Reinhard K. Sprenger Das anständige Unternehmen: Was richtige Führung ausmacht - und was sie weglässt

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Inhaltsangabe zu „Das anständige Unternehmen: Was richtige Führung ausmacht - und was sie weglässt“ von Reinhard K. Sprenger

"Was wir gewinnen, wenn wir vieles im Management einfach nicht mehr tun."

Menschen erleben Wirtschaft vor allem am Arbeitsplatz. Wie sie täglich in ihren Unternehmen behandelt werden, wie Vorgesetzte, Kollegen und Mitarbeiter mit ihnen umgehen, das nehmen sie mit nach draußen und hinein in ihre Familien, in den Freundeskreis. Kurzum: Was uns am Arbeitsplatz widerfährt, hat direkte gesellschaftliche Auswirkungen – und diese können gewaltig sein.

Doch gerade in Unternehmen mangelt es oft am Anstand, wie Deutschlands erfolgreichster Wirtschaftsvordenker in seinem neuen Buch zeigt. Anstand, verstanden als Zurückhaltung und Distanz. Stattdessen erleben wir ein Übermaß an Zudringlichkeit, etwa in Form von Befragungen, falsch verstandener Fürsorglichkeit, Einforderung von Identifikation. Frei- und Spielräume gehen verloren, Grenzen werden überschritten, Unterschiede nivelliert. Die eigentlichen Unternehmensziele geraten dabei oft aus dem Blick, erfolgreiches Arbeiten bleibt auf der Strecke.

Was also muss ein Unternehmen tun, um anständig zu sein? Und was muss Führung in einem anständigen Unternehmen leisten? Reinhard K. Sprenger verdeutlicht auf ebenso erhellende wie provozierende Weise, was richtige Führung ausmacht. Wir müssen vieles im Management wieder bleiben lassen, um zu neuen Prinzipien von Anstand in unserer Arbeitswelt und damit in unserer Gesellschaft zu kommen.

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  • Den Mitarbeiter in die Mitte gerückt

    Das anständige Unternehmen: Was richtige Führung ausmacht - und was sie weglässt

    michael_lehmann-pape

    20. October 2015 um 15:15

    Den Mitarbeiter in die Mitte gerückt Um Missverständnissen vorzubeugen, man könnte den Titel des Buches auch in Richtung eines „ehrbaren Kaufmanns“, mithin also in der Frage des Umgangs von Unternehmen ihren Kunden gegenüber verstehen. Dies aber spielt, so überhaupt, nur am Rande eine untergeordnete Rolle in Sprengers Ausführungen, wobei das, was Sprenger pointiert und klar formuliert fordert, tatsächlich durchaus seine Auswirkungen auch auf das Verhalten des Unternehmens nach Außen, ins einen Produkten und seinen Kunden gegenüber haben würde. So man die Inhalte des Buches beherzigt und umsetzt. Im Mittelpunkt dieses Buches aber steht, auf einer klaren ethischen Entscheidung beruhend, der Umgang von Unternehmen mit ihrer letztlich wertvollsten Ressource, den Mitarbeitern. Wie führt man ein Unternehmen? Und zwar im Blick auf die Mitarbeiter, die Untergebenen, jene, die das Produkt herstellen, vertreiben, vermarkten, jene, die den „direkten Draht“ zum Kunden und / oder zu den Prozessabläufen im Unternehmen selbst besitzen?. Ein Thema, das nicht zuletzt aufgrund der aktuellen Zahlen zur Mitarbeitermotivation in Deutschland, zu „inneren Kündigungen“ oder „Burn out“ eine aktuelle, drängende, klare Berechtigung aufweist. Denn diese Zahlen über einen recht geringen Prozentsatz von „zufriedenen (und damit motivierten) Mitarbeitern“ zumindest in Deutschland korreliert umgehend mit Sprengers Beobachtungen. „Wir leben in wirtschaftsethisch abschüssigen Zeiten“. Und das in Bezug nicht zuletzt auf „Big Player“, auf Banken, Staaten, Autokonzerne. Mauscheleien, geheime Absprachen, immense Aufstockung von Mangergehältern für eine kleine Gruppe und zunehmende Arbeitsverdichtung und reale Lohnsenkungen bis hin zur Ausweitung prekärer Arbeitsplätze für den „großen Rest“ der Mitarbeitenden. Was ja auch heißt mitschaffenden, wertschaffenden Menschen. Die, so Sprenger fast süffisant, noch nicht einmal mehr bezahlbaren Wohnraum als „Frucht ihrer Arbeit“ vorfinden, denn auch dieser wird von einer eher kleinen Gruppe der bestverdienenden zunehmend exklusiv in Anspruch genommen. Und auch wenn Sprenger konzediert, dass dies nicht die große Menge an Managern betrifft, „jedoch sind die Anstößigkeiten in den Medien derart omnipräsent, dass der Bürger den Eindruck hat, die gesamte Wirtschaft sei korrupt“. Ein Eindruck, der eben auch die Frage aufwirft, der Sprenger sich zentral im Buch annimmt, nämlich die nach dem Wirtschaften „innerhalb“ der Unternehmen. Denn, auch darin kann der Leser Sprenger mühelos folgen, „konkret wird Wirtschaft vor allem am eigenen Arbeitsplatz“. Denn Arbeit prägt den Menschen. Und Menschen wiederum prägen die Gesellschaft. In Sprengers Augen nun ist das Arbeitsleben geprägt von einem starken „Überschuss an Zudringlichkeit“, ein Fordern eines immer “mehr an Nähe“ von Seiten des Mitarbeiters und damit ein „Zuschütten“ von (notwendigen) Räumen der Distanz , Freiheit und Privatheit. Mit der Folge eines „psychischen Dichtestresses“ als „Arbeitsverdichtung“. Hier zu mehr Abstand zu gelangen, „anständiger“ mit den Mitarbeitern zu arbeiten, sinngebend zu wirken statt ständig den Sinn einer Arbeit zu zerstören, Mitarbeiter nicht nur als „Mittel“ zu betrachten, nicht wie „Kinder“ zu behandeln, nicht „Menschen“ (durchaus aber deren Leistungsvermögen) zu verbessern, die „Autonomie“ zu achten und immer wieder in Alternativen denken zu können, das sind jene Stärken und Voraussetzungen, die in einem „anständigen“ Unternehmen für ein „anständiges“ Klima sorgen, mit denen Mitarbeiter motiviert und nicht gegängelt werden und mithilfe derer eine Atmosphäre entsteht, die dem gesamten Unternehmen samt dessen Produkten und deren Vermarktung gut zu Gesicht stehen würde. Klar, präzise, überzeugend legt Sprenger den Finger in eine immer breiter werdende Wunde der modernen Arbeitswelt und überzeug vor allem durch seine Darlegung des langfristigen Nutzens für das Unternehmen selbst, statt nur polemisch Probleme zu benennen. Eine sehr empfehlenswerte, wichtige Lektüre im Blick auf die mittelfristige Ausrichtung des Arbeitsklimas, nicht nur in Deutschland.

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