René Freund Mein Vater, der Deserteur

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Inhaltsangabe zu „Mein Vater, der Deserteur“ von René Freund

Paris, August 1944. Die Stadt ist von Hitlers Wehrmacht besetzt, doch die Tage der deutschen Herrschaft sind gezählt. Gerhard Freund ist achtzehn, als er zur Wehrmacht eingezogen wird; Mitte August 1944 soll seine Einheit an der Schlacht um Paris teilnehmen. Der junge Soldat erlebt die sinnlose Brutalität des Kampfes und desertiert. Er wird von der Résistance festgenommen und von amerikanischen Soldaten vor der Erschießung gerettet. Mehr als sechzig Jahre später liest René Freund das Kriegstagebuch seines verstorbenen Vaters, stöbert in Archiven, spricht mit Zeitzeugen und fährt nach Paris, auf der Suche nach einem schärferen Bild von seinem Vater – und der eigenen Familiengeschichte.

Eine Story im und nach dem 2. Weltkrieg. Ein Schicksal, bei dessen Entdeckung der Leser Life dabei ist.

— TanteGhost

Der Vater ein Deserteur? Die Annäherung zu einem schwierigen Thema

— Bellis-Perennis

Ein Buch das betroffen macht. Dies ist nicht nur ein Buch über das Kriegstagebuch eines Soldaten. Es ist vielmehr eine Familiengeschichte.

— Gelinde

Ein Sohn auf den Spuren des Vaters: Die Recherche hätte man z.T. noch vertiefen können, aber dennoch eine interessante Familiengeschichte.

— Gulan

Sehr ergreifende und fesselnde Familienhistorie mit vielen unbekannten Fakten zum Kriegsgeschehen. Absolut lesenswert!

— JessSoul

Selten war Geschichte so lebhaft dargestellt! Trotzdem informiert das Buch und regt gleichermaßen zum Nachdenken an.

— Sick

Ein Geschichte über eine Familie, die beim Lesen immer wieder neue Fragen an die eigene Familie stellt.

— BookfantasyXY

Ein sehr persönliches Buch über den zweiten Weltkrieg mit Auszügen aus dem Kriegstagebuch des Vaters des Autoren. Bewegend und tiefsinnig.

— tinstamp

Beeindruckendes Buch, Reise in die Vergangenheit des Vaters, des Krieges uvm.

— Saphir610

Persönliches Interesse perfekt mit dem öffentlichen verknüpft.

— wandablue

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  • Eine Hommage an den Vater, den Deserteur ...

    Mein Vater, der Deserteur

    Bellis-Perennis

    21. September 2016 um 18:40

    Autor René Freund begibt sich auf die Spuren seines Vaters Gerhard Freund, der früh verstorben ist und die drängenden Fragen des Sohnes nicht mehr selbst beantworten konnte. Doch Gerhard Freund hat ein beträchtliches Erbe hinterlassen. Keine Immobilien oder Geldvermögen, nein, Urkunden, Gedichte und Fragmente eines Kriegstagebuches, das er als junger Mann geschrieben hat. Anhand der Aufzeichnungen des Vaters und unterstützt durch intensive Recherchearbeit in allerlei Archiven sowie Gesprächen mit Zeitzeugen, begibt sich der Autor mit seiner Familie im Februar des Jahres 2010 auf die Reise nach Frankreich. Er zeichnet die Stationen des Gerhard Freund von 1944 nach. Mit dem Auto geht es von Österreich nach Straßburg über Verdun nach Paris. Es sind vermutlich teilweise dieselben Straßen, die einst der 18-jährige Gerhard benutzte. Der junge Maturant erreicht Paris im August 1944 und erkennt im Gegensatz zu vielen anderen recht bald, dass er als deutscher Soldat in Frankreichs Hauptstadt nichts verloren hat. Er ist gemeinsam mit einem Kameraden, der immer nur als „Papa“ in den Aufzeichnungen vorkommt, unterwegs. Wann reift in den beiden der Gedanke zur Desertion? Im Kriegstagebuch, von dem einige Seiten als Facsimile abgedruckt sind, beschreibt er die Atmosphäre und dann am 18. August 1944 steht der einfache, aber bedeutungsvolle Satz: „.. wir laden das Gepäck auf, kurz nachher sind 'Papa' und ich verschwunden und gehen auf Umwegen zur Rue de la Michodière.“ Während in den Straßen der Stadt der „Kampf um Paris“ zwischen Befreiern und Besatzern tobt, verstecken sich die beiden Deserteure in einem kleinen Hotel, immer von der Entdeckung bedroht. Letztendlich werden sie von Mitgliedern der Résistance aufgespürt und gelangen anschließend in amerikanische Kriegsgefangenschaft. Der Autor folgt nicht nur den Spuren seines Vaters sondern stellt, ausgehend davon, die Zusammenhänge der Ereignisse des Ersten Weltkriegs mit denen des Zweiten und der Gegenwart her. Er wechselt elegant und professionell zwischen Zeit und Raum. Jede Episode mit Datum und Überschrift, so dass der interessierte Leser immer weiß, wann und wo er sich befindet. Eine Szene hat mich besonders berührt. Gleich zu Beginn des Buches (S. 26) schreibt er, dass sein Vater der „erste und einzige Nazi in der Familie“ war. Das scheint auf den ersten Blick anachronistisch. Doch die folgenden Zeilen klären auf: Gerhard Freund ist in ärmlichen und engen Verhältnissen, in einer sogenannten „Zimmer-Küche-Kabinett-Wohnung“ in Wien-Meidling, dem Arbeiterbezirk aufgewachsen. Man wohnte zu fünft auf rund 50m², mit Klo und Wasser am Gang. Sein Vater, ein Lehrer, war recht bald nach der Machtergreifung der Nazis aus dem Schuldienst entlassen worden. Die Hitlerjugend bot dem jungen Gerhard das, was ihm das Elternhaus nicht bieten konnte: Freiheit (die später zu Unfreiheit wurde), Spiele, Spaß, Sport, Lagerfeuerromantik und Kameradschaft. Der Schüler hatte mit der Ideologie nichts am Hut, die kurzweilige Gemeinschaft mochte er, da er der Enge der kleinen Wohnung entfliehen konnte. Interessant finde ich auch, welch reichen Schatz an Dokumenten René Freund von und über seine Verwandtschaft gefunden hat (meine hat mir diesbezüglich kaum etwas hinterlassen). So entdeckt er, dass sein mütterlicher Großvater, der Agrarökonom Dr. Leo Müller, ein Weggefährte Leopold Figls (der spätere österr. Außenminister) war und wegen der Beschaffung von Lebensmitteln als „kriegsbedingt unabkömmlich“ war und so dem Gemetzel des Krieges entkommen ist. René Freund spricht mit vielen Zeitzeugen, z.B. mit dem Vater seines Ex-Schwagers, Frederick Giesbert, der ebenfalls im Jahr 1944 am Krieg in Frankreich teilnahm. Allerdings auf Seiten der Alliierten – denn er gehörte zu den Amerikanern, die am 6. Juni 1944, dem D-Day auf Omaha-Beach in der Normandie landeten. Er war einer der 30%, die die Landung überlebten. Autor René Freund ist Jahrgang 1967 und hat, wie so viele andere auch, mich eingeschlossen, seinem Vater bzw. Großvater die entscheidenden Fragen nach den Kriegsgeschehen nicht gestellt. Und selbst wenn die Fragen gestellt wurden, konnten sie oft nicht beantwortet werden, da das Erleben und das Wissen um die Gräuel des Krieges die Menschen nachhaltig verändert hatten. René Freund bricht auch ein wenig mit dem Tabu, dass über „diese Zeit“ (wie sie meist genannt wird) in den Familien nicht gesprochen wird. Die Gründe für das Schweigen sind vielfältig. Es wird noch einiger Zeit bedürfen, bis diese Hemmschwelle wegfallen wird. Doch dann werden die letzten Zeitzeugen nicht mehr leben. Der Schreibstil ist wie immer brillant. Einfühlsam und präzise bringt er den Lesern seine eigenen Gedanken, die sich vermutlich mit denen vieler Nachkommen decken, nahe. Das Buch beginnt und endet mit einer Art „Familienaufstellung“, in der die Personen der Spurensuche ihren Platz finden. Fazit: Eine Hommage an alle jene, die in dieser schrecklichen Zeit den Mut fanden, sich selbst treu und Mensch zu bleiben.

