Kafka

von Reiner Stach 
4,7 Sterne bei13 Bewertungen
Kafka
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*schnief* Es ist aus und vorbei...Nichts desto trotz großartiger Abschlussband der intensivsten Biografie, die ich bisher gelesen habe!!!

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Inhaltsangabe zu "Kafka"

Die groß angelegte Kafka-Biographie von Reiner Stach übt eine sogartige Wirkung aus. Vor allem die szenische Vergegenwärtigung, die bisweilen an die Erzählformen des Films erinnert, führt sehr nahe an Kafkas private Existenz und eröffnet zugleich das Panorama seiner Zeit.

Dieser hoch gelobte Band behandelt die Jahre von 1916 bis zu Kafkas Tod 1924 — eine Zeit, in der Kafkas vertraute Welt unterging, politisch ebenso wie physisch. Er war nun deutscher Jude mit tschechischem Pass, und er litt an einer Krankheit, welche die seit Jahren erträumte literarische Existenz unmöglich machte. Beides steigerte seine Hellsicht: Für Kafka wurden es die Jahre der Erkenntnis.

Buchdetails

Aktuelle Ausgabe
ISBN:9783596183203
Sprache:Deutsch
Ausgabe:Flexibler Einband
Umfang:736 Seiten
Verlag:FISCHER Taschenbuch
Erscheinungsdatum:09.12.2010
Teil 2 der Reihe "Kafka"

Rezensionen und Bewertungen

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    kingofmusics avatar
    kingofmusicvor einem Jahr
    Kurzmeinung: *schnief* Es ist aus und vorbei...Nichts desto trotz großartiger Abschlussband der intensivsten Biografie, die ich bisher gelesen habe!!!
    Kafka ist tot - lang lebe Kafka!!!

    Schluss. Aus. Ende. „Ruhe in Frieden!“ Das waren meine ersten Gedanken, als ich letzte Nacht den (chronologisch) dritten Band von Reiner Stachs monumentaler Kafka-Biografie zugeklappt habe und mir bewusst wurde, dass ein Kapitel in meinem (Lebens-)Buch zu Ende ist (nämlich die umfangreichste Biografie zu einem meiner wichtigsten Autoren gelesen zu haben) und ein neues begonnen hat: mit all dem Hintergrundwissen, dass Reiner Stach uns mitgeliefert hat, alles nur verfügbare Material von, über und mit Franz Kafka zu lesen und immer wieder nachzuschlagen, in welchen (Lebens-)Phasen einzelne Werke entstanden sind, die metaphorischen Hintergründe zu erkunden und ihn „zu meinem“ Kafka zu machen. Jeder der sich mit Kafka beschäftigt, wird einen anderen Kafka „in sich“ entdecken, ihn anders wahrnehmen, ihn (weiterhin) als merkwürdigen und nicht weiter beachtenswerten Spinner abtun, der zu Unrecht wie ein Heiliger behandelt wird oder (wie in meinem Fall) die Leidenschaft für Kafka vertiefen, alles in sich aufsaugen, was verfügbar ist und so Stück für Stück einem großen Literaten (noch) näher zu kommen. Auch wenn mir bewusst ist, dass es ein unmögliches Ding ist, Kafka jemals komplett zu verstehen.

    In „Die Jahre der Erkenntnis“ begleiten wir Franz Kafka durch die Jahre 1916 bis zu seinem viel zu frühen Tod 1924. Wir erleben Kafka, wie er immer wieder versucht, Beziehungen zu Frauen aufzubauen (die intensivste und glücklichste ist die mit Dora Diamant, mit der er bis zu seinem Tod zusammen ist), wie er sich auf der einen Seite als Schriftsteller entwickelt, auf der anderen Seite jedoch auch als solcher stagniert und sich stur und starr gegen die eigene (zweifellos) vorhandene Genialität stellt.
    Wir begleiten die Umstände, die zum Roman „Der Schloss“ führten, lernen ihn und seine veränderte (religiöse) Sichtweise und Einstellung kennen, die sich zum Teil auch in seinem literarischen Oeuvre widerspiegelt (z. B. in den Aphorismen, die er bei seiner Schwester Ottla auf dem Land in Zürau geschrieben hat) und der Leser erkennt, dass Kafka nichts „offen“ beschreibt, sondern nur mit (für Außenstehende) schwer zu verstehenden Metaphern und stets wiederkehrenden Bildmotiven (so durchzieht beispielsweise eine Tür einen Großteil seiner Texte) arbeitet. Wenn Kafka schreibt bzw. geschrieben hat, dann stets mit dem klaren Gedanken daran, nichts Offensichtliches zu kreieren *g*.

