Richard Bachman

 3,9 Sterne bei 1.724 Bewertungen
Autor*in von Qual, Amok und weiteren Büchern.
Autorenbild von Richard Bachman (©Amy Guip 2006)

Lebenslauf

Richard Bachman ist eines der Pseudonyme des US-amerikanischen Schriftstellers Stephen King

Alle Bücher von Richard Bachman

Cover des Buches Qual (ISBN: 9783453406124)

Qual

(335)
Erschienen am 03.02.2009
Cover des Buches Amok (ISBN: 9783453025547)

Amok

(292)
Erschienen am 01.01.2002
Cover des Buches Menschenjagd (ISBN: 9783453157712)

Menschenjagd

(203)
Erschienen am 01.01.1999
Cover des Buches Todesmarsch / Amok (ISBN: B002VP55J8)

Todesmarsch / Amok

(40)
Erschienen am 01.01.1995
Cover des Buches Qual (ISBN: 9783866047716)

Qual

(16)
Erschienen am 17.09.2007
Cover des Buches The Running Man (ISBN: 9781444723540)

The Running Man

(9)
Erschienen am 20.12.2012
Cover des Buches Thinner (ISBN: 9781444723557)

Thinner

(8)
Erschienen am 20.12.2012

Neue Rezensionen zu Richard Bachman

Cover des Buches Amok (ISBN: 9783453025547)
Featherstones avatar

Rezension zu "Amok" von Richard Bachman

Featherstone
Charlie sieht rot

Inhalt:

Zunächst scheint es ein Tag wie jeder andere zu sein und niemand an der Placerville High School kann ahnen, welches Unheil bevorsteht. Der Schüler Charlie Decker hat die Waffe seines Vaters entwendet und einen folgenschweren Entschluss gefasst…

Der Morgen, an dem es über mich kam, war schön; ein schöner Maimorgen. (S. 7)
Es war genau wie Bonnie and Clyde, nur dass man bei Charlie eine Gänsehaut bekam und es kein Popcorn gab. (S. 44)

Meine Meinung:

Eines vorweg: Ich habe schon so einige Bücher von Stephen King gelesen (u. a. „Shining“, „Friedhof der Kuscheltiere“, „Es“, „Sie“, „Cujo, „Bennen muss Salem“, „Carrie“ und „Die Augen des Drachen“) und bin ein Fan von ihm. Seine Bücher gefallen mir, weil er gut darin ist spannende, gruselige, erschreckende, actionreiche und dramatische Geschehnissen atmosphärisch, mitreißend und eindringlich zu beschreiben. Außerdem besitzen viele seiner Protagonisten charakterliche Tiefe und man kann sich sehr gut in ihre Gefühle und Gedanken hineinversetzen. 

Aus diesen Gründen war ich gespannt auf das vorliegende Buch. Leider hat mich „Amok“ dann aber sehr enttäuscht und es kann aus meiner Sicht nicht mit anderen Stephen-King-Büchern mithalten. Ich hatte auf ein emotional berührendes und mitreißendes Drama mit einem spannenden Showdown gehofft, aber leider ist das Buch in mehrfacher Hinsicht hinter meinen Erwartungen zurückgeblieben. Man ist zwar gespannt wie alles ausgehen wird und vor allem wer überleben wird, aber das hat die Schwachstellen des Buches für mich leider nicht wettmachen können.

Meine Kritikpunkte:

Obwohl es in dem Buch um einen Amoklauf geht hat es stellenweise an Ernsthaftigkeit, Drama, Tiefgründigkeit und nachdenklich stimmenden Momenten gefehlt. Stattdessen gibt es so einige etwas merkwürdig wirkende Szenen in denen ich das Verhalten der Charaktere nicht nachvollziehen konnte und die bei mir für Kopfschütteln gesorgt haben.

