Riad Sattouf Der Araber von morgen

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Inhaltsangabe zu „Der Araber von morgen“ von Riad Sattouf

„Sattoufs Geschichte ist zugleich eine Familien-Tragikomödie und die Erzählung über das Schicksal der arabischen Welt der letzten dreißig Jahre.“ Le Point Arabischer Frühling, Umsturz in Libyen und Krieg in Syrien. Als Reaktion darauf greift der 36-jährige französische Zeichner und Filmemacher Riad Sattouf zum Stift und erzählt von seiner Kindheit in der arabischen Welt: ein blondgelockter Junge, Sohn einer Französin und eines Syrers, wächst in Libyen und Syrien auf. Die Graphic Novel vom blonden Araber im Land der Diktatoren stürmte in Frankreich die Bestsellerlisten wie zuvor nur Marjane Satrapis „Persepolis“.

Die Kulturen sind so gegensätzlich wie die Charaktere. Das gibt diesem Buch das gewisse Etwas...

— k_sara

Dass der junge Riad Sattouf als Sohn einer Französin und Sohn eines Syrers es nicht einfach haben wird, war klar.

— LieLu

schön illustriert, informativ, lustig und beklemmend

— marigold

Für Politisch Interessierte eine absolute Lesempfehlung auch wenn ich persönlcih meine Probleme mit dem Buch hatte

— AllesAllerlei

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  • Ein spannender Einblick in die Kindheit inmitten verschiedener Kulturen...

    Der Araber von morgen

    k_sara

    01. February 2017 um 10:26

    Wie fand ich es? Weil es mir als erstes in den Sinn kommt, zuerst einmal das Negative. Was mir in dem Buch sauer aufgestoßen ist, sind die Charaktere. Ein verzogener Junge, ein unsympathischer Vater und eine sich beugende Mutter.  Irgendwie hat mir das auch sehr viel vermiest. Ich kann gar nicht mal genau sagen, wieso ich es so empfunden habe. Aber so etwas ist ja sowieso nur individuell. Vielleicht haben es ja viele andere anders gesehen? Letzendlich geht es aber auch weniger um die Personen. Die Idee, das Thema mithilfe eines Graphic Novels zu vermitteln, finde ich klasse. Zum Einstieg perfekt.  In die Geschichte kommt man ziemlich schnell rein und bleibt auch länger dabei.  Es wird sehr eindrücklich geschildet, wie Riad zwar von vielen verhätschelt wird, durch sein besonderes Aussehen aber nie wirklich dazugehört. Während ich mich über seine Eltern und verschiedene Geschehnisse im Buch aufgeregt habe, hat der kleine Junge die Dinge angenommen. So, wie sie kamen. Vollkommen normal, wenn die Mutter sich dem Willen des Vaters beugt.  Nichts besonderes, dass die Häuser in Algerien per Besetzung zu Eigentum werden. Das alles hat es sehr authentisch gemacht.  Es ist die Sicht von Riad, der uns durch die Geschichte führt. Die Sicht eines kleinen Jungen, der in einer schwierigen Welt aufwächst.  Es ist eine ziemlich drückende Atmosphäre. So habe ich es jedenfalls empfunden. Realitätsnah und ironisch zugleich.  Der Überraschungseffekt blieb für mich aus. Stammt doch mein eigener Vater aus dieser Welt. So habe ich zumindest aus Erzählung das ein oder andere mitbekommen. Ich kann mir aber gut vorstellen, dass viele Leser nicht mehr aus dem Staunen herauskommen.  Kurze Anmerkung: das Buch würde von mir persönlich drei Schmetterlinge bekommen. Weil es nicht geflutscht ist und ich öfters einfach keine Lust mehr hatte. Aber nur deswegen sollte ich es nicht schlechter bewerten.  Vier Sterne stehen dafür, dass es das beste Graphic Novel zu dem Thema ist, das ich kenne. Wer so etwas lesen möchte, ist da an der richtigen Adresse. Man sollte aber dabei bleiben und es nicht zwischendurch lesen (das habe ich gemacht...). FAZIT Um den Aufprall verschiedener Kulturen mitzubekommen, braucht man heute nicht einmal mehr das Buch. Trotzdem verschließen wir vor vielen Dingen die Augen. Welchen Einfluss hatte/hat die Politik auf die arabische Welt? Wie ist es, als Kind dort aufzuwachsen? Das und mehr wird in diesem einzigartigen Buch behandelt. Wer daran interessiert ist, kann mit "Der Araber von Morgen" in das Thema einsteigen...