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  • Buchverlosung zu "Mein Vater, der Deserteur" von René Freund

    Mein Vater, der Deserteur

    ReneFreund

    Zum Welttag des Buches am 23. April nehme ich an der Aktion "Autoren schenken Lesefreude" teil. Und schon im Sommer startet eine Leserunde zu meinem neuen Roman ... ist aber noch alles sehr geheim!

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  • Mein Vater, der Deserteur

    Mein Vater, der Deserteur

    Gelinde

    02. June 2016 um 12:52

    Mein Vater, der Deserteur, von René FreundCover:Das Buch: einfaches graues HC –gefällt mir.Der Schutzumschlag, in seinen grau/(dunkel-)rot Farben gefällt mir auch sehr gut. Das Foto zeigt ein Paar, er in Uniform der NS Zeit.Inhalt:René Freund setzt sich mit dem Kriegstagebuch seines Vaters auseinander.Unglaublich was er zu den einzelnen Einträgen recherchiert und ergänzt.Es gibt Gegenüberstellungen von der Vergangenheit zur Gegenwart.Die Tagebuchauszüge, die am Anfang fast ironisch/witzig, teilweise wie ein Sightseeing-Bericht zu lesen sind und dazu die Anmerkungen mit dem Abstand und dem geschichtlichen Wissen von fast 70 Jahren (des Sohnes) später.Gerhard Freund ist achtzehn, als er zur Wehrmacht eingezogen wird, im August 1944 ist er dann in Paris und erlebt wie sinnlos alles ist und setzt sich ab, dabei kommt er in manch weitere gefährliche Situation.Meine Meinung:Dies ist nicht nur ein Buch über das Kriegstagebuch eines Soldaten. Es ist vielmehr eine Familiengeschichte, die aus verschiedenen Puzzelteilen zusammengewürfelt wird. Viele ältere Dokumente, Briefe und Bilder werden mit einbezogen und die unglaubliche Recherche des Autors bringt dies mit weiteren Berichten von Familienmitgliedern zu einer Geschichte zusammen.Es werden sehr viel Fakten (mir persönlich fast zu viel) über Politik, Gesellschaft und den persönlichen Beziehungen der Familie mit eingebaut.Das Gegenüberstellen von „heutiger Normalität“, „Kriegstourismus“ und den Schrecken und der unglaublichen Opferzahl macht sehr betroffen.Schreibweise: sehr informativ und emotional, viele Details, viele Vergleiche. Dieses Buch kann ich irgendwie mit nichts vergleichen was ich bisher gelesen habe. Es ist u.a. ein Bericht zu einer Familiengeschichte ausgebaut. Unglaublich was alles im Fundus (Schuhkartons) des Autors zu finden ist und was er noch alles dazu recherchiert hat .Der Handlungsbogen ist eher Trauer, ein Innehalten. Nicht so sehr eine „spannende Erwartung“ wie es weitergeht.Bei manchen Dingen, vor allem bei den politischen Zusammenhängen oder auch den personellen + familiären (der besser gesellschaftlichen) Zusammenhängen, fehlt mir teilweise der Über- oder der Durchblick. Dazu kenne ich mich zu wenig aus (ein Beispiel: Dollfuß-Anhänger?)PS: Die Familie ist/war schon etwas privilegiert?Autor:René Freund, geboren 1967, lebt als Autor und Übersetzter in Grünau im Almtal. Er studierte Philosophie Theaterwissenschaft und Völkerkunde.Mein Fazit:Ein Buch das betroffen macht. Das mir wieder vor Augen führt, das auch mein Vater so eine Hölle durchgemacht hat und nicht darüber geredet hat (und ich leider auch nicht mehr nachgefragt habe). Diese Generation stirbt weg, und die meisten konnten nicht darüber reden.Es ist schwer hier Sterne zu verteilen, so gebe ich 3,5 die ich dann auf 4 aufrunde.

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  • René Freund - Mein Vater, der Deserteur

    Mein Vater, der Deserteur

    miss_mesmerized

    22. May 2016 um 17:03

    Wie geht man mit den Kriegserinnerungen des Vaters um? René Freund begibt sich auf Spurensuche um nachzuvollziehen, was sein Vater als junger Soldat im Zweiten Weltkrieg erlebte. Mit nur 18 Jahren wird Gerhard Freund in die Wehrmacht eingezogen und nach Frankreich geschickt, wo er an sich an der Schlacht von Paris beteiligen soll. Ob all der Greueltaten um ihn herum desertiert er und wird in der Folge, nachdem die Alliierten sich langsam von der Normandie aus kommend nähern, von unterschiedlichen Lagern festgenommen, doch ein Happy End ist in Sicht. Mit seiner Familie reis René Freund nach Frankreich, um die letzten Kriegsmonate vor Ort nachzuvollziehen.Der Autor stellt im Buch selbst die Frage nach dem Warum dieses Buches. Unzählige Geschichten gibt es bereits über die Kriegserlebnisse von Soldaten, Zurückgebliebenen, Zeitzeugen aller Art. Für mich stellt sich diese Frage nicht, denn zum einen kann dies sicherlich das Ergebnis einer Auseinandersetzung mit der eigenen Familiengeschichte und so für einzelne Menschen von großer Bedeutung und damit Rechtfertigung sein. Zum anderen kann nur aufgrund der Unmenge an Beispielen und Dokumenten erfasst werden, was zwischen 1939 und 1945 in Europa geschah. Jeder einzelne Baustein trägt hier zu dem Gesamtbild bei und ist relevant. Das singuläre Erlebnis ist repräsentativ für viele und es kann nur immer wieder ins Gedächtnis gerufen werden, was geschah, um das Vergessen zu verhindern.Für mich insgesamt eine gelungene Auseinandersetzung, die teilhaben lässt an den Gedanken eines Sohnes, der immer auch mit der Angst leben muss, dass sein Vater ein Mörder gewesen sein könnte und dies für sich mit dem Bild des Vaters in Einklang bringen muss. Die Darstellung zwischen gestern und heute gefällt mir gut, weil sie Abwechslung bietet und eine gute Einbettung der historischen Dokumente erlaubt, was zu einem überzeugenden, informativen Gesamttext wird.

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  • Auf den Spuren des Vaters.

    Mein Vater, der Deserteur

    Gulan

    Der junge Österreicher Gerhard Freund wird mit 18 zur Wehrmacht eingezogen und landet schließlich in seinem Einsatz im August des Jahres 1944 in Paris. Die Front ist nicht mehr weit weg, in Paris setzt sich zunehmend die Résistance zur Wehr, der Krieg ist offenbar verloren. Zusammen mit anderen Soldaten fasst Gerhard Freund fast zwangsläufig einen Entschluss: Er desertiert. Freund überlebt den Krieg, macht später Karriere beim ORF, stirbt 1979. Dreißig Jahre nach seinem Tod und mehr als sechzig Jahre nach Kriegsende nimmt sich sein Sohn René Freund das Kriegstagebuch seines Vater vor und skizziert eine Familiengeschichte. Er beginnt mit dem Anschluss Österreichs und schwenkt dann schnell auf die Eintragungen seines Vaters in dessen Kriegstagebuch, immer wieder unterbrochen von Gedanken und Eindrücken aus der Gegenwart. Dabei versucht René Freund die persönlichen Geschichten und Anekdoten immer wieder mit historischen Fakten anzureichern. Der Autor hat ausgehend vom Kriegstagebuch viel recherchiert, in den Familienarchiven gewühlt, mit Zeitzeugen gesprochen und Zusammenhänge rekonstruiert. Aber was das Buch besonders macht: Er hat seine Familie ins Auto gesetzt und ist mit ihnen aufgebrochen nach Westen. Über Straßburg nach Paris und schließlich in die Normandie. Er sucht die Orte auf, von denen sein Vater schreibt, versucht sich in ihn hineinzuversetzen, etwas von der Vergangenheit zu spüren. Der Leser erfährt von den Veränderungen, denen seine Familie, Anhänger des alten Regimes, durch den „Anschluss“ ausgesetzt war, von der gefährlichen Situation der Desertierten, den Wirren um die Befreiung der französischen Hauptstadt, das Leben der Familie daheim und der amerikanischen Kriegsgefangenschaft des Vaters. Dabei kommt die Vergangenheit manchmal ganz nah, zum Teil bleibt sie jedoch auch eher vage. Gerade über die Zeit der Kriegsgefangenschaft gibt es nur wenige Einträge im Tagebuch. Eine sehr persönliche Auseinandersetzung mit dem Zweiten Weltkrieg in Form einer Familiengeschichte. Hier und da hätte ich mir noch etwas mehr Vertiefungen gewünscht, aber insgesamt ein wirklich lesenswertes Buch.

