Reinhard Jirgl Nichts von euch auf Erden

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Inhaltsangabe zu „Nichts von euch auf Erden“ von Reinhard Jirgl

Im 23. Jahrhundert ist die Erde für die Raubgier der Märkte und Mächte zu klein geworden. So beginnt die Auswanderung der Starken auf Mond und Mars; auf Erden zurück bleibt nur die alte, schwache Menschheit. Schon zwei Jahrhunderte später erweist sich der Mars als so lebensfeindlich, dass die neuen Menschen zurückkehren und brutal die Macht auf der nun friedlichen Erde an sich reißen. Was wie eine düstere Science-Fiction-Vision klingt, ist ein grandioser Roman über die uralte Frage von Emigration und Heimkehr. Reinhard Jirgl, einer der wichtigsten Autoren der Gegenwartsliteratur in Deutschland, erzählt in unvergesslichen Bildern von Gier und Gewalt, Unterdrückung und Krieg, Leben und Tod.

Die Menschen sind schlecht. Und wir werden alle sterben. Gewaltiges Werk. Ein ganzes Stück Arbeit. Und eine ganz andere Leseerfahrung.

— Phliege

Eine Wucht!

— Tree_Trunks

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  • Artifiziell, düster aber auch irgendwie fesselnd

    Nichts von euch auf Erden

    Phliege

    13. December 2014 um 12:34

    "Mensch wäre aber nicht-Mensch wüßt er sich nicht immer zu trösten." Gott sei dank, sonst wüsste ich auch gar nicht, wie ich dieses Buch verarbeiten sollte. Ein junger Erdbewohner mit unmerkbarem Namen, der auch noch absolut unwichtig ist, gehört der antriebslosen Menschheit an, deren höchstes Ziel die allmähliche Auslöschung der eigenen Rasse ist. Eine Gesellschaft ohne Kinder, ohne Körperkontakt und ohne Fragen. Der junge "Held" muss erleben, wie die vor hunderten Jahren geflüchteten Marsianer zurückkehren, seine Heimat zerstören und das Ziel der Auslöschung wieder umkehren. Als ihm dann die Möglichkeit geboten wird, flieht er seine zerstörte Heimat und macht sich auf den Weg zum Mars. Doch die Handlung ist eigentlich unwichtig. Der Leser befindet sich einfach an einem Schauplatz unfassbarer Grausamkeiten. "Kotzen=vor-Ekel gewöhnt man sich ohnehin !schnell ab in 1 Welt wo Alles=Ekel ist." Und in der von Jirgl gezeichneten Welt gewöhnt sich der Mensch auch wirklich an alles. Auch an ein Regime, unter dem Deportationen und Kannibalismus auf der Tagesordnung stehen. Der Mensch bleibt dabei folgsam, solange es ihm persönlich gut geht. Fragen werden nicht gestellt. Weder auf dem Mars noch auf der Erde. Und diese Grausamkeit ist auch das Einzige, was bewegt. Und das dann auch gleich heftig. Gegen diese Horrorszenarien ist man schlecht gefeit. Dagegen gibt es überhaupt keine emotionalen Bindungen zu den Charakteren. Sie sind beliebig und nur mittel zum Zweck. Der Schreibstil ist stark verdichtet, Rechtschreibung und Interpunktion unkonventionell und eigen umgesetzt, sodass der Leser stark in Anspruch genommen wird. So überzogen wie der Schreibstil auch zunächst anmuten mag, so schnell passt man sich ihm an und liest ihn tatsächlich dann wie jeden anderen. Künstliche Komplexierung des Gesagten trifft so auf rein intuitive Interpretation. In "Nichts von euch auf Erden" beantwortet Jirgl die Frage, wie es mit der Zukunft der Menschheit aussieht, eindeutig. Wir werden alle sterben. Es gibt in diesem Buch kein Alternativszenario. Die scheinbar friedlichen Erdbewohner leben in einem ähnlichen Schreckensregime wie die Marsianer. Nur wissen sie nichts davon, weil sie nie fragen. Das Buch ist ein höchst artifizielles und vor allem deprimierendes Werk. Wer sich entschließt, es zu lesen, hat ein ganzes Stück Arbeit vor sich. Man darf aber auch die akribische Recherche-Arbeit des Autors erleben, der an technischen Details in alter Jules-Verne-Manier nicht spart. Da das Buch aber nur Probleme zeigt und keine Lösung, hoffe ich ein bisschen, dass der Jirgl seine Einkäufe in Plastiktüten nach Hause trägt. "Denn Mensch wäre nicht-Mensch wüßt er sich nicht immer zu trösten."

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  • Wir werden alle sterben!

