Riad Sattouf

 4.2 Sterne bei 38 Bewertungen
Riad Sattouf

Lebenslauf von Riad Sattouf

Satire, Comics und die eigene Kindheit: Der französische Comiczeichner und Filmregisseur Riad Sattouf wurde 1978 in Paris geboren. Seine Mutter ist Französin, sein Vater ist Syrer, und Sattouf verbringt seine Kindheit in Libyen und Syrien, bevor er mit 12 Jahren nach Frankreich zurückkehrt. Nach dem Abitur besucht er zunächst die Schule für angewandte Künste in Nantes und studiert später an der École des Gobelins in Paris Animation. Von 2004 bis 2014 zeichnete er für das französische Satiremagazin „Charlie Hebdo“ einen wöchentlichen Comicstrip namens „Das geheime Leben der Jugend“ und seit 2014 erscheint die Serie „Esthers Tagebücher“. Bekannt ist Sattouf aber vor allem für seine in zwanzig Sprachen übersetzte Reihe „Der Araber von morgen“, in der er über seine eigene Kindheit in Syrien und Libyen erzählt.

Neue Bücher

Der Araber von morgen - Eine Kindheit im Nahen Osten

 (1)
Erscheint am 08.03.2019 als Taschenbuch bei Knaus. Es ist der 4. Band der Reihe "Der Araber von morgen".

Alle Bücher von Riad Sattouf

Sortieren:
Buchformat:

Videos zum Autor

Neue Rezensionen zu Riad Sattouf

Neu
Gwhynwhyfars avatar

Rezension zu "Esthers Tagebücher 2: Mein Leben als Elfjährige" von Riad Sattouf

Die Grafic Novel muss man lieben
Gwhynwhyfarvor 3 Monaten

Im letzten Jahr begann diese Graphic Novel um Esther, insgesamt sollen es 8 Jahre – 8 Bücher werden. Der erste Teil hat mich begeistert und der zweite steht dem keinesfalls hinterher. In Esthers Klasse pubertieren die ersten, einige reden nur noch von Liebe, andere können damit noch nichts anfangen, die ersten Brüste sprießen. Und für Esther ist immer noch kein iPhone in Sicht, das erhält sie erst in der weiterführenden Schule. So ein Mist, Esther ist bitterarm … Doch es gibt andere Kinder, die haben ein Phone und mit denen kann man Dinge schauen, die Esthers Eltern nicht erlauben. Auch darf sie nicht allein abends draußen herumspazieren. Das Leben ist hart, insbesondere, wenn man einen bekloppten großen Bruder hat, der nur nervt. Esther liest gern. Ihr Berufswunsch ist auch ganz klar definiert: Esther wird Verlegerin. Warum nicht Autor? Verleger haben das Sagen, schnauzen auch mal die Autoren an, so jedenfalls erzählt ein Autor, ein Freund der Eltern. Verleger müssen nicht schreiben, sie lesen viel, klar doch, warum Eszher Verlegerin werden will. Im letzten Band war Esthers Mutter schwanger. Und nun bekommt Esther einen Bruder – Schwester wäre besser gewesen, aber der ist ziemlich niedlich. Da Esther gut in der Schule ist, darf sie eine Prüfung für ein Stipendium für ein Elite-Gymnasium machen, das sich die Eltern nicht leisten könnten. Ein Test und fiese Fragen über ihre Familie warten auf sie. Wird sie aufgenommen oder muss sie auf das öffentliche Gymnasium gehen, auf dem der große Bruder ist? Bekommt Esther ihr iPhone?

»Ich liebe meine Mutter sehr. Aber komisch, ich finde, sie hat nicht viel mit meinem Vater gemein.«

