Reinhard Kaiser-Mühlecker

 3.9 Sterne bei 45 Bewertungen

Lebenslauf von Reinhard Kaiser-Mühlecker

Reinhard Kaiser-Mühlecker wurde 1982 in Kirchdorf an der Krems geboren. Seine Kindheit verbrachte in Eberstalzell, Oberösterreich. Er studierte Landwirtschaft, Gesichte und Internationale Entwicklung in Wien. Für seinen Debütroman »Der lange Gang über die Stationen« erhielt er u.a. den Jürgen-Ponto-Literaturpreis und das Hermann Lenz-Stipendium verliehen.

Alle Bücher von Reinhard Kaiser-Mühlecker

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Fremde Seele, dunkler Wald

Fremde Seele, dunkler Wald

 (19)
Erschienen am 27.02.2019
Der lange Gang über die Stationen

Der lange Gang über die Stationen

 (13)
Erschienen am 01.12.2009
Magdalenaberg

Magdalenaberg

 (4)
Erschienen am 10.03.2011
Zeichnungen: Drei Erzählungen

Zeichnungen: Drei Erzählungen

 (2)
Erschienen am 19.02.2015
Schwarzer Flieder

Schwarzer Flieder

 (2)
Erschienen am 22.10.2015
Roter Flieder

Roter Flieder

 (2)
Erschienen am 21.08.2014
Der lange Gang über die Stationen: Roman

Der lange Gang über die Stationen: Roman

 (1)
Erschienen am 22.07.2013
Wiedersehen in Fiumicino

Wiedersehen in Fiumicino

 (1)
Erschienen am 23.08.2012

Neue Rezensionen zu Reinhard Kaiser-Mühlecker

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Rezension zu "Fremde Seele, dunkler Wald" von Reinhard Kaiser-Mühlecker

Wer schweigt, bleibt einsam
Xirxevor einem Jahr

Zwei Brüder aus einem kleinen Dorf, der ältere hat es bereits vor einigen Jahren hinter sich gelassen, während der halb so alte 15jährige praktisch im Alleingang den Hof bewirtschaftet. Der Vater ist ständig unterwegs auf der Suche nach neuen lukrativen Geschäften, um seine Geldsorgen zu beenden. Stattdessen verkleinert sich der Hof jedoch nach jedem neuen Versuch, Hektar um Hektar. Und Jakob, dem Jüngeren, bleibt nichts Anderes, als zuzuschauen.
Es ist ein ungemein trostloses Buch, das dem Landleben nichts Positives abgewinnt, zumindest was das Zwischenmenschliche anbelangt. Was die Menschen dort leisten müssen, ist harte Arbeit, die immer schlechter entlohnt wird. Höfe werden verkleinert, verkauft, Landwirte müssen aufgeben, das Leben scheint perspektivlos. Miteinander reden ist den Menschen dort nicht gegeben; wenn man redet, dann eher übereinander, ansonsten schweigt man sich an. Es gibt kein Gemeinschaftsgefühl füreinander, weder bei den Brüdern noch bei den anderen Personen in diesem Buch. Trotz Ehe und Freundschaften sind die Menschen einsam, eine gewisse Zusammengehörigkeit gibt es nur in einer außerkirchlichen Gruppe. Alexander und Jakob brauchen eine geraume Zeit, bis sie erkennen was ihnen fehlt und sie die Eigeninitiative ergreifen. Doch für Andere gibt es keine Rettung mehr.
Alexander gelingt es durch den Besuch einer weiterführenden Schule (worum er sich selbst kümmern musste) dieser Einsamkeit zu entfliehen und landet nach einigen Umwegen bei der Bundeswehr. Und Jakob tritt fast exakt in die Fußspuren seines großen Bruders, ohne sich dessen jedoch bewusst zu sein, sodass zumindest zum Ende hin sich für beide so etwas wie ein Lichtblick zeigt.
Doch warum sollte man so etwas lesen, was einem vermutlich keine allzu guten Gefühle bereitet, eher im Gegenteil? Weil Reinhard Kaiser-Mühlecker eine wunderbare Sprache sein Eigen nennt. Es sind weniger einzelne Sätze, die herausragen, sodass sie das Zitieren wert sind, sondern die Beschreibungen der Gefühle und Gedanken seiner Protagonisten, die so echt sind, dass ich mir sicher bin, manche davon sehr gut zu kennen ;-) Wie Jakob in bestimmten Situationen ein unbändiger Zorn packt, den er jedoch nicht artikulieren kann und will. Wie Mutmaßungen und Interpretationen über andere Menschen angestellt werden, die durch ein Gespräch einfach klargestellt werden könnten. Wie Vermutungen fast Menschen zerstören, ohne dass diese sich wehren können. Es sind Situationen, die vermutlich jede/r kennt und wo ich mich immer wieder dabei erwischte, dass ich vor mich hinmurmelte: 'Jetzt redet doch miteinander!' Eine Aufforderung, die auch im wirklichen Leben beherzigt werden sollte :-)

