Ricardo Piglia

 3.9 Sterne bei 14 Bewertungen
Autor von Brennender Zaster, Munk und weiteren Büchern.

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Brennender Zaster

Brennender Zaster

 (5)
Erschienen am 27.04.2010
Munk

Munk

 (4)
Erschienen am 03.03.2015
Künstliche Atmung

Künstliche Atmung

 (2)
Erschienen am 15.08.2002
Falscher Name

Falscher Name

 (2)
Erschienen am 15.08.2003
Ins Weiße zielen

Ins Weiße zielen

 (1)
Erschienen am 17.08.2010
Der letzte Leser

Der letzte Leser

 (0)
Erschienen am 15.09.2010
Der Goldschmied

Der Goldschmied

 (0)
Erschienen am 17.08.2010
Plata Quemada

Plata Quemada

 (0)
Erschienen am 15.03.2004

Neue Rezensionen zu Ricardo Piglia

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Rezension zu "Munk" von Ricardo Piglia

Die tote Professorin
serendipity3012vor 3 Jahren

Die tote Professorin

Einzelgänger Emilio Renzi kommt aus Buenos Aires und hat eine Gastprofessur in den USA inne, Hier hält er ein Seminar über den argentinischen Schriftsteller W. H. Hudson. Er leidet unter Schlafstörungen und leichten Panikattacken. Nach einiger Zeit beginnt er eine Affäre mit der jungen Professorin Ida Brown, einer hoch angesehen brillanten Wissenschaftlerin. Auf Idas Wunsch halten sie ihre Treffen geheim. Renzi entwickelt eine Art Besessenheit für Ida. Die Nachricht von ihrem plötzlichen Tod trifft ihn hart und wirft ihn aus der Bahn. Er glaubt nicht an einen Unfall, obwohl es zunächst danach aussieht. Gibt es einen Zusammenhang zu einer Serie von Morden, denen in den letzten Jahren immer wieder Universitätsmitarbeiter zum Opfer fielen? Renzi versucht, mehr herauszufinden.

Der Roman „Munk“ des argentinischen Autors Ricardo Piglia beginnt als Gesellschaftsroman und beschreibt zunächst das Leben seines Helden Renzi sowie den speziellen Kosmos an einer Universität. Bevor die Geschichte sich aber auf die mögliche Beziehung bzw. die Art der Beziehung zwischen Renzi und Ida konzentrieren kann, stirbt sie und die Handlung nimmt einen anderen Lauf als man zunächst hätte erwarten können. Aber auch mit einer klassischen Kriminalgeschichte haben wir es nicht zu tun: Hier gibt es keine Detektivarbeit, keine falschen (und schließlich richtigen) Fährten, keinen Kommissar, lediglich einen Privatdetektiv. Es geht nicht nur darum, wer für Idas Tod verantwortlich sein könnte, sondern vielmehr um das mögliche Warum, denn genau das ist es, was Renzi keine Ruhe lässt, denn Ida hat ihm viel bedeutet.

Diesen Renzi erweckt der Autor gekonnt zum Leben, seine Einsamkeit, seine Gedanken und Gefühle. Das trägt auch zu der starken Atmosphäre aus, die den Roman auszeichnet.

„Ein gespanntes Warten lag in der Luft, als wären die vielen blinden Zeichen ein düsteres Omen. Ich kannte diese Ungewissheit, diesen Zustand oder diese Überzeugung, die mehr einer Hoffnung als einem Glauben ähnelt. Es ist das magische Denken der Liebe, des Verliebten im Zustand der Verblendung, der sich mit verzweifelter, idiotischer Besessenheit nach der verliebten Frau sehnt. Um diesen Gedanken zu entkommen, verbrachte ich die Nachmittage in der Bibliothek. Es war die beste Art, mich abzulenken. („Da wir das Thema nicht wechseln können, müssen wir die Realität verändern“, wie mein Freund Junior einmal sagte.)“ S. 58

Der Roman schlägt immer wieder eine bestimmte Richtung ein, die dann aber nicht weiter verfolgt wird, obwohl ich damit gerechnet hatte. All dies hätte man vertiefen können, man hätte etwa verweilen können bei Renzis russischer Nachbarin, mit der er sich anfreundet und mit der er immer wieder über Idas Tod spricht. Sie hätte ihre eigene Geschichte geliefert, meinem Empfinden nach interessant genug, um den Leser bei Laune zu halten. Piglia hat sich dagegen entschieden. Und das macht gar nichts.

