die Zukunft gehen kann ich nicht, in die Zukunft stürzen, in die Zukunft mich zu wälzen, in die Zukunft stolpern das kann ich und am besten kann ich liegen bleiben.« Manchmal hatte ich jedoch das Gefühl, dass Stach sich selbst gerne reden hört (die 10-seitige Einleitung singt davon ein Lied...); der eine oder andere Satz wirkte auf mich aufgrund der umständlichen Formulierung arg konstruiert. Summa summarum fand ich den Schreibstil gut leserlich und mitunter angenehm anspruchsvoll. Vereinzelt Wörter, wie bspw. „feedback“, konnten mir hingegen gar nicht schmecken. Warum sich Stach gegen das Wort 'Rückmeldung' oder 'Resonanz' entschied, ist mir schleierhaft. Ich empfand die eingestreute englische Wortwahl als störend, aber das ist gewiss Geschmackssache. Dass Stach die Person Kafka nicht mystifiziert, sondern als Prager Versicherungsbeamten, der ein kräftezehrendes Doppelleben zwischen Literatur, Beruf, Familie und Liebe führte, darstellt, macht die Biographie - meiner Meinung nach - sehr gelungen. Wenn Stach beschreibt, unter welchen Umständen Kafka das tat, was er tun musste (schreiben und zweifeln - er konnte nicht anders) und gleichzeitig Angst davor hatte, den Verstand zu verlieren, schafft Stach sehr berührende Momente. Ein paar Seiten weiter schildert Stach, wie Kafka bei seiner Lesung zu 'Der Process' in lautes Lachen ausbrach. Wenn es Stachs Ziel war, Kafka als eine allzu menschliche Person wahrzunehmen, die Freude, Liebe, Wut und Angst empfand und - wie jeder von uns - ihre Licht- und Schattenseiten hatte, dann ist ihm dies wunderbar gelungen. »Ich werde Ihnen«, sagte Kafka, »immer viel dankbarer sein für die Rücksendung meiner Manuskripte als für deren Veröffentlichung.« Abschließend möchte ich noch schreiben, dass ich den ungewöhnlichen Herrn aus Prag noch nicht gänzlich greifen kann – ein Hauch von Mysterium kleidet ihn zugegebenermaßen ganz gut -, aber nach Beendigung der gesamten Biographie werde ich wohl öfters 'Franz' anstatt 'Kafka' sagen. Obgleich ich zwei kleine Kritikpunkte nannte, werde ich dem Buch dennoch die volle Punktzahl geben, da ich bangte, den Kopf schüttelte, lachte und es am liebsten nicht mehr beiseite gelegt hätte. Selten las ich eine solch ausführliche Biographie. Chapeau, Herr Stach, die 18 Jahre Arbeit haben sich gelohnt! Eine Empfehlung für jeden, der in Kafkas Kosmos abtauchen möchte. »Mehrmals in der Nacht trug ich mein Gewicht auf dem Rücken.«

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  • Rezension zu "Kafka" von Reiner Stach

    Kafka

    Kaivai

    22. March 2007 um 20:47

    " ' Wie gehts?' ' Danke,man lebt.' Leben ist ein Zustand,keine Tätigkeit.Ob man ein Leben hatte erweist sich am Ende."- "Ein Leben?Legt man die Maßstäbe der hedonistischen westlichen Gesellschaften des 21. Jahrhunderts an Kafkas physisches Dasein,so ist das Ergebnis wahrhaft niederschmetternd." Zwei Zitate aus der Einführung zu Reiner Stachs KafkaBiografie.Fünf Jahre aus diesem öden,beschränkten Leben schildert der Autor über 600 Seiten.1910 ist Kafka 27 Jahre alt,Büroangestellter,bei seinen kleinbürgerlichen Eltern lebend,ledig.Schreiben ist sein Lebenselexier.Im Schreiben 'sah er den eigentlichen Fokus seiner Existenz,Schreiben beruhigte und stabilisierte ihn,gelungenes Schreiben machte ihn glücklich und selbstbewußt'.Aber als gelungen empfand er sein Schreiben selten.13.8.1912: Felice Bauer tritt in sein Leben.Auf Seite 95 der Biografie.Ich,als Leser,tauch nun in Kafkas Kosmos,mit wachsendem Unverständnis folge ich den Windungen seines Gehirns,wenn er mit seinen stürmischen Briefen und seinem Zweifel,der heftig aufflammt,wieder und wieder,und seiner Lähmung die ihn befällt,wenn sie da ist, sein eigenes Herz erstickt.Ich bin erschüttert,wie schwer ein Mensch es sich in der Liebe machen kann.Es ist nur schwer zu ertragen,das zu lesen,doch zugleich fesselt es mich dort,wo es wehtut und ich bin Kafka verfallen.Vielleicht gibt es in der Seele einen K-Punkt und wer diesen Punkt mal spüren will,der sollte diese wundervolle Biografie lesen.Von allen Biografien die ich gelesen hab,ist es meine liebste.

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