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    • 8

    Leseratz_8

    28. March 2015 um 19:15
  • Leserunde zu "Mein Vater, der Deserteur" von René Freund

    Mein Vater, der Deserteur

    ReneFreund

    Liebe Leserinnen und Leser, es ist ein ganz anderes Buch als "Liebe unter Fischen", das ich Euch diesmal vorstellen will. Keine leichte Liebesgeschichte, sondern die Geschichte einer Familie. Meiner Familie. Ich verlose dazu 20 Leseexemplare und bitte Euch, Euch bis 15. Oktober 2014 zu bewerben. Vielleicht mit einer möglichen Antwort auf die Frage: Ist es eher spannend oder eher enttäuschend, wenn ein Autor sich auf ein neues Gebiet wagt und einmal ganz etwas anderes schreibt? Jedenfalls freue ich mich schon sehr auf die Leserunde, die war bei "Liebe unter Fischen" sehr lehrreich und interessant für mich, und ich möchte auch diesmal gerne selbst eifrig teilnehmen und Eure Fragen beantworten!

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    • 396
  • Rezension: "Mein Vater, der Deserteur. Eine Familiengeschichte" (R. Freund)

    Mein Vater, der Deserteur

    Anchesenamun

    26. January 2015 um 20:12

    Zum Inhalt Gerhard Freund ist erst 18 Jahre alt, als er im Sommer 1944 als Wehrmachtssoldat eingezogen wird. Zusammen mit anderen Zwangsrekrutierten wird er nach Frankreich geschickt, um dort an der Schlacht von Paris teilzunehmen. Doch Gerhard Freund hat andere Pläne: Überzeugt von der Sinnlosigkeit des Krieges desertiert er mit einem älteren Kameraden – ein lebensgefährliches Unterfangen, denn Deserteure werden als Vaterlandsverräter sofort hingerichtet. Doch der junge Soldat hat Glück im Unglück: Zwar wird er von der Résistance festgenommen und landet später gar als Kriegsgefangener in einem Umerziehungslager in den USA, doch er überlebt den Krieg und startet später eine Karriere beim österreichischen Fernsehen. Über 60 Jahre später setzt sich sein Sohn René Freund mit dem leider nur fragmentarisch erhaltenen Kriegstagebuch des Vaters auseinander. Er reist mit seiner Familie nach Frankreich, spricht mit Zeitzeugen und versucht, das Leben seines Vater und die Kriegsjahre in Frankreich zu rekonstruieren. Meine Meinung Gerhard Freund starb früh an einem Hirnaneurysma, als René noch ein Kind war, und so gab es nie ein Gespräch zwischen den beiden, das mehr Licht in die Geschichte bringen könnte. Es ist schade, dass der Autor die Geschichte seines Vaters mühselig zusammensammeln musste. Doch er weiß sich zu helfen, indem er mit Zeitzeugen spricht und die ihm vorliegenden Informationen mit historischen Fakten verknüpft. Außerdem reist er zusammen mit seiner Familie nach Frankreich, um als „Kriegstourist“ auf den Spuren des Vaters zu wandeln. Ich finde es gut gelungen, dass die Geschichte sich abwechselt mit Erzählungen aus der Vergangenheit und René Freunds Erlebnissen während seiner Reise an die einstigen Kriegsschauplätze. Dazu kommen noch weitere Nebenstränge, z. B. über Leo Müller, René Freunds Großvater mütterlicherseits. „Mein Vater, der Deserteur“ ist nicht nur die Aufarbeitung einer Familiengeschichte, sondern auch in gewisser Weise ein Geschichtsbuch. Auch wenn Gerhard Freund selbst keine Schlacht mitgekämpft hat und seine Erzählungen im Vergleich zu anderen Soldatenerzählungen doch relativ „harmlos“ sind, berichtet dafür der Autor ungeschönt von Kämpfen und Kriegsgräueln und zitiert viele Zeitzeugen. Nicht immer etwas für ganz Zartbesaitete, aber Krieg war nunmal nicht schön, und es wäre falsch, hier ein Blatt vor den Mund zu nehmen. Trotz der schweren Thematik ist das Buch unterhaltsam, vor allem die Passagen aus der Gegenwart sind recht locker und teilweise auch humorvoll geschrieben. Das liegt wohl in der Familie, auch die Tagebucheinträge des Vaters sind stellenweise ironisch gehalten – vielleicht ja aus Selbstschutz? Ich muss zugeben, dass diese etwas flapsig wirkende Art wohl auch dazu führte, dass mir Gerhard Freund immer etwas distanziert blieb, aber das macht der Autor wieder mit seinem Schreibstil wett. Auch wenn man Humor bei diesem Thema vielleicht nicht unbedingt erwarten würde, mochte ich das, denn er taucht nie an unpassender Stelle auf, so dass es flapsig oder pietätlos wirken könnte. Und oft genug wird es in diesem Buch – v. a. wenn Zeitzeugen zu Wort kommen – auch sehr emotional. „Mein Vater, der Deserteur“ ist ein Buch, das noch lange nachwirkt und das man nicht einfach nach dem Auslesen weglegt und sofort mit dem nächsten Schmöker beginnt. Wir sollten René Freunds Aufforderung nachkommen und mit noch lebenden Zeitzeugen sprechen, bevor es zu spät ist.

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  • Die LovelyBooks Themenchallenge 2015

