Reinhard Mrosk Der Dunkelgraf und der Schatten einer Frau

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Inhaltsangabe zu „Der Dunkelgraf und der Schatten einer Frau“ von Reinhard Mrosk

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    Der Dunkelgraf und der Schatten einer Frau
    Liane-von-Z

    Liane-von-Z

    06. March 2014 um 16:48

    Vor kurzem wurde in Thüringen im Beisein zahlreicher Reporter von Presse, Funk und Fernsehen ein Grab geöffnet. Man wollte Material für eine DNA-Analyse entnehmen, um zu klären, ob hier die sterblichen Überreste einer französischen Prinzessin ruhen. Es gibt Vermutungen und wohl auch Hinweise dafür, dass es sich dabei um die Tochter von Ludwig XVI. und Marie Antoinette handeln könnte, die beide in den Wirren der Französischen Revolution durch die Guillotine den Tod gefunden haben. Das Mysteriöse der Geschichte hat mich angezogen und ich bin auf die Legende von Dunkelgraf und verschleierter Dame aufmerksam geworden. Das Reizvolle daran ist, dass es sich hier nicht um Geburten der Fantasie oder Spinnerei handelt, denn alle beteiligten Personen haben tatsächlich gelebt. In diesen Tagen erschien der Roman „Der Dunkelgraf und der Schatten einer Frau“ von Reinhard Mrosk, der sich auf beeindruckende Weise des genannten Themas annimmt, und den ich nicht übersehen konnte. Der erste Abschnitt des Romans ist konventionell gestaltet. Es geht um die Ankunft einer geheimnisvollen Person in einer kleinen Residenzstadt, lokalen Begebenheiten und wie Amtspersonen mit einem Komplott gegen den Ankömmling scheitern. Es gibt witzige Passagen, doch man spürt, dass sich unterschwellig etwas zusammenbraut, auch wenn man nicht durchschaut, worum es eigentlich geht. Es wird spannend. Dann ist es, als würde ein Tor aufgestoßen und der Leser gerät in einen Strudel von Ereignissen. Er befindet sich plötzlich inmitten bedeutender Ereignisse. Eine Prinzessin wird geboren – vor zahlreichen Zuschauern, die als Zeugen oder aus Neugier dem „Schlüpfen“ beiwohnen. Spätestens ab hier wird der aufmerksame Leser von Emotionen und Gedanken hin- und hergerissen. Er wird zum Begleiter eines jungen Holländers auf seinen Schritten durchs Leben, er erlebt mit, wie sich seine Persönlichkeit, sein Charakter und seine politischen Anschauungen entwickeln. Vor dem geistigen Auge des Lesers entsteht ein großartiges historisches Gemälde. Dabei wird nichts erklärt, alles ergibt sich aus der Handlung, zu der auch die Französischen Revolution gehört. Bei Büchern, die in dieser Zeit spielen, erkennt man meist schnell, welchen politischen Ansichten der Autor folgt. Der Roman „Der Dunkelgraf und der Schatten einer Frau“ aber ist anders, es ist eine sachliche Darstellung der Vorgänge. Der Autor enthält sich jeder Bewertung, überlässt es dem Leser, sich eine Meinung zu bilden. Auch habe ich in diesem Buch die ehrlichste Darstellung Ludwigs XVI. gefunden, die ich bisher gelesen habe. Überfordert von den Ereignissen wird er von diesen überrollt. Er landet mit seiner Familie im Kerker, erlebt seinen Prozess und endet auf dem Schafott. Dabei bedient sich der Autor einer geschliffenen, gut lesbaren Sprache, selbst komplizierte Zusammenhänge erschließen sich dem Leser, ohne dass er eine Ablenkung spürt und im Lesefluss gebremst wird. Man liest Sätze von shakespearescher Lebensnähe, innerer Dramatik und Gedankentiefe. Wie mit einem Skalpell aus Eis seziert der Autor Vorkommnisse einer Epoche, beschreibt mit wenigen Worten schwer Erklärbares. Dabei geht nichts von der Spannung verloren, denn der Leser ist längst gefangen von der Handlung. Wie der Dunkelgraf und die Dame aufeinandertreffen, was sie gemeinsam erleben, ihre Begegnungen mit Persönlichkeiten der Geschichte – man glaubt dem Autor, dass es so gewesen ist, zumindest, dass sich alles mit großer Wahrscheinlichkeit so abgespielt haben muss. Jedes Detail scheint zu stimmen. Auch die Opernaufführung der Zauberflöte in Bartenstein, in der Prinzen die Hauptrollen übernommen haben, ist historisch belegt, genau wie die im Buch beschriebenen Einsätze des Regiments der Herzöge von Sachsen, das für Napoleon in Tirol, Spanien und Russland kämpfte und mehrmals fast vollständig vernichtet worden ist. Mir ist kein Buch bekannt, wo über diese militärischen Abenteuer, bei denen 4.000 Soldaten aus Thüringen den Tod gefunden haben, berichtet wird. Ein wichtiger Abschnitt des Romans beschreibt das Zusammenleben von Dunkelgraf und Dame im Schloss von Eishausen. Einfühlsam und nachvollziehbar werden die Charakterbilder der beiden analysiert. Hier beweist der Autor psychologisches Feingefühl. Während die Dame ein zurückgezogenes Leben führen möchte, bemüht sich der Graf, sein Leben sinnvoll zu gestalten. Doch die Möglichkeiten sind begrenzt, denn er lebt fast ohne Kontakt zur Außenwelt. Alles ist wie auf einer abgelegenen Insel, fern jeder Küste. Die letzten hundertfünfzig Seiten habe ich gelesen wie im Rausch, es war mir nicht möglich, das Buch aus der Hand zu legen. Ich weiß nicht, wann mir das zuletzt bei einem Buch so ergangen ist. Alle, mit denen ich über dieses Buch gesprochen habe, gaben zu, dass sie am Ende den Tränen nahe waren, ohne weinerlich veranlagt zu sein. Der Grund dafür ist wohl, dass man mit solch einer Intensität von der Handlung gefesselt wird, darüber alles um sich herum vergisst. Das allein sagt etwas aus über die literarische Qualität dieses Werkes. Als ich das Buch letztmalig zuschlug, war ich regelrecht ausgebrannt, überwältigt. Es ist nicht wenig, was in diesem mehrschichtig angelegten Roman gleichzeitig auf den Leser einströmt …

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