Das Verhalten von Charlies Schulkameraden kam mir teilweise sehr sonderbar und unglaubwürdig vor. Charlie hat sie als Geiseln genommen, bedroht sie mit einer Schusswaffe und hat bereits einen Lehrer vor ihren Augen erschossen. Trotzdem begreifen viele auch dann noch nicht den Ernst der Lage. Stattdessen albern sie immer wieder herum, streiten sich über belanglose Dinge und ihre Gedanken kreisen um allerhand Nebensächliches. Manche bewundern Charlie und finden es cool in eine Geiselsituation geraten zu sein, die Abwechslung in den langweiligen Schulalltag bringt. Ein Schüler redet davon wie toll er es fände, wenn man ihn später über seine Erlebnisse als Geisel interviewen würde und er es ins Fernsehen schaffen würde. Dann geraten noch zwei Schülerinnen miteinander in einen überflüssigen Streit, beleidigen sich und verpassen sich Ohrfeigen. Für einen der größten Aufreger unter den Geiseln sorgt die Tatsache, dass sie mitbekommen, dass sie in den Breaking News als „Kinder“ bezeichnet werden, obwohl sie bereits „junge Erwachsene“ sind.

Klar, eine Geiselnahme ist eine Extremsituation und da kann es auch zu irrationalem Verhalten kommen. Es hätte der Geschichte aber wirklich gutgetan, wenn man als Gegengewicht zu den teilweise recht skurrilen und leicht albern wirkenden Szenen auch zur Abwechslung mal die Angst und Panik einiger Geiseln eindringlich geschildert bekommen hätte. Dann wäre man als Leser emotional gepackt worden und hätte besser mitfiebern können. Stattdessen hatte ich ab und zu eher das Gefühl in einen leicht trashigen Teenagerfilm geraten zu sein, weil es u. a. zu folgender Szenen kommt: Eine Mitschülerin/Geisel schlägt Charlie vor, dass er ihnen von seinem Liebesleben erzählt. Charlie will aber, dass sie stattdessen von ihrem eigenen Liebesleben erzählt. Das Mädchen wird dann sehr mitteilsam und erzählt vor der ganzen Klasse, dass sie und ihr Freund bisher noch gar nicht intim gewesen sind und ihr Freund ist darüber verärgert. 

Auch sonst mangelt es in dem Buch nicht an ziemlich skurrilen Anekdoten und Situationen, die die Geiselnahme und den Ernst der Lage in den Hintergrund drängen. Charlie erzählt z. B. seinen Klassenkameraden/Geiseln von einem seiner katastrophalsten Dates in dessen Verlauf er sich übergeben musste. Außerdem erfährt man z. B. dass Charlies Eltern ihn im Kindesalter dazu gezwungen haben einen lächerlich aussehenden Kordsamtanzug zu tragen und dass sie wollten, dass er „Schokolade“ bzw. „Limonade“ sagte, wenn er zur Toilette musste. In einer anderen Szene drehen sich Charlies Gedanken eine halbe Seite lang um die Unterwäsche seiner Mitschülerin auf die er vor einiger Zeit einen Blick erhaschen konnte, weil dem Mädchen der Knopf von der Hose gesprungen ist. Das alles hat die Handlung in keiner Weise vorangebracht und war aus meiner Sicht überflüssig und verzichtbar. 

Eines meiner größten Probleme mit dem Buch ist das Fehlen von Identifikationsfiguren und Sympathieträgern. Die Geiseln (Charlies Klassenkameraden) wirken mehrheitlich sehr oberflächlich, kindisch und empathielos. Es fehlt bei ihnen an charakterlicher Tiefe und ihr Verhalten ist (wie bereits erläutert) oft unverständlich und löst Kopfschütteln aus. Auch zum Protagonisten Charlie bestand für mich beim Lesen eine zu große Distanz. Obwohl man von Charlies belasteten Verhältnis zu seinem Vater erfährt und von seinen schulischen Problemen hält sich das Mitleid für ihn dennoch in Grenzen. Charlie ist einem nämlich überraschenderweise bereits vor Beginn seines Amoklaufs nicht gerade sympathisch, weil sein Verhalten teilweise sehr befremdlich, abstoßen und verwerflich ist. Bestes Beispiel ist die Szene in der Charlie dem Schulleiter zunächst unglaublich beleidigende und extrem obszöne Bemerkungen an den Kopf wirft. Dann öffnet Charlie plötzlich seine Hose und stürmt mit heruntergelassener Hose aus dem Zimmer um den armen Mann vor seinen Kollegen lautstark des versuchten sexuellen Missbrauchs zu bezichtigen, obwohl dieser völlig unschuldig ist.

