"Ich spürte eine merkwürdige Ruhe in mir, so, als wäre etwas ausgeknipst worden, meine Gedanken waren ein gleichmäßiger, breiter Strom, der nichts abtrug, nichts mitriss, nichts plattwaltzte. Ich glitt über den Strom hinweg, spürte die leichte Kühle, die vom Wasser aufstieg wie ein Hauch, aber weder Angst noch Zorn, weder Hoffnung noch Traurigkeit oder Schmerz." Seite 43 aus 'Die komische Frau' von Ricarda Junge.
Der Roman ist eine feine Erzählung einer kleinen Familie, die aus "Westdeutschland" weit nach der Wende nach Ostberlin zieht und dort mit der Vergangenheit konfrontiert wird. Das Paar trennt sich und die Mutter bleibt mit dem Kind in der gemeinsamen Wohnung zurück. Es dreht sich alles um die Wohnung, die Mitbewohner, das Haus. Eine bizarre Stimmung wird gemalt und alles scheint anders als es ist. Durch viele Parallen der Protagonistin in diesem Roman mit der Schriftstellerin selbst, hat man das Gefühl das Ricarda Junge viel ihrer Selbst in dieses Werk gelegt hat.
Den Roman zeichnet vor allem die sprachliche Raffinesse und feine Wortwahl aus. 'Die komische Frau' liest man einfach gerne, da es gute Literatur ist. Ich bin nur durch Zufall zu diesem Roman gelangt und finde es bedauerlich, dass die breite Masse der Leser dieses Buch noch nicht entdeckt hat. Fazit: Unbedingt lesen!
Ricarda Junge
Lebenslauf
Quelle: Verlag / vlb
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Ein Krimi? Eine Gespenstergeschichte? Nüchterne Bestandsaufnahme einer gescheiterten Beziehung? Ein Ost-West-Roman? "Die komische Frau" ist alles zusammen und zwar auf die gelungenste Weise! Ein Buch mit Gänsehaut-Garantie!
Lena und ihr kleiner Sohn Adrian leben - nachdem der Vater sie verlassen hat und ausgezogen ist - in einer Wohnung in einem der ehemaligen Stalinbauten an der Berliner Karl-Marx-Allee. Sie sind vom modernen Berliner Großstadtleben genauso umgeben wie von der DDR-Vergangenheit ihrer ewig gestrigen Nachbarn. Denn in die prächtigen Arbeiter- und Bauernpaläste durften ehemals nur verdiente Genossen einziehen, die auf den ersten Blick alle sehr nett wirken, aber bis heute ihre alten Seilschaften pflegen und im Ernstfall ziemlich unangenehm werden können. Diese Erfahrung muss auch Lena machen.
In nur einer Nacht schreibt sie die merkwürdigen, unheimlichen Ereignisse nieder, die sie in den vergangenen Wochen erlebt hat. Verstört kauert sie neben dem Bettchen ihres kleinen Sohnes Adrian. Sie wartet, dass der nächste Tag anbricht und schreibt gegen ihre Angst an: Die Geschichte der komischen Frau, einem Gespenst, von dem ihr Sohn immer wieder spricht, das Lena aber lange nicht sehen konnte. Sie hat es mit rationalen, nüchternen und psychologischen Erklärungen versucht, sich selbst unter die Lupe genommen, in der Vergangenheit ihrer Nachbarn herumgestöbert und herausgefunden, dass die Frau, die vor ihr in ihrer Wohnung gelebt hat, unter tragischen Umständen ums Leben gekommen ist. Ist sie die komische Frau?
In der schicksalhaften Nacht, in der Lenas Aufzeichnungen entstehen, setzen sich die einzelnen Puzzleteile langsam zu einem so ernüchternden und zugleich unheimlichen Bild zusammen, dass es einem als Leser die Sprache verschlägt.
Diesen Roman muss man in einem Zug durchlesen. Klar und verständlich geschrieben, ganz realistisch und doch voller unheimlicher Poesie und Magie. Echt gruselig und spannend bis zur letzten Seite, ohne auch nur einmal klischeehaft oder oberflächlich zu sein!
Ein Roman über die Vergangenheitsbewältigung im Osten. Eine ursprünglich aus der Umgebung von Hamburg stammende Familie zieht nach Ost-Berlin in ein typischen Ostbau. Magdalena, die "Ich-Erzählerin", hat sich kurz darauf von ihrem Mann getrennt und lebt jetzt mit ihrem kleinen Sohn Adrian weiter in der Wohnung. Die Nachbarn wohnen fast alle schon seit vielen Jahren dort und einige waren auch nicht glücklich mit der Wende. Vorher hatten sie alle verantwortliche Aufgaben und hinterher nicht mehr. Es scheint zu spuken in dem Haus. Adrian sieht immer eine komische Frau, die ihm Angst macht und es passieren Dinge, für die Magdalena keine Erklärung hat. Der Roman war mir ein wenig zu unreal, deswegen nur 3 Sterne. Das Thema ansich ist gut.













