Richard Birkefeld

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Autor von Wer übrig bleibt, hat recht, Deutsche Meisterschaft und weiteren Büchern.

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Wer übrig bleibt, hat recht

Wer übrig bleibt, hat recht

 (19)
Erschienen am 01.05.2007
Deutsche Meisterschaft

Deutsche Meisterschaft

 (5)
Erschienen am 01.09.2006
Ein Bier, ein Wein, ein Mord

Ein Bier, ein Wein, ein Mord

 (2)
Erschienen am 30.08.2012
Deutsche Meisterschaft

Deutsche Meisterschaft

 (1)
Erschienen am 23.07.2009
Mörderisches Hannover

Mörderisches Hannover

 (0)
Erschienen am 04.11.2016
STERBEN IST TÖDLICH

STERBEN IST TÖDLICH

 (0)
Erschienen am 01.03.2014

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Rezension zu "Deutsche Meisterschaft" von Richard Birkefeld

Menschen, Mörder und Motoren.
Gulanvor 2 Jahren

„Ganz schönes Zigeunerlager hier. Ausländer überall. Ausländische Maschinen. Wer ist denn besser?“ Der Major steckte die leere Zigarettenspitze in seine Innentasche.

„Mal so, mal so. Hensch hat gerade auf einer Blackburne gewonnen.“

„So, so – ein Deutscher auf einer ausländischen Maschine, das grenzt ja an Verrat.“ Der Gesichtsausdruck des Majors blieb gleichmütig.
Falk zuckte die Achseln. „Wie du immer sagtest, nur das Beste setzt sich durch.
Dann müssen wir arbeiten. Wir müssen besser werden in allen Bereichen. Wir müssen alles beherrschen! Dürfen uns nicht abhängen lassen!“ Der Major ließ kurz seinen Blick über das Stadionrund schweifen. „Ein Krieg der Motoren. Das scheint ja alles sehr interessant zu sein.“ (S. 125)

Das Rennen um die Deutsche Motorrad-Straßenmeisterschaft im Jahre 1926 ist im vollen Gange. Unter den aussichtsreichen Fahrern sind auch Arno Lamprecht und Falk von Dronte. Doch als in direktem Umfeld der Straßenrennen Leichen mit abgetrenntem Kopf gefunden werden und auch in einem Forst bei München eine kopflose Leiche auftaucht, geraten beide unter enormen Druck. Lamprecht wird wegen der Umstände des Todes seiner Frau vor einigen Jahren direkt von der Polizei verdächtigt und auch von Dronte wird durch den Leichenfund in München von seiner Vergangenheit eingeholt.

Die beiden Autoren Richard Birkefeld und Göran Hachmeister sind Historiker, mit ihrem Kriminalroman „Wer übrig bleibt, hat recht“ gelang ihnen 2002 ein vielbeachtetes Debüt (Glauser und Deutscher Krimi Preis). Schon in ihrem Erstlingswerk wahrten sie mit einem raffinierten Kniff in die Figurenkonstellation auf: Das vermeintliche „Opfer“, ein entflohener KZ-Häftling, wird zum Rächer und Mörder, ein SS-Mann soll ihn stoppen. In „Deutsche Meisterschaft“ wird die Geschichte abwechselnd durch zwei personale Erzähler vorgetragen und auch hier gibt es leicht vertauschte Rollen.

Der Protagonist, dem übel mitgespielt wird, ist Arno Lamprecht, Karacho-Lamprecht, tollkühner Außenseiter in der deutschen Motorradstraßenmeisterschaft. Er ist ein eher grober Kerl, ein Spieler, Trinker, hat nach dem Krieg nie wieder richtig ins Leben gefunden. Schließlich wachte er 1923 neben seiner toten, enthaupteten Frau auf. Er wurde des Mordes verdächtigt, brutal von der Polizei verhört, aber letztlich laufen gelassen, als festgestellt wurde, dass der Kopf seiner Frau post mortem abgetrennt wurde, nachdem sie an den Folgen einer illegalen Abtreibung gestorben war. Doch Lamprecht Ruf ist ruiniert und als am Rande der Rennen enthauptete Leichen auftauchen, ist klar, dass er direkt ins Visier der Polizei gerät. Unter Druck versucht er denjenigen zu finden, der seiner Frau den Kopf abgetrennt hat, denn dieser könnte nun auch der Serienmörder sein.

