Reinhard Staupe

 3 Sterne bei 3 Bewertungen

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Was wütet in mir so still?

Was wütet in mir so still?

 (3)
Erschienen am 23.06.2016
Weißt du, wer hier fehlt?

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Erschienen am 28.07.2011

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Rezension zu "Was wütet in mir so still?" von Reinhard Staupe

Glaubwürdige Charakterzeichnung mit ungewöhnlicher Entwicklung und irritierendem Ende
lex-booksvor 2 Jahren

Martin Banner war ein Protagonist, den ich unbedingt kennenlernen musste. Nach einem kurzen Blick auf Cover, Inhaltsangabe und Leseprobe war für mich klar, dass es sich bei dem Buch nicht nur um einen bloßen Thriller, sondern um eine ausgesprochen ungewöhnliche und intensive Geschichte handelt – um eine Erzählung von der Fragilität der eigenen inneren Ordnung und der Unbeständigkeit von Wertvorstellungen und Selbstbeherrschung - vereint in der Hauptfigur des Romans.

Das Perfide an der Figur Banner ist, dass sie ohne Weiteres im echten Leben zwei Häuser weiter wohnen könnte. Ein netter Typ, der bei Frauen ankommt, gut aussehend, hilfsbereit, einer, dem die Familie wichtig ist, vielleicht ein wenig aufbrausend von Zeit zu Zeit, aber sonst… einer wie du und ich, wäre da nicht dieses teuflische Cover: zwei strahlend blaue aber grenzenlos hasserfüllt starrende Augen. Zusammen mit der boshaften Intrige, die Staupe seine Hauptfigur auf den ersten Seiten gegen Ex-Freundin Franzi spinnen lässt, ist dies eine deutliche Ansage an die Richtung der Handlung.
Unweigerlich wartet man auf einen Gesichtswechsel Banners – vom netten Kerl zum Psychopathen.

Staupe pfeift dabei allerdings auf eine konventionelle Romankonzeption. Er hat seinen ganz eigenen Erzählstil und macht dabei meiner Ansicht nach vieles richtig und einiges falsch. Das Hauptproblem für mich zeichnete sich erst nach und nach und so richtig erst im Endspurt ab. Denn nach einem fesselnden Auftakt, in dem Banner eine Bekannte anstiftet, den neuen Freund seiner Ex zu verführen und diesen Akt auch noch auf Video aufzunehmen, schlägt Staupe ausgesprochen ruhige Erzähltöne an. 

Der Leser gewinnt Einblick in die tiefen Gefühle von Verbundenheit Banners mit seiner Familie, mit seiner Schwester Bi und Großvater Heinrich. Er lernt die gesamte Familie und Freunde Martin Banners kennen, was durchaus nicht uninteressant, aber leider weit entfernt von einer konkreten Entwicklung der eigentlichen Thematik ist.                                  
Unbeantwortet bleiben lange Zeit die drängenden Fragen, die Staupe aufwirft, die er jedoch kontinuierlich abwechselnd ins Zentrum der Aufmerksamkeit und an den Rand der Geschichte rückt: Wird Martin Banner das prekäre Video an seine Ex-Freundin abschicken, um sich an ihr zu rächen? Hat Banner eventuell einen Mord begangen? Oder hat er gar vor, einen Mord zu begehen?

Störend ist diese Zweigleisigkeit lange Zeit nicht. Denn das Buch liest sich toll und wurde vom Autor mit viel Sorgfalt auf den Weg gebracht. Die Figuren werden mit viel Geduld in ihrem Alltag begleitet und samt ihrer Probleme so genau gezeichnet, dass ich das Gefühl hatte, echte Menschen vor mir zu haben. Allerdings wiederholen sich viele Dinge mit der Zeit – genau wie im echten Leben. Die Szenen, in denen Banner, der hauptberuflich Zeichner ist, Porträts von Menschen fertigt, konnte ich beispielsweise am Ende kaum mehr zählen. 
Irritiert hat mich bisweilen auch der Sprachstil der Figuren, die vom rhetorischen Zeitgeist her gut und gerne den 70er oder 80er Jahren zugerechnet werden könnte. Beispiel: „Komm, mach ’n Abflug Junge!, brummte der Levis-Mann (…)“ 