    Das Schloss der Träumenden Bücher

    Daniliesing

    Ihr lest gern Bücher aus den verschiedensten Genres? Ihr sucht nach einer Leseherausforderung für 2015? Dann seid ihr hier genau richtig! Der Ablauf ist ganz einfach: Bei der Themen-Challenge geht es darum, passend zu 40 vorgegebenen Themen mindestens 20, 30 oder 40 Bücher aus 20, 30 oder 40 unterschiedlichen Themen zu lesen. Ihr könnt euch selbst als Ziel stecken, ob es 20, 30 oder 40 Bücher werden sollen. Bitte gebt dieses Ziel bei der Anmeldung mit an. Bitte sammelt alle eure gelesenen Bücher mit den passenden Themen in einem einzelnen Beitrag, den ich oben in einer Teilnehmerliste bei eurem Namen verlinken werde. Schickt mir dazu eine Nachricht mit dem Link zu eurem Sammelbeitrag! Wenn ihr ein Thema erfüllt habt, schreibt in diesem Sammelbeitrag, mit welchem Buch ihr das geschafft habt und postet einen Link zu eurer Rezension oder aber verfasst eine Kurzmeinung auf der Buchseite und teilt dann den Link zur Lesestatus-Seite, auf der auch die Kurzmeinung zu finden ist, mit uns. Diese Challenge läuft vom 1.1.2015 bis 31.12.2015. Alle Bücher, die in diesem Zeitraum und passend zu den Themen gelesen wurden, zählen. Es zählen Bücher aus allen Genres und mit allen Erscheinungsjahren, sofern sie die Themen erfüllen. Sie dürfen gern vom SuB (= Stapel ungelesener Bücher) oder neu gekauft, geschenkt bekommen oder geliehen sein. Man kann jederzeit noch in die Challenge einsteigen und auch passende Bücher zählen, die man zuvor im Jahr 2015 gelesen hat. Zu diesen Themen wollen wir passende Bücher lesen: Für jedes Thema gibt es ein extra Unterthema, in dem ihr euch über eure gelesenen oder eventuell dazu geplanten Bücher austauschen könnt. Ein Buch, in dem es um Bücher, Literatur und / oder das Lesen geht. Ein Buch, dessen Cover hauptsächlich (am besten ausschließlich) Schwarz und Weiß ist. Ein Buch, dessen Titel aus genau 2 Wörtern besteht. Ein Buch mit einer durchschnittlichen Bewertung von 3 oder weniger Sternen auf LovelyBooks. (Das Buch muss mindestens 3 Bewertungen haben, es gilt der Zeitpunkt, zu dem du zu lesen beginnst.) Ein Buch von einem Bestsellerautor, von dem du selbst noch nie etwas gelesen hast. Ein Buch, das gedruckt bisher ausschließlich als Hardcover erschienen ist. Ein Buch, das in Asien, Südamerika oder Afrika spielt. Ein Buch mit mehr als 650 Seiten. Ein Buch mit einer jungen und einer älteren Hauptfigur, mindestens 40 Jahre Altersunterschied. Ein Buch, zu dem es auf LovelyBooks noch keine Rezension sowie keine Kurzmeinung gibt. (Es zählt der Zeitpunkt des Lesebeginns.) Ein Buch mit einen elektrischen Gegenstand auf dem Cover. Ein Buch, in dessen Buchtitel gegenteilige Wörter / Dinge genannt werden. Ein Buch von einem Autor, der bisher ausschließlich dieses eine Buch veröffentlicht hat. Ein Buch, das durch seinen Titel & sein Cover auf eine ganz bestimmte Jahreszeit hindeutet. Ein Buch, in dem mindestens 3 unterschiedliche fantastische Wesen vorkommen. Ein Buch das, egal ob im Original oder in der Übersetzung, einen Literaturpreis gewonnen hat. (Bitte den Namen des Preises mit angeben.) Ein kunterbuntes Buch. Ein Buch, dessen Buchtitel eine Aufforderung ist. Ein Buch, bei dem die Initialen des Autors 2 aufeinanderfolgenden Buchstaben im Alphabet entsprechen. Ein Buch, das erstmalig 2015 in dieser Sprache erschienen ist. Ein Buch, das du geschenkt bekommen hast. (Bitte verrate auch von wem und zu welchem Anlass.) Ein Buch, in dem ein Tier von großer Bedeutung ist. Ein Buch mit Streifen auf dem Cover. Ein Buch, das eine Buchreihe abschließt. Ein Buch, das kein Roman ist. Ein Buch, das in einem Verlag erschienen ist, dessen Verlagsname mit dem selben Buchstaben beginnt oder endet wie dein Vor- oder Nickname. Bitte den Vornamen ggf. mit angeben ;) Ein Buch, in dessen Titel das Wort "Liebe" vorkommt. Eines der 5 Bücher, die schon am längsten ungelesen in deinem Regal stehen. (Falls du es weißt, verrate doch, wie lange du es schon besitzt.) Ein Buch, das für dich ein außergewöhnlich schönes Buchcover hat. Ein Buch, das verfilmt wurde oder sicher verfilmt wird. Ein illustriertes Buch. Es sollten richtige Zeichnungen und nicht nur Verzierungen am Seitenrand sein. Ein Buch, das zuerst auf Deutsch erschienen ist und ins Englische übersetzt wurde. Ein Buch, dessen Autor bereits verstorben ist. Ein Buch, das einen Monat im Buchtitel hat. Bitte lies das Buch auch in dem Monat, der im Titel vorkommt. Ein Buch, in dem es um Musik geht. Ein Buch, von dem du dachtest, du würdest es niemals lesen, weil es z.B. nicht deinen Lieblingsgenres entspricht. Ein Buch mit Blumen / Blüten auf dem Cover. Ein Buch, das eine Krankheit oder Behinderung thematisiert. (Bitte gab auch an welche!) Ein blutiges Buch. Ein Buch, in dessen Titel mindestens ein Wort aus einer anderen Sprache vorkommt. (Es darf nicht im deutschen Duden stehen.) Ich wünsche uns allen ganz viel Spaß & ich bin gespannt, welche Themen sich am leichtesten und welche als am schwierigsten heraustellen! Wer ist dabei? Ein paar zusätzliche Informationen: * Bezieht euch bei der Zuordnung des Buches zu einem der Themen immer auf die Ausgabe des Buches, die ihr selbst besitzt! * Sprache, Format etc. sind egal - auch Hörbücher gelten, außer es ist für das Thema von Bedeutung * Man kann diese Challenge mit anderen kombinieren, also auch Bücher hierfür und gleichzeitig für andere Challenges zählen. * Die Zuordnung der Bücher zu bestimmten Themen kann auch nachträglich noch geändert werden. * Wichtig ist, dass man das Buch 2015 beendet. Wann man es angefangen hat, ist egal. * Falls Bücher, die eine ISBN haben, noch bei LovelyBooks fehlen, geht in eure Bibliothek und sucht es oben unter "Bücher hinzufügen". Dort wählt ihr für deutschsprachige Bücher die Suche bei Amazon.de aus, für fremdsprachige alternativ Amazon.co.uk oder .com Die Challenge wird im Januar 2016 ausgewertet! Wer vorher sein Jahresziel erreicht hat, kann mir eine kurze Nachricht schreiben. Teilnehmer: 0VELVETVOICE0 19angelika63 (1/40) 78sunny (40 / 40) AberRush (30 / 30) Aduja 1(2/20) Aglaya (40 / 40) Agnes13 (40/40) Ajana (14/20) Alchemilla (1/40) Aleida (30 / 30) allegra (20 / 20) Alondria (22 / 20) Amaryllion (13/20) Amelien (19/20) ANATAL (31/30) andymichihelli (40/40) angi_stumpf (40 / 40) Aniday (36 / 30) Annilane (0/30) Anniu (16/30) anra1993 (33/40) Anruba (33/40) anybody (13/40) apfel94 (0/40) Arachn0phobiA (40 / 40) Aria_Buecher (15/40) Arizona (22/20) Ascheflocken (12/40) AuroraBorealis (14/20) Ayda (3/20) baans (8/30) Backfish (7/20) Bambi-Nini (25/20) ban-aislingeach Belicha (2/20) Bella233 (40 / 40) Bellis-Perennis (40 / 40) BethDolores (0/40) BiancaWoe (8/20) Bibliomania (32 / 30) Birgit1985 (20 / 20) black_horse (40 / 40) blauerklaus (24/20) Bluebell2004 (35/20) BlueSunset (36/30) bookgirl (30/40) Bookling (0/20) bookscout (33/30) Bookwormy (3/20) Bosni (21/20) buchfeemelanie (18/30) Buchgeborene (1/40) Buchgespenst (30 / 30) 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    • 8480
  • Die Spuren der Vergangenheit