    Neben der schriftstellerischen Arbeit von Kafka erhalten wir dank Reiner Stach aber auch zahlreiches und (mal mehr, mal weniger) hilfreiches Hintergrundwissen über die Zustände in Prag, Berlin und Wien während und nach dem 1. Weltkrieg, über die zunehmende Judenfeindlichkeit und auch das deutsche Buchhandels- und Verlagswesen wird wieder ausführlich in den Kontext gestellt. Das ist einer der großen Pluspunkte dieser Monumental-Biografie, dass Reiner Stach eben nicht nur das Leben der Person Kafka betrachtet, sondern dem Leser das „Rundum-Sorglos“-Paket präsentiert – auch wenn es manchmal etwas arg „schwafelig“ und der ein oder andere Absatz somit auch langweilig wird. Aber da sei jetzt großzügig drüber hinweggeschaut :-).

    Zum Leben und Leiden Kafkas gehört aber auch die Beschäftigung mit seiner Lungentuberkulose und auch hier belässt es Reiner Stach nicht nur bei den nüchternen Fakten, sondern bringt einem die Krankheit und den Umgang Kafkas mit der selbigen einfühlsam näher. Kafka begegnet der Tuberkulose teilweise mit Galgenhumor, lehnt zunächst auch alle (oder viele) gut gemeinten Ratschläge ab, etwas dagegen zu tun, muss aber doch irgendwann anerkennen, dass sie seinen Körper „auffrisst“ und ihn schwächt und dürfte mit nur Mitte 30 zu den jüngsten Pensionären aller Zeiten gehören. Trotzdem schreibt er kurz vor seinem Tod mit „Josefine, die Sängerin oder Das Volk der Mäuse“ einen seiner (für mich) schönsten Texte.

    Tja, was bleibt mir jetzt, nach monatelanger Lektüre von „Die Jahre der Erkenntnis“ als Schlusswort für diese Rezension? Eigentlich nur mein Dank an Reiner Stach für die fulminante Arbeit an und mit dieser Biografie und der Erkenntnis, dass ich Franz Kafka ein ganzes Stück nähergekommen bin, auch wenn es wahrscheinlich eines weiteren (parallelen) Lebens bedarf, um auch die letzte (richtige) Erkenntnis über ihn zu erlangen. Danke auch an Max Brod, dass er den letzten Willen von Kafka nicht erfüllt hat, alles von, über und mit ihm zu vernichten!

    Kommentare: 5
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    Kaivais avatar
    Kaivaivor 10 Jahren
    Rezension zu "Kafka" von Reiner Stach