    Nichts von euch auf Erden

    Tree_Trunks

    07. September 2014 um 23:39

    In Reinhard Jirgls “Nichts von euch auf Erden” kehren die Menschen, die seit mehreren Generationen auf dem Mars leben zurück auf die Erde, denn das Terra-Forming Projekt muss nachgebessert werden. In ihrer Abwesenheit hat sich die Gesellschaft der Menschen jedoch stark  verändert. Die Ländergemeinschaften sind isoliert voneinander, jegliche Art von Konflikt ist beigelegt, die menschliche Natur ist durch einen Eingriff in das Erbgut völlig frei von Aggressionen, sexuellen Bedürfnissen und der Notwendigkeit von emotionalen Bindungen. Die Marsmenschen sind hingegen den heutigen Menschen in Sprache, Denkweisen und Temperament ähnlich geblieben. Sie reißen die Macht auf der Erde an sich, “korrigieren” das veränderte Erbgut der schlaffen Erdenmenschen und verpflichten Zwangsarbeiter. Jirgl erzählt sehr verdichtet, lyrisch und technisch vom großen Universum, in dessen Maßstab von Zeit und Raum der Mensch nur eine kleine Anomalie ist. Schafft es der Mensch, den Mars zu kolonisieren? Was passiert mit den Menschen auf der Erde? Jirgl beantwortet diese Fragen fast schon wissenschaftlich. Basierend auf heutigen Prognosen und Technologien extrapoliert er ein Zukunftsszenario, das teilweise denkbar aber nicht sehr reizvoll ist. Der Grundtenor ist ein alter Bekannter: Der Mensch richtet sich selbst zugrunde. Und: Geschichte wiederholt sich. Sein Hauptheld fügt sich in sein wechselhaftes Schicksal und steuert unaufhaltsam mit dem Rest der Menschheit auf die große Katastrophe zu. Dabei seziert Jirgl mit seiner verdichteten Sprache und seiner eigenwilligen Interpunktion unsere Kultur und Denkmuster. Jirgls Stil und Sprachgewalt überfordern den Leser auf angenehm anregende Weise. Entstanden durch einen unwiederholbaren Zufall, hinterlässt der Mensch eine Schneise der Zerstörung hinter sich und verschwindet schließlich von der Bildfläche.

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  • Deutscher Buchpreis 2013 - DIE SHORTLIST steht fest!

    sarah_elise

    Am 7. Oktober 2013 wird der Deutsche Buchpreis im Rahmen einer Gala zum Auftakt der Frankfurter Buchmesse verliehen. Die 5 Bücher umfassende Shortlist für den Preis der Stiftung des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels, der mit 25.000 Euro dotiert ist, wird am 11. September bekannt gegeben.  Doch nun zu den 20 Kandidaten auf der Longlist, die in dieser Woche bekannt gegeben wurde, und die alljährliche Frage: Habt ihr einen Favoriten? Und welche der Bücher habt ihr gelesen? Wen vermisst ihr auf der Liste und welche Neuerscheinungen zwischen Oktober 2012 und September 2013 sind auf eurer ganz persönlichen Longlist für den deutschen Buchpreis? • Mirko Bonné: Nie mehr Nacht (Schöffling & Co., August 2013) • Ralph Dutli: Soutines letzte Fahrt (Wallstein, März 2013)  • Thomas Glavinic: Das größere Wunder (Hanser, August 2013)  • Norbert Gstrein: Eine Ahnung vom Anfang (Hanser, Mai 2013)  • Reinhard Jirgl: Nichts von euch auf Erden (Hanser, Februar 2013)  • Daniel Kehlmann: F (Rowohlt, September 2013)  • Judith Kuckart: Wünsche (DuMont, März 2013)  • Olaf Kühl: Der wahre Sohn (Rowohlt.Berlin, September 2013)  • Dagmar Leupold: Unter der Hand (Jung und Jung, Juli 2013)  • Jonas Lüscher: Frühling der Barbaren (C. H. Beck, Januar 2013)  • Clemens Meyer: Im Stein (S. Fischer, August 2013)  • Joachim Meyerhoff: Wann wird es endlich wieder so, wie es nie war (Kiepenheuer & Witsch, Februar 2013)  • Terézia Mora: Das Ungeheuer (Luchterhand, September 2013)  • Marion Poschmann: Die Sonnenposition (Suhrkamp, August 2013)  • Thomas Stangl: Regeln des Tanzes (Droschl, September 2013)  • Jens Steiner: Carambole (Dörlemann, August 2013)  • Uwe Timm: Vogelweide (Kiepenheuer & Witsch, August 2013)  • Nellja Veremej: Berlin liegt im Osten (Jung und Jung, Februar 2013)  • Urs Widmer: Reise an den Rand des Universums (Diogenes, August 2013)  • Monika Zeiner: Die Ordnung der Sterne über Como (Blumenbar, März 2013) 

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  • Zerstörung und ihre Folgen

