Reinhard Kaiser-Mühlecker Fremde Seele, dunkler Wald

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Inhaltsangabe zu „Fremde Seele, dunkler Wald“ von Reinhard Kaiser-Mühlecker

Reinhard Kaiser-Mühlecker schreibt die Geschichte zweier Brüder und ihrer Heimat in Oberösterreich – ein mit biblischer Wucht erzählter Roman um Missverständnisse, Tötungen, Familientragödien und Befreiungsversuche.Alexander kehrt von seinem Auslandseinsatz als Soldat internationaler Truppen in die Heimat zurück. Seine Unruhe treibt ihn bald wieder fort. Sein jüngerer Bruder Jakob führt unterdessen den elterlichen Hof. Als sich sein Freund aufhängt, wird Jakob die Schuldgefühle nicht mehr los. Der Vater fabuliert von phantastischen Geschäftsideen, während er heimlich Stück für Stück des Ackerlandes verkaufen muss. Mit großer poetischer Ruhe und Kraft erzählt Reinhard Kaiser-Mühlecker von den Menschen, die durch Verwandtschaft, Gerede, Mord und religiöse Sehnsüchte aneinander gebunden sind. Es ist die Geschichte zweier Brüder, die dieser Welt zu entkommen versuchen – eine zeitlose und berührende Geschichte von zwei Menschen, die nach Rettung suchen.

Sehr literarisch, düstere Stimmung der Ausweglosgkeit, am Ende ein kleiner Lichtschimmer. Deprimierend.

— alasca
alasca

Grandiose Atmosphäre, dünne Handlung

— Huebner
Huebner

Angenehm zu lesen, aber ohne große Emotionen und so einiges bleibt leider irgendwie unvollendet.

— Betsy
Betsy

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    Fremde Seele, dunkler Wald
    Huebner

    Huebner

    08. February 2017 um 10:33

    Reinhard Kaiser-Mühlecker. "Fremde Seele, dunkler Wald". Im Herbst 2016 gehypt, nominiert für den Deutschen Buchpreis und doch hält der 300 Seiten starke Text nicht, was Titel und cover versprechen. Augebaut wird "Fremde Seele, dunkler Wald" wunderbar atmosphärisch, Figuren schaurig mystifiziert.  Solche wie wir: Existenzen reingeworfen in die Maschine des 21.Jh. - kümmert euch! Wahrlich: die ersten 100 Seiten bilden eine Einheit und es hätte dabei bleiben können. Wozu der Ausrutscher ins Krimi-Genre, wozu die Teenager-Affäre, verschließt sich mir. Als habe Kaiser-Mühlecker nicht weiter gewusst und, um auf Nummer Sicher zu gehen, von diesem und jenem dazugetan, obwohl es an Zutaten genügt hätte: Eine gehörige Portion heruntergekommenen Bauernhofes, eine Handvoll depressiver, demotivierter, desilliusionierter Menschen,  alle charakterlich sehr stark gezeichnet; der Luftschlösser zimmernde Familienvater, die schweigsame, mit allem abschließende Mutter, die geifernde Oma, die auf dem Erbe ihres Mannes hockt wie eine Matrone, schließlich die drei Geschwister: Alexander, der Soldat, der bei der Bundeswehr nicht mehr das findet, was er dort einst zu suchen geglaubt hatte, Jakob, mit minderwertigem Schulabschluss, ohne Träume und schier ohne Perspektive, und Luisa, die aus ihrer gescheiterten, schwedischen Ehe flieht. Gekonnt: alle drei finden sich, scheinbar verängstigt von ihren Ausflügen ins Leben wieder auf dem Hof ein. Schwach: der philosophische Grundgedanke, dass das Suchen nicht zwangsläufig mit dem Finden einher gehen muss, bleibt nur angerissen. Manko: Als Jakob (ca. 16) so etwas wie eine Beziehung versucht, lassen Spannung und Handlung nach. Bis auf das Fünkchen Zuviel dennoch eine wahr gezeichnetes, unverblümtes Bild unserer Gesellschaft. Ivonne Hübner

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  • Überraschend und gut geschrieben

