Richard Barth

 4 Sterne bei 94 Bewertungen
Autor von Profi-Job für eine alte Dame, Der Pate läßt bitten und weiteren Büchern.

Lebenslauf von Richard Barth

Richard Barth, geboren 1974 in Amberg, studierte Anglistik, Geschichtswissenschaft und Biologie sowie Literarische Übersetzung aus dem Englischen. Er lebt als freier Übersetzer in München.

Quelle: Verlag / vlb

Alle Bücher von Richard Barth

Cover des Buches Heim schwimmen (ISBN: 9783423144971)

Heim schwimmen

 (31)
Erschienen am 27.05.2016
Cover des Buches Preußen (ISBN: 9783641128821)

Preußen

 (22)
Erschienen am 20.11.2013
Cover des Buches Leben als Konsum (ISBN: 9783868542110)

Leben als Konsum

 (4)
Erschienen am 10.10.2009
Cover des Buches Kabelsalat (ISBN: 9783813503883)

Kabelsalat

 (5)
Erschienen am 22.10.2012
Cover des Buches Für einen linken Populismus (ISBN: 9783518127292)

Für einen linken Populismus

 (4)
Erschienen am 10.09.2018
Cover des Buches Das Universum der Familie Ahuja (ISBN: 9783570011171)

Das Universum der Familie Ahuja

 (4)
Erschienen am 22.06.2010
Cover des Buches Das europäische Jahrhundert (ISBN: 9783570554241)

Das europäische Jahrhundert

 (3)
Erschienen am 31.08.2020
Cover des Buches Die Super-Klasse (ISBN: 9783442155880)

Die Super-Klasse

 (2)
Erschienen am 09.11.2009

Neue Rezensionen zu Richard Barth

Cover des Buches Heim schwimmen (ISBN: 9783803128379)G

Rezension zu "Heim schwimmen" von Deborah Levy

Ein süffiger Sommerroman, doppeldeutig, tiefsinnig.
Gwhynwhyfarvor einem Jahr

Der erste Satz: «Als Kitty Finsch das Lenkrad losließ, und zu ihm sagte, dass sie ihn liebe, da wusste er nicht mehr, ob sie sich mit ihm unterhielt oder ihm drohte.»


Die Luft vibriert vor Hitze. Sie sind aus London angereist, um wie jedes Jahr in diesem Haus bei Nizza ihre Ferien zu verbringen: Jozef und Isabel Jacobs, Schriftsteller und Kriegsberichterstatterin, begleitet von ihrer vierzehnjährigen, pubertierenden Tochter Nina. Dabei wie immer, das befreundete Ehepaar, Mitchell und Laura, dessen Laden gerade den Bach runtergeht, sie aber das Geld raushauen, als gäbe es kein Morgen mehr. Schweißnass angekommen, dann der Schreck: Im Pool treibt ein nackter Frauenkörper! Doch dieses wunderhübsche junge Ding namens Kitty Finch lebt. Angeblich hat sie die Buchungszeiten für das Haus verwechselt. Da kein Hotel mehr aufzutreiben ist, bittet Isabel sie, zu bleiben, denn ein Zimmer der Villa steht noch zur Verfügung. 


«Diese junge Frau war ein Fenster, das nur darauf wartete, dass jemand einstieg. Ein Fenster, das allen Anschein nach einen Sprung hatte.»


Die schräge Kitty, selbsternannte Botanikerin, läuft am liebsten nackt durch die Gegend und hat eine Menge Absonderlichkeiten zu bieten. Ihr Gepäck ist ziemlich klein, und als Bewunderin von dem großartigen Dichter Jozef Jacobs, führt sie alle Gedichtbände von ihm mit sich. Und sie wünscht sich nichts mehr, als dass der Dichter sich mit ihr und ihrem Gedicht «Heim schwimmen» beschäftigt. Dem Hippie-Hausmeister Jürgen passt das gar nicht, denn er ist schon lange scharf auf Kitty, die sich jederzeit bei ihm hätte einquartieren können.