Mein Problem mit dem Buch hat wohl vor allem etwas mit meiner eigenen Erwartungshaltung zu tun. Während ich über weite Strecken ausgesprochen gerne der ungewöhnlichen Persönlichkeit Martin Banners gefolgt bin, wurde meine Geduld in der zweiten Hälfte der Geschichte, als Staupe mit der Nazivergangenheit der Familie Banner einen weiteren Handlungsstrang aufmacht, arg auf die Probe gestellt. Das führte meiner Ansicht nach zu weit von der ursprünglichen Idee weg und zum ersten Mal hatte ich ernsthafte Zweifel an der von mir so sicher erwarteten Wendung.
Wie Staupe das Finale seiner Geschichte dann tatsächlich gestaltet, hätte ich im Leben nicht vermutet. Der Clou der Handlung kommt derart abrupt und auf eine Weise, die mich letztlich doch sehr enttäuscht hat. Alles, was fehlte, war ein lautes, puffendes Geräusch für die geplatzten Erwartungen meinerseits.

Mein Fazit? Staupe hat Talent, keine Frage. Die Thematik vom bösen Ich im netten Kerl hat mir gut gefallen, aber die Umsetzung … die fand ich dann doch eher ungewöhnlich und sehr unbefriedigend.

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MissNorges avatar

Rezension zu "Was wütet in mir so still?" von Reinhard Staupe

Der Mann mit den zwei Gesichtern ...
MissNorgevor 2 Jahren

Kurz zur Geschichte: Martin Banner ist ein gut aussehender Single-Mann, der seinen Job als Kinderbuchillustrator mag, der seine Familie abgöttisch liebt, vor allem seine Schwester, seine Nichte und seinen Opa. Für sie würde er alles tun und wenn er alles sagt, dann meint er das wortwörtlich. Doch es gibt auch eine andere Seite an ihm, die nur die kennen, die es auch verdient haben. Er zerstört Leben und Existenzen, sinnt auf Rache und dazu sind ihm alle Mittel recht. Ihn möchte man nicht zum Feind haben. 

Meine Meinung: Reinhard Staupe ist ein toller Thriller gelungen und mit dem Hauptcharakter Martin Banner eine spannende und außergewöhnliche gespaltene Persönlichkeit.Auf der einen Seite wird beschrieben, wie er sich in der Familie verhält: nett, zuvorkommend, hilfsbereit und immer da, wenn er gebraucht wird. Auf der anderen Seite wenn er seine Spielchen treibt, Existenzen zerstört aus Wut, Rache und Eifersucht, dann wird er: eiskalt, berechnend, zerstörend, ausrastend, nicht wieder zu erkennen. Ganz zu schweigen, von der Damenwelt, die er wie kein Anderer um den kleinen Finger wickeln kann.Diese gegensätzlichen Seiten der Person hat der Autor hervorragend herausgearbeitet, so das man Martin Banner irgendwie trotzdem mag, wenn man auch nicht alles toll findet, was er so macht. Beim Lesen wartete ich förmlich auf jeder Seite darauf, was Banner nun wieder ausbaldowert hat und wer dran glauben muss. Neben dem Strang der Gemeinheiten kommt er noch einem Familiengeheimnis auf die Spur. Das wurde gut in die Story eingebaut.Aber ich fühlte mich gleich heimisch, denn das Buch spielt in Kassel und mir waren fast alle Örtlichkeiten direkt vor dem inneren Auge sichtbar, das machte das Ganze noch "echter".Ein spannendes Buch, von der ersten bis zu letzten Seite. 

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