Reinhard Werth Die Natur des Bewusstseins

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Inhaltsangabe zu „Die Natur des Bewusstseins“ von Reinhard Werth

Was ist Bewusstsein und wie entsteht es im Gehirn? Gibt es einen freien Willen oder sind wir in unseren Entscheidungen determiniert? Anhand zahlreicher beeindruckender Fallbeispiele aus seiner Praxis analysiert Reinhard Werth, wie sich Bewusstsein und freier Wille naturwissenschaftlich exakt beschreiben lassen. Weniges unterscheidet Natur- und Geisteswissenschaftler so sehr wie ihre Antwort auf die Frage, was Bewusstsein ist und ob es einen freien Willen gibt. Während die einen dem Menschen Willensentscheidungen oftmals generell absprechen, ergehen sich die anderen häufig in Spekulationen. Dagegen argumentiert der Neuropsychologe Reinhard Werth in seinem neuen Buch: Der Bereich des Subjektiven ist nicht nur sinnvoll, sondern sogar unverzichtbar. Und vor allem: Er lässt sich naturwissenschaftlich erforschen und logisch klar definieren. Sein Buch bringt Klarheit in eine wirre Debatte und ist ein Meilenstein auf dem Weg der Erforschung des menschlichen Bewusstseins. Werth gibt Antworten, die nicht nur für unser Selbstverständnis als Menschen, sondern auch für moralische und juristische Belange von großer Bedeutung sind.

Ob Sie dieses Buch kaufen, ist Ihr freier Willen. Wenn Sie das Buch gelesen haben, werden Sie wissen, wie Ihr freier Willen zustande kam.

— PhilippWehrli
PhilippWehrli

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  • Empfohlen allen, die sich für das Gehirn interessieren, speziell für Lehrer und Strafrechtler

