Reinhard Wolters Die Römer in Germanien

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Inhaltsangabe zu „Die Römer in Germanien“ von Reinhard Wolters

"?Als die Römer frech geworden, zogen sie nach Deutschlands Norden." Unübersehbare Zeugnisse des sprichwörtlichen römischen Expansionsdrangs begegnen uns heute noch allenthalben in Deutschland als Kastelle oder Reste des Limes. Aber der Kontakt zwischen Römern und Germanen gestaltete sich weit vielfältiger, als es solche Verteidigungsanlagen erkennen lassen. Spannend und informativ stellt Reinhard Wolters die rund 500-jährige Geschichte der Römer in Germanien und ihre weitreichenden, Kultur und Gesellschaft unserer Heimat prägenden Folgen dar.

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  • Rezension zu "Die Römer in Germanien" von Reinhard Wolters

    Die Römer in Germanien

    Scarecrow

    14. March 2007 um 19:17

    Das Buch "Die Römer in Germanien" ist in der C. H. Beck Wissen Reihe erschienen. Wer die Reihe also kennt, weiß was ihn erwartet: Kein Populärwissenschaftliches Machwerk, sondern ein gut verständliches Mini-Fachbuch von nicht mehr als 130 Seiten, geschrieben von einem Experten zum jeweiligen Thema. In diesem Fall ist das Reinhard Wolters, Professor für Alte Geschichte in Tübingen. Das Buch beginnt mit der Darstellung der geographischen und ethnographischen Vorstellungen, die in der Antike über die Länder im Norden vorherrschten. Dabei begegnet man das erste mal Klischees, die man zum Teil noch heute mit dem Begriff der "Barbaren" verbindet: Das Bild der großen, wilden, rothaarigen (ein Bild, das man heute mehr auf die Kelten als auf die Germanen anwendet, das damals allerdings auch für die Germanen galt), blauäugigen Barbaren; sie seien anfällig gegen Krankheiten, aber könnten dem blanken Eisen trotzen, berichten antike griechische Autoren. Desweiteren wird der Leser über die Einteilung der nördlichen Länder - zunächst in Skythien und Gallien, erst später kam Germanien hinzu - informiert. Die nächsten Kapitel beschäftigen sich dann mit der Zeit von Caesar bis Tiberius. Der Autor informiert uns zunächst über die Verwendung des Germanenbegriffs bei Caesar und widmet sich der Frage, inwiefern der Germanenbegriff eine Selbstbezeichnung gewesen sein könnte, oder ob er zunächst Fremdbezeichnung war. Der Leser wird über die verschiedenartigen Beziehungen zwischen den Römern und einzelnen Germanenstämmen informiert - vom bewaffneten Konflikt über friedliches Zusammenleben und Handel bis zur Stellung von Hilfstruppen für Rom durch einzelne Stammesgruppen. Wolters beschreibt die Germanenfeldzüge zur Zeit des Augustus, und behandelt die Frage, inwiefern der rechtsrheinische Teil Germaniens vor der Varusniederlage bereits als befriedete Provinz angesehen wurde. Schließlich kam dann unter Tiberius nach dem Tod des Feldherrn Germanicus die Wende, hin zu einer defensiveren Germanienpolitik. Nach einem kurzen Kapitel, das die Zeit bis zur Errichtung der beiden germanischen Provinzen unter Domitian abreisst, werden dem Aufbau des Limes und dem Leben in eben diesen Provinzen, Germania Superior und Germania Inferior, jeweils ein Kapitel gewidmet. Besonder sinteressant fand ich persönlich das nachfolgende Kapitel über die Beziehungen Roms zu den Stämmen im freien Germanien; dieses war nämlich keinesfalls von Rom unbeeinflusst - Römische Güter gelangten vor allem durch aus römischem Dienst zurückkehrende Germanische Söldner in rechtsrheinische Gebiete, Rom nahm massiven Einfluss auf die politische Struktur in Germanien, stürzte unbequeme Stammesführer und half gefügigeren an die Macht. Der letzte ausführlichere Teil des Buches beschäftigt sich dann mit den Markomannenkriegen unter Mark Aurel, die späteren Konflikte mit germanischen Stämmen in der Völkerwanderungszeit werden nur noch kurz angerissen. Zum Schluss geht es dann um die Auseinandersetzung mit der Römerzeit und um das Arminiusbild in Deutschland und Österreich, von den deutschen Humanisten (bei denen die verhängnisvolle Gleichsetzung Deutsch - Germanisch ihren Lauf nahm) bis heute. Leserfreundlich: die wichtigsten Daten werden noch einmal auf einer Zeittafel zusammengefasst, so behält man den Überblick über die wechselhafte Geschichte der Römisch-Germanischen Beziehungen. Für Geschichtsinteressierte ist die C.H. Beck Wissen Reihe immer einen Blick wert; man geht den allzu oft klischeehörigen populärwissenschaftlichen Werken aus dem weg (die gerade mit dem Thema "Germanen" oft unglaublich naiv umgehen) und muss sich dennoch nicht mit einem sperrigen und teuren Fachbuch rumkämpfen. Die 120 Seiten des Buches sind auch von Laien schnell zu schaffen; auch für das Geschichtsstudium halte ich die Bücher durchaus für geeignet - man hat nunmal nicht immer Zeit, nebenbei eine 400 Seiten-Monographie zu lesen, die kleinen C. H. Beck Büchlein kann man fix mal neben dem sonstigen Seminarstoff schaffen. Speziell das besprochene Buch ist eine sehr lohnende Lektüre, da es dazu beträgt, dass Mythen wie das "freie Germanien" oder der heldenhafte Arminius kritisch überdacht werden; man erhält ein Bild von einer germanischen Stammeswelt, die keinesfalls ein "deutsches" (und zumeist auch kein cheruskisches oder markomannisches) Nationalbewusstsein hatte, sondern die sich öfter als mit den Römern untereinander bekriegte; eine Stammeswelt, die so abgeschnitten und unbeeinflusst von der Römischen Welt gar nicht war. Arminius beispielsweise war römischer Offizier, der Markomannenkönig Marbod mag auch weit weniger wild gewesen sein als die Markomannenkrieger, die man im Film Gladiator zu sehen bekommt - sonst hätte er wohl kaum seinen Lebensabend nach dem Zusammenbruch seines Reiches hochgeachtet in Ravenna verbracht.

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