    Fremde Seele, dunkler Wald
    leserattebremen

    leserattebremen

    18. November 2016 um 10:55

    Jakob und Alexander wachsen auf einen Bauernhof in Österreich auf. Ihre Schwester geht früh mit ihrem Mann nach Schweden, Alexander zum Militär und Jakob bleibt als Jüngster bei den Eltern und Großeltern zurück. Während der Vater ständig neuen Ideen hinterherjagt, wie er das große Geld machen könnte, geht es mit dem Hof vor Jakobs Augen langsam immer weiter bergab. Beim Lesen von „Fremde Seelen, dunkler Wald“ hatte ich das faszinierende Gefühl, dass eigentlich gar nicht wirklich etwas passiert und mich das Buch überraschenderweise dennoch mitgerissen hat. Die Geschichte lebt von seinen Personen, die alle auf ihre Weise unglaublich tragisch sind, ohne ihre Situation wirklich ändern zu wollen. Jakob hört früh mit der Schule auf und hilft auf dem Hof, bevor seine Freundin schwanger wird und die beiden versuchen, eine Familie zu werden. Als ein guter Freund sich das Leben nimmt, gerät für ihn einiges aus den Fugen, dennoch kommt er im Leben einfach nicht weiter und scheint immer auf der Stelle stehen zu bleiben. Auch sein Bruder Alexander ist nicht wirklich glücklich, nach zahlreichen Affären verliebt er sich endlich, doch die Frau ist verheiratet, die Beziehung hat keine Zukunft und so steckt er fest in einem Stadium aus Sehnsucht und Hoffnungslosigkeit. Obwohl die Geschichte also keinen stringenten Plot zu haben scheint, um den sich alles dreht, ist der Stil des Reinhard Kaiser-Mühlecker sehr flüssig und das Buch lässt sich sehr gut lesen. Man muss sich auf die Figuren und ihre Situationen einlassen, um zu verstehen, dass sie vielleicht für sich gar nicht anders handeln können, als sie es tun. Auch wenn man als Leser manchmal das Gefühl hat, sie vorantreiben zu wollen, damit sie ihr Leben endlich sortieren. Alexander gelingt dies am Ende besser als Jakob oder seiner Schwester Luisa, doch an das angedeutete gute Ende mag man auch bei ihm nicht glauben. Zu viele dunkle Wolken scheinen über den Geschwistern zu hängen. Mir hat „Fremde Seelen, dunkler Wald“ ausgesprochen gut gefallen, auch wenn mich die Lektüre teilweise ganz anders war, als ich erwartet hatte. Der Schreibstil des Autors hat mich von der ersten Seite an mitgenommen zu seinem Personal, das die ganze Geschichte dominiert. Für mich ein äußerst gelungener Roman. 

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  • Man muss den Schreibstil von Reinhard Kaiser-Mühlecker mögen, sonst kann man das Buch nicht genießen

    Fremde Seele, dunkler Wald
    WinfriedStanzick

    WinfriedStanzick

    12. October 2016 um 11:17

    Der österreichische Schriftsteller Reinhard Kaiser- Mühlecker erzählt in seinem neuen Roman, der es bis auf die Shortlist des Deutschen Buchpreises geschafft hat, die Geschichte von zwei unterschiedlichen Brüdern und deren lange vergeblichen, schlussendlich aber doch Erfolg gekrönten Versuche, die Vergangenheit hinter sich zu lassen und für sich selbst ein neues Leben zu beginnen.Obwohl die Handlung in der jüngsten Vergangenheit spielt, etwa 2013/14, hat man beim Lesen nicht nur wegen der durchaus angenehmen und ansprechenden Sprache des Autors nicht selten das Gefühl, man befinde sich in einer Zeit in den achtziger Jahren des 20. Jahrhunderts.Alexander, der ältere der beiden Brüder, die auf einem Bauernhof aufwachsen, verlässt früh sein Dorf, studiert zunächst Medizin, geht aber bald zur Armee und verbringt viele Jahre auf Auslandseinsätzen der UNO. Selten nur kehrt er für kürzere Aufenthalte nach Hause zurück und bleibt dort fremd, fühlt sich nur im Wirtshaus einigermaßen wohl.Der jüngere Bruder Jakob ist all die Jahre der Abwesenheit seines Bruder zu Hause geblieben und führt die Landwirtschaft, an der der Vater schon lange kein Interesse mehr zeigt. Er träumt immer wieder von tollen Geschäftsideen, und muss doch immer wieder Land und dann auch Tiere verkaufen um seine Schulden zu begleichen. An diesen Stellen, wenn der Hof über die Jahre immer kleiner wird, fragt sich der Leser dann doch zunehmend, wie das sein kann, dass sich davon noch eine dreiköpfige Familie ernähren kann. Da hat der Autor ein wenig an der Realität vorbeigeschrieben. Denn die Großmutter, die nach dem Tod des Großvaters dessen in der Nazizeit wohl illegal erworbenes Eigentum geizig verwaltet, gibt keinen Cent her.Die Zeit vergeht, der Vater träumt weiter von seinen spinnerten Ideen und die beiden Söhne hängen zwischen Vergangenheit und Zukunft lange in der Luft. Es passiert nichts – scheinbar.Denn in dieser Zeit, in der der Roman in seiner Gegenwartsebene (es gibt auch Rückblicke) spielt, ereignet sich das Drama der Existenz all dieser Menschen. Menschen, die durch ihr Land, ihre Verwandtschaft, durch all den Dorftratsch miteinander verbunden sind.  Und durch ihre Sehnsucht nach etwas anderem.Dass die beiden Brüder schlussendlich jeder für selbst einen vom Leser nicht mehr für möglich gehaltenen Neuanfang wagen, stimmt trotz seiner Zerbrechlichkeit tröstlich.Man muss den Schreibstil von Reinhard Kaiser-Mühlecker mögen, sonst kann man das Buch nicht genießen.