    Die Natur des Bewusstseins
    PhilippWehrli

    PhilippWehrli

    09. September 2017 um 22:31

    Werth startet mit der originellen Feststellung Wittgensteins, dass auch subjektive Empfindungen, wie etwa der Schmerz, den Wissenschaften zugänglich sind. Denn würde das Wort ‚Schmerz’ etwas rein Subjektives bezeichnen, so würde es im Gespräch zu Verwirrung führen, weil ja keiner wissen könnte, was der andere darunter versteht. Das Bewusstsein und die subjektiven Erlebnisse, die den Inhalt des Bewusstseins bilden, sind also nicht rein privat, sondern anderen Personen zugänglich.So findet der Leser eine ganze Reihe kluger Bemerkungen und Erklärungen, die irgendwie mit dem Bewusstsein, mit der Wahrnehmung oder mit dem Willen zu tun haben. Aber die Gesamtaussage ist mir jedenfalls nicht wirklich klar geworden. Dabei sind die einzelnen Abschnitte durchaus empfehlenswert.Empfehlenswert für alle Lehrpersonen ist der lange Abschnitt über die Aufmerksamkeit. Während Aufmerksamkeitsstörungen unter Psychologen und Pädagogen alltäglich diskutiert werden, ist auch in die Fachliteratur bemerkenswert vage, was Aufmerksamkeit eigentlich ist. Reinhard Werth, der sich schon in seinem Buch ‚Legasthenie und andere Lesestörungen’ mit dem Lernen befasst hat, macht auch hier verständlich, was bei gewissen Lernschwierigkeiten passiert und wie man allenfalls dagegen ankämpfen kann.Aufschlussreich ist z. B. eine Bemerkung zum Bogenschiessen: Das Hauptproblem beim Bogenschiessen ist, dass der Schütze seine Aufmerksamkeit nicht gleichzeitig auf das Ziel und auf das Loslassen des Pfeiles richten kann. Selbst so einfache Bewegungen, wie einen Pfeil loszulassen, erfordert die volle, ungeteilte Aufmerksamkeit. Der Schütze bemerkt dies selber nicht, aber während er den Pfeil loslässt, wird er kurzzeitig blind für das Ziel. Dies ist einer der Hauptgründe, weshalb Pfeile daneben gehen. Wenn nun also Schüler behaupten, sie können problemlos neben den Hausaufgaben Musik hören, chatten und einen Fernseher laufen lassen, dann kann man sich nun vorstellen, wie falsch diese Schüler liegen.Empfehlenswert für Richter und Anwälte sind die Ausführungen zur Frage des freien Willens im Zusammenhang mit dem Strafrecht. Werth zitiert mehrere Paragrafen des deutschen Strafrechts, das aber in anderen europäischen Ländern ähnlich sein dürfte. Insbesondere ist nach dem deutschen Strafrecht nur vorsätzliches Handeln strafbar, sofern nicht das Gesetz bei fahrlässigem Handeln ausdrücklich mit Strafe droht. Ob ein Täter vorsätzlich oder aus dem Affekt gehandelt hat, muss nicht selten von Gerichtsgutachtern beurteilt werden.Der Autor selber hat z. B. in Experimenten festgestellt, dass eine unvorbereitete Person rund 532 bis 847 Millisekunden benötigt, um seinen Körper vor einem überraschenden Messerstich 50 cm zurück zu ziehen. Wenn also z. B. ein Polizist, der überraschend von einem Verbrecher mit einer Waffe angegriffen wird, innerhalb von etwa 200 Millisekunden auf den Verbrecher schiesst, dann könne dies keine Willensentscheidung sein. Ausser „dass der Polizist sich bereits lange im Voraus dafür entschieden hat, in einer solchen Situation so zu schiessen (da er die oben beschriebenen Zeitverhältnisse kennt) und diese Reaktion so eingeübt hat, dass sie zu einem vorprogrammierten Reflex wurde.“Nun scheint mir das eher der Normalfall oder zumindest der wünschenswerte Fall zu sein, dass ein Polizist, der mit einer geladenen Waffe unterwegs ist, sich vorher schon einmal überlegt hat, wie er in verschiedenen denkbaren Situationen reagieren würde. Als langjähriger Badmintonspieler weiss ich auch, dass man eine Reaktion nicht sehr lange vorprogrammieren muss. Es reicht durchaus, während des Spiels zu entscheiden, den nächsten Smash in die rechte hintere Ecke abzuwehren. Bei der konkreten Ausführung habe ich dann auch nicht mehr Zeit als besagter Polizist. Das ist aber auch nicht nötig, weil ich den Schlag schon vorher geplant habe.Das Thema freier Wille und Strafrecht regt natürlich zu weiteren Diskussionen an. Was soll denn das Ziel einer Strafe sein? – Geht es darum, sich an den Bösewichten zu rächen? Oder wäre es nicht sinnvoller, den zukünftigen Schaden zu minimieren? - Wenn immer mal wieder Äste von einem Baum fallen und Spaziergänger invalide schlagen, frage ich nicht danach, ob der Baum das bewusst macht oder nicht.Die von Reinhard Werth zusammen gestellten Überlegungen sind also wohl sicher nicht abschliessend. Aber sie sind eine gute Grundlage für den wichtigen Dialog zwischen Strafrechtlern und Gehirnforschern.Bemerkenswert deutlich ist in diesem Zusammenhang Werths Fazit, wenn es um Wiederholungstäter geht: „Die häufig geübte Praxis, Wiederholungstäter fortwährend mit Bewährungsstrafen oder kurzen Gefängnisstrafen zu belegen und ihnen unermüdlich psychotherapeutische oder sozialtherapeutische Massnahmen angedeihen zu lassen, kann nur als Unkenntnis oder vorsätzliches Ignorieren psychobiologischer Erkenntnisse gewertet werden.“Empfehlenswert ist das Buch auch für alle, die mit Patientenverfügungen und insbesondere mit Sterbehilfe zu tun haben. Denn die Frage nach der Willensfreiheit stellt sich natürlich auch bei Patientenverfügungen.Ein weiteres Gebiet, das wohl einige Leser interessiert, ist die Frage, ob Tiere ein Bewusstsein haben. Auch dazu findet man einige interessante Fakten, obwohl das Buch in dieser Frage nicht sehr in die Tiefe geht.Man kann nicht behaupten, Reinhard Werth habe das Bewusstsein in diesem Buch erklärt. Er hat einige interessante Aspekte dazu aufgezeigt. Aber auch wenn sicher noch einige Diskussionspunkte offen sind, hat er zur Frage, ob es eine unsterbliche Seele gibt eine klare Antwort, der wohl die meisten Gehirnforscher zustimmen würden: „Aus allen wissenschaftlich fundierten Erkenntnissen folgt unzweifelhaft, dass ohne Hirnfunktion keine unserer Fähigkeiten, Empfindungen, Erfahrungen und nichts, was unser Bewusstsein sonst ausmacht, existieren kann.“Auch zu dieser Behauptungen findet man eine gute aber gewiss nicht ganz abschliessende Begründung in diesem Buch.