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  • Der Araber von morgen – Eine Kindheit im Nahen Osten (1978-1984) (Riad Sattouf)

    Der Araber von morgen

    LieLu

    13. July 2016 um 13:35

    Erschienen16. Februar 2015Seitenzahl: 160Verlag: Knaus VerlagBroschiert: 19,99 €ISBN: 3813506665 Der Autor Riad Sattouf, geboren 1978 in Paris, ist Comic-Zeichner und Filmemacher. Aufgewachsen in Libyen und Syrien, kehrte er mit 13 Jahren nach Frankreich zurück. Er studierte Animation und wurde bald zu einem der bekanntesten zeitgenössischen Comic-Künstler. Von 2004 bis 2014 zeichnete er wöchentlich den Comic „La Vie secrète des jeunes“ für Charlie Hebdo. Sattouf wurde u.a. mit dem Prix René Goscinny und dem César für den besten Erstlingsfilm („Jungs bleiben Jungs“) ausgezeichnet. „Der Araber von morgen" gewann den Grand Prix RTL de la Bande Dessinée und den Fauve d'or beim 42. Comicfestival von Angoulême. Sattouf lebt und arbeitet in Paris. Der Araber von morgen – Eine Kindheit im Nahen Osten (1978-1984) Die wahre Geschichte eines blonden Jungen zwischen arabischer und westlicher Welt. Dieser Satz trifft es genau auf den Punkt. Der französische Zeichner und Filmemacher sowie Autor des Buches Riad Sattouf erzählt von seiner Kindheit in der arabischen Welt. Der heute 36-jährige wuchs als blondgelockter Junge als Sohn eines Syrers und einer Französin in Libyen und Syrien auf. Das bringt alle möglichen Probleme mit sich. Nicht nur in Bezug auf seine Identifikation, seine Integration, sondern auch die Zeit ist eine Schwierige: Arabischer Frühling, Umsturz in Libyen und Krieg in Syrien. Das alles bekommt der Junge ebenfalls zu spüren, auch wenn er es noch nicht einordnen kann. Seine Eltern jedoch sehr wohl. Der blonde Araber im Land der Diktatoren. Fazit Dass der junge Riad Sattouf als Sohn einer Französin und Sohn eines Syrers es nicht einfach haben wird, war klar. Dass er jedoch auch noch einen blondgelockten Schopf hat, macht das ganze noch ein wenig schwieriger. Mit dem Kennenlernen der Eltern fing für ihn alles an. Der Vater des kleinen Riad studiert in Frankreich, verliebt sich, heiratet und letztlich wird Riad geboren.  Die Geschichte beginnt, natürlich aus der Sicht des Jungen, im Jahr 1980. Der Junge erzählt seine Geschichte von Anfang an. Spannend fand ich, dass die einzelnen geschichtlichen Abschnitte auch durch die Farben im Buch gekennzeichnet sind. Die Zeit zu Beginn beispielsweise ist blau gefärbt, es folgt ein langer Abschnitt in gelb und schließlich rot. Das Buch endet, wie es beginnt, in blau. Der Schreib- und Erzählstil, wenn man von Erstem überhaupt sprechen kann, denn es handelt sich um einen Graphic Novel und in Sprechblasen verfasst. Viel Schreibtext gibt es daher nicht. Da die Geschichte von Riad als kleinem Jungen verfasst ist und auch seine Sicht der Dinge darstellt, sind die Erinnerungen und Ausführungen eher kindlich gehalten. Das fällt schon auf den ersten Seiten auf, tut der Geschichte aber keinen Abbruch. Die Erinnerungen scheinen auch ein wenig geschönt zu sein, da man als Kind die Dinge anders sieht, als die Erwachsenen. Das Buch jedoch zeigt für den Leser trotzdem, wie hart es für Riad wirklich ist. Er wird beschimpft und fühlt sich fehl am Platz. Auch versteht er die Dinge häufig nicht. Auch, als er versucht sich zu integrieren und anzupassen, wie man im Kindergarten deutlich sehen kann, bekommt er Rückschläge. Besonders interessant und erwähnenswert finde ich auch die Darstellung seiner beiden Eltern. Während seine Mutter kaum in Erscheinung tritt und sich eher im Hintergrund stellt, ist sein Vater scheinbar ein großes Kind. Dies zeigt sich in seinem Plastikstier, den er überall mit hinnimmt. Ich fand den Comic wahnsinnig berührend und auf einfache Art und Weise dargestellt, welches den Geschehnissen eine besondere Tiefe gibt. http://immer-mit-buch.blogspot.de/2016/07/rezension-der-arabder-von-morgen.html  