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  • Deutscher Buchpreis 2016: Fragerunden mit den Autoren der Longlist

    TanjaMaFi

    TanjaMaFi

    Seit dem 23. August steht die Longlist des Deutschen Buchpreises 2016 fest! Die Jury hat aus allen Einsendungen 20 Bücher ausgewählt, die in ihren Augen die begehrte Auszeichnung verdient hätten. Welche 20 Titel es auf die Longlist geschafft haben, seht ihr hier in der kompletten Liste! Vielleicht erinnert ihr euch noch an unsere Aktionen zum Deutschen Buchpreis aus den letzten Jahren? 2016 möchten wir euch auch wieder etwas besonderes zu diesem Anlass bieten: Ihr habt in den ersten Septemberwochen die Möglichkeit, einigen der Autoren, die es mit ihren Büchern auf die Longlist geschafft haben, Fragen zu stellen und ihre Bücher zu gewinnen! Hier die Termine und Autoren, die euch eure Fragen beantworten: Montag, 05. September 2016Peter Stamm – "Weit über das Land"Hier geht es zur Fragerunde Mittwoch, 07. September 2016Philipp Winkler – "Hool"Hier geht es zur Fragerunde Montag, 12. September 2016Anna Weidenholzer – "Weshalb die Herren Seesterne tragen"Hier geht es zur Fragerunde Mittwoch, 14. September 2016Michelle Steinbeck – "Mein Vater war ein Mann an Land und im Wasser ein Walfisch"Hier geht es zur Fragerunde Freitag, 16. September 2016Hans Platzgumer – "Am Rand"Hier geht es zur Fragerunde Sonntag, 18. September 2016Dagmar Leupold – "Die Witwen"Hier geht es zur Fragerunde Sobald die Fragerunden starten, findet ihr hier die entsprechenden Links. Ihr könnt den Autoren dann an dem Tag eure Fragen stellen. Bitte achtet darauf, dass ihr die Fragen in die Fragerunde postet und nicht hier in das Thema. Die Autoren werden dann auch dort alle Fragen beantworten. Da manche Autoren nicht den ganzen Tag für Fragen zur Verfügung stehen, solltet ihr euch die Beschreibung der Fragerunden noch einmal durchlesen. Wir werden in den Fragerunden auch eins bis drei Exemplare des jeweiligen Buchs verlosen. Wenn ihr an der Verlosung teilnehmen möchtet, postet eure Frage bitte, indem ihr den blauen “Jetzt bewerben” Button nutzt. Unter allen Teilnehmern verlosen wir außerdem ein großes Buchpaket mit allen 20 Titeln, die auf der Longlist des Deutschen Buchpreises 2016 stehen: Philipp Winkler – "Hool" Gerhard Falkner – "Apollokalypse" Bodo Kirchhoff – "Widerfahrnis" Dagmar Leupold – "Die Witwen" Eva Schmidt – "Ein langes Jahr" Michael Kumpfmüller – "Die Erziehung des Mannes" Katja Lange-Müller – "Drehtür" Joachim Meyerhoff – "Ach, diese Lücke, diese entsetzliche Lücke" Michelle Steinbeck – "Mein Vater war ein Mann an Land und im Wasser ein Walfisch" Hans Platzgumer – "Am Rand" Akos Doma – "Der Weg der Wünsche" André Kubiczek – "Skizze eines Sommers" Thomas Melle – "Die Welt im Rücken" Arnold Stadler – "Rauschzeit" Thomas von Steinaecker – "Die Verteidigung des Paradieses" Ernst-Wilhelm Händler – "München" Reinhard Kaiser-Mühlecker – "Fremde Seele, dunkler Wald" Peter Stamm – "Weit über das Land" Sibylle Lewitscharoff – "Das Pfingstwunder" Anna Weidenholzer – "Weshalb die Herren Seesterne tragen" Zwar könnt ihr den Autoren hier im Thema keine Fragen stellen, dafür aber miteinander wunderbar diskutieren! Habt ihr schon eines oder sogar mehrere der Bücher gelesen? Kennt ihr andere Bücher der nominierten Autoren? Welches ist euer Favorit für den Buchpreis? Wie findet ihr die Fragerunden hier auf LovelyBooks? Nun ist auch die Shortlist des Deutschen Buchpreises 2016 heraus! Philipp Winkler – "Hool", Bodo Kirchhoff – "Widerfahrnis", André Kubiczek – "Skizze eines Sommers", Thomas Melle – "Die Welt im Rücken", Reinhard Kaiser-Mühlecker – "Fremde Seele, dunkler Wald", Eva Schmidt – "Ein langes Jahr" Wer ist euer Favorit? Hier könnt ihr darüber abstimmen! Wenn ihr auf euren Buchblogs über den Buchpreis oder unsere Fragerunden mit den Autoren berichtet, freuen wir uns über eure Links! Ich wünsche euch viel Spaß bei den Fragerunden und bin gespannt auf eure Meinungen!