    "Am Abend des 13.Juli, eine Woche nach seiner Ankunft, ging Kafka hinüber, in der Tasche das Gebetbuch. Durch ein Fenster im Erdgeschoss blickte er in die Küche, in der eine junge Frau beschäftigt war, eine Frau mit halblangem, dichtem lockigen Haar, runden Wangen und vollen Lippen. In der Hand hielt sie ein Messer, mit dem sie Fische abschuppte für das große Mahl. Kafka zögerte bei diesem Anblick.Erst als sie aufschaute, trat er ein. >So zarte Händeund sie müssen so blutige Arbeit verrichten.<" Es war der 13.7.1923. Kafka hatte noch 11 Monate zu leben. Natürlich wußte er das nicht, als er die Frau traf, die seine letzte Liebe werden sollte. Dora Diamant war 25, Kafka war 40. Im September zog er nach Berlin, in eine eigene Wohnung, ganz nah bei Dora, die immer zu ihm kam. Das war ein kleiner Schritt für einen Menschen, doch ein Riesenschritt für einen Franz Kafka (dieser Spruch paßt heut gut, am Jahrestag der Mondlandung). Bei Felice Bauer traute er sich diesen Schritt nicht. Die war auch in Berlin und hat auf ihn gewartet. Reiner Stachs Buch "Kafka. Die Jahre der Entscheidungen" handelt zentral von seiner Liebe zu ihr. Mit Felice war Kafka verlobt, doch weder er noch sie schafften es, sich wirklich zu fassen, anzufassen und ihre Leidenschaft sinnlich zu (be)greifen. Bei Dora gelingt ihm dies. Weil er krank ist. Weil seine Angst vor der Liebe verschwindet, im Angesicht seiner Todesangst. Und weil Dora ihn wirklich packt. Und sich nicht irritieren läßt. Sie bleibt ganz nah bei ihm, bis er stirbt.
    Reiner Stach beschreibt Kafka deutlich als einen Mann, dem die Liebe über alles geht. Das Schreiben hilft ihm das Lieben zu ertragen. In dem Punkt ist Kafka der schreibende Zwilling van Goghs. Es ist bestimmt kein Zufall, daß diese beiden Menschen, die aus der Not der Liebe ihre Kunst geschaffen haben, heute als die größten Seelen in ihrem Metier gelten. Es ist ganz paradox und wird in den zwei Kafka-Biografien, die Reiner Stach geschrieben hat, offensichtlich. Was Kafka geschrieben hat, ist einzigartig, eine Singularität und der Begriff "kafkaesk" trifft seine Ausnahmestellung. Doch in seinem eigenen Leben ist sein Lieben viel bedeutender als sein Schreiben. Das hat auch damit zu tun, daß sein Genie so lange nur von wenigen erkannt wurde. Was wohl auch gut war: denn was wäre aus Kafkas Kunst geworden, wenn sie, so wie heutzutage üblich medial breitgetreten worden wäre?
    Reiner Stach schafft es in diesem Buch, wie auch schon im letzten, Intimität zu erzeugen. Genau das ist auch Kafkas Botschaft. Intimität verbindet sowohl Liebe als auch Kunst mit Seele und erst durch diese Verbindung wird das persönliche zum allgemeinen.

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    melvils avatar
    melvilvor 3 Jahren
    Ein LovelyBooks-Nutzervor 5 Jahren
    Ein LovelyBooks-Nutzervor 6 Jahren
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    LordGoringvor 6 Jahren
    P
    parolesvor 7 Jahren
    Ein LovelyBooks-Nutzervor 8 Jahren
    the_clones avatar
    the_clonevor 8 Jahren

    Gespräche aus der Community zum Buch

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    kingofmusics avatar

    Hallo ihr Freunde des gepflegten Wortwahnsinns *g*.

    Es ist mal wieder so weit: die dritte und alles entscheidende Leserunde von Reiner Stachs monumentaler Franz Kafka-Biografie steht an.

    Achtung: jeder liest mit seinem eigenen Exemplar mit - es gibt kein Buch zu gewinnen :-).

    Diesmal widmen wir uns dem Zeitraum 1916-1924, Kafka´s in dieser Zeit entstandenen literarischen Output und seinem viel zu frühen Tod. Was hätte noch entstehen können, wenn er länger gelebt hätte? Ich mag es mir gar nicht vorstellen.

    So bleibt uns nur, uns dem (unweigerlichen) Ende zu nähern, an das literarisch Gute zu glauben und ich wünsche uns eine (ebenso wie es die beiden vorangegangenen Leserunden waren!!! An dieser Stelle noch ein großes DANKE an meine (bisherigen) Mitleserinnen - ihr seid GROSSARTIG!!!) schöne (Lese-)Zeit mit vielen anregenden Gedanken, tollen Diskussionen und viel Spaß!!! Und allen "Neumitlesern und Followern" natürlich ein "Welcome" und genauso viel Spaß!!!

    Der King

    kingofmusics avatar
    Letzter Beitrag von  kingofmusicvor einem Jahr
    Ich leg euch hier mal ein Link hin zu Veranstaltungen des Literarischen Vereins Minden: http://www.literarischer-verein-minden.de/literarischer_verein_minden_veranstaltungen.html Ich werde wohl zumindest versuchen zu der Lesung am 4. Oktober zu fahren, da Minden von uns aus nur etwa ´ne halbe Stunde entfernt ist.
    Zur Leserunde

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