    Mein Vater, der Deserteur

    JessSoul

    26. December 2014 um 00:15

    "Und all die anderen tauchen auf aus dunklem Hintergrund, Kinder, geborene und ungeborene, Lebende und Tote, jeder sucht seinen Platz und alles kommt in Bewegung, bleibt in Bewegung, es scheint wie ein Tanz, und die einzelnen Menschen lösen sich auf in dem Ganzen, verschwinden in der Suche nach Gleichgewicht und Ordnung." René Freund verliert schon mit 12 Jahren seinen Vater Gerhard Freund, welcher im Jahr 1944 im Alter von 18 Jahren in Paris desertierte. Viele Jahrzehnte später findet er das Kriegstagebuch seines Vaters, welches von seinen Erlebnissen im Krieg und der Desertation berichtet. Was folgt ist eine Unmenge an Archivarbeit, eine lange Reise in die Vergangenheit und nach Frankreich, in der er gemeinsam mit seiner Familie den Spuren seines Vaters folgt, um sowohl ihn, als auch seine gesamte Familiengeschichte besser kennenzulernen. "Mein Vater, der Deserteur" ist nicht nur eine brilliant recherchierte Familiengeschichte, sondern auch eine Reise zu den Abgründen der Menschheit, zu ehrenwerter Menschlichkeit und schlussendlich zum eigenen Ich, denn kaum eine Person unserer Generation vermag zu sagen, wie er sich in ähnlichen Situationen verhalten würde. "Meine siebenjährige Tochter Hannah ist vor dem Fernseher eingeschlafen. Ich trage sie in ihr Bett. Ich komme am Spiegel vorbei und sehe uns an. Ihre Arme hat sie wie Flügel ausgebreitet, ihre kleinen Hände baumeln müde herab. Der Kopf hängt entspannt über meinem Arm, der Mund ist leicht geöffnet und auf dem von Locken umrahmten Gesicht ruht ein friedlicher Ausdruck. Ich erschrecke, ein Bild kommt in mir hoch. Ich stehe jetzt genauso da wie der irakische Vater, den ich damals im Fernsehen gesehen habe. Er trug ein kleines lockiges Mädchen im Arm, das bei einem amerikanischen Raketenangriff getötet worden war. Im Gesicht des Vaters konnte man Entsetzen lesen, und Hass. Manchmal wird einem schlagartig klar, warum Menschen, die wir "Fanatiker" und "Radikale" nennen, Radikale und Fanatiker werden."Mit diesem sehr persönlichen Bezug des Autors zur Geschichte erreicht das Buch eine ganz neue Dimension als jeder herkömmliche historische Roman, man projeziert sich selbst in die Rolle des Autors und fängt plötzlich an, sich Fragen zu stellen, die schon viel eher hätten gestellt werden müssen. Wir leben momentan in einer Zeit, in der uns die Zeitzeugen allmählich wortwörtlich davonsterben. Wer es noch kann, der muss jetzt fragen, auch wenn es vielleicht für die Befragten schmerzhaft ist oder bei allen Beteiligten Erinnerungen wachrüttelt, die längst verdrängt, aber nie verarbeitet wurden. Fast jeder Mensch kennt diese Situation, dass er einem geliebten, aber verlorenen Menschen gerne noch so viele Fragen gestellt hätte. Aber irgendwann ist es einfach zu spät. Doch dieses Buch rüttelt auf! Man erschreckt selbst darüber, wie wenig man tatsächlich über die Menschen weiß, die einem so nahe standen oder stehen. Und ich bin mir ziemlich sicher, dass es dieses Jahr weitaus mehr Familiengespräche über den Krieg und das Leben danach gegeben hat, als in den Jahren vor diesem Buch. Und wenn es auch nur ein einziges Gespräch mehr wäre, hätte "Mein Vater, der Deserteur" mehr erreicht, als man von einem Buch erwarten kann. Dafür kann man sich bei René Freund nur bedanken, denn jedes noch so kleine Puzzleteil unserer Geschichte und der unserer Vorfahren hat dazu beigetragen, dass wir sind, wer wir sind. Und wer möchte nicht gern wissen, warum er so ist, wie er ist. Nicht nur dieser persönliche Weckruf und die vielen Nährböden für interessante Diskussionen machen das Buch zu etwas Besonderem: Man hat viel über den Krieg gelesen und gesehen und gehört, und dennoch staunt man in fast jedem Kapitel darüber, von was man tatsächlich noch nichts wusste. "Das Gefühl, für die rechte Sache zu kämpfen, hatten die GIs im Irak oder in Afghanistan offensichtlich nicht. 2012 starben mehr Soldaten der US-Armee durch Selbstmord als im Kampfeinsatz." Viele dieser hochinteressanten Fakten, die nicht nur den zweiten Weltkrieg, sondern auch unsere heutige Zeit betreffen, sind so prägnant, dass sie das Denken des Lesers zum Teil nachhaltig verändern können. Wenn sie es nur zulassen. Das i-Tüpfelchen allerdings ist neben den vielen alten Fotos die wie gewohnt fantastische Sprache, die hier durch den persönlichen Bezug wahrscheinlich den Höhepunkt erreicht. Kein Satz scheint einfach dahin geschrieben, jedes Wort ist prägnant gewählt und doch mit Leichtigkeit gesetzt, manche Sätze muss man dreimal lesen, damit man begreift, wie viel Tiefe in diesen wenigen Worten steckt. "Ich schließe meine Schuhkartons. Schwarzweißfotos verschwinden darin, von Staub bedeckt, Bilder von jungen, hoffnungsfrohen Menschen. Die meisten dieser Menschen sind tot. Ich räume vergilbte Briefe weg, Briefe, die von Verzweiflung, aber auch von Freude und Dankbarkeit künden. Ich verstaue Dokumente, österreichische, amerikanische, französische, und all die mit dem Hakenkreuz. Erinnerungsstücke, eine Postkarte mit dem Eiffelturm, das Holzpferd meines Vaters, ein vierblättriges Kleeblatt, als solches nur noch schwer zu erkennen, eine Locke, auf welchem Kopf mag sie gewachsen sein? Eine Zeile von Mascha Kaléko kommt mir in den Sinn: "Die Zeit steht still. Wir sind es, die vergehen."" Fazit: Nicht nur für historisch interessierte Leser und Fans des Autors, sondern für jeden Menschen mit Herz ist dieses Buch ein Muss!

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  • Das Geheimnis des Glücks ist die Freiheit, das Geheimnis der Freiheit aber ist der Mut.

    Mein Vater, der Deserteur

    Sick

    Gerhard Freund ist achtzehn Jahre alt, als er im Sommer 1944 nach Paris geschickt wird. In der Stadt bekämpfen sich Untergrundorganisationen, die Résistance und die Wehrmacht. Gerhard und einer seiner Kameraden erkennen schnell, dass sie wohl nicht mehr viel werden ausrichten können – und verschwinden… Mit „Verschwinden“ meinte Gerhard Freund eigentlich „Desertieren“. Allerdings schreibt er dieses Wort nicht ein einziges Mal in sein Kriegstagebuch. Stattdessen erzählt er, wie er in die französische Hauptstadt kam, wie er und sein Freund den Fängen der Résistance entkamen und wie es ihm in amerikanischer Kriegsgefangenschaft erging. Diese Tagebucheinträge sind einerseits sehr eindrücklich geschildert, bewahren aber doch auch eine gewisse Distanz. Häufig findet sich ein ironischer Unterton wieder. Gerhards Sohn René findet die Aufzeichnungen etwa sechzig Jahre nach Kriegsende wieder, da ist der Vater schon über dreißig Jahre tot. Auch wenn er selbst noch einige Fragen gehabt hätte, bemüht er sich sehr dem Leser die persönlichen Zeilen näher zu erläutern. Denn nicht nur Gerhard Freund ist im Zweiten Weltkrieg in Frankreich gelandet. Ein weiterer Verwandter war beim D-Day dabei – auf Seiten der Amerikaner. Die Schauplätze und Zeiten springen hin und her. Zwischen den Tagebucheinträgen befinden sich zusammengetragene Fakten, Gespräche mit Zeitzeugen und die eigenen Eindrücke des Autors. Denn zusammen mit seiner Familie fährt er nach Paris und in die Normandie, um sich selbst ein Bild zu machen von dem, was sein Vater in den Tagen der Befreiung Frankreichs erlebt hat. Abgerundet wird das Ganze durch das Leben der Großmutter auf dem österreichischen Land und dem Werdegang Gerhard Freunds nach dem Krieg. Das Buch lässt sich sehr leicht lesen, hat aber trotz der schmalen 208 Seiten relativ viel Inhalt. Die Auflockerungen kommen meiner Meinung nach durch die Ausgewogenheit. Zahlen und Fakten vermischen sich mit Lebensgeschichten, Anekdoten mit realen Erzählungen und Fotografien. Leser, die sich schon mit dem Zweiten Weltkrieg befasst haben, werden neue Erkenntnisse gewinnen, im Gegenzug werden diejenigen, die eher nicht so gerne Sachbücher lesen, die persönlichen Eindrücke zu schätzen wissen. Abschließend kann ich nur sagen, dass ich Geschichte selten so lebhaft dargestellt bekommen habe. Trotzdem informiert das Buch und regt gleichermaßen zum Nachdenken an. Ich kann es Interessierten nur wärmstens ans Herz legen!