Fazit:

Das Buch lässt sich schnell lesen und man ist gespannt, welche der Charaktere mit dem Leben davonkommen werden. Insgesamt hat es mir aber leider sehr an Ernsthaftigkeit sowie an emotional berührenden und nachdenklich stimmenden Momenten gefehlt. Die Charakterisierungen der Personen fallen vergleichsweise oberflächlich aus und es gibt eindeutig zu viele überflüssig wirkende skurrile Szenen.

Ich habe schon viele Bücher von Stephen King gelesen und sie alle haben mir deutlich besser gefallen als das vorliegende. Wer Interesse an einem Buch über einen Amoklauf hat, dem empfehle ich stattdessen „Ich knall euch ab!“ (von Morton Rhue). Dieses Buch habe ich nämlich sehr viel besser gefunden, weil es sehr viel berührender, dramatischer und nachdenklich stimmender ist als „Amok“.

Cover des Buches Qual (ISBN: 9783453406124)
koechls avatar

Rezension zu "Qual" von Richard Bachman

koechl
Bachmann steht King in nichts nach.

Mit "Qual" liefert King äh ich meinte Richard Bachmann eine ziemlich solide Mischung aus Thriller und Tragödie ab. Der Großteil der Handlung wird aus Sicht des Entführers Blaze erzählt und ich sehe manchmal die Art und Weise wie King mit behinderten Charakteren (vor allem was geistige Beeinträchtigung angeht) etwas kritischer (siehe Review zu Regulator), aber hier klappt das ganz gut. Blaze ist in erster Linie ein hilfsbedürftiger Mensch, den die Gesellschaft vergessen hat und deshalb auf die schiefe Bahn geraten ist. Gleichzeitig scheut King aber nicht zurück den Leser in einigen Szenen mit Blazes (zögerlich pragmatischem aber immer noch vorhandenem) Willen zur Gewalt zu konfrontieren ohne das mit dem Totschlagargument "Schwere Kindheit" zu entschuldigen. Trotzdem ist es schwer Blaze nicht einen großen Teil der Zeit (vor allem in den Rückblenden) zu bemitleiden. Das lässt darauf hoffen, das Richard Bachmann vielleicht doch noch mal posthum ein Buch veröffentlicht.

Cover des Buches Qual (ISBN: 9783453406124)
TanteGhosts avatar

Rezension zu "Qual" von Richard Bachman

TanteGhost
Ein Schubladenroman mit gewissen Stärken

Ein alter Stoff, aber nicht unbedingt ein schlechter Stoff. – Anders als erwartet aber auf seine Weise dann doch irgendwie spannend.


Inhalt: Blaze hat schon von Kindertagen an keine guten Zukunftsaussichten. Seine Mutter wurde ihm genommen, sein Vater nahm ihm durch Misshandlung die Intelligenz und das Waisenhaus, in dem er dann lebte, nahm ihm seine Menschlichkeit.

Blaze wird unter sehr widrigen Bedingungen erwachsen und gibt sich mit den falschen Leuten ab. Logisch, dass er auf die schiefe Bahn gerät. Doch mit seinem finalen Coup hat er sich dann wohl doch etwas übernommen.

Blaze entführt das Baby reicher Leute und will mit dem Lösegeld und dem Baby ein neues Leben anfangen. Doch seine mangelnde Intelligenz steht ihm im Weg, er macht fatale Fehler und irgendwann ist ihm die Polizei so dicht auf den Fersen, dass eine Flucht nicht mehr möglich ist.


Fazit: Das Original dieses Buches ist aus dem Jahr 2007, die deutsche Ausgabe aus dem Jahr 2009. Also schon ein etwas älterer Schinken. Und, wie Herr Bachmann selber sagt, ein Schubladenroman, den er wohl mal wieder ausgegraben hat und ihn etwas überarbeitet hat. 

Ich bin ohne Erwartungen an die Lektüre herangegangen und konnte mir unter Titel und Cover erst einmal nichts vorstellen. Ich habe es quasi auf mich zukommen lassen und habe es am Ende irgendwie nicht bereut.