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  • Verlorene

    Fremde Seele, dunkler Wald
    serendipity3012

    serendipity3012

    08. September 2016 um 19:01

    Verlorene Die Brüder Jakob und Alexander sind auf einem Bauernhof in Österreich groß geworden. Alexander, der einst Priester werden wollte, hat sich inzwischen als Soldat verpflichten lassen und besucht seine Familie nur noch selten. Jakob, der um einige Jahre jünger ist (zu Beginn des Romans ist er 15 Jahre alt), lebt dort mit seinen Eltern und Großeltern in einem Drei-Generationen-Haushalt. Der Hof wirft nicht mehr genug ab und so ist der Vater gezwungen, immer mehr Teile zu verkaufen. Er gibt sich immer wieder neuen Ideen hin, die ihn finanziell retten sollen. Nichts hilft. Jakob meistert die alltäglichen Arbeiten auf dem Hof fast komplett allein, ohne darüber nachzudenken. Er möchte den Hof übernehmen und sieht, dass sein Vater sich verrannt hat. Sein Großvater hat zwar Geld, das er aber nicht zur Rettung des Hofs herausgeben will.Alexander und Jakob sind Einzelgänger, unterschiedliche Typen, die auch zueinander kaum Zugang finden. Reinhard Kaiser-Mühlecker zeigt in seinem Roman „Fremde Seele, dunkler Wald“, wie diese beiden ihren Platz im Leben suchen, wie sie ihm einen Sinn geben wollen, ohne zu wissen, wo sie anfangen sollen. Alexander hat in der Religion seine Antworten nicht gefunden: Nicht nur hat er von dem Wunsch, Priester zu werden, wieder Abstand genommen (sein ganz eigener Wunsch, der ihm nicht von der Familie aufgedrückt wurde), auch die Religion an sich lässt sich zwar nicht komplett verbannen, erscheint ihm aber eher diffus und ist nicht in der Lage, seinem Leben Halt zu geben.Diese beiden Brüder wanken durch die Zeit, die ihnen ein wenig abhanden gekommen zu sein scheint, ohne dass sie dies überhaupt wahrnehmen. Als Leser vergisst man manchmal fast, dass wir uns in der Gegenwart befinden, bis dann plötzlich vom Verschicken von Kurznachrichten die Rede ist oder von einem Tablet-Computer. Die Zeit auf dem Land scheint ein wenig langsamer zu vergehen, natürlich sind die neuen Technologien aber längst dort angekommen. Doch ist es nicht nur das Leben auf dem Hof und im Dorf, wo viel übereinander geredet wird, wo alles etwas gemächlicher abläuft, das diesen Eindruck erweckt. Sondern auch Kaiser-Mühleckers Sprache, die so bedächtig und immer auch ein wenig altmodisch daherkommt, dabei aber stets sehr gut lesbar ist, sehr organisch. Von Liebschaften ist da die Rede, die Jungs sind Buben, die Kneipen Gasthäuser. In der Familie selbst wird zwar miteinander geredet, doch kommt das Gesagte beim anderen auch an? Stets ist da eine Sprachlosigkeit, die über ihnen schwebt, die sie nicht durchdringen wollen oder können. Jeder lebt sein eigenes Leben, Jakob, der früh den Hof verlässt, ohne zu wissen, ob seine Entscheidung die richtige ist, Alexander, der bei der Truppe das Gefühl mag, für sich und gleichzeitig unter seinen Kameraden zu sein und der sich plötzlich nicht nur nach Sex, sondern