Ricarda Jordan Tochter der Elbe

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Inhaltsangabe zu „Tochter der Elbe“ von Ricarda Jordan

Friedrichsdorf in der Haseldorfer Marsch, 1248: Die Zukunft der jungen Hilke als Frau eines Handwerkermeisters ist gesichert. Aber dann wird ihr Dorf durch eine Sturmflut verwüstet. Die "Allerkindleinsflut" fordert zahlreiche Leben. Hilke verliert ihre Familie und ihr Zuhause. Und so ergeht es vielen Menschen. Umso größer die Wut und der Hass der Dörfler, dass Hilke ihren Freund aus Kindertagen retten konnte. Denn Hein ist seit einem Unfall gelähmt. Ist die Flut nicht die Strafe Gottes dafür, dass in ihrer Mitte dieser unvollkommene junge Mann lebt? Hilke ist entschlossen, für ihn zu kämpfen - koste es, was es wolle...

Historisch teilweise falsch, soweit Geschichte vorkommt. Eine Auseinandersetzung mit historischen Ereignissen findet nicht statt.

— Gwhynwhyfar
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    Tochter der Elbe
    Gwhynwhyfar

    Gwhynwhyfar

    29. July 2015 um 19:25

    Hörbuch, 19 Stunden, 5 Minuten gesprochen von Yara Blümel 1248 wurde die Haseldorfer Marsch in Schleswig Holstein überschwemmt. Hilke, aus Friedrichsdorf überlebt, ebenso Hein, der gelähmt ist. Hein stürzte als Dachdeckerlehrling von oben herab und kann seitdem nicht mehr laufen. Hilke die Tochter von seinem Meister freundet sich mit ihm an und kümmert sich um ihn. Sie, das einzige Kind der Familie, ist mit Jens verlobt, dem Dachdeckergesellen, der ihren elterlichen Betrieb übernehmen soll. Während der Katastrophe befindet sich dieser auf Gesellen-Wanderschaft in Schleswig. Hilkes Eltern sterben bei der Flut, wie auch Heins Mutter. Die beiden begeben sich zur Burg, an der sich alle Überlebenden treffen. Der Landesherr verpflegt sie, registriert die Toten und verteilt das Land neu an die Überlebenden. Hilke würde ein gutes Stück Land erhalten, aus dem Erbe ihrer Eltern. Also bestimmt der Landesherr, sie zu verheiraten. Hilke ist mit dem Anwärter nicht zufrieden, ein reicher Bauer in ihrem Alter, der schon immer nach ihr schielte. Heimlich macht sie sich mit ihrem Pferdewagen und Hein von dannen, um Jens in Schleswig zu suchen. Krieg durchzieht das Land und es ist gefährlich für eine junge Frau, die allein mit einem Behinderten unterwegs ist. In Schleswig angekommen, ist Jens schon fort, denn der ist nach Friedrichsdorf zurückgekehrt, um zu sehen, ob Hilkes Familie noch lebt. Für Hilke ist der Rückweg zu gefährlich und ein paar edle Ritter bieten ihr an, sich als Marketenderin zu verdingen, bzw. Hein als Bader zur Hand zu gehen, der sich mit den Heilkenntnissen hervortat, die er von seiner Mutter gelernt hatte. Hier lernt Hilke den dänischen König kennen und wird seine Geliebte. Der König wird hinterrücks ermordet und Hilke flieht mit ihrem Baby und Hein. Sie stolpert von einem Fettnäpfchen ins nächste, findet aber immer wieder Menschen, die ihr recht großzügig aus der Patsche helfen. Zu ihrem engsten Freunden gehören u.a. ein schwuler Ritter, ein Einarmiger und ein Einbeiniger. Letztere beiden ernährt Hilke dann auch noch, neben Hein und dem Baby. Ich bin von einem historischen Roman ausgegangen. Für mich stellt sich das Buch eher als absurde Geschichte dar, mit vielen Liebesgeschichten verwoben. Die Flut an der Westküste Schleswig Holsteins wäre ein Thema gewesen, das man etwas mehr beleuchten könnte. Es wird nicht einmal erwähnt, dass hierdurch die Inseln Altenwerder und Finkenwerder entstanden sind. Das Dachdeckerhandwerk kommt im Buch mehrfach vor, aber es wird nie beschrieben. Es wäre interessant gewesen, zu erfahren, wie die Reetdächer hergestellt werden. Kein Wort davon. Jens baut später mit Ziegeln. Wie werden sie hergestellt, wie verbaut, was sind die Vor- und Nachteile der verschiedenen Dächer? Es wird in einem Satz eine noch neuere