Renate Hellwig

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Rezension zu "Die Christdemokratinnen - Unterwegs zur Partnerschaft" von Renate Hellwig

Parteinahe Geschichtsforschung
Sokratesvor 6 Jahren

Gesucht hatte ich nach Büchern zur Frauenbewegung der 1920er Jahre und stieß hierbei auf diesen Band, der sich in einem Aufsatz sowie einigen biographischen Artikeln mit Frauen dieses Zeitrahmes beschäftigen sollte. – Ich musste jedoch schließlich feststellen, dass die Qualität der Aufsätze derart schlecht ist (auch wenn zum Teil von Fachleuten geschrieben), weshalb man Sämtliches schlicht nicht verwenden kann. Hinzu kam, dass stetig ein Lob auf die Partei hindurchschien – ob dies nun entweder die Bewertung der „christlichen Einflüsse“ auf die Frauenbewegung betraf oder die Biographien der Frauen entsprechend interpretiert wurden. So war auch offenbar nur von Relevanz bei der Auswahl der Autorinnen, dass diese in irgendeiner Weise mit einem CDU-Parteibuch ausgestattet waren als dass sie sich durch fachliche Kenntnisse ausgezeichnet hätten. Den Gipfel an Peinlichkeit erreichte das Buch, als sich der allgemein-historische Artikel zur Geschichte der Frauenbewegung mit dem Urchristentum beschäftigen wollte: die Autorin (Roswitha Wisniewski, ihres Zeichens Professorin für Geschichte) betonte ausführlich und mit größtem Wohlwollen, dass es das Urchristentum doch tatsächlich als eines seiner Pfeiler angesehen hätte, dass Frauen wie Männer in der Gemeinde- und Religionsarbeit beteiligt gewesen seien. An dieser Stelle wäre die Gleichberechtigung der Geschlechter erstmals gefordert und bereits in Gänze umgesetzt gewesen. Soweit so gut. Für mich würde nun konsequent logisch folgen, dass man sich mit dem katholischen wie später protestantischen Rigorismus bei der Zurückdrängung der Frau beschäftigt und die Realitäten späterer Jahrhunderte feststellt (gerade als Historikerin). Stattdessen werden die Jahre der Sittenstrenge und Zurückdrängung der Frauen, erst durch die katholische Theologie (bis heute), dann durch Luther einfach ausgeblendet und nicht erwähnt.  Richtigerweise hätte sich danach das Lob auf Geschlechtergleichheit nämlich in Luft auflösen müssen. Aber offenbar passt es nicht in ein christdemokratisches Selbstverständnis, dass sich die Geschichte weg von eigenen Erwartungshaltungen und Idealen bewegt hat und man die eigenen Überzeugungen in ihrer Wirkmächtigkeit relativieren muss. Und genau das nimmt der gesamten Publikation jedweden Wert. Traurig, dass sowas einmal gedruckt wurde.

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