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  • Rezension zu "Die Natur des Bewusstseins" von Reinhard Werth

    Die Natur des Bewusstseins
    HeikeG

    HeikeG

    30. January 2011 um 15:00

    Unfrei und gesteuert? . Gibt es einen freien Willen? Können wir wirklich tun, was wir wollen oder entscheidet sich das Gehirn an unserem Bewusstsein vorbei? Theologen und Philosophen streiten darüber schon lange. Für die einen - zum Beispiel materialistische Philosophen der Aufklärungszeit - sind alle Ereignisse seit Anbeginn der Zeiten vorherbestimmt und Freiheit nur eine Illusion. Andere - zum Beispiel Existentialisten wie Jean-Paul Sartre - meinen, wir haben selbst unter Extrembedingungen (Gefangenschaft, Folter) die freie Wahl der Entscheidung, unser Schicksal anzunehmen oder uns ihm zu widersetzen. Neurobiologische Untersuchungen bestätigten jüngst die erste Vermutung. . Ist der freie Wille überhaupt naturwissenschaftlich nachweisbar? Reinhard Werth, Professor am Institut für Soziale Pädiatrie und Jugendmedizin an der Universität München bejaht diese Frage. "Mit zunehmender Kenntnis der neuronalen Prozesse, die Verhalten und Erleben begleiten oder diesen vorausgehen, stellte sich die Erkenntnis ein, dass alles Verhalten und Erleben von neuronalen Prozessen verursacht, festgelegt, gesteuert, determiniert ist. Das verleitet zu dem voreiligen Schluss, alle Entscheidungen seien unfrei, weil auch sie durch neuronale Prozesse verursacht, festgelegt, gesteuert, determiniert seien.", so der Autor. Er tritt in seinem Buch den Gegenbeweis an. . Der Münchner Neuropsychologe kreidet der Wissenschaft an, dass sie in all ihren Behauptungen nie von einer klaren Begrifflichkeit ausgegangen sei. Man kann nicht einfach den Begriff des freien Willens aus der Alltagssprache übernehmen, so Werth und damit wissenschaftliche Aussagen formulieren. Wichtig sei es, erst einmal den Begriff exakt zu fassen. Nicht nur die neurobiologische Sichtweise ist dabei maßgebend, sondern ebenso mathematisch-logische Aspekte und solche aus der Experimentalpsychologie. Erst mit einer exakten Definition der Begrifflichkeit kann man die neurobiologischen Grundlagen dessen erforschen, was den freien Willen ausmacht. Die bis dato verwendeten Begriffe zeigen, dass es sich bei den meisten Behauptungen um eine Tautologie handelt, bei der etwas mit sich selbst begründet wird. . Unumstritten ist natürlich, dass unsere Entscheidungen von neurobiologischen Hirnfunktionen abhängen. Aber nicht nur. "Ob Ereignisse in unserer Umwelt überhaupt von unserem Gehirn registriert werden und so weit von neuronalen Netzwerken verarbeitet werden, dass sie in unser Bewusstsein gelangen, hängt (...) entscheidend davon ab, ob und wie lange wir unsere Aufmerksamkeit auf sie richten." Und vor allem, ob wir sie erkennen. Bewusstsein ist für Werth die Gesamtheit dessen, was einer Person innerhalb eines bestimmten Zeitintervalls bewusst ist. Für ihn lässt sich ein freier Wille nachweisen, auch wenn Hirnfunktionen "notwendige und hinreichende ursächliche Bedingungen für Willensentscheidungen sind." . Anhand zahlreicher Fallbeispiele aus seiner eigenen Praxis versucht Reinhard Werth zu widerlegen, dass der Mensch ein "unfreies Wesen" sei. Auf 150 seines reichlich 200 Seiten starken Buches erläutert er in aller Einzelheit die Bausteine und Funktionsweisen unseres "Neuronenapparates". Diese Darlegungen sind nicht immer einfach zu konsumieren, setzen sie doch ein gewisses neurobiologisches Grundwissen voraus. Auch wirken sie mitunter über Gebühr ausführlich und detailliert, was die Lesbarkeit und Aufmerksamkeit zusätzlich beeinträchtigt. . Allein den letzten 50 Seiten kommt die Definition des freien Willens zu. Werth zeigt auf, wie Willensentscheidungen im Gehirn entstehen und dass es Wahlmöglichkeiten zwischen Verhaltensweisen gibt. Es schließt sich ein kurzer Ausflug in strafrechtliche Konsequenzen der Schuldlosigkeit bei unwillentlichen Handlungen, aufgrund fehlender rationaler oder emphatischer Einsicht bis hin zum freien Patientenwillen an. Den Schluss bildet ein Kapitel, das der Frage nachgeht, ob es ein Bewusstsein nach dem Tod gibt. . Alles in Allem ein höchst interessantes Buch. Allerdings würde ich es aufgrund seiner überbordenden Fülle an Informationen und der mitunter nicht leicht zu lesenden, ausschweifenden Ausführlichkeit nicht in das Genre populärwissenschaftlicher Literatur einordnen. Der Quintessenz Reinhard Werths ist man jedoch gewillt zu folgen: dass das Gehirn uns zwar Vorschläge unterbreitet, wir jedoch letztendlich selbst entscheiden, ob wir diesen Vorschlag annehmen - Überraschungen inklusive...

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