Auf der anderen Seite ist Falk von Dronte, auch er ein Motorrad-Ass. Ein junger Mann aus adligen Verhältnissen, gebildet, kultiviert, liiert mit Thea, einer modernen, clevernen Frau, die alle um ihren Finger wickelt. Und doch ist dieser Mann ein Mörder. Er kam als junger Soldat im November 1918 nicht mehr bis zur Front und geriet stattdessen in die Fänge rechter Freikorpsler, die in dem Jungspund einen willigen Abnehmer ihrer Dolchstoß-Legenden fanden und der sogar bereit war, in den Wirren vor den Hitler-Putsch einen vermeintlichen Verräter zu liquidieren. Danach brachte ihn die Begegnung mit Thea wieder auf die richtige Bahn. Doch nun, mitten in der Meisterschaftsserie, holt ihn die Vergangenheit wieder ein. Die Leiche des „Verräters“ wurde gefunden, „kopflos“, und der Auftraggeber ,Major von Groß, verlangt von ihm nachdrücklich, dass er die Sache ins Reine bringt. Somit ist auch von Dronte wie Lamprecht auf der Suche nach einem „Kopfabschneider“. Zwangsläufig kommen die beiden erbitterten Rivalen sich in die Quere – nicht nur auf der Rennstrecke.

Apropos Rennstrecke, das Rennen um die Deutsche Motorrad-Straßenmeisterschaft als Rahmen der Handlung haben Birkefeld und Hachmeister grandios und faszinierend in Szene gesetzt. Die verschiedenen Strecken, das Fahrerlager, aber vor allem die Rennen selbst. Tollkühne Fahrer, begeisterte Zuschauer. Man kann förmlich den Schweiß, den Benzingeruch und den Bremsabrieb riechen. Aber die Rennen sind damals auch ohne Serienmörder extrem gefährlich, Verletzte und Tote bei Fahrern und Zuschauern sind keine Seltenheit.

Abseits der Motorradrennen zeichnen die Autoren ein authentisches Bild Deutschlands im Jahre 1926. Die Republik ist ein wenig zur Ruhe gekommen. Der Reichstag setzt sogar einen Ausschuss ein, um die Fememorde der politischen Radikalen in den Anfangsjahren der Republik untersuchen zu lassen. Das kann jedoch nicht im Sinne der Braunhemden, Freikorps-Anhänger und Deutschnationalen sein, die sich nun (nach dem grandiosen Scheitern des Putsches vom 09.November 1923) anschicken, den Marsch durch die Parlamente anzutreten. Die Autoren lassen aber auch immer wieder weitere Kleinigkeiten als zeitgenössische Aspekte der damaligen Zeit einfließen: Der Kampf gegen den §218, die Anfänge des Rundfunks, ein Varietétheater.

„Deutsche Meisterschaft“ ist für mich ein echtes Highlight im Genre des historischen Kriminalromans. Spannend, temporeich, mit einem ungewöhnlichen Plot und ungewöhnlichen Hauptfiguren und dabei wird noch ein interessantes Bild der damaligen Zeit vermittelt.

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TheSilencers avatar

Rezension zu "Wer übrig bleibt, hat recht" von Richard Birkefeld

Ein Stück Geschichte
TheSilencervor 3 Jahren

Berlin, 1944. Während die Alliierten vorrücken und Berlin in Schutt und Asche legen, haben zwei Männer ihr Schicksal zu meistern.

Der eine war ein überzeugter Nationalsozialist, bis er wegen einer Führer-Beleidigung selbst in jene Lager wanderte, von denen man nur hinter vorgehaltener Hand erzählt. Als Bomben sein Straflager zerstören, kann Ruprecht Haas fliehen und macht sich auf in seine alte Heimat Berlin, die er nicht wiederkennt. Die Suche nach seiner Frau und seinem Sohn und dem Denunzianten, der ihm zehn Jahre nicht überlebbares Straflager einbrachte, erwecken in ihm das Tier.

Der andere ist ein zweifelnder SS-Offizier. Vor dem Krieg war er Kriminalbeamter und als solches wird er aus einem Kriegslazareth nach Berlin geholt, um eine Mordserie aufzuklären. Während er mit seiner eigenen Verantwortung hadert und den Endsieg längst aufgegeben hat, manipuliert er seine Ermittlungsergebnisse, die den Täter längst aufzeigen, ihn nach Abschluß aber wieder an die Front schicken würden. Und Kalterer möchte auch noch die Gelegenheit in Berlin nutzen, seine Ehefrau zurückzugewinnen, die sich von ihm trennte, als sie von den Greueltaten der SS erfuhr.

Beide Wege treffen sich irgendwann. Jedoch völlig anders als erwartet.

Das Autoren-Duo Birkefeld & Hachmeister liefern keinen geschichtsschuldigen Roman ab, sondern machen ihn zu einem Stück Zeitgeschichte. Das Grauen der Braunen ist spürbar, genauso wie die drohende Strafe, ergibt man sich nicht dem Endsieg-Gespenst.

Fesselnd, realistisch - der Fliegeralarm ist hörbar.

Ein Muß für jene, denen Erzählungen der Eltern und Großeltern nicht ausreichen. Das passende Mittelstück zwischen Robert Merles Der Tod ist mein Beruf und Pierre Freis Onkel Toms Hütte, Berlin.