auch nach Liebe sehnt. Der Vater, der nie da ist, weil er seinen Ideen hinterher jagt, die Großmutter, die nicht mehr am Familienleben teilnimmt. Auch einschneidende, zum Teil tragische Ereignisse führen kaum zu einer Annäherung.Die Geschichte mag so auf den ersten Blick vielleicht emotionslos wirken. Einerseits ist da die Sprache, die zwar nicht verknappt ist, die aber auch keine Ausschmückungen beinhaltet, sondern nur das Nötigste zum Ausdruck bringt. Und andererseits lassen die Figuren es oberflächlich betrachtet nicht zu, dass man ihnen zu tief ins Innere schaut. Je weiter man aber liest, desto mehr nimmt man wahr, wie sehr es im Inneren brodelt. Jakob und Alexander scheinen oberflächlich betrachtet alles hinzunehmen, während sie im Inneren verzweifelt nach dem Sinn suchen, der ihr Leben lebenswert macht und dabei Begegnungen, Erfahrungen machen, etwas versuchen, es wieder aufgeben.Der Sog, den „Fremde Seele, dunkler Wald“ beim Lesen entwickelt, ist vielleicht nicht sofort da, irgendwann aber kann man sich ihm nicht mehr entziehen. Sicherlich ein Roman, der auf den ersten Blick etwas spröde und rau daherkommt, dem man Zeit geben muss, sich zu entfalten, ganz sicher einer, bei dem man zwischen den Zeilen lesen muss. Es vergeht einiges an Zeit auf den 300 Seiten, die der Roman umfasst, so dass es auch in dieser Hinsicht einige Auslassungen gibt. Durch die gleichmäßige Erzählweise wird man überrascht, wenn auch Dramatisches im gleichen Ton erzählt wird wie Alltäglichkeiten. Reinhard Kaiser-Mühlecker hat einen eigenen Sound entwickelt, um die Verlorenheit seiner Protagonisten deutlich zu machen. Es gelingt ihm ohne jeden Zweifel. Ein Roman, auf den man sich einlassen muss, der den Leser auch fordert, zumindest wenn dieser es zulässt, der einen aber belohnt. Ein intensiver Roman über die großen Fragen im Alltäglichen.

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  • Selbst für mich zu ruhig

    Fremde Seele, dunkler Wald
    Fornika

    Fornika

    22. August 2016 um 10:34

    Jakob und Alexander sind zwei ungleiche Brüder, die ihren Ursprung auf einem Hof in Österreich haben. Während Jakob versucht den Hof vor dem Ruin und dem ruinierenden Vater zu bewahren, hat sich Alexander mit dem Militär ins Ausland abgesetzt. Trotzdem zieht es ihn immer wieder nach Hause in die stille Heimat.  Kaiser-Mühlecker hat einen sehr ruhigen Roman geschrieben, der den Alltag und die innere Zerrissenheit der beiden Protagonisten thematisiert. Mich hat die Geschichte der beiden Brüder leider so überhaupt gar nicht berührt, obwohl ich sehr gerne Bücher lesen, die sich Zeit lassen. Das mag sicherlich an dem emotionslosen, sehr distanzierten Stil liegen, ich fand aber leider auch die Entwicklung der Geschichte schlichtweg uninteressant. Die Handlung plätschert vor sich hin, einiges wird angerissen, nur weniges zu einem Ende geführt. Das Buch wird mit einer „biblischen Wucht“ beworben, die suchte ich vergebens. Alles in allem hatte ich mir wesentlich mehr versprochen.