Esther gibt es wirklich, sie hat im Original einen anderen Namen und sie ist die Tochter eines Freundes von Riad Sattouf. Ich hoffe inständig, dass sie sich 8 Jahre lang von Riad Sattouf nerven lässt und es nicht irgendwann satt hat, als Comicfigur aufgeblättert zu werden. Die beiden treffen sich einmal in der Woche und wöchentlich zeichnet Sattouf eine Seite, eine Geschichte aus Esthers Leben. 52 Wochen, 52 Geschichten. Riad Sattoufs Zeichnungen beziehen sich auf das Wesentliche, Farbe wird wenig, dafür gezielt eingesetzt, nur zwei Farben pro Seite. Manche Zeichnungen haben einen »Übertext« oder einen »Untertext« nebst Sprechblasen sind manchmal Neben- und Randbemerkungen von Esther mit Pfeilen auf die Objekte gerichtet, was den Tagebuchcharakter unterstreicht. Als Leser erleben wir die Sicht von Esther, die nicht immer alles versteht, sich ihre Gedanken macht. Kinder sind ehrlich – Kinder sind brutal, fies – schwarz oder weiß, die Grauschattierungen lernt man erst später zu erkennen. Kinder können auf den Wecker fallen oder einfach nur knuddelig sein. Esther wäre so gern im Klub. Hier gehören automatisch alle dazu, die weiße Sneakers von »Stan Smite« tragen. Oh, was ein Mist, wenn man die nicht bekommt! Und Papa isst so gern Garnelen – igitt. Schau es dir genau an (auf der Zeichnung) - Garnelen und Kakerlaken, das ist ein und dasselbe! Die Welt zu verstehen ist nicht immer einfach. Da verwechselt man schnell die linksradikalen Vermummten mit den rechtsradikalen Vermummten. Wo ist denn da bitte der Unterschied?

Die Fragen, die Esther sich stellt, ihre Erlebnisse, ihre Sorgen, sind real, ebenso ihre Sprache, die der anderen Kinder. Riad Sattouf kann sehr genau beobachten und zuhören, denn er trifft genau den richtigen Ton. Neunmalklug, naiv, ängstlich unsicher, selbstbewusst, die richtigen Fragen stellend, die Serie ist nicht schlicht ein Comic, es ist ein gesellschaftliches Buch, eins das den Nerv der Zeit trifft. Für den ersten Teil der Serie, »Esthers Tagebücher 1: Mein Leben als Zehnjährige« erhielt Riad Sattouf in diesem Jahr den »Max-und-Moritz-Preis« für den besten internationalen Comic.

Christian Gasser sagte in seiner Laudatio: „In zwanzig Jahren gehören ‚Esthers Tagebücher‘ zur Standardlektüre angehender Soziologen; wir haben das Privileg, diese Serie sozusagen live zu lesen – und einiges zu erfahren über unsere Zeit.“ 

Kommentieren0
3
Teilen
wortklauberins avatar

Rezension zu "Der Araber von morgen - Eine Kindheit im Nahen Osten" von Riad Sattouf

die aktuelle politische Situation hautnah
wortklauberinvor einem Jahr

Eigentlich les ich eher selten Comics. Es ist mein Mann, der sich für grafic novels und andere Comics begeistert. Als ich wieder einmal auf ihn wartete, bis er alle Ausgaben der Comicabteilung durchgeblättert hatte, ist mir "Der Araber von morgen" in die Hände gefallen. Ich begann zu blättern, zu lesen - und dann musste er auf mich warten.
Den ersten Band hab ich gleich mitgenommen, die anderen beiden bestellt. Das Wochenende war gelaufen. Ich war gefesselt und hab nichts anderes mehr getan, als diese Bücher gelesen. 
Es ist liebevoll gezeichnet mit einfühlsamen Szenen und Dialogen eines kleinen blonden Jungen zwischen Araber und Franzose., zwischen zwei Welten. Der Vater ist Araber, die Mutter Französin. Zusammen gehen sie in die Heimat des Vaters und viele der Traditionen sind für den kleinen Kerl nur schwer zu verstehen. Schließlich hat er die ersten Jahre in Frankreich verbracht. Er wünscht sich, ein richtiger Araber zu sein. Vor allem, weil er für die anderen wegen seiner blonden Haare oft als Jude gehänselt und gemobbt wird.
Der Autor erzählt ganz autobiografisch seine eigene Geschichte und der Leser erfährt viel über Hintergründe, Politik und Kultur.
Meine beste Freundin ist mit einem Perser verheiratet und sie haben drei inzwischen erwachsene Kinder. Ich habe viel von ihnen in den Büchern wiedererkannt. "Der Araber von morgen" hat in meinem Herzen einen ganz besonderen Platz. 

Kommentieren0
0
Teilen
Gwhynwhyfars avatar

Rezension zu "Esthers Tagebücher 1: Mein Leben als Zehnjährige" von Riad Sattouf

Ich bin die Ärmste - ich besitze kein iPhone6, überhaupt kein Handy!
Gwhynwhyfarvor einem Jahr

»Eugénie hat großes Glück, die ist richtig reich. Sie hat schon ein iPhone6! Und zu Hause hat sie ein iPad, einen Rechner und sogar Fernsehen in ihrem Zimmer.«

Ein französisches Mädchen wird 10 Jahre alt. Was denkt sie, wie tickt sie? Jungs sind doof, denn sie sind vulgär, besonders der große Bruder, mit dem sich Esther ein Zimmer teilen muss. Und Ester ist echt arm dran!