Von den beiden Autoren ist 2009 ein weiterer Krimi erschienen, dieser spielt in der Weimarer Republik: Deutsche Meisterschaft.

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wampys avatar

Rezension zu "Wer übrig bleibt, hat recht" von Richard Birkefeld

Ein absoluter Kracher
wampyvor 3 Jahren

Buchmeinung zu Birkefeld & Hachmeister – Wer übrig bleibt, hat recht

„Wer übrig bleibt, hat recht“ ist ein Kriminalroman von Richard Birkefeld und Göran Hachmeister, der 2002 bei Eichborn erschienen ist. Die Taschenbuchausgabe erschien 2004 bei Deutscher Taschenbuch Verlag. Die beiden Autoren sind Historiker mit dem Schwerpunkt Kultur- und Sozialgeschichte im frühen 20. Jahrhundert.

Kurzbeschreibung:
1944, irgendwo in Deutschland. In einem Militärkrankenhaus kuriert Hans Kalterer, brillanter Geheimdienstpolizist im Dienst der SS, eine Schußverletzung aus - und macht sich Gedanken über seine Zukunft. Er will zurück zur Kriminalpolizei - und zu seiner Frau Merit, die ihn verlassen hat, weil sie seine Arbeit für das NS-Regime nicht länger ertragen hat. Als in Berlin ein hochrangiger Parteigenosse ermordet wird, sieht Kalterer seine Chance gekommen. Die von höchster Stelle angedeuteten politischen Motive entpuppen sich nach einem weiteren Mord als scheinbarer Irrweg: alle Indizien deuten auf einen entflohenen KZ-Häftling, der für den von den Mitbewohnern seines Hauses verschuldeten Tod an seiner Familie offenbar grausam Rache nimmt. Während die Stadt in Schutt und Asche versinkt, macht sich Kalterer inmitten von Mitläufern, Plünderern und Kollaborateuren, von alten Nazis und neuen Regimegegnern, auf die Suche nach dem Täter - und nach einem moralischen Standort, der ihm eine Zukunft möglich macht.
 
Meine Meinung:
Vordergründig geht es um eine Mordserie in Berlin im Winter 1944, der auch ein hochrangiger Parteigenosse zum Opfer gefallen ist. Der SS-Offizier und Ex-Kriminalbeamte Kalterer wird zu seiner Überraschung mit der Suche nach dem Mörder beauftragt. Er nimmt diesen Auftrag gern an, hält er ihn doch von der Kriegsfront fern und gibt ihm die Gelegenheit, an seinen privaten Problemen zu arbeiten. Bauchschmerzen bereiten ihm seine Auftraggeber, denn eigentlich gibt es keinen Grund, warum er sich um diesen Fall kümmern sollte. Sein Gegenspieler ist der entflohene KZ-Häftling Ruprecht Haas. Der Leser begleitet die beiden Protagonisten abwechselnd auf ihrem Weg in einer siechenden Stadt. Durch diese Perspektivwechsel gelingt es den Autoren bestens, die Motive und das Gefühlsleben der beiden Männer zu beschreiben. Ihr Verhalten war für mich jederzeit nachvollziehbar und ich empfand für beide so etwas wie Sympathie, und das, obwohl beide alles andere als nette Zeitgenossen sind. Ruprecht Haas ist auf einem unbarmherzigen Rachefeldzug, Hans Kalterer ist auf der Suche nach einem Weg, der ihm ein normales Leben nach dem Krieg sichert. Gefühlt sitzen die wahren Fieslinge irgendwo im Hintergrund und Kalterer und Haas sind ihre Marionetten.
Eine besondere Stärke des Romans liegt in der atmosphärisch dichten Beschreibung des Lebens im Berlin dieser Zeit. Es ist faszinierend zu lesen, wie das Leben trotz aller Widrigkeiten irgendwie weiter geht. Ein gelungener Schachzug ist die Figur der Frau Kalterer, die ihren Mann wegen seiner Nähe zum regierenden Regime verlassen hat. Dabei bleibt der Roman jederzeit spannend, auch wenn Täter- und Opferrollen frühzeitig vergeben zu sein scheinen. Die Diskussion um Schuld und Verantwortung und ob man sich der Verantwortung entziehen kann, hält den Spannungsbogen hoch.
Ein weiteres Highlight ist der Epilog, der eine Szene aus dem Nachkriegsberlin beschreibt.

Fazit:
Dieser Roman ist für mich ein Meisterwerk. Er ist atmosphärisch dicht, fasziniert mit ungewöhnlichen Protagonisten in einer mir unbekannten Umgebung. Doch die große Stärke dieses Romans ist, das er zum Nachdenken anregt und auf erhobene Zeigefinger verzichtet. Fünf Sterne und eine uneingeschränkte Leseempfehlung!

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