«Der Geruch von verbranntem Zucker machte sie gierig auf die Nüsse, und sie hoffte, dass sie daran endlich ersticken würde. Ihre Nägel wurden spröde, ihre Knochen schwach, ihr Haar dünn und ihre Taille gehörte endgültig der Vergangenheit an. Sie hatte sich im Alter in eine Kröte verwandelt, und wenn irgendjemand mutig genug wäre, sie zu küssen, so würde sie sich nicht in eine Prinzessin zurückverwandeln, denn sie war nie eine gewesen.»


Die Ehe zwischen dem erfolgreichen Dichter und seiner Frau ist schon lange kaputt – genau darum ist sie Kriegsreporterin geworden, immer auf Achse. Hat Isabel Kitty eingeladen, um etwas zu provozieren, um diesem Possenspiel ein Ende zu setzen? Das Mädchen sei nicht ganz dicht, sagen die Leute im Ort. Zumindest sorgt sie gleich für Turbulenzen. Britischer Humor am türkisfarbenen Swimmingpool in Nizza bei sirrender Hite mit dem Geruch von Pinien und Lavendel zwischen den Blättern. Ein süffiger Sommerroman, der Spaß macht. Deborah Levy erzählt aber nicht nur eine Geschichte. Versteckt integriert sie viele kleine Randgeschichten um ihre Protagonisten – fein gezeichnete Charaktere, Menschen, die vom Leben enttäuscht wurden. Hier genügen ein paar Zeilen, eine kleine präzise Nebengeschichte, die der Figur eine Tiefe zu gibt. Zweideutigkeit liegt unter den Zeilen. Der schillernde Pool wird irgendwann trüb und modrig, «Insekten in verschiedenen Stadien des Todeskampfs» schwimmen darin. Die Masken fallen, das Schmutzige kommt nach oben, Deborah Levy entblättert die Protagonisten, bis sie alle nackt dastehen wie Kitty – denn niemand ist hier der, der er vorgibt zu sein. 


«Alles war wie vorher, nur ein klein wenig anders.»


Deborah Levy, 1959 in Südafrika geboren, lebt als Autorin in London. Nach einigen Prosaarbeiten schrieb sie vor allem Drehbücher und Theaterstücke, die unter anderem von der Royal Shakespeare Company aufgeführt wurden. Ihr erstes Buch auf Deutsch «Heim schwimmen» sorgte weltweit für Furore und war unter den Finalisten des Man Booker Prize 2012. 

https://literaturblog-sabine-ibing.blogspot.com/p/heim-schwimmen-von-deborah-levy.html

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Cover des Buches Für einen linken Populismus (ISBN: 9783518127292)C

Rezension zu "Für einen linken Populismus" von Chantal Mouffe

Braucht es einen linken Populismus, um rechtspopulistischen Tendenzen zu begegnen?
Catastrophiavor 2 Jahren