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  • Die Melancholie des Alltags

    Fremde Seele, dunkler Wald
    Betsy

    Betsy

    17. August 2016 um 21:25

    Die Geschichte einer österreichischen Familie, die einen Hof bewirtschaftet, erzählt aus Sicht der 2 Brüder Jakob und Alexander, die sich zwar ähnlich sehen, aber gänzlich andere Lebenswege einzuschlagen scheinen und sich durch den Alltagstrott und der Suche nach ihrem Platz im Leben kämpfen. Die Geschichte plätschert von Anfang bis Ende ruhig dahin und erspart sich große Emotionen auch wenn der ganzen Handlung etwas sehr melancholisches anhaftet. Die Hauptfiguren sind hier zum einen Alexander der etwa 29 Jahre alt ist und in der Armee bei internationalen Einsätzen dient, nachdem er seiner anfänglichen Berufung als Priester den Rücken gekehrt hat. Jakob, der 14 oder 15 Jahre alt ist, hat unterdessen fast die gesamte Arbeit am Hof übernommen, da der Vater immer nur von irgenwelchen lukrativen Ideen redet, aber letztendlich immer mehr vom Land verkauft um seine Schulden zu tilgen. Während Jakob den Hof über alles liebt, ist Alexander froh diesen entkommen zu sein. Wir lernen eine Familie mit ganz normalen Problemen kennen. Bei Familie Fischer geht man sich eher aus dem Weg oder flüchtet als zu kommunizieren und wirklich innige Familienszenen sucht man hier vergeblich. Während Alexander zu Beginn noch sehr zufrieden mit seiner Arbeit ist, gerne auch damit angibt und immer unkomplizierte Affären eingeht, wird er immer mehr zum Einzelgänger als er sich beruflich verändert und ihn seine neue, etwas ältere Geliebte scheinbar grundlos abserviert. Er kommt nicht von ihr los, wirkt regelrecht besessen und hat ansonsten wenig Lust zu anderen Vergnügungen. Obwohl er später von Liebe redet, war diese jetzt nicht wirklich spürbar, da er zu Beginn einfach nur nicht glauben wollte, dass sie ihren fetten Ehemann ihm vorzog und sich dann immer mehr in seine Gefühle reinsteigert. Jakob der aufgrund unglücklicher Umstände seine Zeit bis zu einer Lehrstelle überbrücken muss, trägt schon früh viel Verantwortung auf seinen jungen Schultern und kümmert sich so gut wie allein um den Hof. Wirklich gedankt wird es ihm nicht, dennoch tut er es gerne und will eigentlich auch nichts anderes tun, da er sich auf dem Land frei fühlt. Aufgrund gewisser Umstände verlässt er allerdings den Hof und sucht sich eine andere Arbeit, doch auch er ist nicht glücklich mit seiner Situation und befürchtet irgendwann einfach auszurasten, da ihm düstere Gedanken nicht fremd sind. Nebenbei gibt es hier noch die Schwester, die in Schweden lebt und auch nicht glücklich ist, den Großvater der einiges an Geld hat, dieses aber nicht in den Hof investiert um zu verhindern, dass nichts mehr übrigbleibt und die Mutter, die scheinbar auch nicht recht weiß über was sie mit ihren Kindern reden soll. Weitere Themen die hier auf die Brüder wirken sind: ein Selbstmord, die Gerüchteküche in einer so kleinen Ortschaft, eine kleine Sekte, angeführt von einer Frau, die besonders aufgrund ihrer Vergangenheit für Missbilligung sorgt, sowie ein Mordfall der für Schlagzeilen sorgt. Und anstatt sich etwaige Sorgen von der Seele zu reden, sind alle irgendwie ganz alleine mit ihren Gedanken, nehmen wenig Anteil aneinander und bleiben distanziert, was die Geschichte auch so traurig macht, da keiner jemanden zum anlehnen hat. Enttäuschend war dann für mich das Ende, das einfach so aufhört und irgendwie auch nicht ganz nachvollziehbar ist. Vieles wurde hier nebenbei eingearbeitet und dann auch leider nicht zu Ende gebracht, sodass etliches ungeklärt bleibt. Fazit: Eine sehr ruhige und teilweise fast schon depressive Geschichte, in der innerhalb einer Familie wenig kommuniziert wird und man sehr wenig voneinander weiß, was gerade im Leben des anderen wirklich vor sich geht. Jeder bleibt mit seinen Gedanken für sich und kapselt sich so immer mehr von den anderen ab. Es liest sich sehr flott, allerdings fehlen hier gänzlich emotionale Momente zwischen den Figuren und die Handlung plätschert so dahin. Beide Brüder erleben Dinge in ihrem Leben die sie immer mehr beeinflussen und zeitweise sogar auf den gleichen Weg führt, doch vieles bleibt in der Schwebe und wird nicht zu Ende ausgeführt. Auch der Schluss selbst wirkt unvollendet und etwas zu gewollt in der Entwicklung. Positiv ist das österreichische Flair und die Stimmung, die auf dem Land und in der Stadt herrscht, sowie die Probleme innerhalb einer Familie und dem infrage stellen des eigenen Lebens.

