Riad Sattouf

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Riad Sattouf

Lebenslauf von Riad Sattouf

Satire, Comics und die eigene Kindheit: Der französische Comiczeichner und Filmregisseur Riad Sattouf wurde 1978 in Paris geboren. Seine Mutter ist Französin, sein Vater ist Syrer, und Sattouf verbringt seine Kindheit in Libyen und Syrien, bevor er mit 12 Jahren nach Frankreich zurückkehrt. Nach dem Abitur besucht er zunächst die Schule für angewandte Künste in Nantes und studiert später an der École des Gobelins in Paris Animation. Von 2004 bis 2014 zeichnete er für das französische Satiremagazin „Charlie Hebdo“ einen wöchentlichen Comicstrip namens „Das geheime Leben der Jugend“ und seit 2014 erscheint die Serie „Esthers Tagebücher“. Bekannt ist Sattouf aber vor allem für seine in zwanzig Sprachen übersetzte Reihe „Der Araber von morgen“, in der er über seine eigene Kindheit in Syrien und Libyen erzählt.

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Esthers Tagebücher 3: Mein Leben als Zwölfjährige

 (1)
Neu erschienen am 31.05.2019 als Hardcover bei Reprodukt.

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Rezension zu "Esthers Tagebücher 3: Mein Leben als Zwölfjährige" von Riad Sattouf

So real liebenswert!
Gwhynwhyfarvor 13 Tagen

Ich verfolge Esthers Leben, seit sie 10 Jahre alt ist – vom ersten Band an. Jedes Jahr eine neue Grafik Novelle, bis zu ihrem 18. Geburtstag. Riad Sattouf denkt sich in sofern die Story nicht aus, da »Esther« real existiert, die Tochter eines Freundes. Die beiden telefonieren jede Woche miteinander und so hält der Zeichner Esthers Leben Woche für Woche auf einer Seite im Buch fest. Eine »Roman Graphique«, jede Seite ein in sich geschlossenes Thema.

»Lieber Gott, bitte mach, dass Marine le Pen nicht gewählt wird. Und bei meiner Mutter, ich glaube an dich, danke, lieber Gott.«

Schule, Verliebtsein, in sein, Mädchen sein, Ferien, Musik, Pickel und Schminke, blöde Jungs, nervige Geschwister – na eben alles was ein Mädchen bewegt, kommt darin vor. Esther wohnt in Paris – in Frankreich ist die Serie bereits bei 14 Jahre angelangt – und Politik bewegt auch eine Jugendliche, wenn sie in der Hauptstadt wohnt. Das Terrorattentat bei Charlie Hebdo schockiert, wie auch Trump. Und oh meine Güte, die Eltern sagten, wenn Marine le Pen gewählt wird, wandern sie aus nach Belgien. Drum hofft Esther, dass diese Frau die Wahl nicht gewinnt. Und Esther stellt sich vor, was sie tun würde, wäre sie Präsidentin. Zu Weihnachten hat sie von der Oma einen dsungarischen Zwerghamster geschenkt bekommen: Manuela. Der Hamster wird später ein einschneidendes Erlebnis hinterlassen. Ester schreibt gern Listen zu allen Dingen. Und ihre ersten Kochversuche kommen bei Oma nicht so gut an: eine fertige Galette (Buchweizenpfannkuchen) belegt a la Esther mit Käse, Wurst und Aprikosenmarmelade, Hauptgericht und Dessert in einem. Glücklich sein, Küssen, Ruhm und Reichtum, eine Menge Stoff steckt auch wieder in diesem Band. Ach ja, eins vergaß ich zu erwähnen, Esther will Verlegerin werden und ihr Hobby ist Schreiben: blutige Vampirromane.

»Mein Vater sagt, die Franzosen sind ekelig, weil sie sich nie die Hände waschen, nachdem sie auf dem Klo waren.«

Das Schöne an dieser Serie ist die Realitätsnähe. Ein Teeny mitten aus dem Leben gegriffen, umgesetzt als Grafik Novelle mit 52 Kapitel, sehr humorvoll, spitzfindig und zum Nachdenken – einfach mit Herz gezeichnet. 2018 gab es für Esthers Tagebücher fünf Nominierungen beim Max-und-Moritz-Preis, am Ende gab es die Auszeichnung als bester internationaler Comic.