Am Anfang dachte ich wirklich, dass es hier zwei männliche Protagonisten gab, die ihr Leben irgendwie versuchen zu leben. Doch irgendwann habe auch ich dann gerallt, dass einer der beiden hier wohl agierenden Jungs tot sein soll und nur als Geist im Kopf des Protagonisten existiert. – Ziemlich interessante Unterhaltungen, die die beiden so geführt haben. Irgendwie niedlich, wie sich ein beschränkter Geist auf imaginäre Hilfe verlassen kann. Ich bin davon überzeugt, dass das im wirklichen Leben, bei einer größeren psychischen Störung, durchaus auch so sein kann.

Blaze, der Protagonist, hat kein leichtes Leben gehabt. Immer wieder erfährt der Leser Begebenheiten aus seiner Zeit vor dem großen Coup, den er in diesem Buch durchziehen will. – Stellenweise wusste ich nicht, ob mir der Typ leidtun soll oder ob er einfach nur bestraft gehört. Aber wie er dann mitten im Coup drin ist und das Baby bei sich hat, hat er durchaus auch väterliche Gefühle und Zuneigung entwickelt. Man hätte diesen Umstand rein psychologisch durchaus noch größer ausarbeiten können und mehr Gefühle zulassen können. Diese naive Art, mit dem Kind umzugehen, hatte irgendwas an sich, was mich wirklich ziemlich fasziniert hat. Ich habe hier mich gesehen, die so unbedarft mit Kindern ist, dass ich wohl ähnlich agieren oder eher herumstümpern würde.

Die Story entwickelt sich langsam und nicht selten habe ich mich dabei erwischt, wie es mich angenervt hat, wenn immer diese Rückblenden in die Kindheit und Jugend des Täters gewesen sind. – Am Ende hat man diesen Täter so aber auch besser kennengelernt. Und auch gemerkt, dass sich ihm durchaus Chancen ergeben hatten, aber zum Teil dann auch wieder wie Seifenblasen zerplatzt sind.

So steigert sich die Handlung bis zum großen Finale, was mich aber dann nicht wirklich zufrieden gestellt hat. – Es hat mir nur wieder gezeigt, dass die amerikanische Polizei wohl immer erst schießt und dann fragt. Ich meine, dieser blinde Aktionismus hätte durchaus auch schief gehen können. Für das Kind! – Das Ende an sich ist dann fast schon unspektakulär. Das vermeintlich Gute hat gesiegt und der böse Mann hat mit seinem Leben bezahlt. – Aber für mich steht noch nicht mal fest, ob er wirklich böse war. Er hat doch Zuneigung für das Kind empfunden.


Das Buch war alt und durch die schon vorhandenen Leserillen sehr handlich. Es lag beim Lesen gut und leicht in der Hand.

Die Seitenaufteilung war augenfreundlich. Die Schriftgröße war angenehm und der Zeilenabstand war nicht zu groß und nicht zu klein. Fürs Dauerlesen war das alles sehr gut geeignet, was dann am Ende dazu geführt hat, dass ich das Buch in gerade einmal zwei Anläufen dann auch durch hatte.

An die Art, wie das alles erzählt war, musste ich mich erst einmal gewöhnen. Ich hatte lang kein Buch mehr von Stephen King oder seinem Alias. Deswegen war mir entgangen, wie verwirrend er mitunter schreiben kann. Und wenn ich ehrlich bin, habe ich die Turm-Reihe auch abgebrochen, seinerzeit. Das war zu sehr Drogenfantasie, als dass ich damit etwas anfangen konnte.

Nachdem ich mich dann aber an den Schreibstil gewöhnt hatte, hatte ich zum Teil ein wirklich gutes und realitätsnahes Kopfkino vor meinem geistigen Auge. Ich konnte mich in den Täter stellenweise sehr gut hineinversetzen und auch die winterliche Kälte, die hier geherrscht hat, ging mir stellenweise durch die Knochen.


Es ist ein altes Buch, aber für wirklich richtige Hardcorefans von Stephen King sollte es einfach dazu gehören. Einfach der Vollständigkeit halber.

Ein riesiger Burner war es jetzt nicht, aber auch kein Totalausfall.

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