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Rezension zu "Fremde Seele, dunkler Wald" von Reinhard Kaiser-Mühlecker

dunkle Seelen einander fremd
Huebnervor 2 Jahren

Reinhard Kaiser-Mühlecker. "Fremde Seele, dunkler Wald". Im Herbst 2016 gehypt, nominiert für den Deutschen Buchpreis und doch hält der 300 Seiten starke Text nicht, was Titel und cover versprechen.
Augebaut wird "Fremde Seele, dunkler Wald" wunderbar atmosphärisch, Figuren schaurig mystifiziert.  Solche wie wir: Existenzen reingeworfen in die Maschine des 21.Jh. - kümmert euch! Wahrlich: die ersten 100 Seiten bilden eine Einheit und es hätte dabei bleiben können. Wozu der Ausrutscher ins Krimi-Genre, wozu die Teenager-Affäre, verschließt sich mir. Als habe Kaiser-Mühlecker nicht weiter gewusst und, um auf Nummer Sicher zu gehen, von diesem und jenem dazugetan, obwohl es an Zutaten genügt hätte:
Eine gehörige Portion heruntergekommenen Bauernhofes, eine Handvoll depressiver, demotivierter, desilliusionierter Menschen,  alle charakterlich sehr stark gezeichnet; der Luftschlösser zimmernde Familienvater, die schweigsame, mit allem abschließende Mutter, die geifernde Oma, die auf dem Erbe ihres Mannes hockt wie eine Matrone, schließlich die drei Geschwister: Alexander, der Soldat, der bei der Bundeswehr nicht mehr das findet, was er dort einst zu suchen geglaubt hatte, Jakob, mit minderwertigem Schulabschluss, ohne Träume und schier ohne Perspektive, und Luisa, die aus ihrer gescheiterten, schwedischen Ehe flieht.
Gekonnt: alle drei finden sich, scheinbar verängstigt von ihren Ausflügen ins Leben wieder auf dem Hof ein. Schwach: der philosophische Grundgedanke, dass das Suchen nicht zwangsläufig mit dem Finden einher gehen muss, bleibt nur angerissen.
Manko: Als Jakob (ca. 16) so etwas wie eine Beziehung versucht, lassen Spannung und Handlung nach.
Bis auf das Fünkchen Zuviel dennoch eine wahr gezeichnetes, unverblümtes Bild unserer Gesellschaft.

Ivonne Hübner

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leserattebremens avatar

Rezension zu "Fremde Seele, dunkler Wald" von Reinhard Kaiser-Mühlecker

Überraschend und gut geschrieben
leserattebremenvor 2 Jahren

Jakob und Alexander wachsen auf einen Bauernhof in Österreich auf. Ihre Schwester geht früh mit ihrem Mann nach Schweden, Alexander zum Militär und Jakob bleibt als Jüngster bei den Eltern und Großeltern zurück. Während der Vater ständig neuen Ideen hinterherjagt, wie er das große Geld machen könnte, geht es mit dem Hof vor Jakobs Augen langsam immer weiter bergab.
Beim Lesen von „Fremde Seelen, dunkler Wald“ hatte ich das faszinierende Gefühl, dass eigentlich gar nicht wirklich etwas passiert und mich das Buch überraschenderweise dennoch mitgerissen hat. Die Geschichte lebt von seinen Personen, die alle auf ihre Weise unglaublich tragisch sind, ohne ihre Situation wirklich ändern zu wollen. Jakob hört früh mit der Schule auf und hilft auf dem Hof, bevor seine Freundin schwanger wird und die beiden versuchen, eine Familie zu werden. Als ein guter Freund sich das Leben nimmt, gerät für ihn einiges aus den Fugen, dennoch kommt er im Leben einfach nicht weiter und scheint immer auf der Stelle stehen zu bleiben. Auch sein Bruder Alexander ist nicht wirklich glücklich, nach zahlreichen Affären verliebt er sich endlich, doch die Frau ist verheiratet, die Beziehung hat keine Zukunft und so steckt er fest in einem Stadium aus Sehnsucht und Hoffnungslosigkeit. Obwohl die Geschichte also keinen stringenten Plot zu haben scheint, um den sich alles dreht, ist der Stil des Reinhard Kaiser-Mühlecker sehr flüssig und das Buch lässt sich sehr gut lesen. Man muss sich auf die Figuren und ihre Situationen einlassen, um zu verstehen, dass sie vielleicht für sich gar nicht anders handeln können, als sie es tun. Auch wenn man als Leser manchmal das Gefühl hat, sie vorantreiben zu wollen, damit sie ihr Leben endlich sortieren. Alexander gelingt dies am Ende besser als Jakob oder seiner Schwester Luisa, doch an das angedeutete gute Ende mag man auch bei ihm nicht glauben. Zu viele dunkle Wolken scheinen über den Geschwistern zu hängen.
Mir hat „Fremde Seelen, dunkler Wald“ ausgesprochen gut gefallen, auch wenn mich die Lektüre teilweise ganz anders war, als ich erwartet hatte. Der Schreibstil des Autors hat mich von der ersten Seite an mitgenommen zu seinem Personal, das die ganze Geschichte dominiert. Für mich ein äußerst gelungener Roman. 

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