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  • Sehr Interessant und vielschichtig

    Der Araber von morgen

    loralee

    27. March 2016 um 10:00

    Wie sähe denn mein Leben aus, wenn ich als kleines Kind mit meinen Eltern im Nahen Osten leben würde? Diese Frage stellte ich mir, als ich die Graphic Novel von Riad Sattouf in Händen hielt. Mit seinem autobiographischen Comic-Roman beschreibt er seine Kindheit im Nahen Osten der späten 70er und frühen 80er Jahre. Man bekommt Einblicke in die direkten Auswirkungen der jeweiligen Politik von Ghadaffi und Assad auf das alltägliche Leben der Bevölkerung in Libyen und Syrien. Man erfährt aber auch, was passiert, wenn zwei unterschiedliche Mentalitäten aufeinandertreffen. Riad hat blonde lange Haare. Da er damit enorm auffällt, zieht er die Aufmerksamkeit und den Ärger wie ein Magnet an. In Frankreich wird er geküsst und geknutscht, im Nahen Osten wird er von den anderen Kindern beschimpft, verflucht und gehänselt. Der Vergleich der beiden, in der politischen Ausrichtung sehr unterschiedlichen Diktaturen, macht die Geschichte sehr spannend. Riads Vater ist Syrer und zieht mit seiner kleinen Familie von Libyen aus in sein kleines Heimatdorf in der Nähe von Homs. Der Vater gerät dort in eine ideologische und Identitätskrise und macht Zugeständnisse an die anti-westliche Haltung seiner Verwandtschaft, die er während seines Lebens in Frankreich eher verpönt hätte. Die Mutter von Riad ist Französin und spielt im Vergleich zum Vater eine eher untergeordnete und passive Rolle. Das finde ich sehr schade, denn es wäre interessant gewesen, ihre Meinung zu den Veränderungen des Vaters und mehr über ihr Verhältnis zur syrischen Verwandtschaft zu erfahren. Der Zeichenstil ist simpel aber lebendig und in Schwarzweiß gehalten mit einer Grundfarbe, die das jeweilige Land repräsentiert (Frankreich – kühles Blau, Libyen – warmes Gelb, Syrien – bedrohliches Rot), was eine sehr starke Aussagekraft hat. Dieser Stil (zeichnerisch, wie erzählerisch) hat sich allgemein als typisches Element der autobiographischen Graphic Novels etabliert. Wie zum Beispiel bei „Persepolis“ von Marjane Satrapi oder „Heute ist der letzte Tag vom Rest meines Lebens“ von Ulli Lust. Ich freue mich, dass Zeichner und Regisseur Riad Sattouf sich entschieden hat, seine Erinnerungen in einer Graphic Novel darzustellen. Die Bilder und die Erzählung helfen mir die Situation, die damals im Nahen Osten herrschte und aus der letztendlich der Arabische Frühling entstand, etwas besser zu verstehen. Ich bin gespannt, wie es im zweiten Band weitergeht.