Denn „Munk“ steckt trotzdem voller Themen: Da ist der argentinische Professor, von seiner Frau getrennt, der in seiner Heimat die Militärdiktatur miterlebt hat, was ihn sehr geprägt hat. Er sieht die USA mit den Augen des Ausländers, mit Distanz, und er sieht daher Dinge, die anderen verborgen bleiben. Wir lesen von der Arbeit an einer renommierten Universität, von Konkurrenz und dem Streben, der Beste zu sein, immer auch gegen die Anderen. Es gibt einen Serientäter, der sozusagen „aus der Art schlägt“. Und man kann diesen Roman auch als Gesellschaftskritik lesen. Das alles auf nur 250 Seiten. Es steckt viel in „Munk“. Ein interessanter Roman eines hierzulande eher unbekannten Autors, dem ich mehr Leser wünsche!

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M

Rezension zu "Ins Weiße zielen" von Ricardo Piglia

Rezension zu "Ins Weiße zielen" von Ricardo Piglia
michael_lehmann-papevor 8 Jahren

Provinz, Mord und argentinisches Leben

Ein Kriminalroman, der am Ende des Tages den Mordfall nur aufnimmt und als roten Faden durch das Buch laufen lässt, um aus vielfachen Perspektiven das argentinische Alltagsleben in den 70er Jahren nach den großen, politischen Veränderungen, angesichts von Wirtschaftskrise, Hoffnungen, Neuanfang nach dem Sturz Perons und vielfachen, auch durch Intrigen vorangetriebenen, Überlebensversuchen in den Blickpunkt zu rücken, so stellt sich Ricardo Piglias neues Buch dar.

„Wie in allen kleinen Orten der Provinz Buenos Aires gab es auch hier an einem einzigen Tag mehr Neuigkeiten als in irgendeiner großen Stadt in der ganzen Woche, und der Unterschied zwischen den lokalen Informationen und den landesweiten Nachrichten aus dem Fernsehen war so gewaltig, dass die Dorfbewohner gelegentlich der Illusion erlagen, sie würden ein interessanteres Leben führen“.

Zumindest in der Gegenwart des Buches ist dies fast sogar wahr in diesem kleinen Provinznest. Tony Durán, ein klassischer „Glücksritter“, meinte, das große Los gezogen zu haben. Eine Affäre mit den Belladonna Zwillingsschwestern (mit beiden zugleich, versteht sich) und zusätzlich (einseitig ist Tony auf gar keinen Fall, wenn diese Affäre auch heimlich von ihm gehalten wird), mit einem Mann noch, sind ständiges Tagesgespräch im Dorf. Spekulationen und Fantasien erhalten freien Lauf.
Bis jener Tony Durándo ermordet aufgefunden wird. Erstochen. Und mit einer Menge Geld, die gefunden wird. Soweit traf das „große Los“ also nicht zu. Oder konnte nicht wirklich dauerhaft genossen werden, das wohl eher.

Der introvertierte, für seine verschlungenen und kaum zugänglichen Ermittlungspfade bekannte Kommissar Croce, findet schnell heraus, dass der offenkundig Tatverdächtige nicht der Mörder sein kann. Auf dem Weg seiner Ermittlungen, auch dies im Buch in kraftvoller und wunderbar eingängiger Sprache dargestellt, rollt sich die gesamte Familiengeschichte der Belladonnas im auf. Dies allerdings schon, notgedrungen, fast ohne sein Zutun, denn Croce wird erfolgreich von höherer Stelle an zu entlarvenden Ermittlungen gehindert.

Dennoch, Hintergründe werden sichtbar, die immer mit den aktuellen Situationen und der konkreten Lage in Argentinien verbunden und verwoben werden.
Mehr noch, Letztendlich gelingt es, mit der Hilfe eines Journalisten aus der Stadt, die wahren Hintergründe im rahmen einer umfassenden Familiengeschichte der Belladonnas, offen zu legen.

Dies aber darf, soll nicht sein. Hier wendet sich das Buch. Aus dem Kriminalfall wird eine intensive Zustandsbeschreibung der Verhältnisse im Land. Verhältnisse, die es verhindern, dass die Gerechtigkeit siegt. Aufgeklärt wird der Fall vielleicht, gelöst aber nicht, weil das nicht sein soll. Soweit, dass Croce, zum Ende des Buches hin, „das Haar ergraut mit Spuren einer „möglichen Demenz“ in seinen hellen Augen“, einer abschließenden Zeremonie auf einem Friedhof distanziert beiwohnen wird. Auch sein weiterer Weg bleibt offen.

Bis dies allerdings in den Raum tritt, hat Piglia eine Menge zu erzählen vom Leben und Überleben in Argentinien, von Hoffnungen und Geschäften, von Ohnmacht und Mut, von Verwirrung und zerstörten Illusionen. Dass das Buch nicht im Hilflosen und Hoffnungslosen zum Ende hin verhaart, dass manche der Protagonisten trotzdem (und nicht weil) die Dinge so laufen, wie sie laufen, ihren Weg weiter unter die Füße nehmen, das ist ebenso das Verdienst der Erzählweise Piglias, wie seine analytischen Fähigkeiten auf dem Hintergrund seines profunden, wirtschaftlichen Wissens, einen ungeschminkten und entlarvenden Blick auf die Verhältnisse in Argentinien eröffnen.