»In meiner Familie bin ich die Allerärmste von allen.« Denn die Eltern sagen zum Thema Handy / Rechner: »Keine Diskussion. Darüber reden wir, wenn du aufs Gymnasium kommst.«

Sie geht auf eine Privatschule, denn dort gibt es weniger Rabauken, meinen die Eltern. Wir begleiten Esther durch ihr Leben, Schule, Pausenhof, Familienleben. Somit präsentiert der Comic ein Stück Zeitgeschichte der französischen (europäischen) Gesellschaft. Esther ist ein Kind, geht weltoffen mit allen Themen unserer digitalisierten Zeit um. Popstars, Fernsehserien, Rassismus, Katzenbabys-Spiele, Zukunftsträume als Popstar, alles ist dabei. Sie fragt nach, hat eine Meinung und manches scheint unerklärlich. Jungs sind doof, klar. Aber nicht alle. Und manche Dinge sind einfach peinlich …

»Was ist das Juuhpohrn, Madam?« (Esther zur Lehrerin) »Gestern sind Abdou, Louis und Maxime bestraft worden, weil sie in der Schule auf ›Youporn‹ gegangen sind.«

Es gibt manche Dinge, die will niemand Esther erklären. Aber wozu gibt es Eugénie! Die hat ein iPhone6. Gut, dass man einen großen Bruder hat, der abends, wenn die Eltern außer Haus sind, brutale Filme guckt ... bei denen man so richtig Angst bekommt und sich freut, wenn Papa endlich nach Hause kommt. Der Bruder findet Wrestling cool und übt an Esther, um sich auszuprobieren …

»Wir Mädchen sind besser als die Jungs, die sind alle besessen. Ein besessenes Mädchen, das ist, als wäre sie ein Junge. Schlimmer geht’s nicht. Eine Schlampe ist also ein Junge.«

Lebensweisheiten einer Zehnjährigen fein pointiert, auf jeder Seite finden wir eine abgeschlossene Geschichte. Ein Mädchen, eintretend in die Pubertät, kein Kind mehr, aber noch lange nicht erwachsen. Esther spürt, dass es in der Welt noch viel zu entdecken, zu verstehen gibt. Die Zeichnungen sind ein wenig textlastig illustriert, was durch die Seitenabschlüsse nicht stört. Man muss ja nicht alles auf einmal lesen.

Das Format ist so hoch wie Din-4 und ein wenig breiter, die Zeichnungen, typisch französisch, in schwarz-weißen Outlines gehalten, pastellfarbig hinterlegt. Empathisch setzt der Zeichner seine Figuren um: Angst, Freude, Scham, Wut, feine und schlechte Gerüche, hilflose Kinder, hilflose Erwachsene, alles ist spürbar.

»Im Ernst, ich frage mich, wo sie an dieser Schule ihre Lehrer hernehmen. Nach 10 Minuten konnte ich ihre ›hääähas‹ nach jedem Satz schon nicht mehr ertragen.«

Der Wunsch nach einer netten Lehrerin mit Beginn der 4. Klasse wird am Ende auch nicht erfüllt, sie ist zudem ein Zwerg. So spielt das Leben. Wird es für Esther etwas mit dem iPhone6 werden oder mit der Karriere als Popstar? Wir wünschen ihr viel Glück. Ein Comic für Papas, Mamas und die Kinder. Man sollte es mit den Kleinen gemeinsam lesen.

Kommentieren0
17
Teilen

Gespräche aus der Community

Neu

Starte mit "Neu" die erste Leserunde, Buchverlosung oder das erste Thema.

Zusätzliche Informationen

Riad Sattouf wurde am 05. Mai 1978 in Paris (Frankreich) geboren.

Riad Sattouf im Netz:

Community-Statistik

in 34 Bibliotheken

auf 6 Wunschlisten

Was ist LovelyBooks?

Über Bücher redet man gerne, empfiehlt sie seinen Freunden und Bekannten oder kritisiert sie, wenn sie einem nicht gefallen haben. LovelyBooks ist der Ort im Internet, an dem all das möglich ist - die Heimat für Buchliebhaber und Lesebegeisterte. Schön, dass du hier bist!

Mehr Infos

Buchliebe für dein Mailpostfach

Hol dir mehr von LovelyBooks