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  • Der Araber von morgen

    Der Araber von morgen

    Minoo

    19. July 2015 um 17:05

    Der Autor, Comiczeichner und Filmregisseur Riad Sattouf erzählt in „Der Araber von morgen“ die autobiographische Geschichte eines kleinen Jungen, der als Sohn einer Französin und eines Syrers in Libyen, Syrien und Frankreich aufwächst. Durch die „Ich-Perspektive“ schildert der kleine blonde Araber Riad dem Leser seine Erfahrungen in einer, anfangs auch für ihn, fremden arabischen Welt. Dabei wirken die Schilderungen und Beobachtungen oft nüchtern, beinahe sachlich. Die Verwunderung, die sich, durch die manchmal schon recht verstörenden Erlebnisse, beim Leser einstellt, wird von dem kleinen Riad nicht geteilt. Die unbefangene Art mit der sich ein Kind auf neue und ihm unbekannte Eindrücke und Erfahrungen einlassen kann, ermöglicht dem Leser einen direkten, unverfälschten Zugang zu den Erinnerungen des Autors. Einfache Erklärungen werden einem daher vom Autor nicht vorgekaut. Der Leser wird gezwungen sich mit den Charakteren und ihren Handlungsmustern selbst auseinanderzusetzen und wird dadurch zum Nachdenken und Reflektieren angeregt.   So stellt sich beispielsweise der Vater von Riad als sehr ambivalente Figur dar, die einerseits nicht sonderlich religiös ist und als Heilmittel für die angeschlagene arabische Gesellschaft alles auf das Konzept Bildung setzt. Andererseits verteidigt der Vater aber die Diktatur als für die Araber einziges funktionierendes System und hält den Araber gleichzeitig für eine Art besseren Menschen, wie gemacht zur Weltherrschaft. Ebenso lassen einen die Beweggründe der Mutter rätseln, die kaum als aktiv handelndes Wesen auftritt und den Entscheidungen des Vaters widerspruchslos folgt. Sie wirkt antriebslos,  unzufrieden mit ihrer Situation im arabischen Wohnort, scheint aber nie auch nur den Versuch zu unternehmen die Situation für sich oder ihren Sohn zu verbessern.    Dass der Autor die Beweggründe seiner Charaktere nicht weiter beleuchtet funktioniert sehr gut, da wir der Handlung als reiner Beobachter durch die Augen von Riad folgen, einem kleinen Jungen, der all dieses Hintergründe selbst noch gar nicht verstehen kann. Gerade in der Aufrechterhaltung dieser Ambivalenz, dieser Hin- und Hergerissenheit zwischen zwei sehr unterschiedlichen Kulturen, liegt die Stärke des Buches. Obwohl es sich um ein historisch-politisches Buch handelt, ist Sattouf kein Agitator, der dem Leser seine Gesinnung aufzwingen möchte. Vielmehr ist er ein Erklärer und Vermittler, dem es auf exzellente Weise gelingt die modernen Spannungen und Unterschiede zwischen unseren Kulturkreisen offenzulegen.   Außerdem möchte ich darauf verweisen, dass auch die französische Seite bei Sattouf nicht sehr gut wegkommt. Da er aber seine Kindheit überwiegend in den arabischen Ländern verbracht hat, liegt der Fokus nun mal hauptsächlich auf diesen Ländern. Um es mit seinen eigenen Worten zu sagen: „Ich fühle mich weder als Franzose noch als Syrer. Allerdings vermute ich, dass mein kritischer Blick, meine Haltung der Wirklichkeit gegenüber, mein Individualismus auch, doch eher in einer europäischen Tradition stehen. Ich empfinde aber weder eine ausgeprägte Sympathie für die eine oder andere Kultur.“   Fazit: „Der Araber von morgen“ ist eine großartige, wichtige Graphic-Novel, die jedem ans Herz gelegt sei, der sich auch nur ansatzweise für den „Cultural Clash“ zwischen der westlichen und der arabischen Welt interessiert. Ich bin schon sehr gespannt auf die Fortsetzung!

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  • Hoch Politsche Graphic Novel

    Der Araber von morgen

    AllesAllerlei

    14. July 2015 um 11:08

    Ich muss gestehen, das ich mit dieser Graphic Novel die ja Autobiographisch ist meine Probleme hatte. Das lag jedoch weder an der wirklich tollen AUfmachung des Buches, an denen Ansprechenden Zeichnungen oder den gelundenen Texten sondern an den einzelnen Figuren. Insbesondere mit dem Vater des Protagonisten hatte ich so meine Probleme. Reflektiert betrachtet vermute ich das meine Probleme mit dem Buch wahrscheinlich jedoch an mir selber lagen. Zum einen bin ich erst Ende der 80er Jahre geboren und habe somit von der Zeitperiode die in diesem Buch besprochen wird (Ende 70er / Anfang 80er) nichts selber erlebt. Und in dieser zeit war nun einmal vieles anders als heutzutage. Zum anderen Spielt das Buch im Nahen Osten (Lybien und Syrien). Also in einem überwiegend Muslimischen Kulturkreis mit dem ich als Christlich erzogene Europäerion bisher auch kaum Berührungspunkte hatte.  Dennoch finde ich ist das Buch durchaus lesenswert und ich bin äußerst gespannt auf den Folgeband (für den jedoch leider noch kein Erscheinungsdatum fest steht). Durch die Politischen Umwürfe die in der Zeit ind er das Buch spielt im Nahen Osten geschen sind könnte man (ähnlcih wie auch Persepolis) das Buch als eine Art Geschihtsbuch bezeichnen bei dem man nicht nur erfährt was zu der Zeit passiert ist sondern auch aus erster Hand erfährt, wie sich die "Betroffenen" gefühlt haben.