Ich habe dieses Büchlein als Einstieg in Chantal Mouffe gelesen, kenne aber bereits ein paar andere Vertreter aus der radikalen Demokratietheorie. Ich denke, dass das Buch als Einstieg ganz gut geeignet ist, man aber ein bestimmtes Vorwissen aus der politischen Theorie und insbesondere der linken Kritik an politischen Systemen, repräsentativer Demokratie etc. benötigt, um das Buch einordnen zu können. Mouffe fasst zwar in ihrem Buch einige der Kernaussagen ihres Hauptwerks mit Ernesto Laclau noch einmal zusammen, aber ich kann mir vorstellen, dass man diese nicht so ohne weiteres versteht. Im Kern geht es ihr darum, dass wir in unserer Gesellschaft nicht mehr konstruktiv debattieren und dadurch Probleme nicht bekämpfen können, mit denen bestimmte Bevölkerungsteile konfrontiert sind. Als Folge werden diese anfällig für Rechtspopulismus,  da dieser Forderungen formuliert, die im Kern eigentlich emanzipatorisch sind - d.h. beispielsweise die Forderung nach mehr Beteiligung oder Kritik an wirtschaftlicher Ungleichheit. Allerdings liefert der Rechtspopulismus keine Lösungen und ist eien Gefahr. Da die Linke (nicht als Partei, sondern die Bewegung) es aber bisher nicht geschafft hat, große Bevölkerungsteile hinter sich zu vereinen, muss sie ihre Strategie ändern und einen dezidiert linken Populismus entwickeln, um die Forderungen der Bürger*innen in progressive Forderungen zu übersetzen. Hier sollte erwähnt werden, dass Mouffe den Populismusbegriff anders versteht als die meisten von uns, die direkt an die AfD und Trump denken, und davon ausgeht, dass sich ein linker, "besserer" Populismus entwickeln lässt. Und genau hier kann man durchaus kritisch nachhaken, denn man sollte nicht unterschätzen, was für ein reaktionäres Potential in manchen Ängsten und Sorgen steckt und auch, wenn Mouffe herausstellt, dass nicht alle Anhänger*innen rechtspopulistischer Parteien deren Menschenfeindlichkeit teilen, sollte man nicht vergessen, dass diese Menschenfeindlichkeit für sie offenbar kein Problem ist. Deshalb frage ich mich ernsthaft, wie man eine politische Bewegung etablieren möchte, die keine reaktionären oder diskriminatorischen Elemente enthält - erst recht in einer Gesellschaft, in der Diskriminierung und Vorurteile weiterhin weit verbreitet sind. Es besteht die Gefahr, dass man sich für das höhere Ziel einer geschlossenen Bewegung möglicherweise auf Allianzen mit Gruppen oder Menschen einlässt, die nicht reflektiert oder sogar antiemanzipatorisch sind. Sarah Wagenknechts #aufstehen hat dies ganz gut gezeigt, da die Bewegung nicht in der Lage war, sich gegen bspw. islamistische Elemente zu positionieren. Trotzdem gebe ich dem Buch eine gute Bewertung, da ich es als Diskussionsgrundlage verstehe und definitiv der Meinung bin, dass aich die deutsche Linke sich durchaus andere soziale Bewegungen in Europa anschauen und von diesen lernen sollte, denn mit einer Sache hat Chantal Mouffe recht: Solange es keine linken Antworten auf eigentlich linke Themen gibt, wird der Zulauf zu rechtspopulistischen Parteien und Akteur*innen immer größer. Irgendeine Form von konstruktiver Diskussion muss entstehen, die Frage ist nur, wie viel man dabei bereit ist, an Idealen hintanzustellen.

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Cover des Buches Das europäische Jahrhundert (ISBN: 9783421047335)L

Rezension zu "Das europäische Jahrhundert" von Richard J. Evans

Umfassender Einblick in die Geschichte Europas bis 1914
Lesefreund6203vor 4 Jahren

Umfassender Einblick in die Geschichte Europas bis 1914

1815 war nicht nur das Jahr, in dem Napoleon Bonaparte endgültig an seinen imperialistischen Zielen gescheitert ist, sondern auch der Zeitpunkt, an dem die Folgend er französischen Revolution mitsamt ihren gewaltsamen Auswüchsen „in den Griff“ kamen und sich Europa begann, zu konsolidieren (auch wenn 1870/71 noch einmal ein deutsch-französischer Krieg ausgefochten wurde).

Fragen der Aufhebung der Leibeigenschaft (bis hin über die Mitte des 19. Jahrhunderts hinaus), der „demographische Übergang“ nach 1850, die Entwicklung sozialer Strukturen, die im modernen Sozialstaat im 20. Jahrhundert manifestiert wurden (Bismarcks Rente u.a.), all das zeigt einen Zeitraum auch grundsätzlichen Wandels auf, auch wenn das feudale System der Adelsherrschaft bis 1914 fast unangefochten noch vorherrschte.