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Rezension zu "Der Araber von morgen - Eine Kindheit im Nahen Osten (1985 - 1987)" von Riad Sattouf

Eine Kindheit zwischen Syrien und Frankreich
stachelbeermondvor 3 Monaten

Ein Comic über eine Kindheit zwischen Syrien und Frankreich, ausschließlich in schwarz-weiß-rot gedruckt, mit geradezu abgründigem Realismus versehen und trotzdem humorvoll – so präsentierte sich mir dieses Buch. Natürlich wurde es mir von einem Freund ausgeliehen, denn von selbst wäre ich nie im Leben darauf gekommen, auch nur ins Buch hineinzusehen. Was wirklich sehr, sehr schade gewesen wäre!

Der Autor beschreibt in mehreren Comicbänden seine Kindheit mit einem syrischen, patriotischen, konservativen Vater und einer westlich geprägten, französischen Mutter, und beide werden realistisch beschrieben: Der Vater, der eigentlich gerne ein modernes Syrien vertreten würde und als Wissenschaftler und Lehrbeauftrager dort arbeitet, und doch nicht aus seiner familiär geprägten Sichtweise heraustreten kann und in der Folge hin und her schwankt zwischen Traditionalismus und Verzweiflung über seine Unfähigkeit, diese Traditionen wirklich zu akzeptieren. Die Mutter, die mit ihrer Rolle als Frau in arabisch geprägten Nationen hadert, deren Position in der Familie ihres Mannes schwierig ist und die gezwungen ist, in der tiefsten Provinz zu leben, ohne die Sprache dort zu verstehen. Dazu die Kinder, vor allem der siebenjährige Riad, aus dessen Sicht erzählt wird: Seltsam kommt manches für westliche Augen daher, die unangefochtene Stellung der Lehrer, die Kinder schlagen dürfen und doch selber vor menschlichen Fehlern nur so strotzen, die Brutalität der Kinder untereinander, die merkwürdigen, archaischen Ansichten über religiöse Rituale und das plötzliche Eindringen von Conan dem Barbaren in diese Welt. Nach sehr kurzer Zeit jedoch fühlte ich mich plötzlich sehr an meine eigene Kindheit erinnert. Meine Großmutter war auch manchmal seltsam, ähnlich wie Riads Großmutter, und bäuerliche kleine Grausamkeiten gab es auf ihrem deutschen Hof ebenso wie im dörflichen Leben in Syrien. Jedem war schließlich klar, dass man nicht unbegrenzt viele Katzenbabys auf dem Hof haben konnte – oder? Die Kinderspiele von Riads „Freunden“, bei denen einem das Lachen im Hals stecken bleibt – haben die nicht fatale Ähnlichkeit mit Rivalitäten früher in meiner Grundschule? Da gab es auch immer einen Anführer, der ohne großes Wissen große Worte schwang. Und die unrealistischen Träume der Erwachsenen, die in meiner Kindheit mehr sein wollten als sie jemals waren oder sein würden, auch das hat verblüffende Ähnlichkeit mit den Erwachsenen in Riads Kindheit.

Und so entdeckt der verblüffte Leser bei aller Unterschiedlichkeit in Kultur und Tradition doch sehr große Ähnlichkeiten im Leben und Verhalten der Menschen. Wir sind überall gleich unentschlossen, schwankend, manchmal grausam und irrational und lieben unsere Familien, Freunde und Kinder, obwohl wir wissen, wie sie und wir sind und vermutlich auch immer bleiben werden – menschlich und voller Fehler. Die kleinen Banalitäten des Lebens machen den Unterschied zwischen den Kulturen aus, aber auf eine seltsame Art heben sie gleichzeitig unsere Gemeinsamkeiten hervor. Besonders aufgefallen ist mir das, als Riads Vater einen Obstgarten anlegt und mit dem Erlös seine Familie mit Geld überschütten will. Das Unternehmen ist von Anfang an zum Scheitern verurteilt, die Bäume wachsen nicht so, wie sie sollen, die wenigen Früchte bleiben klein und hart und werden von Riads Cousins entweder gegessen oder zum Spielen genutzt. Und selbstverständlich wird Riad seinem Vater das niemals erzählen, denn man ist ja schließlich solidarisch mit seiner Familie, so, wie die Familie es ihm beigebracht hat. Tatsächlich hat Riad eine Heidenangst vor seinen Cousins, und da legt er die notwendige Familiensolidarität eben passend aus. All das ist sehr von der arabischen Kultur geprägt, aber ich erkenne da jede Menge Dinge aus meiner Kindheit wieder. Sehr viele Unterschiede – sehr viele Ähnlichkeiten.

Der Autor Riad Sattouf hat bis kurz vor dem Terroranschlag bei Charlie Hebdo fast zehn Jahre lang für das Magazin gezeichnet und sich dann dem Erzählen längerer Handlungen gewidmet. Besonders mit der Serie „Der Araber von morgen“ feiert er große Erfolge, die Bücher wurden in viele verschiedene Sprachen übersetzt, und das zu Recht: Selten habe ich so humorvoll, respektvoll und unterhaltsam neue Dinge über andere Länder und andere Sitten gelernt, und ganz nebenbei auch einiges über mich und mein Land. Letzten Endes sind wir uns wirklich alle sehr ähnlich: Menschlich eben.

