Renata Salecl Die Tyrannei der Freiheit

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Inhaltsangabe zu „Die Tyrannei der Freiheit“ von Renata Salecl

Kaffeesorte und Karriere, Kinderwunsch und unser Körper – alles eine Frage der richtigen Entscheidung? Renata Salecl entlarvt eine gefährliche Illusion

Es ist das große Versprechen der Gegenwart schlechthin: Wir sind frei, unser eigener Herr, unseres Glückes Schmied, die Bildhauer unserer eigenen Identität.
Doch die Ideologie der grenzenlosen Entscheidungsfreiheit hat gravierende Mängel. Renata Salecl legt dar, wie diese vermeintliche Freiheit zur Tyrannei wird: Zu viel Auswahl überfordert, produziert Stress, sorgt dafür, dass einmal getroffene Entscheidungen laufend hinterfragt oder ewig aufgeschoben werden. Die totale Verantwortung für das eigene Glück lastet Menschen jede Enttäuschung, jeden Missstand persönlich an, sie macht sozialen Wandel undenkbar und erzeugt einen neurotischen Menschen, der nicht in Freiheit lebt, sondern unter Zwängen leidet.

In ihrem mitreißenden Essay blickt Renata Salecl mit dem Gespür einer Philosophin und dem Fokus einer Psychologin tief in die Seele der konsumkapitalistischen Gesellschaft.

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    Die Tyrannei der Freiheit

    michael_lehmann-pape

    15. April 2014 um 15:01

    Gefahren der Freiheit „Das Individuum ist sein eigener Gebieter und frei jedes Detail seines Lebens selbst zu bestimmen“. So formuliert Renate Salecl die „vorherrschende Ideologie in der industrialisierten Welt“. Allerdings, auch das konstatiert Salecl allein schon an der Vielzahl der „Lebensratgeber“, die regelmäßig die Bestsellerlisten stürmen, so einfach scheint das nicht zu sein. Anders formuliert, wenn es dem Menschen natürlich wäre, ständig und überall „eine Wahl zu treffen zu müssen und zu treffen“, dann müsste das doch in Fleisch und Blut übergegangen sein und ganz automatisch mit Freude und sicherem Griff geschehen. Dem aber ist nicht so. Im Gegenteil sogar, vielfache Ratschläge zum „individuell idealen Lebensstil“ bestärken eher Ängste und Beklemmungen, statt dass sie diese auflösen. Scheinbar also überfordert zu große oder gar völlige Freiheit (auch wenn diese nur empfunden wird und nicht wirklich in dieser umfassenden Weise im Raume steht) den Menschen nicht wenig. Und das hat Gründe und das hat System, wie Salecl flüssig im Stil und mit allerlei „Aha-Effekten“ für den Leser vorbringt. So vor allem jene „Lösung“ der modernen Welt, durch vermehrten (und mehr und mehr ungehemmten) Konsum jene „inneren Lücken“ ausfüllen zu wollen, was, betont Salacl, letztlich nicht funktioniert, eher negative Folgen für den Menschen in sich trägt („Selbstkonsum“ wie eine Art „Aufzehrung seiner selbst“) und den Menschen letztendlich „leerer“ zurücklässt. „Und all das zusammen trägt zu dem tyrannischen Aspekt der freien Wahl bei“. Jener Druck, immer mehr selber wählen zu wollen, aber auch zu müssen und dabei durch dieses enorme Verantwortungsgefühl ebenso hohe Versagensängste zu spüren, sich „zu vergreifen“, nicht die „optimale Wahl“ zu treffen. So kommt Salecl im Verlauf ihrer Darlegungen zu der Einsicht, dass „die Prämisse, dass wir selbst wählen könnten, wer wir sein wollen“ (und mit wem wir das wollen), „inzwischen gegen uns arbeitet und nur noch beklommener und habsüchtiger macht und keineswegs mehr Freiheit schenkt“. Das liest sich beklemmend überzeugend und führt den Leser umgehend in eine Selbstreflexion darüber, ob er nicht selbst im „Hamsterrad“ des Druckes eines „perfekten Lebens“ mit „optimalen Entscheidungen“ vom Supermarkt bis über den Beruf bis hin zum Lebenspartner „überdreht“, gerade weil man vor „Alternativen im Überfluss steht“. Denen auch intimste Bereiche untergeordnet werden, bei denen so gut wie immer das leicht bis später stärker nagende Gefühl bleibt, ob „da nicht noch was Besseres“ wartet. An Job, Familie, Mann, Frau, Arbeit, Karriere, Hobby, Freundschaften. „Das was Ist in den Einklang zu bringen mit dem, was sein könnte“, das ist das Dilemma der modernen Freiheit und ein Druck, der ständig stärker wird und damit den Menschen unfreier macht, statt zufriedener. Zufriedenheit und weitgehende Freiheit „im Überfluss“ scheinen sich somit auszuschließen. All das legt Salecl mit vielfachen Beispielen versehen schon einsichtig dar, allerdings fehlt es an konstruktiven Ausblicken. Dass Menschen s ich meist irrational entscheiden (und dazu stehen sollten dann) oder das es doch anders kommt als man plant sind keine überzeugenden Lösungen des Dilemmas. Und wie das gehen soll, was Salecl zu Ende hin mit auf den Weg gibt, sich „zu verdeutlichen, was wirklich im Angebot ist“, auch dazu findet sich im Buch wenig Konkretes. So verbleibt eine durchaus interessant, differenzierte Erläuterung und Erklärung der zunehmenden Verunsicherung der Menschen angesichts sich potenzierender Wahlmöglichkeiten in fast allen Lebensbereichen ebenso, wie die Beobachtung von Unzufriedenheit mit getroffenen Entscheidungen angesichts all dessen, was an Möglichkeiten dadurch ausgeschlossen wird, eine „Tyrannei der Freiheit“ somit auf vielen Ebenen, die interessant in ihren Argumenten hier zu lesen ist. Ohne das aber deutlich wird, wie es denn wirklich anders gehen könnte. Denn die „Freiheiten der Wahl“ stehen ja faktisch im Raum und bedürfen einer persönlichen Entscheidung des Umganges mit diesen.

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