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  • LovelyBooks Romane-Challenge 2016: Die Challenge mit Niveau

    aba

    aba

    27. December 2015 um 19:56

    LovelyBooks lädt im neuen Jahr wieder zu spannenden Challenges ein.Und auf euch warten tolle Gewinne.Die anspruchsvolle Gegenwartsliteratur ist 2016 wieder dabei!Liest du gerne Bücher mit Niveau?Dann ist diese Challenge genau das Richtige für dich.15 anspruchsvolle Romane möchten wir vom 01.01.2016 bis 31.12.2016 lesen.Es gelten Bücher - Gegenwartsliteratur -, die in diesem Zeitraum erscheinen (Ersterscheinungen) und an diesem Beitrag angehängt sind.Auch Neuauflagen – 2016 erschienen - von Klassikern.Die Regeln: Melde dich mit einem kurzen Beitrag hier im Thread an. Einstig ist jederzeit möglich. Und du kannst dich jederzeit wieder abmelden. Du verpflichtest dich zu nichts. Schreibe bitte zu jedem Buch, das du für die Challenge gelesen hast, eine Rezension bei LovelyBooks, und verlinke diese in einem einzigen Beitrag in diesem Thread. Dieser Beitrag, wird von mir unter dem entsprechenden User-Namen in der Teilnehmerliste verlinkt. Das wird dein Sammelbeitrag für deine Rezensionen sein. Es gelten nur Bücher, die an diesem Beitrag angehängt sind! Bitte beachten: Die Liste der Bücher erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit.Nimmst du die Herausforderung an?Unter allen Teilnehmern, die es schaffen, 15 Romane mit Niveau bis zum 31.12.2016 zu lesen und zu rezensieren, wird ein tolles Buchpaket verlost.Natürlich mit den passenden Büchern zum Thema.Ich freue mich auf viele Anmeldungen!Teilnehmer:19angelika63AgnesMAmayaRoseanushkaArizonaaspecialkateban-aislingeachBarbara62BlaetterwindblauerklausbonniereadsbooksBookfantasyXYbookgirlBuchgespenstBuchinaBuchraettinCara_EleaCaroasCorsicanacrimarestricyranaczytelniczka73Deengladia78DieBertadigraEeyoreleerinrosewellFarbwirbel FederfeeFornikaFrauGonzoFrauJottfreiegedankenfrlfrohsinngefluegeltermondGela_HKGetReadyGinevraGirl56GruenenteGwendolinahannelore259hannipalanniHeldentenorIgelaInsider2199JoBerlinK2kkatrin297krimielselenikslesebiene27LesefantasieleselealesenbirgitleseratteneuLibriHollylisibooksLiteraturmaria1Marika_RomaniaMaritzelmarpijeMartina28MauelaMercadoMiamoumiss_mesmerizednaddoochNadja_KloosnaninkaNepomurksNightflowerNilNisnispardenPetrisPocciPrinzessinAuroraschokoloko29serendipity3012SikalsofiesolveigsommerleseStefanieFreigerichtsternchennagelSumsi1990suppenfeesursulapitschiTanyBeeTintenfantasieTochterAliceumbrellavielleser18wandabluewiloberwortjongleurzeki35

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