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  • Interessant, ironisch, toll

    Der Araber von morgen

    Eva-Maria_Obermann

    26. April 2015 um 14:10

    Mit dem Kennenlernen der Eltern fing alles an. Der Vater des kleinen Riad studiert in Frankreich, verliebt sich, heiratet und Riad wird geboren. Mit blonden Locken begeisterte er die Erwachsenen. Doch dann will der Vater zurück in den Nahen Osten und folgt dem Ruf der Männer, die heute vom arabischen Frühling entmachtet wurden, bzw. noch um ihre Macht kämpfen. In Libyen und später auch seiner alten Heimat Syrien hofft Riads Vater auf ein Heim und eine Zukunft, ist begeistert und hat einen Plan vor Augen. Dass der nicht wirklich zum Erfolg führt, das ahnt Riad schon als kleines Kind, steht dem aber genauso hilflos gegenüber, wie scheinbar die Mutter, die dem Mann artig folgt. Dass das Buch nicht zu 100 Prozent Riad Sattoufs Vergangenheit wiedergibt, ist klar. Erinnerung ist geschönt, gezeichnet, verwaschen. Die Eindrücke eines vierjährigen unterscheiden sich stark von denen eines Erwachsenen. Doch gerade hier greift das Buch. Zwischen kindlicher Sicht der Dinge, fernem Rückblick und harter Realität erschaffen die Zeichnungen eine zweite Welt neben dem Text, Ironie und die Lüge der Worte wird sichtbar. Etwa wie sehr Riad unter den arabischen Kindern, zu denen er doch eigentlich auch gehört, auffällt, nur wegen der blonden Haare. Dass Riads Vater nicht davon abzuhalten ist, in seiner Heimat Fuß fassen zu wollen, und sich dabei immer wieder nach den landestypischen Gepflogenheiten richtet, ist aus unserer heutigen Sicht ebenso lächerlich, wie eben der Rückzug der Mutter, die „oft müde“ ist und sich später mit dem kleinen Bruder oft ins Bett verzieht. Kein Aufbegehren, nur das stumme Abwarten, ob der Mann nicht doch noch nach Frankreich zurück will. Oder die Begeisterung für die Diktatoren, die auch und gerade vor dem gebildeten Vater nicht Halt machen. Für Riad wird die Zeit im Nahen Osten immer wieder zur Tortur. Beschimpft und verspottet, fehl am Platz, wird er bedroht und fürchtet sich vor seinem ersten Schultag so sehr, dass er krank wird. Da, ein einziges Mal, tritt die Mutter in den Vordergrund, nachdem sie gesehen hat, was die Kinder auf der Straße mit einem Welpen machen. „Hunde gelten als unrein“ gibt das Buch als Info. Und gleichzeitig erhebt Der Araber von morgen keine Anklage. Es sind vielmehr viele kleine Andeutungen, die keinesfalls nur als schwarz und weiß zu denken sind. Denn Riad passt auch in Frankreich nicht wirklich dazu. Wird im Kindergarten als hochbegabt entdeckt und wieder fallen gelassen, als er beginnt, sich anzupassen. Doch Anpassung ist, was alle von ihm wollen. Passend dazu die Zeichnungen, deren Farbschema sich ändert. Klar dabei, die eher bedrohlichen Farben sind für Libyen und Syrien reserviert, die kurze Zeit in Frankreich dagegen geradezu beruhigend in blau gefasst. Und auch die Konturen der Figuren sind wesentlich kantiger und grotesker, sobald Riad auf seine arabische Verwandtschaft trifft. Ungemein spannend fand ich diesen Blick und bin noch mehr gespannt, wie es weitergeht. Vielleicht gerade, weil es so realistisch wie kindlich verklärt ist, mit der erwachsenen Denkweise im Hintergrund. Eine Mischung, die wie das Aufeinandertreffen der Kulturen selbst wirkt und mehr als nur einen Spiegel hochhält.

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