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A

Rezension zu "Der Araber von morgen - Eine Kindheit im Nahen Osten (1978-1984)" von Riad Sattouf

Humorvoll und Unterhaltsam - Erfahrungen eines französisch-syrischen Kindes
anna_mvor 5 Monaten



Die Graphic Novel „Der Araber von morgen - Eine Kindheit im Nahen Osten (1978-1984)“ von Riad Sattouf erschien 2014 im französischen Original und wurde mit verschiedenen Preisen ausgezeichnet. Die Geschichte handelt von der Kindheit des kleinen Riad, dem Sohn eines Syrers und einer Französin, der in Libyen und Syrien aufwächst.

Riads Eltern lernen sich in Paris an der Sorbonne kennen, wo Riads Vater gerade seine Doktorarbeit schreibt. Nachdem er seinen Doktortitel erhalten hat, nimmer er erst eine Stelle in Libyen an, kehrt dann für kurze Zeit mit seiner Familie zurück nach Frankreich und arbeitet dann einige Jahre in Syrien, wo die Familie in seinem Heimatort lebt. Die Geschichte wird aus der Perspektive des Kindes erzählt, aber es gibt immer wieder Eingriffe eines allwissenden Erzählers, um dem Leser das politische Zeitgeschehen näher zu bringen. Die kulturellen Unterschiede muss der Leser aus der Geschichte heraus selber entdecken und auch über die Beziehung der Eltern – die mich sehr interessiert hätte – erfährt man nur zwischen den Zeilen ein paar Häppchen, da eben aus der Sicht des Kindes berichtet wird.

Die Zeichnungen sind schnörkellos aber auch nicht zu einfach gehalten. Sie sind in schwarz-weiß angelegt und je nach Kapitel, Handlungsort oder Tageszeit verändert sich die dominierende Hintergrundfarbe, die zumeist gelb oder blau ist. Hin und wieder wird ein Gegenstand oder eine Person in rot oder grün hervorgehoben.

Mir hat die Geschichte sehr gut gefallen, auch wenn auf Grund der Perspektive viele eigentlich kontrovers diskutierbare Probleme zwar angesprochen, aber nicht weiter bearbeitet werden. Es bleibt dem Leser überlassen, eine eigene Haltung zu dem Berichteten zu finden. Dabei entdeckte ich allerdings keine kulturellen Eigenheiten, die mir neu gewesen wären. Sehr lustig fand ich zum Beispiel das Verhalten des Vaters, wann immer er jemanden bestechen musste um weiter zu kommen, und wie er sein Verhalten seiner Familie gegenüber präsentiert. Er hat ein anderes Bild von seiner Heimat und den dortigen Verhältnissen. Obwohl er die Sympathie des Lesers hat, der ihn durch die Augen des Sohnes erlebt, wirkt er auf den zweiten Blick leider weniger nett und aufgeklärt. Anscheinend steckt er in einer Zwickmühle aus verklärten Kindheitserinnerungen und Heimatliebe auf der einen, seinem aufgeklärten, studierten Ich und seinen Erfahrungen in Europa auf der anderen Seite. Ihm entgegengesetzt ist seine Frau, die jedoch viel zu selten zu Wort kommt und dann oft auch nur kurze Antworten gibt. Sie erträgt es, in Libyen das Haus hüten zu müssen und ist über die Verhältnisse in Syrien erstaunt. Man wartet auf den großen Krach, in dem sie fordert, dass die Familie wieder zurück nach Frankreich zieht, aber er kommt nicht oder bleibt für den Erzähler, das Kind, im Verborgenen. Riad erwähnt manchmal die politische Agenda der Machthaber vor Ort und beobachtet dann Tatsachen, die diesen zuwiderlaufen, kann das Erlebte jedoch nicht damit in Verbindung bringen und es bleibt dem Leser überlassen, die einzelnen Elemente der Geschichte einzuordnen.

Wenn ich das nächste Mal Lust auf eine Graphic Novel verspüre, werde ich auf jeden Fall zum zweiten Band der Reihe greifen. Natürlich im französischen Original. Wenn die deutsche Übersetzung genauso gelungen ist, wie der Ausgangstext, kann ich diese „bande dessinée“ nur weiter empfehlen.


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Riad Sattouf wurde am 05. Mai 1978 in Paris (Frankreich) geboren.

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