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    • 6

    Sabine17

    14. December 2014 um 17:00
  • Die Reise

    Mein Vater, der Deserteur

    Igelmanu66

    Mittwoch, 16. August (1944) Ankunft in Paris am Gare de l’Est, von dort nach Gare du Nord zur Unterkunft. Wir besuchen Notre Dame, alles zu Fuß, da erstens Verkehrs- und zweitens Zahlungsmittel knapp sind. Auf der Frontleitstelle weiß man nicht mehr wie die Front verläuft, nur eines ist sicher, nämlich, dass unsere Einheit eingeschlossen ist. Unser »Transportführer«, ein Unteroffizier wie wir alle, nur hat er die Reisepapiere, fasst den heroischen Entschluss, auf einem LKW in den Kessel einzusickern. Im Jahr 1944 wird der 18jährige Gerhard Freund zur Wehrmacht eingezogen und nach Paris geschickt, wo er die besetzte Stadt gegen die heranrückenden Alliierten verteidigen soll. Dem „heroischen Entschluss“ mag er nicht folgen und desertiert, gerät dann aber zunächst in die Fänge der Résistance und anschließend in amerikanische Kriegsgefangenschaft. Mehr als 60 Jahre später findet sein Sohn René Freund im Nachlass des Vaters dessen Kriegstagebuch, das er am Abreisetag Richtung Paris begonnen hatte zu schreiben. Bei der Lektüre erfährt er vieles, worüber der Vater nie gesprochen hat. Im Bemühen, dem Vater noch näher zu kommen, fährt er nach Paris. Und er spricht mit Zeitzeugen, beispielsweise dem Vater seines Ex-Schwagers, der ebenfalls im Jahr 1944 in Frankreich am Krieg teilnahm. Allerdings auf Seiten der Alliierten – denn er gehörte zu den Amerikanern, die am 6. Juni im Abschnitt Omaha in der Normandie landeten… Wow, was für ein Buch! Ich lese ja ohnehin sehr gerne Zeitgeschichtliches, aber dieses Buch hatte für mich etwas ganz Besonderes. Da war zunächst mal die Ausgangssituation: Ein Sohn findet das Kriegstagebuch seines Vaters und ergreift die Gelegenheit, mehr über ihn zu erfahren. Ich kann das sehr gut nachvollziehen! Es gibt ja Zeitzeugen, die über ihre Erlebnisse sprechen. Aber nicht wenige Menschen sind dazu überhaupt nicht in der Lage – ein aus Selbstschutz errichteter Verdrängungsmechanismus hält sie davon ab. Und auch wir tun uns oft schwer, aktiv auf die Älteren zuzugehen und Fragen zu stellen. Zumal wenn man befürchten muss, dabei Wunden aufzureißen. Ich kenne das. Das Tagebuch tat das, was ein Tagebuch soll: Es nahm ganz persönliche Eindrücke und Empfindungen des Schreibers auf. Als Leser ist man dadurch sehr viel näher am Geschehen, als es ein reiner Tatsachenbericht bieten könnte. Der 18jährige Gerhard Freund hat sich bestimmt nicht vorgestellt, dass sein Tagebuch 70 Jahre später der Öffentlichkeit bekannt gemacht würde. Für ihn war es wohl nur ein Weg, seine Ängste zu verarbeiten. Ich habe selbst einen 18jährigen Sohn und ich weiß, wie verletzlich so ein junger Mann unter seiner oft coolen Schale ist. Bemerkenswert ist, wie gut und ausführlich die Einträge geschrieben sind. Zudem findet sich im Schreibstil immer wieder eine herrliche Ironie, an anderen Stellen aber eine auffällige Nüchternheit. Für mich ein deutliches Zeichen dafür, wie schwer die Situation für den jungen Mann war. Ein Beispiel: In einem Eintrag beschreibt er das Einladen von Verwundeten in einen Eisenbahnwaggon. Man sollte erwarten, detaillierte Beschreibungen von Verletzungen zu lesen. Aber weit gefehlt, der Abschnitt wirkt eher distanziert. Ich denke, anders zu schreiben, wäre ihm wohl kaum möglich gewesen, um in dieser Situation überhaupt weitermachen zu können. „Den Rest der Nacht laden wir Verwundete ein, der Zug besteht nur aus Viehwagen mit Stroh und mitten unter den Stöhnenden sitzen Blitzmädchen, die man im letzten Augenblick noch evakuieren will. Als der Zug voll ist, werden die restlichen Verwundeten einfach auf dem Bahnsteig liegen gelassen und ich habe später erfahren, dass der ganze Zug nicht mehr abgefahren ist.“ Das Buch verbindet die persönlichen Schilderungen des jungen Gerhard Freunds mit denen seines Sohnes im Jahr 2010. René Freund las nicht nur das Kriegstagebuch seines Vaters, er suchte weitere Informationen, durchstöberte Archive und redete mit Zeitzeugen. Und er dachte nach – wie man in einer solchen Situation nachdenkt: Was hat er (der Vater) wohl empfunden, was hat er gedacht? Was hätte ich in einer Lage wie der seinen getan? Wie ist das überhaupt mit der Frage nach der Rechtfertigung eines Kriegs? Macht man es sich nicht zu einfach, wenn man sagt, dass man ein Kriegsgegner ist? „Der Schriftsteller Doron Rabinovici erzählt mir bei einer Begegnung, er sei kein Pazifist, sei nie Pazifist gewesen. »Die Sätze „Nie wieder Krieg“ und „Nie wieder Auschwitz“ widersprechen einander«, sagt er. Das kann ich nur so stehen lassen. Was wäre gewesen, wenn man die Welt Adolf Hitler und seinen Erben überlassen hätte? Man hätte das millionenfache Morden geduldet. Toleriert. Gesagt: Macht nur weiter, wir finden das vielleicht nicht schön, aber wir lassen euch in Ruhe.“ Eins wurde mir schnell klar: Dieses Buch bietet reichlich Stoff zum Nachdenken. René Freund schrieb an einer Stelle: „Auch diese Geschichte interessiert mich. Ich kann kaum einen Absatz schreiben, ohne auf irgendein Detail zu stoßen, das mich zu weiteren Nachforschungen anregt. Ich brauche viel länger für die Arbeit an diesem Buch, als ich vorgesehen hatte.“ Tja, und ich brauchte viel mehr Zeit zum Lesen, als ich angenommen hatte! Wenn ich nicht gerade über das Gelesene nachdachte (und also weiterlas) nahm ich immer neue Informationen auf. Sowohl über den zweiten Weltkrieg als auch über die Familie des Autors. Dieses Buch ist ein wirklich persönliches Buch, er schreibt darin umfassend über seine Eltern, Großeltern und weitere Verwandte. Auch hierzu hat er wieder recherchiert, in Nachlässen gesucht, Ämter angeschrieben. Am Ende stehen mir viele Mitglieder der Familie deutlich vor Augen… Ich weiß ja nicht, wie es anderen Lesern geht, aber schreckliche Ereignisse machen mich häufig umso betroffener, wenn ich sie mit Namen und Gesichtern verbinden kann. Apropos Gesichter! Fotos fehlen auch nicht im Buch! Allerdings gibt es keine Schlachtenszenen, sondern größtenteils Familienfotos („1936, 1. Klasse Gymnasium“, „Gerhards kleine Schwestern Iduna und Gudrun“) und Aufnahmen vom Soldaten Gerhard Freund im Kreis seiner Kameraden. Und dann gab es ja noch einen weiteren (im weitesten Sinne) Verwandten: Den Vater von René Freunds Ex-Schwager, einen Amerikaner. Private Frederick Giesbert landete am D-Day im Abschnitt Omaha. Er war damals 24 Jahre alt. Er überlebte, doch… „Als Frederick 1945 als Held aus dem Krieg zurückkehrte, erkannte ihn seine Mutter nicht wieder. Aus ihrem sanften, fröhlichen Jungen war ein schweigsamer, zur Gewalttätigkeit neigender Mann geworden.“ Der „D-Day“ – ein weiteres großes Thema dieses Buchs. Auch hier begibt sich René Freund wieder auf die Reise. An den Originalschauplätzen, den bekannten Strandabschnitten in der Normandie, verbindet er erneut seine eigenen Gedanken mit Informationen. Für mich als Leserin bedeutete das, dass ich auch zu diesem Thema viele (teils vollkommen neue) Eindrücke bekam. Ein Beispiel: Die grausamen Szenen bei der Landung der Alliierten kennt wohl jeder. Aber dass es vor diesem Datum in der Normandie so viele Opfer durch Angriffe der Alliierten gegeben hatte, war mir nicht bewusst. Und ich finde den Gedanken absolut erschreckend, wie man solche Opfer billigend in Kauf nehmen konnte. „1944 herrschte in der sanften Landschaft der Normandie Krieg. Tod und Zerstörung zogen über das Land. Vor der Landung am 6. Juni heulten fast Tag und Nacht die Luftschutzsirenen. Alliierte Verbände bombardierten die Küste und das Hinterland, um deutsche Stellungen zu zerstören. Präzision existiert in keinem Krieg. Das, was heute zynisch »Kollateralschaden« genannt wird, brachte die Bevölkerung der Normandie gegen die Alliierten auf. … So trugen vor allem die Zivilisten das Leid der Bombardements, die der Invasion vorangingen. Als die Landung begann, waren bereits 15.000 tote und 19.000 verletzte französische Zivilisten zu beklagen. Der britische Historiker Antony Beevor schreibt in seinem monomentalen Werk »D-Day – Die Schlacht um die Normandie«: »Es ist ein ernüchternder Gedanke, dass während des Krieges 70.000 französische Zivilisten von alliierter Hand sterben mussten, mehr als die Gesamtzahl der Briten, die die Deutschen mit ihren Bomben töteten.«“ Meine Güte, ich könnte mich dranhalten. Selten war meine Liste von Notizen, die ich mir während des Lesens mache, so lang. Die Fülle von Informationen zusammen mit den vielen Gedankengängen fasziniert mich. Ich glaube, über das Thema „Desertion“ habe ich noch nie so gründlich nachgedacht. Wie oft werden Deserteure als Feiglinge bezeichnet? „Doch zum Desertieren gehörte Mut – nicht nur, sein Leben aufs Spiel zu setzen, sondern auch, sich dem militärischen Kodex der »Kameradschaft« zu entziehen. Der Mut, allein dazustehen.“ Eine in meinen Augen sehr zutreffende Aussage! Dazu gab es erneut Infos – beispielsweise zum Umgang des Staates mit Wehrmachtsdeserteuren. Damit tat und tut man sich auch heute noch teilweise schwer. „Im Gegensatz zu anderen Soldaten oder SS-Mitgliedern, die »ihre Pflicht getan hatten«, rechnete der Staat den Deserteuren die Jahre bei der Wehrmacht nicht für die Rente an. Die Republik stellte sich also indirekt auf die Seite der NS-Behörden. … Auch in Deutschland tat man sich schwer mit der Rehabilitierung der Wehrmachtsdeserteure. Im Jahr 2002 hob der Bundestag die NS-Urteile gegen Deserteure, Kriegsdienstverweigerer und »Wehrkraftzersetzer« auf. Ausgenommen von der Rehabilitierung wurden sogenannte »Kriegsverräter«, weil sie angeblich Zivilisten und Kameraden gefährdet hatten. Die Unterscheidung erwies sich bei näherem Hinsehen als künstlich und – schlimmer noch – verhaftet in der Diktion der NS-Justiz. Denn als Kriegsverrat galt auch eine pessimistische Einschätzung des Kriegsverlaufs, Kritik am Führer oder die Unterstützung von Juden. Erst im Jahr 2009 – 64 Jahre nach Kriegsende – beschloss der Bundestag auch eine Rehabilitierung der »Kriegsverräter«“ Wirklich viel Stoff! Aber das Schöne an diesem Buch ist, dass es sich – wie ich finde – auch Leser vornehmen können, die um das Genre „Sachbuch“ ansonsten einen Bogen machen. Denn die Auszüge aus dem Tagebuch ziehen sich durch das ganze Buch und ebenso die Stationen der Reise von René Freund. Und auch die Frage: „Was wurde nach dem Krieg aus Gerhard Freund?“ wird beantwortet. Gerhard Freund bemühte sich zeitlebens, seinem Sohn seine Einstellung zum Krieg zu vermitteln. Ich denke, dieses Buch hätte ihm gefallen.

