Reinhard Siemes Mein Todfreund, der Alkohol.

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Inhaltsangabe zu „Mein Todfreund, der Alkohol.“ von Reinhard Siemes

Das erste Buch eines Betroff enen ohne Larmoyanz, dicht an der Unterhaltung. Der inzwischen verstorbene Autor schildert seine 47-jährige Karriere als Alkoholiker mit schonungsloser Off enheit, aber auch viel Selbstironie. Keine durchgehende Trinkergeschichte, sondern 56 nasse und trockene Episoden aus der Wunderwelt der Werbung. Kritik in viele Richtungen: Fast alle ärztlichen und gruppentherapeutischen Angebote werden infrage gestellt. Die Hilflosigkeit der Therapeuten, das Sektierertum der Selbsthilfegruppen, die Starrheit vieler Kliniken. Wie es anders gehen könnte, der Umgang mit den Kranken und dieser Krankheit, wird aber auch betrachtet. Reinhard Siemes (1940–2011) war ein begnadeter, hochdekorierter Texter und Kolumnist, der über 40 Jahre in Agenturen und Hochschulen, für Unternehmen und Zeitschrift en geschrieben und gelehrt hat. 2010 erhielt er vom Art Directors Club Deutschland die Auszeichnung für sein Lebenswerk.

Suchterkrankung Alkohol aus der Sicht eines Betroffenen für Betroffene. Manchmal schwer zu ertragen, aber ein wichtiges Buch

— Buecherspiegel
Buecherspiegel

Arbeiten & kreativ sein unter Druck, da ist Alkohol oft eine vermeintliche Lösung. Ein ernüchterndes, faszinierendes und aufrüttelndes Buch!

— Gundo57
Gundo57

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  • Aus dem Leben eines Alkoholikers

    Mein Todfreund, der Alkohol.
    Buecherspiegel

    Buecherspiegel

    11. October 2015 um 10:16

    Wenn wir unser Leben Revue passieren lassen, gehen wir zeitlich meist nicht linear vor. Deshalb sind auch im Buch von Reinhard Siemes „Mein Todfreund, der Alkohol.“ die „56 Episoden aus dem Leben eines Reklametexters, der auch Trinker war. Und eines Trinkers, der auch Reklametexter war.“ nicht in der Reihenfolge seines Erlebens abgehandelt. Siemes beschreibt sein Leben in den Zeiten mit und ohne Alkohol ohne viel „Gedöns“ davon zu machen. Vielmehr ist zu lesen, wie schwer es Freunde, Kollegen, Partner, Angehörige haben, damit umzugehen. Alkoholismus ist eine Suchterkrankung, die, einmal im Gehirn Platz genommen, einen nicht mehr los lässt. Einzig und allein der Wille, nicht mehr zu trinken und ihn darin zu unterstützen, kann eine Person retten. Alle weiteren Versuche sind hilflose Möglichkeiten, einen Trinker vom trinken abzuhalten. Der Autor beschreibt, wie er bereits in jungen Jahren anfängt zu trinken, es ist schließlich nicht verboten, immer zugänglich, nicht zu teuer und gesellschaftlich anerkannt. Solange man nicht andere schadet oder auf den Geist geht, seiner Arbeit nachgeht, ist alles kein Problem. Siemes betont auch immer wieder, wie kreativ er doch arbeiten könne nach einem seiner Abstürze. Dass er ohne Alkohol, oder mit viel weniger, vielleicht noch mehr hätte erreichen können, das kommt ihm nicht in den Sinn. Aber er kämpft, versucht es immer wieder, mit den verschiedensten Therapien und Kliniken, die mal mehr mal weniger teuer sind, sich von seiner Sucht zu befreien. Einige Gespräche mit seinem Todfreund zeichnet er auf, und egal ob er einer dieser Debatten gewinnt, am Ende siegt immer wieder der Alkohol. Fast bis zum Schluss. Wie er schreibt, versuchen auch seine Kollegen ihn aufzufangen, geben ihm eine Chance nach der anderen, die er alle letztendlich verspielt. Und obwohl er oftmals Erfolg hat, sich zusammenreißen kann, Preise für seine Texte gewinnt, so bekommt man doch den Eindruck, ohne Alkohol hätte er sich mit vielen Ideen besser durchsetzen können, wäre die Welt der Reklame noch um einiges sarkastischer, witziger geworden. Welchen Kampf seine Ex-Frau gefochten hat, und auch seine weiteren Partnerinnen, können wir bruchstückhaft nachlesen. Wie es ist, einen Besoffenen ohnmächtig vorzufinden, ihn halbwegs an- oder auszukleiden, ihn zu waschen, ins Bett zu legen und so weiter und so weiter. Noch viel schwieriger von den geliebten Partnern muss es sein, ihm, dem Trinker, zu seiner nächsten Ration zu verhelfen oder zumindest Ersatzdrogen zu besorgen, alle möglichen Pillen. Wie Siemes schreibt, wird er nie aggressiv oder bösartig, ob das hilfreich war? In einer der Episoden erzählt eine gute Freundin in trockenen wie realistischen Worten, wie es ist, den Autor in eine Klinik zu bringen und dafür zu sorgen, dass er auch aufgenommen wird und auch dort bleibt; zumindest für eine kurze Zeit. Wir erfahren auch einiges über die Auswirkungen eines Entzuges, die Siemes immer wieder versucht, unter anderem den Halluzinationen. Die Liebe zu Tieren sind einer seiner Rettungsanker, immer wieder kümmert er sich rührend um Findlinge. Übrigens hat Siemes auch Gedichte geschrieben, von denen er uns einige nicht vorenthält. Mir gefallen sie. Sie geben einen Einblick darauf, was hätte sein können. Ein Buch für Angehörige, Freunde, Ärzte und Therapeuten. Literarisch aufgearbeitete Shortstorys aus dem Leben eines Suchtkranken, gut zu lesen, schwer zu verdauen.

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