Ziegelart für eine Kirche erwähnt, die Jens bauen soll. Das war es zum Thema. Von einem historischen Roman habe ich mehr erwartet. Kommen wir zu Erik IV, der nicht so herzig war, wie er im Buch beschrieben wird. Der Bruderkrieg nach seiner Krönung zwischen ihm und seinen Brüdern Abel und Christoffer wird in keiner Weise beleuchtet. Christoffer taucht am Ende vom Buch auf, als der Gütige, der zu Erik gestanden hatte, was falsch ist. Die Pflugsteuer wird kurz erwähnt, die Erik erhob, um seine Kriege zu führen, es täte ihm leid, es wäre für den Einzelnen nicht viel Geld. Letzteres mag sein. Aber in Wahrheit trieb er die Steuer gnadenlos mit Waffengewalt ein. Das Volk hasste Erik, er musste sogar mehrfach fliehen, weil die Bauern ihn verprügeln wollten. Mit dem Papst verstand sich Erik gut, weil er für ihn Kreuzzüge durchführte. Er wollte Erik sogar zum deutschen Kaiser krönen. Seine dänische Kirche stand gegen Erik aus diversen Gründen. Alles Dinge, die mich auf das Buch freuen ließen. Ich dachte, hier mehr zu erfahren, keine Auseinandersetzung mit dem Dänenkönig. Erik führt einen Feldzug gegen Estland. Er verschwindet in den Krieg, kehrt irgendwann zurück zu Hilke. Welchen Glauben hatten die Esten und wie ging die Missionierung von statten. Kein Wort von den internen Ordenskriege der Christen im Estland. Hier macht es sich die Autorin leicht. Anstatt Hilke mit in das Kriegsgebiet zu nehmen und sich mit der Geschichte auseinanderzusetzen, lässt sie sie schwanger zurück, weit entfernt vom Geschehen im ewigen Intrigenspiel einer Burg. Historisch erfährt man Seichtes aus dem Ritterleben, alles dass, was man kennt: die Ritter tragen Rüstungen, sind Ehrenmänner und kämpfen mit dem Band der Angebeteten. Man trinkt verdünnten heißen Wein, schläft auf Stroh. Das ist für mich ein historisch verdünnter Roman. Die Autorin hat es für mich nicht geschafft, sich mit dem echten Zeitgeschehen auseinanderzusetzen, sondern lediglich einen Roman um eine Frau gesponnen, die ziemlich viel erlebt, der ständig übel mitgespielt wird. Ab der Mitte des Romans habe ich mich tapfer bis an Ende gekämpft, wollte mehrfach abbrechen: Bitte nicht das auch noch … sprach es in mir. Man hat den Verdacht, dass hier nicht an einem Storyboard gearbeitet wurde, sondern dass Ricarda Jordan munter drauf los geschrieben hat, und immer wieder ein neues Teil ansetzte, ohne zu wissen, wie sie selbst enden wird. Immer noch ein Übel mehr und immer steht ein Retter zur Hand. Teilweise fand ich die Teilgeschichten absurd. Eine Frau rollt allein mit einem Behinderten auf einem Wagen, gezogen von guten Pferden, durch fliehende hungrige Menschen, plündernde Soldaten und ihnen passiert nichts. Sie kann sich durch ihre Schönheit und Intelligenz immer so viel verdienen, dass sie gerade nicht zur Hure werden muss. Und dabei ernährt sie gleich drei Behinderte und ein Kleinkind mit. Hilke hilft einer gebärenden Frau, indem sie lateinische Gebete während der Geburt spricht (sie kann kein Latein) und erhält als Lohn Geld, Lebensmittel und fünf Schiffspassagen! Absurdistan lässt an manchen Stellen grüßen. Das Buch ist für mich historisch uninteressant, weil es sich nicht ernsthaft mit der Zeit befasst, sie teilweise falsch wiedergibt. Die Charaktere sind oberflächlich gezeichnet. Ich kann mir keine Person richtig vorstellen, schon gar nicht, welche Gedanken sie zu irgendetwas treibt. Es gibt gute und böse Menschen, eine schwarz-weiße Welt. Inhaltlich ist Geschichte oft an den Haaren herangezogen und stolpert ziellos dahin. Spannend? Der Anfang war in Ordnung. Aber irgendwann kam der Punkt, da hoffte ich, dass der Roman endlich ein Ende hat. Empfehlung nur für die Leser, die Liebesgeschichtsromane gern lesen und an historischen Ereignissen weniger interessiert sind und Unlogik übersehen können.

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