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    • 14

    dicketilla

    06. December 2014 um 06:45
  • Mein Vater, der Deserteur

    Mein Vater, der Deserteur

    nataliea

    03. December 2014 um 11:57

    "Mein Vater, der Deserteur" ist eine bewegende Familiengeschichte, in der der Autor die Vergangenheit auf zu verarbeiten versucht. Zum Inhalt ist folgendes zu sagen: Gerhard Freund wird mit 18 Jahren zur Wehrmacht eingezogen. Während dem Krieg hält Freund seine Erlebnisse und auch Gedanken in einem Tagebuch fest. Doch im Jahr 1944 soll er an der Schlacht um Paris teilnehmen. Von der Brutalität abgeschreckt, desertiert dieser... Der Autor und zugleich Sohn von Gerhard Freund beschließt nach dem Auffinden des Tagebuchs die Vergangenheit aufzuarbeiten und die Erlebnisse in einem Buch festzuhalten. Seine Recherchearbeit wird flüssig und leicht verständlich wiedergegeben. Dieses Buch nimmt den Leser mit auf die emotionale Reise von Gerhard Freund. Die private Sichtweise auf die Kriegserlebnisse bzw. der Erfahrungsbericht bergen etliche interessante Informationen und persönliche Eindrücke. Auch da es heutzutage nicht mehr viele Zeitzeugen gibt, die über das Erlebte sprechen können oder wollen. Sehr gut gefallen hat mir im Übrigen, dass das Buch kein reiner Tatsachenbericht ist. Es ist eine Mischung aus Tagebuchauszügen, persönlichen Interpretationen und historischer Schilderungen. Abschließend kann ich dieses Buch nur weiterempfehlen. Beim Lesen sollte man sich auch selbst einmal die Frage stellen, wie man selbst in solch ein Situation gehandelt hätte...

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  • Eine Familiengeschichte, die viele andere Familien in der Nachkriegsgeschichte betreffen