Ein intelligentes Buch voller Einblicke in das Leben Argentiniens, mit überzeugenden, melancholischen, allseits ihr Glück suchenden Figuren, die eben nicht ins schwarze Treffen, sondern letztendlich doch immer nur ins Weiße zielen. Ein ganz hervorragendes Buch. Viel mehr der Belletristik zuzuordnen denn dem Genre des Kriminalromans.

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Rezension zu "Brennender Zaster" von Ricardo Piglia

Rezension zu "Brennender Zaster" von Ricardo Piglia
Ein LovelyBooks-Nutzervor 8 Jahren

Von der Handlung her ist "Brennender Zaster" nur mäßig spannend, denn das Ende steht fest: Die Bankräuber werden die Belagerung der Polizei nicht überleben und der Weg dahin wird nicht zimperlich sein. Aber die Geschichte ist dennoch absolut lesenswert, denn sie gewährt viele Einblicke in die argentinische Gesellschaft und ganz besonders in die Denkweise der Polizei.
Eine positive Identifikationsfigur sucht man vergeblich, denn weder die Polizei ist dazu geeignet noch die Verbrecher. Beide sind einfach Teile eines Systems, das keine der beiden Parteien besser formen kann als die andere. In dem Maß, in dem man mehr über die Verbrecher erfährt, tun sie einem schon Leid, besonders der "blonde Gaucho" Dorda. Dorda gerät als Teenager mit der Polizei aneinander und lernt einen unbarmherzigen Strafvollzug kennen. Man fürchtet, ein Hund auf den Straßen von Buenos Aires könnte es besser haben. Dorda findet in Nene Brignone einen Freund und Liebhaber, mit dem er Leben, Träume, Drogen und Verbrechen teilt.

Gemeinsam mit anderen Kumpanen, darunter Malito, Kopf der Bande, rauben sie einen Geldtransporter aus. Die Informationen erhalten sie aber nicht alleine durch Beobachtung, sondern maßgeblich von korrupten Beamten und Polizisten, die im Anschluss an das Verbrechen ihren Anteil haben wollen. Dass die Bande den Anteil kurzerhand verweigert, wird ihnen zum Verhängnis, denn bei den offiziellen Stellen gibt es nun niemanden mehr, der bereit wäre, eine Spur zu verschleppen oder für Fehlinformationen zu sorgen. Auch machen sie Fehler, denn das Versteckspiel gelingt ihnen nicht lange. Die Sucht nach Drogen und Sex treibt Brignone irgendwann vor die Tür und er hinterlässt Spuren.
Kommissar Silva hetzt die vier Kriminellen, die am Ende noch nicht gefasst sind, bis nach Uruguay und umzingelt sie mit einer bis dato angeblich noch nie dagewesenen Belagerung. Malito ist spurlos verschwunden und den drei Eingeschlossenen bleibt nur noch eines übrig: Sie wollen bis zu ihrem unvermeidlichen Ende soviele Polizisten umlegen wie möglich. Zwischen Drogen und Ballerei lassen sie drei verkorkste Leben Revue passieren.

Mit welcher Wut im Bauch Silva die drei jagt und mit welcher Verzweiflung diese bis zum Ende durchhalten, ist verstörend. Die Polizei vermutet hinter jedem Verbrechen politische Motive und zur Bereinigung der Verhältnisse unterstellt Silva jeden kleinen Taschendieb eine peronistische Motivation. Diese merkwürdige Verbitterung macht ihn fanatisch und die beiden Seiten - Gesetzeshüter und Verbrecher - schaukeln sich in ihrer Intensität laufend gegenseitig hoch. Je ärger die Polizei selbst mit kleinen Fischen oder Minderjährigen umspringt, umso härter kommt die Rückantwort; je packender die Polizei wird, umso verbissener reagieren die Gangster. Viele Personen, die zum Umfeld von Dorda, Brignone oder Malito gehören, reagieren trotz aller Angst vor den Folterkellern mit einer gewissen Routine - man hat halt alles schon mal erlebt und irgendwie überlebt.

Ein Nachwort des Autors erklärt, dass er selbst einer der handelnden Personen des Buchs im Zug begegnet ist. Nena, eine Geliebte von Brignone erzählte ihm ihre Version einer Geschichte, die Piglia aus den Zeitungen teilweise kannte und Jahre später setzt er Nenas Erzählungen mit seinen Recherchen in Archiven zu diesem Roman zusammen. Die Mixtur aus viel Realität und möglichst wenig Fiktion zeigt Wirkung: Das Buch liest sich ungeheuer rasant und die Kaltblütigkeit der Personen ist beängstigend. In meinen Augen eindeutig ein Kandidat für eine Wiederholungslektüre.

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