    Nichts von euch auf Erden

    michael_lehmann-pape

    03. May 2013 um 14:40

      Auf der einen Seite verlegt Reinhard Jirgl die Handlung seines Romans in eine (noch) entfernte Zukunft, auf der andern Seite aber sind es aber durchaus aktuelle Themen des „gesellschaftlichen Seins“ (Gier, Lethargie der Masse, Experimente am Genmaterial, Aggressivität dem „Fremden“ gegenüber), welche Jirgl pointiert und logisch weiter entwickelt vorlegt, anderseits bereits mehrfach geschehene historische Prozesse (die britannische „Auslagerung“ unerwünschter Elemente nach Australien, der Exodus ganzer Volksgruppen nach Amerika in der Kolonialzeit), die sich wie eine Blaupause durch den Roman ziehen.   Energiemangel, Ressourcenerschöpfung, kapitalistische Gier, all dies führte, eigentlich wie gewohnt bei der Gattung Mensch, zum Einsatz von Truppen, zum Krieg aus Hunger, zur Zerstörung an der Wende vom 21. zum 22. Jahrhundert der Zeitrechnung im Buch (wobei „21. Jh.“ die Jahre ab 2100 bezeichnet usw.).   „Mensch aber wäre nicht-Mensch wüßt er sich nicht immer zu trösten“.   Von der Erde hinweg wird die Lösung der Probleme gesucht, zunächst Kolonien auf dem Mond eingerichtet, später dann Expeditionen und Auswanderung zum Mars gestartet.   Die Erde selbst verbleibt „in Stille“. Und das mit Grund. Gen-Experimente auf dem Mond, das „Detumeszenz Gen-Umgestaltungsprogramm“ feiert einen Durchbruch, Aggressionstendenzen wurden so genetisch beigelegt. Wobei bedauerlicherweise das Gen , trotz strenger Sicherheitsvorschriften, die Erde erreichte. Still also ist es auf Erden. Jede Volksgruppe lebt für sich und bei sich, Wandel und Veränderung sind Tabu, innere Antriebe fast völlig zum Erliegen gekommen und einzelne, voneinander abgegrenzte Bereiche, „Imagosphären“, bilden den Lebensraum einer anspruchslos vor sich hin lebenden jeweiligen Bevölkerung, zwischen denen es keinen Kontakt und keinen Austausch mehr gibt.   Ein Gen im Übrigen, was die Auswanderer zum Mars nicht in sich tragen. Dort ist „unverfälschte Menschheit“, aggressiv, gewinnorientiert, wie gewohnt eben. (Eine Auswanderung im Übrigen, die vom Transport her eher wirkt wie die Verbringung in ein Straflager denn wie ein Weltraumabenteuer). Keine jubelnden Massen begleiten die Starts der Raumschiffe.   Doch nun werden beide Welten aufeinanderprallen. Die Dinge laufen nicht optimal auf dem Mars, wirklich dauerhaft wird der Mensch dort wohl keinen Fuß fassen. So hat eine erste Gruppe von Botschaftern die Aufgabe, die Erde zu besuchen und dort die „Rückkehr“ der Marsbewohner vorzubereiten. Mit einem verdeckten, aber ganz klaren Plan der „Inbesitznahme“ der Erde, um die Lebensweise derer vom Mars dort weiter führen zu können.   Analogien, wohin man schaut, kann man sagen. Sei es, dass, wie ein Rezensent bemerkt, hier wieder das tragende Thema Jirgls mit hineinspielt, die Auflösung der DDR (antriebslos) und deren „Übernahme“ durch den Westen (mit einer Mars-Mentalität), sei es, dass der aktuelle Zustand der kapitalistischen Wirtschaft und der Plünderung der Ressourcen sich im Buch stringent logisch weiter entwickelt und damit Jirgl einen deutlichen Finger auf die Wunde der Verantwortungslosigkeit und der Egozentrik der Gattung Mensch legt.   Eine fremd-vertraute Welt ist es, die Jirgl entfaltet mit angedeuteten, möglichen Lösungen im Menschen selbst, mit den immerwährenden Gefährdungen der Gesellschaft durch das Handeln einzelner oder kleinerer Gruppen. Nicht immer sprachlich flüssig oder spannend, sicherlich auch mit der ein- oder anderen (teils ausgedehnten) Länge versehen.   Wie immer man nun auch die Analogien im Buch verstehen mag, eines ist deutlich. Jirgl ist auch mit diesem Buch einer der „Rufer in der Wüste“. Einer, der mit offenen Augen die Gefahren der Zeit sieht, der seiner Verzweiflung über die „antriebslose Masse“ und die Verhaftung in immer wieder gleichen Abläufen anmahnt. Einer, der in einer ganz besonderen, sprachlichen Form (die Sprache im Buch ist verfremdet, der Zukunft gegenüber angepasst) den Menschen in seinen Möglichkeiten wachrütteln will.   Im sprachlichen Stil und den ineinander verlaufenden Erzählfäden ist der Roman nicht immer einfach zu lesen, entschädigt für diese Mühe aber mit einer intensiven Atmosphäre und dem Hineinziehen des Lesers in diese mögliche, nicht sonderlich anstrebenswerte, menschliche Welt der Zukunft. Die in der ein- oder anderen Form real werden könnte, wenn nicht tatsächlich Veränderungen stattfinden und Platz finden können. Gerade in der breiten, trägen Masse, die sich, auch im Roman, viel zu wenig wehrt, viel zu wenig bereit ist, gestaltend einzugreifen und viel zu sehr einfach „vor sich lebt“. Sehr lesenswert.

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