Daneben weist dieser von Evans gewählte Zeitraum auch den Aufstieg und die Festigung der Nationalstaaten in Europa auf mitsamt kleinerer und größerer Revolten gegen „Vielvölkerreiche“ wie Österreich / Habsburg.

Was, klug gewählt, eben damit beginnt, dass sich Europa im Jahr 1815 trotz aller Kriege einen Vorsprung vor anderen „Weltreichen“ in Asien oder im Orient erarbeitet hatte. Einen Vorsprung, den Evans in seinen historischen Gegebenheiten im Buch sorgsam aufarbeitet, bis diese Vormachtstellung im ersten Weltkrieg durchaus nachhaltig ins Wanken geriet. Damit ist auch das Ende des Betrachtungszeitraums 1914 inhaltlich verständlich von Evans begründet.

Da Evans zudem einen „transnationalen“ Ansatz für seine umfassende Darstellung wählt, gelingt durch die Lektüre ein „globaler“ Blick auf diesen Zeitraum, der die Ereignisse und Entwicklungen in Europa in einen großen Zusammenhang stellt und den Blick auf Europa besonders schärft.

„Universalgeschichte ist etwas anderes, als die Summe der Einzelgeschichten“ (Lord Acton) und in diesem Sinne erfordert die Lektüre beim Leser Konzentration ob des breiten Rahmens, in den Evans seine Betrachtungen stellt, dafür erhält man dann aber auch einen breiten, globalen Blick auf die Epoche, in dem gerade die USA (kriegsentscheidend schon im ersten Weltkrieg) als „Mac hat von Außerhalb“ auch einen Spiegel vor die europäischen Verhältnisse setzt.

Europäischer Frühling, soziale Revolution, Aufstieg der Demokratie du die Auswirkungen des später überhand nehmenden Imperialismus sind dabei die Kernthemen, die Evans vor die Augen des Lesers stellt und diese mit den kulturellen Entwicklungen der Epoche („Eroberung der Natur“ als Erweiterung der Macht auch auf die Natur; „Das Zeitalter des Gefühls“) korrespondierend jeweils klar auf den Punkt formuliert. Mit einem besonderen Augenmerk auf die „Ungleichheit“ im Volk Europas. Denn nach Auflösung der Leibeigenschaft kam es nicht zu einer rasanten sozialen Angleichung, sondern neue Abhängigkeiten (gerade mit der beginnenden Industrialisierung verbunden) entstanden, mithin ein Wechsel vom Feudalismus zur Oligarchie und Plutokratie.

Aber auch der Kampf gegen bis dato tödliche Krankheit, das Zusammenwachsen der Welt durch transatlantische Kabel, die Emanzipation von religiösen Führungsansprüchen, später das Aufkommen der „Frauenbewegung“ oder die „Kraft des Kabaretts“, vielfach sind die betrachteten Themen und breit dadurch das entstehende Bild.

Somit ist diese Epoche natürlich vor allem eine Geschichte der Macht, der Auflehnung gegen ungerechte Lebensumstände, der Rebellion und der Gegenrevolution, eine Zeit aber auch, in der sich das Selbstverständnis Europas ebenfalls in den Nationalstaaten festigte.

Gute gelungen ist dabei in der Form auch, dass Evans in jedem Kapitel die Kernthemen anhand einer konkreten Person griffig als „Praxisbeispiel“ setzt und damit dem Leser auch emotional einen Zugang zum „Leben“ des jeweiligen Abschnitts der betrachteten Epoche gut ermöglicht.

Eine anregende, sachlich fundierte und mit „globalem Blick“ verfasste Geschichtsbetrachtung, die das heutige Europa in seiner Entstehung und seinen wichtigen inneren Linien bestens vor Augen führt.

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