    Mein Vater, der Deserteur

    BookfantasyXY

    Dieses Buch ist nicht ganz so einfach zusammen zufassen. Zunächst ist festzuhalten, dass es sich um eine deutsch-österreichische Familiengeschichte handelt, die persönliche, biografische und historische Elemente enthält. Der Autor René Freund ist der Sohn eines österreichischen ehemaligen Wehrmachtssoldaten - Gerhard Freund - der während des Zweiten Weltkrieges ein Kriegstagebuch geschrieben hat. René Freund hat dieses Buch um dieses Tagebuch herum geschrieben. Zunächst stellt René Freund eine Familienursprungsbild auf. Direkt im Anschluss beginnt er zu erzählen wie Gerhard Freund sich von seiner Familie verabschiedet, und 1944 mit 19 Jahren als Wehrmachtssoldat eingezogen wird - knapp anderthalb Jahre vor Kriegsende. Von Wien reist Gerhard Freund nach Straßburg, und von dort weiter nach Paris. In Paris stellt Gerhard Freund fest, dass dieser Krieg sinnlos ist, und entschließt zusammen mit seinem älteren Freund "Papa" zu desertieren. Allerdings entpuppt sich die Desertion als Odyssee durch Frankreich, und von dort nach nach Amerika wo er als Kriegsgefangener einige Monate verbringt, und nach Kriegsende endlich wieder nach Wien zurück kehren kann. Im Laufe des Buches erfährt man, dass René Freund die Route in Frankreich mit seiner Ehefrau und seinen Kindern bereist hat, die sein Vater als Soldat durchlaufen hat bevor er nach Amerika desertierte, um festzustellen, wo sein Vater damals stationiert gwesen ist, und um nachzuempfinden, wie das Leben eines Wehrmachtsoldaten gwesen sein muss. Renè Freund lag es am Herzen, sich mit der Geschichte seines Vaters auseinander zusetzen, aber auch im Nachblick, was Krieg in der Gegenwart bedeutet. Neben familiären Hintergründen erfährt im Buch, welche historischen Ereignisse in Österreixh, Frankreich und Amerika geschehen sind, die das Kriegstagebuch somit gut abrunden. René Freund erzählt das Leben seines Vaters bis zu dessen Tod im Jahre 1979. Damals ist René Freund 12 Jahre alt, und kann das seines Vaters noch nicht begreifen. Seine Mutter lebt heute noch. René Freund möchte mit diesem Buch ein Zeichen setzen für die Nachfolgegenerationen - besonders für die Enkelgenerationen und ganz besonders für die betroffenen Familien, in denen Ehemänner, Brüder, Söhne desertiert sind. Viele Jahrzehnte erhielten Deserteure der Wehrmacht keine Anerkennung, weil sie als Fahnenflüchtige galten. Unter Hitler galt für sie die Todesstrafe. Als ich auf dieses Buch aufmerksam wurde, wusste ich, dass ich dieses Buch lesen muss, denn mein Großvater mütterlichseits war ebenfalls Deserteur, was ich allerdings erst vor wenigen Jahren erfahren habe. Meine beiden Großväter waren Wehrmachtsoldaten, aber ich konnte ihnen leider keine Fragen zu dieser Zeit stellen,weil sie früh verstorben sind. Daher bin ich auf die Erzählungen meiner Eltern angewiesen. Die letzte Angehörige aus der Großelterngeneration ist 2014 verstorben. Ich habe mich immer schon für die Geschichte meiner Großeltern interessiert, und beschäftige mich hin und wieder mit dieser Epoche über Dokumenationen und Bücher. Wer sich mit der Geschichte seiner Eltern oder Großeltern auseinandersetzen möchte, findet hier einen persönlichen Einblick. René Freund und viele andere Kinder und Enkel wissen bis heute nicht, wie es im Inneren der Eltern/ Großeltern aussah. Wie traumatisiert sie gewesen sind. Die Nachfolgegenerationen können es nur erahnen.

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    • 3

    Sabine17

    24. November 2014 um 20:33
  • Familiengeschichte

    Mein Vater, der Deserteur

    Starbucks

    23. November 2014 um 21:52

    „Ich hätte meinem Vater gerne so viele Fragen gestellt. Aber wer weiß, ob ich mich getraut hätte.“ René Freund erzählt in „Mein Vater, der Deserteur“ seine eigene Familiengeschichte, eine Geschichte, die mich mehr bewegt hat, als ich es manchmal zulassen kann. So konnte ich der Leserunde gar nicht immer ganz folgen, da sie mich so sehr bewegt hat. Und auch wenn meine Familiengeschichte im Zweiten Weltkrieg eine andere ist als die von René Freund, so gibt es dennoch viele Parallelen, die sehr bewegen. Und ich habe die vielen Fragen übrigens nie gestellt – vielleicht, weil ich mich nicht getraut habe, vielleicht, weil man das einfach nicht machte. Gekonnt hätte ich es aber. René Freund findet das Kriegstagebuch seines Vaters, eines Deserteurs, und es löst vieles in ihm aus. Er begibt sich auf Spurensuche. Und er teilt das Tagebuch seines Vaters, des damals erst 18jährigen Gerhard Freund, mit dem Leser. Das Buch ist schonungslos ehrlich und erschütternd. Wie selbstverständlich kann der Vater über Tote und Verwundete schreiben, als wäre das ganz natürlich. Und es war ja an der Tagesordnung. Und der Leser bleibt nachdenklich zurück. Dieses Buch werde ich wohl noch mehrmals lesen müssen. Es bewegt mich zutiefst. Es wird seinen Weg in mein Behalt-Regal finden und dort bleiben. Gern lese ich über den Zweiten Weltkrieg, weil es eben Teil meiner Lebensgeschichte ist. Es ist auch der Grund, warum unsere Eltern waren, wie wie eben waren. Was man als Kind nicht verstehen konnte, bekommt heute ein Gesicht. Und mein vollstes Verständnis für die Vaterliebe, die uns nicht gegeben werden konnte. Auch Leser, die keinen direkten Bezug haben, vielleicht auch jüngere Leser, können dieses Buch gut lesen und sehr viel mitnehmen. Gerade die persönliche Geschichte von René Freund und seinem Vater macht Geschichte lebendig. Besser hätte man dieses Buch nicht schreiben können. Es verdient die volle Sternzahl und ist wohl mein bestes Sachbuch des Jahres, wenn man es Sachbuch nennen kann. 

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  • Spurensuche

    Mein Vater, der Deserteur

    Wortklauber

    23. November 2014 um 09:09

    Mit achtzehn Jahren wird der Österreicher Gerhard Freund zur Wehrmacht eingezogen und an die Westfront beordert, um an der Schlacht um Paris teilzunehmen. Während sich die alliierten Truppen nähern, setzt die Résistance auf Widerstand von Innen. Die Stadt, soviel ist Gerhard Freund klar, ist auf Dauer nicht zu halten. Überhaupt fragt er sich: Was hat er eigentlich in dieser Stadt zu suchen? Also besorgt er sich Zivilkleidung und setzt sich von der Truppe ab. Gerhard Freund wird von der Résistance gefangengenommen und von einem Amerikaner vor ihrem Zorn gerettet. Über sechzig Jahre nach diesen Vorgängen bekommt sein Sohn René das Kriegstagebuch seines früh verstorbenen Vaters in die Hände. Die wenigen Seiten setzen etwas in Gang bei ihm. Wer war dieser Mann, was hat ihn ausgemacht, wie hat diese Entscheidung seinen weiteren Werdegang beeinflusst …? René Freund verbringt ungezählte Stunden in Archiven, kämpft sich durch Papiere, spricht mit Historikern und Zeitzeugen, sammelt Fakten, verknüpft sie mit Erzählungen anderer Beteiligter, die mittlerweile auch zu seiner Familie gehören. Er setzt sich auseinander mit seinem Vater und dessen Werdegang, reist – mittlerweile selbst Familienvater, zusammen mit Frau und Kindern – an Orte, die entscheidende Wegpunkte im Tagebuch seines Vaters markieren. Siebzig ins Land gegangene Jahre haben diesen Orten ein anderes Gesicht verliehen. So entsteht ein Kaleidoskop verschiedener Orts- und Zeitebenen; Gerhard Freunds Vergangenheit drängt sich in Renés Gegenwart, mal ziemlich fassbar, oft vage und allenfalls zu erahnen. Der Autor fragt sich auch: Wie hätte er selbst an der Stelle seines Vaters gehandelt? Er versucht, sich in dessen Lage zu versetzen, ohne zu verurteilen, auch nicht die, die geblieben sind. So entsteht eine persönliche Geschichte, die aber auch für Außenstehende äußerst lesenswert ist. Dieses Buch erlaubt Einblicke in die Zeit des zweiten Weltkriegs und die Jahre danach. Und, ein besonderer Benefit, etwas, das nur wenigen Büchern gelingt: Es regt an, sich selbst auf Spurensuche zu begeben. So kann ein persönliches Buch über die Auseinandersetzung eines Sohnes mit der Vergangenheit seines Vaters als Auslöser für Gespräche dienen, die ein Leser mit eigenen Familienmitgliedern eigentlich schon immer hatte führen wollen.

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